{"id":13696,"date":"2026-08-12T16:08:08","date_gmt":"2026-08-12T14:08:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?page_id=13696"},"modified":"2026-08-14T10:49:06","modified_gmt":"2026-08-14T08:49:06","slug":"friedman-gedenkrede-bayreuth","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/friedman-gedenkrede-bayreuth\/","title":{"rendered":"\u00dcber Bayreuth, \u00fcber Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-text-align-center font-montserrat-alternates\" style=\"font-size:24px\"><strong>Michel Friedman: Gedenkrede anl\u00e4sslich 150 Jahre Bayreuther Festspiele<br>Festspielhaus Bayreuth, 26. Juli 2026 (Skript aus dem Tondokument)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:80px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Ich musste gerade an meinen Vater denken, der mir immer gesagt hat: \u201eEin Mensch kann die Welt ver\u00e4ndern, wenn\u2019s auch nur seine ist und die kleine.\u201c Ich m\u00f6chte ausdr\u00fccklich sagen, dass Katharina Wagner gerade die Erinnerungskultur von Bayreuth ver\u00e4ndert und daf\u00fcr m\u00f6chte ich mich bedanken. Ich m\u00f6chte mich auch bedanken, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Ich gehe davon aus, aus Neugier, aber vielleicht auch aus Sympathie. Ich muss Ihnen ehrlich gestehen, dass ich heute Nacht sehr schlecht geschlafen habe, denn die Erwartungshaltung, die aufgrund der Ausladung, Einladung, Ausladung, Einladung entstanden ist, kann von einem Menschen, der ich nun mal bin, wahrscheinlich nicht erf\u00fcllt werden. Ich bitte im Voraus um Entschuldigung, wenn ich Sie entt\u00e4usche.<\/p>\n\n\n\n<p>Katharina Wagner war eben, bevor wir uns hier begegnen, offiziell und \u00f6ffentlich und besichtigte die Ausstellung \u201eVerstummte Stimmen\u201c. Ein Kantor der j\u00fcdischen Gemeinde sprach Gebete in hebr\u00e4ischer Sprache aus. Ich, ein j\u00fcdischer Mensch, stehe heute im Festspielhaus. Das alles haben wir unter den Augen von Richard Wagner getan. Ich wei\u00df nicht, ob er sich ge\u00e4rgert hat. Ich wei\u00df nicht, ob er sich gewundert hat. Ich m\u00f6chte gern noch mal meinen Vater zitieren, der mir gesagt hat: \u201eMichel, gib nie auf. Es ist nie das letzte Wort gesprochen und Du bist nicht hilflos.\u201c Die Tatsache, dass ich heute hier stehe, zeigt, dass mein Vater Recht hat. Auch ich werde jetzt nicht das letzte Wort haben, aber heute habe ich das Wort und der Antisemit Richard Wagner muss zuh\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Judenhass ist keine deutsche Erfindung. Sie ist die Erfindung der ersten globalen Macht, die Fake News in die Welt gesetzt hat. Sie brauchte keine Bots, sie hatte Missionare. Die katholische Kirche erz\u00e4hlte fast 2000 Jahre, Juden haben Jesus umgebracht. Aus dieser Grundgeschichte, die in die ganze Welt erz\u00e4hlt wurde, eine L\u00fcge, wird eine Tatsache, die nie eine Tatsache wird, sondern eine L\u00fcge bleibt, wie auch heute, wenn man uns L\u00fcgen erz\u00e4hlt, diese L\u00fcgen immer L\u00fcgen bleiben, auch wenn Millionen Menschen sie als Tatsache empfinden, weiterplappern, bleibt es eine L\u00fcge. Nein, der Antisemitismus ist keine deutsche Erfindung, aber Auschwitz ist eine deutsche Erfindung. Ich brauche Ihnen nicht zu erz\u00e4hlen, was Auschwitz und Adolf Hitler f\u00fcr mich pers\u00f6nlich bedeuten. Und es wird Sie vielleicht verwundern, dass ich Ihnen sage, ich wei\u00df, was das f\u00fcr nicht-j\u00fcdische Menschen, f\u00fcr deutsche Menschen bedeutet, die Kinder einer Nazi-Generation oder die Enkelkinder einer Nazi-Generation zu sein. Aber die Antwort wird nicht sein, wie zum Beispiel Martin Walser, der in der Paulskirche schrie: \u201eIch kann es nicht mehr ertragen, diese Moralkeule Auschwitz.\u201c Wahrscheinlich w\u00fcrde er sie ertragen, wenn er sich ihr anders gestellt h\u00e4tte. Wenn er nicht, wie ein Psychoanalytiker aus Jerusalem mal gesagt hat, denken w\u00fcrde, dass die Juden den Deutschen nie verzeihen werden, dass sie Auschwitz bauen mussten. Ich kann nichts f\u00fcr Auschwitz und meine Eltern konnten nichts f\u00fcr Auschwitz. Die, die hier sitzen, haben keine Schuld und so gesehen k\u00f6nnen sie auch nichts f\u00fcr Auschwitz.