Giuseppe Verdis „Macbeth“ nach dem Drama von William Shakespeare gilt als eines seiner düstersten Werke. Von einer erfolgreichen Schlacht heimgekehrt, wird General Macbeth von Hexen prophezeit, dass er König von Schottland werde. Angestachelt von seiner Frau tötet er zunächst den amtierenden König Duncan – und lässt auch seinen Freund Banco und die gesamte Familie des Widersachers Macduff umbringen. Am Ende sind er und seine Frau ebenfalls tot, Duncans Sohn Malcolm besteigt den Thron.

Üblicherweise sieht man „Macbeth“ als finsteres Drama über Machtgier und moralischen Verfall. Herbert Fritsch (neben Regie auch Bühne und Kostüme) betrachtet das Killerpaar dagegen als normale Menschen. Bei der ersten Begegnung springt die zierliche Heather Engebretson dem viel größeren Iain MacNeil vor Freude auf den Arm. Mal hängt sie als Pendel an seinem Hals, mal schieben sie – gymnastisch durchaus anspruchsvoll – eine schnelle Nummer. Aber auch Angst und Verzweiflung zeigen die beiden Hauptfiguren: von kalter Mordlust keine Spur!

Die rot glänzende Bühne ist zugleich Hölle, Privatgemach und Showroom. Fünf hintereinander gestaffelte, sich verjüngende Bögen verleihen Tiefe. Alle atmosphärischen Veränderungen werden durch die großartige Lichtregie von Cornelius Hunziker initiiert, der auch mit fahrbaren Scheinwerfern arbeitet, Wände optisch wackeln lässt und mit Schattenspiel Dramatisches ankündigt.

Die Präzision der Inszenierung findet sich auch in der musikalischen Interpretation des Sinfonieorchesters Basel unter Dirk Kaftan. Schon in der Ouvertüre stellt er die Register holzschnittartig gegenüber: hier die kreischenden Piccoloflöten, dort das scharfe, dunkle Blech. Vor allem sorgt der Bonner Generalmusikdirektor an diesem Abend für feinste dynamische Abstufungen besonders im Pianobereich. Die tänzerischen Passagen mit den typischen Nachschlägen haben Rossini’sche Leichtigkeit, der Orchesterklang ist stets gut artikuliert und bestens dosiert. Nur bei ein paar Stellen hapert es ein wenig in der Abstimmung mit dem szenisch stark geforderten, stimmlich flexiblen Chor (Leitung: Michael Clark).

Macbeth trägt wie fast alle anderen ein opulentes schwarzes Kostüm – mit Pluderhose, Wams und Riesenkragen. Iain MacNeil bewältigt nicht nur alle körperlichen Herausforderungen wie Radschlagen mit größter Souveränität, sondern glänzt auch mit seinem durchdringenden, metallisch gefärbten Bariton. Heather Engebretson, als Einzige ganz in Weiß, fasziniert mit enormer Bühnenpräsenz und beweglichem, vielschichtigem Sopran – ihre Lady Macbeth wird zur Sympathieträgerin. Sam Carl gibt einen bassmächtigen Banco, Rolf Romei einen Macduff mit blödem Fransenpony und tenoraler Wucht. Am Ende wird der trottelige, ständig seine Krone verlierende Malcom (Ervin Ahmeti) zum König gekrönt und das Volk fällt zur Siegeshymne in Ohnmacht. Ob das noch was wird in Schottland?

Georg Rudiger

„Macbeth“ (1847/65) // Melodramma von Giuseppe Verdi

Infos und Termine auf der Website des Theaters Basel