Ältere Karlsruher Theaterbesucher schwärmen noch heute von Benjamin Brittens Zauberoper „Ein Sommernachtstraum“, die 1982 ihre Karlsruher Erstaufführung erlebte. Vor allem die Ausstattung des weltberühmten dänischen Designers Bjørn Wiinblad verströmte einen bis heute nachhaltigen Reiz. Nun findet die Oper erneut ihren Weg auf die Bühne des Badischen Staatstheaters, inzwischen natürlich in englischer Sprache und unter dem originalen Titel „A Midsummer Night’s Dream“.

Und was soll man sagen: Die neue Produktion von François de Carpentries in der Ausstattung von Karine Van Hercke lässt die Zuschauer wieder genauso verzaubert zurück, wie es Joachim Fontheims Inszenierung schon vor 44 Jahren tat. Man erlebt, was Theater abseits von unsinnigen Regie-Kapriolen immer noch sein kann: pure Magie, mit Bühnenbildern, welche die Augen von Jung und Alt zum Glänzen bringen, mit geschmackvollen Kostümen und einer Personenführung, die selbst in den heiklen Handwerkerszenen nicht in Klamauk verfällt.

Das bemerkenswert homogene Ensemble wird von Lidor Mesika (Gewinner des Nachwuchspreises beim letztjährigen Farinelli-Wettbewerb) als Oberon und Martha Eason als Titania angeführt. Doch der eigentliche Star, Auslöser der Verwirrungen und Liebling des Publikums, ist der hinreißende Edward Lee als Puck. Er ist nicht nur als exzellenter Sprecher, sondern auch als wahrer Meisterturner gefordert. Die beiden Liebespärchen finden in Brett Sprague (Lysander), Marie-Sophie Janke (Hermia), Tomohiro Takada (Demetrius) und Ina Schlingensiepen (Helena) überzeugende Vertreter. Als Theseus und Hippolyta assistieren Don Lee und Melanie Lang. Aus der Gruppe der Handwerker ragt Oğulcan Yılmaz als Bottom heraus, doch auch Klaus Schneider als Flute gelingt ein echtes Kabinettstückchen.

Neben dem Puck gibt es indes einen zweiten Publikumsliebling und zwar den hervorragenden Kinder- und Jugendchor Cantus Juvenum, der nicht nur den großen Chorpart übernimmt, sondern auch stark in die Choreografie von Daniel Morales Pérez eingebunden ist. Auch die vier Soloelfen Mustardseed, Peaseblossom, Cobweb und Moth wurden aus den Reihen des Cantus Juvenum besetzt.

GMD Georg Fritzsch nimmt sich selbst der reizvollen, aparten Partitur an, die mit Celesta, doppelter Harfe und reichlich Percussion einen Klangteppich erzeugt, welcher die drei Spielebenen – die Feenwelt, das Geschehen am Athener Hof und die „tieftraurige Komödie“ der Handwerker – klar voneinander abhebt. Die Badische Staatskapelle scheint ganz in ihrem Element und setzt somit der gelungenen Produktion (die in zwei Jahren auch in Linz aufgeführt werden wird) das i-Tüpfelchen auf. Große Begeisterung.

Manfred Kraft

„A Midsummer Night’s Dream“ („Ein Sommernachtstraum“) (1960) // Oper von Benjamin Britten

Infos und Termine auf der Website des Badischen Staatstheaters Karlsruhe