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was uns verbindet, ist, dass nur wenn wir uns der Geschichte stellen, auch der eigenen, wir eine Chance haben, dass es nie mehr zu so etwas wie Auschwitz kommt. Ich war und bin das erste Mal hier auf diesem H\u00fcgel. Richard Wagner war ein Antisemit, ein brutaler, leidenschaftlicher Antisemit, aber ob er ein Anh\u00e4nger von Adolf Hitler geworden w\u00e4re, wissen wir nicht. Er ist davor gestorben.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir aber wissen ist, dass die Familie Wagner in Leidenschaft, in \u00dcberzeugung, im Rassenwahn, im Judenhasswahn Adolf Hitler hier nicht nur empfangen, nicht nur umarmt hat, sondern dass sie voller \u00dcberzeugung dieser \u00dcberzeugung gefolgt sind und damit Mitt\u00e4ter und mitverantwortlich geworden sind, dass sie die Musik und diesen Ort gebrauchen und missbrauchen lie\u00dfen, damit er die musikalische Propaganda des SS-Regimes wurde. Das menschliche Ged\u00e4chtnis ist gn\u00e4dig. Unsere Erinnerungen ver\u00e4ndern sich dauernd und w\u00e4hrend wir jetzt uns wieder erinnern, ver\u00e4ndert sich wieder die Erinnerung. Und unser Gehirn muss das alles so regulieren, dass es zu unseren Gunsten ist. Wie sonst sollten wir aushalten zu leben? Wir verdr\u00e4ngen, wir vergessen, wir spalten ab, wir schieben das Unangenehme nach hinten, das Angenehme nach vorne.<\/p>\n\n\n\n<p>Das meiste passiert unbewusst. Aber es ist da. Es ist da. Und dann passiert irgendetwas und das Unbewusste schiebt das, was wir verdr\u00e4ngen wollen, wieder nach vorne. Und wir sind w\u00fctend. Wir sind sauer. Wir sind &#8230; Nein. Aber, liebe Freunde, meine Damen und Herren, nicht diejenigen, die an etwas erinnern, sind das Problem, sondern diejenigen, die sich nicht erinnern wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>1951, sechs Jahre nach der Befreiung von Hitler und von Auschwitz, sechs Jahre danach er\u00f6ffnet sich hier wieder das Leben, die Festspiele. Wolfgang und Wieland Wagner schreiben den G\u00e4sten, die hier kommen und der Musik zuh\u00f6ren wollen. Ich zitiere: \u201eIm Interesse einer reibungslosen Durchf\u00fchrung der Festspiele bitten wir, von Gespr\u00e4chen und Debatten politischer Art auf dem Festspielh\u00fcgel freundlichst absehen zu wollen. Hier gilt die Kunst. Die Festspielleitung, gezeichnet Wieland Wagner, Wolfgang Wagner.\u201c Das w\u00fcnschten sich nicht nur die Wagners. Darf ich es noch mal herausziehen? \u201eBitten wir von Gespr\u00e4chen und Debatten politischer Art in der Bundesrepublik Deutschland freundlich absehen zu wollen.\u201c Die Regisseurinnen der Oper \u201eRienzi\u201c, die Sie heute Abend sehen werden, haben anl\u00e4sslich des 150. Jubil\u00e4ums gesagt: \u201eDie Legendenstimmung ist egal. Die Assoziationen zum Nationalsozialismus ergeben sich von alleine. Sie sind st\u00fcckimmanent.\u201c Magdolna Parditka sagt: \u201eDas St\u00fcck ist eine Wunde der europ\u00e4ischen Kulturgeschichte, an der bis heute alles schmerzt.\u201c Und ihre Kollegin Alexandra Szemer\u00e9dy erg\u00e4nzt: \u201eEs ist ein sehr schmerzhafter Prozess, der aber notwendig ist, um auf die Gefahren der Zukunft hinzuweisen.\u201c Darum sind wir hier. Wir sind verantwortlich f\u00fcr unsere Gegenwart. Wir k\u00f6nnen die Welt nicht gestalten, wenn wir von der Vergangenheit nicht wissen. Wenn wir aber nicht wissen, k\u00f6nnen wir nicht nachdenken und f\u00fchlen und k\u00f6nnen nichts daraus lernen. Die Bedingung der Zukunft ist, zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so gesehen ist dieses St\u00fcck, so interpretiert, hochaktuell. Ich habe mich nie daf\u00fcr ausgesprochen, dass die Musik von Wagner nicht aufgef\u00fchrt werden kann. Selbst in Israel wird sie aufgef\u00fchrt, sie wird \u00fcberall aufgef\u00fchrt. Ich habe das auch nicht getan, weil ich grunds\u00e4tzlich jemand bin, der Kultur liebt \u2013 und lassen Sie mich das noch mal jetzt hier ausdr\u00fccklich sagen: Kultur, Kunst ist der Sauerstoff des Menschen, meine Damen und Herren. Und ja, die Musik ist genial. Nicht jeder kann sie