Während man an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia an einem halbszenischen „Siegfried“ arbeitet, zeigt das Teatro dell’Opera di Roma einen neuen „Falstaff“ – vielleicht nicht zufällig die Oper Verdis, die dem Kompositionsstil Wagners am nächsten kommt, nämlich ohne jegliche Nummern. Man spricht ja gelegentlich auch von der Konversion Wagners und Verdis in dessen letzter Schaffensphase.

Tatjana Gürbaca führt Regie in einem recht spartanischen Bühnenbild von Henrik Ahr. Er stellt eine Mischung aus grauem Betonbunker und modernistischem Kirchenbau auf die Bühne. Das Ganze rotiert freudig auf der Drehbühne, ohne aber viel an Fantasie zu kreieren. Die Kostüme von Silke Willrett vermögen mehr zu überzeugen, wenn man von dem allzu profanen knallroten Trainingsanzug von Ford als Tennisspieler absieht. Falstaff bekommt eine übergroße Fell-Hose, einem kanadischen Trapper ähnelnd, mit eingelegtem und demonstrativ zur Schau gestellten Kissen-Bauch. Das bringt ihn dann in die Rolle, die er hier ja durchaus spielen soll. Das allgemein gute Licht von Stefan Bolliger kann manche Szene effektvoll aufladen.

Das Wichtigste in dieser Optik ist die weitgehend gelungene Personenregie der Regisseurin, die alle Figuren in ein bewegtes, abwechslungsreiches Licht rückt und dabei immer mit dem im „Falstaff“ nötigen Schuss Humor versieht. An der Spitze des exzellenten Sänger-Ensembles liefert Luca Salsi eine ganz spezielle und stets einnehmende Rollenstudie des alten selbstverliebten Mannes. Er beherrscht das Geschehen von Anfang bis Ende und bringt neben enormem Humor auch einige Tiefgründigkeit in die Rolle ein. Sein farbiger und ausdrucksstarker Bariton ist wie für das italienische Fach geschmiedet. Salsi ist nun einer der ganz großen Vertreter seiner Zunft, wie einst Renato Bruson und Piero Cappuccilli.

Ganz ausgezeichnet singen und spielen Maria Agresta als Alice Ford, Carmen Artaza als Meg Page und Marina Monzò die Nannetta, alle auch mit großem darstellerischem Einsatz. Die altbekannte Violeta Urmana – man erinnert sich an ihre Bayreuth-Auftritte – gibt eine köstlich humoristische und etwas Ruhe ins lebhafte Geschehen bringende Mrs. Quickly. Ford ist mit George Petean ebenfalls erstklassig besetzt, den Fenton singt Pietro Adaini. Carlo Bosi ist Dottore Cajus, Paolo Antognetti Bardolfo und Gabriele Sagona Pistola.

Michele Mariotti dirigiert mit zügigem Tempo und viel Verve das Orchestra del Teatro dell’Opera di Roma und weiß auch den Chor des Hauses, von Ciro Visco einstudiert, zu guter Entfaltung zu bringen.

Dr. Klaus Billand

„Falstaff“ (1893) // Commedia lirica von Giuseppe Verdi

Infos und Termine auf der Website des Teatro dell’Opera di Roma