Man nehme zwei Romane von Jules Verne („Von der Erde zum Mond“ und die „Reise um den Mond“), mixe daraus jeweils die Hälfte eines Singstücks und benenne es Oper – wobei bei einer Oper ja grundsätzlich die dramatische Handlung durch Gesang dargestellt wird. Auf dieser Reise jedoch ist der Sprechanteil beachtlich. Und so richtig „dramatisch“ ist es auch nicht.

Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg langweilt sich der Kanonenclub von Baltimore, bis dessen Präsident Impey Baricane (sehr überzeugend: Thomas Berau) verkündet, ein Geschoss mittels Kanone auf den Mond schießen zu wollen. Captain Nicholl (Thomas Jesatko) bezweifelt den Erfolg und wettet dagegen. Die Vorkehrungen werden getroffen, mit Michel Ardan (sehr spiel- und singfreudig: Raphael Wittmer) meldet sich noch ein Abenteurer aus Frankreich für die Reise an. Dieser überredet – mit einer Musicalnummer als „Grande Ballade“ – Nicholl und Baricane zum Mitflug. Donner. Abschuss. Pause.

Während des Fluges („Das All ist groß mit nichts darin“) begegnet man einem Asteroiden, einem Blumentopf und sieht (warum auch immer) einen namenlosen Wal. Das Libretto wurde verfasst von Jan Dvořák, vermutlich gerade zum Zeitpunkt der Timmy-Schlagzeilen. Ein Hund namens Trabant stirbt. Die ansonsten in der Einführung und im Programmheft bemühten Vergleiche mit dem „Drängen des Menschen nach Fortschritt“, einer Kritik an Elon Musk oder Trump etc. finden sich im Stück eher nicht wieder.

Den Mond erreicht man nicht, sondern umfliegt diesen lediglich. Luna (stimmgewaltig: Neža Vasle) – die bei Jules Verne gar nicht vorkommt – hat ihren großen Auftritt, fügt sich aber ansonsten in die Handlung nicht weiter ein. Und damit man nun den Mond nicht auf alle Ewigkeiten umkreisen muss, nutzt man die letzte Kraft des Fluggeräts und kehrt auf die Erde zurück. Um das Bedauern wegen des Fehlschlags zu minimieren, nimmt man alsdann das nächste Großprojekt in Angriff, die Begradigung der Erdachse. Warum auch immer. Droht gar eine Fortsetzung?

Der Komponist und Lokalmatador Alexander R. Schweiß bedient sich in der musikalischen Untermalung zahlreicher Zitate und Anlehnungen. So hat man gleich zu Beginn das Gefühl, Elemente der „Dreigroschenoper“ zu vernehmen, man hört Meat Love heraus, Queen, einen Werbejingle. Kann man machen, aber aus dieser Aneinanderreihung der oftmals grundverschiedenen Nummern inklusive des Musical-Elements wird noch kein in sich stimmiges Stück.

Regie, Bühne und Kostüme verantwortet allesamt Nigel Lowery, der die Bühne durchaus humorvoll im Stile einer Schießbude ausgestaltet hat und dem gerade für die Darstellung der Rakete großer Dank zu zollen ist.

Das Orchester leitet Anton Legkii, der in der Ausweichspielstätte OPAL (Oper am Luisenpark) auch die wohl überzeugendste Arbeit des Abends abliefert. Zahlreiche „Sonderinstrumente“ wie eine hohe Trompete, ein Harmonium oder ein Benjo bereichern das Stück nachhaltig.

Am Ende – im erkennbar nicht ausverkauften Haus – zunächst verhaltener Applaus, bis (wohl) aus dem „Friends and Family“-Block stürmische Beifallsbekundungen starten. Andernorts sieht man eher ratlose Gesichter. Ob es Jules Verne gefallen hätte? Wer weiß …

Torsten Kutschke

„Reise zum Mond“ (2026) // Abenteueroper von Alexander R. Schweiß (Musik) und Jan Dvořák (Libretto)

Infos und Termine auf der Website des Nationaltheaters Mannheim