m\u00f6gen. Einige m\u00f6gen sie \u00fcberhaupt nicht. Aber auch das ist v\u00f6llig normal in der Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber man kann Wagner, denke ich, h\u00f6ren ohne schlechtes Gewissen, aber nur mit Wissen, damit sich ein Gewissen entwickelt und indem man dann wei\u00df, wer und wessen Geistes Kind trotzdem ein genialer Komponist werden kann. Und nat\u00fcrlich kann man die Festspiele besuchen, auch ohne schlechtes Gewissen, aber nur mit Wissen. Und das wurde zu lange von der Familie unterdr\u00fcckt und nicht offensiv ge\u00f6ffnet. Ich war gestern zum ersten Mal an diesem roten Teppich und ich dachte an die vielen Jahre, wo ich die Berichterstattung gesehen habe und ich habe fr\u00f6hliche, gl\u00fcckliche, erwartungsfrohe Menschen erlebt, die sich auf Kunst freuen. Aber seit 1951, die 50er Jahre, 60er Jahre, 70er Jahre \u2013 noch die Generation der Nazis und dann ihre Kinder. Nat\u00fcrlich ist es gut, sich darauf zu freuen, aber dass niemals, auch von Journalisten nicht offensiv gefragt wurde: \u201eWie f\u00fchlen Sie sich denn aber hier auf diesem Grundst\u00fcck?\u201c, das finde ich ein bemerkenswertes Verdr\u00e4ngen. Ich jedenfalls muss Ihnen gestehen \u2013 und ich hatte die Freude, bei meiner Freundin Katharina Wagner zu stehen \u2013 dass ich trotzdem ein sehr ambivalentes Gef\u00fchl hatte, ein st\u00f6rendes Gef\u00fchl, ein Gef\u00fchl, irgendetwas ist hier noch nicht in Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Wochenende beginnt es, das neue Bayreuth, die neue Ordnung des Aufarbeitens, des Ausgrabens, des Redens, des Sprechens \u00fcber den Komponisten und die Familiengeschichte, den Missbrauch von Musik in aller Klarheit \u00f6ffentlich zu machen. Daf\u00fcr herzlichen Dank. Aber danken will ich auch Guido Hackhausen. Das Vertrauen, das wir drei in k\u00fcrzester Zeit aufgebaut haben, ist auch Ihnen zu verdanken. Wir alle wissen, was war. Und ich will jetzt nicht dar\u00fcber mehr reden. Wissen Sie, als Katharina Wagner mich anrief, sich entschuldigte und sagte: \u201eHerr Friedman, ich mach\u2019s,\u201c also mir die Hand gereicht hat, da habe ich ihr selbstverst\u00e4ndlich auch die Hand gereicht. Und wir tun das nicht nur des Anlasses wegen, sondern ich glaube, wir beide wollen damit demonstrieren in einer Zeit, in der die Aggressivit\u00e4t, die Vulgarit\u00e4t des Miteinanders, der Hass, diese Aggression, wenn Du nicht meiner Meinung bist, bist Du mein Feind, dass wir demonstrieren wollen und aus \u00dcberzeugung und vom vollen Herzen: Es gibt Konflikte im Leben, es gibt Streit, es gibt eine Aufarbeitung und dann reicht man sich die Hand und macht weiter als Mensch und Freund. Ja, was hatten Sie sich gew\u00fcnscht? Einen reibungslosen Ablauf, ein Nichtsprechen. Es kann ein sp\u00e4tpubertierender Akt sein, aber muss es nicht sein, dass Sie, liebe Frau Wagner, dem Wunsch Ihres Vaters und Onkels etwas entgegensetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie w\u00fcnschen keinen reibungslosen Verlauf und Sie wollen, dass wir neben der Musik auch \u00fcber Politik und Geschichte sprechen. Das haben Sie schon begonnen mit dem Symposium \u201eDiskurs Bayreuth: Wagner und der Nationalsozialismus\u201c. Mein Freund Barrie Kosky spielte hier \u201eDie Meistersinger von N\u00fcrnberg\u201c und brachte sie in den Gerichtssaal der N\u00fcrnberger Prozesse. Und auch Sie, Frau Wagner, widmeten sich in Ihrer Deb\u00fctinszenierung der Geschichte Ihrer Familie. Wie gro\u00dfartig.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, und wie Wieland und Wolfgang Wagner w\u00fcnschte sich doch auch der Makrokosmos, die Bundesrepublik Deutschland, im Interesse einer reibungslosen Entnazifizierung der eigenen Lebensfestspiele und Biografien von Millionen Menschen, Gespr\u00e4che und Debatten politischer Art zu verbannen. Die Lebenslegenden, der Selbstbetrug waren mit vielen Ausnahmen Alltag geworden. Bis in die 1980er Jahre gab es einen Beruf mit Zukunft: der Malermeister. Die Deutschen brauchten wei\u00dfe Farbe, um die braunen, immer wiederkehrenden Flecken auf ihrer Tapete wieder wei\u00df zu t\u00fcnchen. Tja, und auf dem H\u00fcgel gab es auch einen Beruf mit Zukunft: der G\u00e4rtner. Wie liebevoll vom \u201eGr\u00fcnen H\u00fcgel\u201c gesprochen wird, in der Hoffnung, dass man die braune Erde darunter nicht sieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Name ist Michel Friedman. Meine Eltern sind in Polen geboren. Polnische Juden. Ich bin in Paris geboren. Franz\u00f6sische Juden. Mit zehn Jahren bin ich im Jahre 1966 in Frankfurt am Main angekommen. Naziland.