Schon als sich der Vorhang hebt, korrespondiert die farbenprächtige Ausstattung von Markus Meyer kongenial mit dem „Strauß“ bunter Nino-Rota-Melodien, die sich aus dem Orchestergraben ins Ohr schmeicheln. Ähnlich wie seine weltberühmten Soundtracks zu zahlreichen Fellini-Filmen (u.a. „La strada“, 1954) und dem Oscar-prämierten „Der Pate II“ (1974), die sich hier ein Stelldichein geben mit ihren intelligent-charmanten Anleihen bei Rossini, Puccini, Donizetti, Mozart, Offenbach, Verdi und Johann Strauss (Sohn).

Rund 150 Filmmusiken hat Nino Rota (1911-1979) komponiert, dazu auch Opern, Sinfonien, Klavierkonzerte, Ballettmusiken und anderes mehr. Aber nur seine 1944/45 zusammen mit seiner Mutter geschriebene und zehn Jahre später uraufgeführte Opera buffa „Il cappello di paglia di Firenze“ („Der Florentiner Hut“) hat sich weltweit im Repertoire der Opernbühnen einen Platz erobert. Vielleicht auch deshalb, weil die literarische Vorlage „Un chapeau de paille d’Italie“ (1851) von Eugène Labiche und Marc Antoine Amédée Michel einer der Klassiker der französischen Boulevardkomödie des vorletzten Jahrhunderts ist, die später auch auf der Leinwand (u.a. 1939 mit Heinz Rühmann) erfolgreich war.

Das Kino – genauer gesagt der Stumm- und frühe Tonfilm – standen auch Pate beim deutschen Regiedebüt der Schottin Laura Attridge. Denn die abstruse Geschichte wirkt bisweilen wie eine Slapstick-Comedy à la Chaplin, Keaton und Marx Brothers. Nur leider fehlt Attridges Inszenierung das präzise Komödientiming und letztlich auch ein Ensemble, das das umsetzen kann. Was besonders an der Figur des Fadinard deutlich wird, dem Zicong Han so gar kein schauspielerisches Charisma zu verleihen vermag. Und auch der von Ulrich Zippelius gesanglich überzeugend „eingestellte“ Chor kann seine Opern-Bräsigkeit nie ganz abstellen, trotz der spielerischen Eleganz von Rotas Kompositionen. Die hat das Sinfonieorchester Wuppertal unter dem leichthändigen Dirigat von Yorgos Ziavras andererseits geradezu „italienisch“ verinnerlicht.

Auf dem Weg zu seiner Hochzeit knabbert Fadinards Pferd einen an einem Gebüsch hängenden Strohhut an – dahinter vergnügt sich Anaide (schöner Sopran: Elena Sverdiolaitė) mit Emilio (wohlklingender Bariton: Zachary Wilson). Da Anaide ihrem eifersüchtigen Mann Beaupertuis (gesanglich souverän: Oliver Weidinger) ohne Hut nicht unter die Augen treten kann, nötigen die Ertappten Fadinard, einen Neuen zu besorgen – und warten derweil in seiner Wohnung. Dort treffen wir auf den stets übelgelaunten Brautvater (mit warmem Bass: Agostino Subacchi) und die mittlerweile eingetroffene Hochzeitsgesellschaft. Die folgt Fadinard dann auf seiner Suche nach einem Hut, die ihn zu einer Modistin (klangschöner Sopran: Marianna Ortugno) und zu einem Hauskonzert der Baronin von Champigny (glasklarer Mezzosopran: Edith Grossmann) führt. Nach weiteren Verwicklungen können Fadinard und Elena (mit strahlendem Sopran: Francesca Chiejina) happy-endlich die „Yellow Brick Road“ ins Eheglück beschreiten – „The Wizard of Oz“ lässt grüßen!

Rolf-Rüdiger Hamacher

„Il cappello di paglia di Firenze“ (1955) // Farsa musicale von Nino Rota

Infos und Termine auf der Website der Oper Wuppertal