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach-Naziland. Ich hatte einen Chemielehrer, sein Finger war abgeschossen. Jedes Mal, wenn er die Stunde er\u00f6ffnete, sagte er: \u201eIch bin stolz, meinen Finger f\u00fcr den F\u00fchrer verloren zu haben.\u201c Er blieb Lehrer bis zur Pensionierung. Wie viele? Wie viele Anw\u00e4lte, Staatsanw\u00e4lte, Politiker, Richter, Verwaltungsbeamte, Menschen, die ein prosperierendes Gesch\u00e4ft hatten? Und wenn man ein bisschen nachfragte, war Schweigen. J\u00fcdische Gesch\u00e4fte billig erworben. Bis zu meinem 18. Lebensjahr war ich ein staatenloser Mensch. Meine Eltern hatten kein Vertrauen mehr zu einem nationalen Pass und sie waren sicher, dass ein UN-Staatenloser Pass der richtigere gewesen ist. Ein Irrtum.<\/p>\n\n\n\n<p>Er f\u00fchrte uns \u00fcber fast zwei Jahrzehnte von Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde zu Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, Abwehrbeh\u00f6rde, Kr\u00e4nkungsbeh\u00f6rde. In vielen Teilen bis heute. Wenn Menschen zu uns kommen, selbst legal zu uns kommen, entscheiden die ersten Signale diesen Menschen, dass sie willkommen sind, dass wir sie \u00fcbrigens auch brauchen, dass wir keine Angst haben vor ihrer Religion oder von ihrer Art zu leben, sondern wenn wir klug w\u00e4ren, es als Chance betrachten, Menschen zu begegnen, die anders leben als wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen ja nicht so leben wie sie, aber wir k\u00f6nnen lernen von Menschen, wie sie anders leben. Wir sollten aber aufh\u00f6ren, den Menschen, die hierher kommen, zu sagen: \u201eIhr m\u00fcsst leben wie wir.\u201c Es ist die Vielfalt, diese Gemeinschaft und mein Land besteht nicht aus Grenzen, sondern aus der Gemeinschaft der Menschen, die sich dazu bekennen. Wir wollen in Deutschland als Deutsche eine Gesellschaft sein. Diese Gemeinschaft in Vielfalt. Und Vielfalt ist mittlerweile auch wieder ein Begriff, der sehr angegriffen wird. Diese Gemeinschaft in Vielfalt ist die einzige Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe noch nie Angst vor der Vielfalt des Menschen gehabt. Wenn ich vor etwas Angst habe, dann vor seiner Einfalt.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Buch \u201eFremd\u201c habe ich geschrieben: \u201eIch bin auf einem Friedhof geboren.\u201c Meine Eltern waren die Friedhofsw\u00e4rter, ich ihr j\u00fcngster Lehrling. 50 Menschen aus meiner Familie sind ermordet worden. Von Deutschen. Deutschen Nazis. Meine Mutter, mein Vater und meine Gro\u00dfmutter sind aber von einem Deutschen gerettet worden, Oskar Schindler. Nicht nur daf\u00fcr bin ich ihm dankbar. Ich bin auch dankbar, dass, weil er als Deutscher meine Eltern gerettet hat, ich nie mehr von \u201eden Deutschen\u201c sprechen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich kann jedem nur raten, \u201edie Deutschen\u201c, \u201edie Juden\u201c, die, die, die reflektiert aus dem Wortschatz herauszunehmen und zu begreifen: Die gibt es nicht. Es gibt jeden einzelnen Menschen. Was ich von Oskar Schindler auch gelernt habe \u2013 und manchmal denke ich mir, ach, schweig doch einen Augenblick, Oskar Schindler \u2013 war, dass mir, als ich hierherkam, Millionen Menschen \u00f6ffentlich oder privat gesagt haben: \u201eAber Michel, was h\u00e4tte denn ein Einzelner damals tun k\u00f6nnen? Was kann man denn gegen die da oben tun?\u201c Was f\u00fcr ein Selbstbetrug, was f\u00fcr eine falsche Selbstrechtfertigung, wenn Oskar Schindler 1944\/45 in Polen tausend Menschen retten konnte. Und ja, das war Mut, das war Lebensgefahr. Was k\u00f6nnen wir, die wir heute hier sind, in Freiheit, in Frieden, in einem Rechtsstaat mit einer Verfassung alles tun, wenn wir es doch nur tun w\u00fcrden?<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir haben uns doch mal was versprochen. Wir, die Generation jetzt zwischen 60 und 75, die Enkel, 30 bis 40. Wir haben uns doch versprochen, dass wir es anders machen. Wir haben uns versprochen: Nie wieder. Man hat mir versprochen: Wehret den Anf\u00e4ngen. Wer ist eigentlich verantwortlich f\u00fcr den gesellschaftspolitischen Zustand heute? Ja, wir haben\u2019s gekl\u00e4rt. In Bayreuth ist es die Familie gewesen, die abgewehrt hat, in gro\u00dfen Teilen \u00fcber Jahrzehnte sogar verschleiert hat. Das \u00e4ndert sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber in unserem Land, in der Bundesrepublik, im Makrokosmos, wer ist eigentlich verantwortlich f\u00fcr den Zustand der Gesellschaft heute, wo schwule Menschen, schwarze Menschen, Frau-Menschen, muslimische Menschen, j\u00fcdische Menschen \u2026 Nehmen Sie doch alles weg. Am Ende sind wir Menschen. Wer ist eigentlich daf\u00fcr verantwortlich, dass wir Menschen, die ich gerade nur beispielsweise genannt habe, Angst haben m\u00fcssen im eigenen Land?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten doch etwas versprochen. Bei uns zu Hause herrschte Trauer, Depression, Angst. Meine Mutter war 16 Jahre alt, als sie ins Ghetto musste. Ich wagte es nicht, bis zu ihrem Tode zu fragen: \u201eMama, bist Du vergewaltigt worden? Vater, Mutter, seid ihr gefoltert worden? Musstet ihr zusehen, wie Eure Verwandten ermordet wurden? Wie viele Tote habt ihr gesehen?\u201c Was vom ersten Tag erfahrbar war, war die Einsamkeit, die Verzweiflung, der Verlust von Urvertrauen, der Verlust von Weltvertrauen, der andere Blick an und auf den Menschen an sich. Und ja, ich bin jetzt 70 Jahre alt und ich glaube, ich habe sehr, sehr viele Stunden auch in Therapien verbracht. Diese Gef\u00fchle haben sich auf mich \u00fcbertragen. Ich bin traurig. Ich habe Angst.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber eins habe ich gelernt: Andere Menschen werden nie mehr bestimmen, wie ich bin, wer ich bin, was ich bin, wo ich bin. Die Emanzipation gegen diese Angst, das Selbstbewusstsein, ein Mensch zu sein, der, wie Hannah Arendt sagte, das Recht hat, Rechte zu haben und damit nicht nur von einem Parlament, einer Gruppe, einer Partei abh\u00e4ngig ist, ob sie mich als Juden, ob sie mich als Schwulen, ob sie mich als Frau, Mann, was auch immer leben lassen wollen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Menschenrechte, die vor 300 Jahren als Emanzipationsbewegung der Aufkl\u00e4rung begonnen haben. Man muss sich das mal vorstellen. 200.000 Jahre gibt es uns. Und vor 300 Jahren beginnt etwas Revolution\u00e4res. Da denken Menschen zum ersten Mal, wir sind frei, aber wir sind auch gleich. Und sie entwickeln zum ersten Mal etwas gegen das autorit\u00e4re Ausf\u00fchrungszeichen, das Anf\u00fchrungszeichen, ein wunderbares Schriftzeichen, das Fragezeichen. Das Wort \u201eWarum\u201c ist die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr jeden Autokraten, Diktator und Machtmensch. Und damit wir uns richtig verstehen, in diesem Augenblick beginnt der Krieg, die Auseinandersetzung, denn sie wissen, dass sie die Macht verlieren, wenn der Mensch aufgekl\u00e4rt ist, wenn der Mensch lernt, wenn der Mensch wei\u00df und mit seinem Wissen denkt und reflektiert und immer wieder fragen muss: Warum hast Du Macht? Warum bestimmst Du, wer ein Mensch ist oder nicht? Warum bestimmst Du \u00fcberhaupt? Es hat nie aufgeh\u00f6rt. Kann es sein, dass wir Demokraten und Demokratinnen m\u00fcde gewesen sind in den letzten Jahrzehnten? Kann es sein, dass wir gelangweilte Demokraten sind, dass wir dekadente Demokraten sind, die gerne genommen, aber wenig gegeben haben? Kann es sein, dass die meisten von uns nie ins Grundgesetz geschaut haben? Mein Gott, was f\u00fcr ein Buch in deutscher Sprache. Kann es sein, dass wir ein Problem haben mit denen, die wieder die Autokratie wollen? Ja. Aber dass das gr\u00f6\u00dfte Problem vielleicht an uns liegt, dass wir nicht wie sie mit strahlenden Augen und Selbstbewusstsein das bessere Produkt in der Hand bewerben, besprechen, anbieten, mit Menschen dar\u00fcber reden, dass die schlechteste Diktatur besser ist als die beste Demokratie, meine Damen und Herren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur die Demokratie ist Zukunft. Nur die Demokratie hat das Synonym Mensch. Die Diktatur verachtet den Menschen. Nein, das ist schon zu viel gesagt. Sie sieht ihn nicht mal. Bei einem Gespr\u00e4ch mit Jassir Arafat, dem PLO-Terroristen, hat er mir mal gesagt: \u201eIhr werdet verlieren. Ihr liebt.\u201c Ich habe ihn angeschaut und habe ihm geantwortet: \u201eSie haben jetzt schon verloren. Sie lieben nicht.\u201c Als ich in das Goethe-Gymnasium nach Frankfurt am Main kam und meine nicht-j\u00fcdischen Schulfreunde kennenlernte, hatte ich eine tiefe Sehnsucht, mich mit ihnen, den Kindern der T\u00e4ter, auszutauschen. Wie geht es Euch? Wie geht es in Eurer Familie mit Hitler? Wie ging es Euren Eltern? Was erz\u00e4hlen sie Euch? Was macht das mit Euch? Die damaligen Kinder sind heute zwischen 60 und Ende 70. Die meisten konnten mit mir nicht reden. In den meisten Familien wurde und wird geschwiegen, abgewehrt, Antworten verwehrt und sie fragten nicht intensiv und fordernd genug nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist keine Bewertung. Es ist aber eine traurige Feststellung. Denn bis heute wissen die meisten viel zu wenig von ihrer Familiengeschichte. Und auch heute frage ich Menschen: \u201eWie war es bei Euch? Sprich mit mir. Ich erz\u00e4hle Dir, wie es bei mir war, aber ich brauche auch Deine Erz\u00e4hlung.\u201c Und ich stelle fest, dass selbst unter Partnern, unter besten Freunden die Frage \u201eSag mal, was war denn damals bei Euch los?&#8220; in der Regel nie gefragt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Nazi-Enkelkinder, also die Kinder dieser Kinder, sind durch eine innere und \u00e4u\u00dfere Sprachlosigkeit und damit Weltisolation traurig. Fragen stellen in unserem Land: gef\u00e4hrlich. Streiten: sehr gef\u00e4hrlich. \u00dcber die Nazizeit sprechen: gef\u00e4hrlich. \u00dcber Auschwitz sprechen: gef\u00e4hrlich. Mit der Familie sprechen: gef\u00e4hrlich. Und darf ich Ihnen eine kurze kulturelle Intervention nennen. In unserem Land gilt als Erziehungsprinzip, beim Essen spricht man nicht. In keinem anderen Land der Welt gilt das. Gehen Sie doch mal in Restaurants nach Frankreich, Italien. Da wird nur gesprochen, mit vollem Mund \u00fcbrigens.<\/p>\n\n\n\n<p>Woher kommt diese Anweisung? In den 50er, 60er, 70er, 80er Jahren bei Tisch zu reden \u2013 ja, was tut eine Familie denn sonst? \u2013 war gef\u00e4hrlich. Das Wort \u201eWarum\u201c ist und bleibt gef\u00e4hrlich. Und wer als Kind nicht lernt \u2013 und wo lernt man es, wenn nicht in der Familie \u2013 dass Fragenstellen belohnt wird, dass das Streiten Freude macht, sinnlich ist \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Also ich kann Ihnen nur sagen, ich streite mich mein ganzes Leben und ganz ehrlich gesagt, Sie sehen einen gl\u00fccklichen Menschen vor sich. Dass nur so Tabus aufgebrochen werden k\u00f6nnen, dass man am Ende sich nur vers\u00f6hnen kann, wenn man sich davor ernsthaft gestritten hat. Aber ohne die Erfahrung des Emotionalen mit dem Wissen haben wir bis heute ein Problem mit der Empathie. Ich lebe mit einem tiefen Schmerz, mit vernarbten Wunden, die aufbrechen, wenn in meiner Gegenwart der Judenhass immer wieder h\u00f6rbar und sichtbar wurde und wird. So gesehen k\u00f6nnen Sie sich vorstellen, dass meine Wunden nie wirklich vernarbt sind, seit ich hier lebe. Ich blute.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Vorstellung, dass die Kinder der T\u00e4tergeneration auch mit ihren Schmerzen leben und eigentlich den gegenw\u00e4rtigen Judenhass genauso wie ich f\u00fchlen, als w\u00fcrden sie selbst angegriffen werden, sich daran erinnern, dass genau das nicht stattfinden kann, sich wehren, sich distanzieren, nicht f\u00fcr mich, weil ich Jude bin, sondern f\u00fcr mich, weil ich Mensch bin, erwarte ich das. Dass der Vater, die Mutter, die Gro\u00dfeltern, die Onkeln, die Tanten, die Mitl\u00e4ufer, die Opportunisten, die Kleinkriminellen, die sich j\u00fcdisches Verm\u00f6gen aneigneten, Lehrer, Professoren, Polizeibeamte, Verwaltungsbeamte, Nachbarinnen und Nachbarn, die ihre j\u00fcdischen Freunde und Freundinnen denunzierten, Familien, die offen und aktiv mit dem Nationalsozialismus, dem Judenhass Adolf Hitlers sympathisiert haben, die Schreibtischt\u00e4nzer, die K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen dem Dritten Reich, den Kriegsherren und dem System mit all dem, was sie taten, dem Endpunkt der Gewalt, n\u00e4mlich Auschwitz, verhalfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass wir heute feststellen m\u00fcssen, dass wir den Anf\u00e4ngen nicht genug gewehrt haben, sondern mittendrin sind. Wir sind die Zeitzeugen unserer Zeit. Wir tragen Verantwortung. Und hoffentlich werden uns Menschen in 20 Jahren nicht fragen: Warum habt ihr die Demokratie so einfach denen \u00fcbergeben, die sie zerst\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n<p>Und lassen Sie mich ein Wort, nur eins, \u00fcber die ehemalige DDR sagen. Auch sie hatte ihre Methode, ihre H\u00e4nde in Unschuld zu waschen und zu vergessen und zu verdr\u00e4ngen. Als ob am 9. November 1938 in Ostberlin nicht genauso wie in Westberlin die Synagogen gebrannt haben. Das antifaschistische Deutschland ist eine L\u00fcge gewesen, wie nach 1948 die meisten behaupteten, \u00fcber Nacht Demokraten geworden zu sein. Und noch ein Wort: Wir reden so viel von Erinnerungskultur. Darf ich daran erinnern, dass das ein wissenschaftlich fundierter Begriff ist? Drei Generationen erz\u00e4hlen sich im kommunikativen Erz\u00e4hlen ihre Familiengeschichte. Wenn also alle \u00fcber Erinnerungskultur reden in einem Land, wo die meisten Familien in drei Generationen geschwiegen haben, also die Erinnerungsgeschichte ein schwarzes Loch ist, dann finde ich, dass das nicht ein Beweis ist, dass eine Erinnerungskultur so entstanden ist, dass statt des schwarzen Lochs ein Wissen, ein Verstehen, ein Reflektieren und damit eine andere Haltung entwickeln werden konnte, sondern es bleibt dabei: Diese Erinnerungskultur ist ein schwarzes Loch.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1500\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13727\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press.jpg 1500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press-18x12.jpg 18w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press-60x40.jpg 60w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press-320x213.jpg 320w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Stimmen_260726_146_cEnricoNawrath_press-600x400.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto Bayreuther Festspiele\/Enrico Nawrath)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber es gibt eine Kultur der Erinnerung. Millionen Menschen haben sich bem\u00fcht, bem\u00fchen sich in der Kultur, in den Schulen, zu Hause vor allen Dingen, eine Kultur des Erinnerns aufzubauen. Millionen Menschen tun das. Und diese Millionen Menschen warten auf uns, die noch nicht so viel tun. Sie brauchen uns und wir sollten nicht nur dankbar sein, dass sie es f\u00fcr uns bisher getan haben, sondern wir sollten endlich aktiv an dieser Seite und in der Sache unsere Gesichter zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und das schwarze Loch, von dem ich spreche, das gab es auch in Bayreuth bis vor wenigen Jahren. Noch mal: 1951 reibungslose Durchf\u00fchrung? Hallo? Aber eins will ich heute ausdr\u00fccklich sagen, weil es Mode geworden ist, die Apokalypse anzusprechen. Weil es Mode geworden ist und ein sehr erfolgreicher neuer Beruf, N\u00f6rgler und N\u00f6rglerin zu sein. Allen N\u00f6rglern und N\u00f6rglerinnen in diesem Land, die heute wieder n\u00f6rgeln, w\u00fcnsche ich, morgen in Bayreuth aufzuwachen und dann werden sie entspannt die Berge und die Sonne genie\u00dfen. Wenn Sie in Teheran, wenn Sie in Moskau, wenn Sie in Peking aufwachen, sind Sie nicht sicher, ob Sie schon im Gef\u00e4ngnis sind. Und deswegen muss ich den N\u00f6rglern und N\u00f6rglerinnen einen guten Rat geben: Sie m\u00fcssen demokratisch w\u00e4hlen, damit Sie morgen noch entspannt n\u00f6rgeln k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesrepublik Deutschland, mein Land, in dem wir heute leben, hat sich trotz alldem in acht Jahrzehnten zu einer funktionierenden Demokratie entwickelt. Auch das ist das Ergebnis von Menschen, die sich eingesetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das ist der Beweis, dass mein Vater Recht hatte, als er mir gesagt hat: \u201eWir sind nicht hilflos und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.\u201c Das letzte Wort, das jetzt gesprochen wurde und ist, ist: Wir sind eine funktionierende, systemisch funktionierende Demokratie und die wollen und werden wir uns nicht abnehmen lassen, oder? Aber allen, allen, die jetzt applaudiert haben, muss ich leider sagen: Wenn wir das nicht wollen, dann m\u00fcssen wir in die Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen gehen und wieder so ein Schildchen tragen: \u201eIch bin gerne frei, Du nicht, wir m\u00fcssen streiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann m\u00fcssen wir bei unseren Nachbarn und Nachbarinnen klingeln und sagen: &#8222;Ich habe das Grundgesetz. Wollen wir mal die ersten Artikel zusammen lesen?&#8220; Dann m\u00fcssen wir nach Sachsen-Anhalt gehen. Meine Damen und Herren, in wenigen Wochen k\u00f6nnte, was ich eben gesagt habe, das System in einem der ersten Bundesl\u00e4nder nicht mehr funktionieren. Und die Gelassenheit, die Gelassenheit, dass das passiert und wie es von Millionen gelassenen Deutschen angenommen wird, macht mir Angst und Sorge.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe nach Sachsen-Anhalt und alle, die jetzt applaudiert haben, darauf freue ich mich jetzt schon, werden also mitkommen. Und noch etwas: Sachsen-Anhalt ist nicht irgendwo im Niemandsland. Sachsen-Anhalt ist Deutschland. Und was dort passiert, passiert mit uns allen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben uns ver\u00e4ndert, so scheint es. 81 Jahre nach der Befreiung sind wir ein rechtsstaatliches Land. Mehrheitlich sind wir gegen den Nationalismus und f\u00fcr die europ\u00e4ische Idee. Das demokratische System funktioniert so gut, dass selbst Demokraten ertragen, dass diejenigen, die es zerst\u00f6ren wollen, reden k\u00f6nnen. Meinungsfreiheit? Bitte sch\u00f6n? Wenn Leute sagen, sie k\u00f6nnen nicht alles sagen, was sie sagen wollen, dann sage ich: Ihr k\u00f6nnt alles sagen, was ihr sagen wollt, aber wenn ihr sagen wollt, was ihr sagen wollt, m\u00fcsst ihr auch ertragen, dass ich sagen kann, was ich sagen will und das nennt man in der Demokratie Widerspruch und Streitkultur. Und doch will ich deutlich sagen: Hass ist keine Meinung, sondern ein gef\u00e4hrliches Gef\u00fchl, das strafbar verarbeitet sein muss, wenn es Menschen bedroht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geistige Brandstiftung ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Anfang durch Sprache, aus dem schnell die Taten werden. Der Theaterregisseur George Tabori hat das Wunder der Menschenrechte, von denen ich vorhin sprach, und auch den Artikel eins \u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar\u201c literarisch in einen ganz kurzen Satz zusammengefasst: \u201eJeder Mensch ist ein Jemand.\u201c Jede und jeder Mensch ist ein Jemand. Wir leben in einem Land und ich kann\u2019s nicht mehr h\u00f6ren, dass das Protestw\u00e4hler sind. Unser Grundgesetz hat Respekt vor jedem W\u00e4hler und jeder W\u00e4hlerin und sagt, sie wissen, was sie tun. Und es interessiert mich auch nicht das Motiv, warum sie\u2019s tun. Aber jeder W\u00e4hler und jede W\u00e4hlerin, die eine antidemokratische Hasspartei w\u00e4hlen, geben dieser Partei mit ihrer Stimme Macht und wir m\u00fcssen mit ihnen und uns streiten. Denn diese Partei sagt, einige sind niemand. Diese Partei reemigriert Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Freunde, was muss eigentlich noch passieren? Was muss eigentlich noch passieren, dass wir unsere Demokratie pers\u00f6nlich, jeder und jede f\u00fcr sich, verteidigen? Ich bin besorgt. Ich lebe seit 50 Jahren in Deutschland. Sie sind meine dritte Generation. Noch nie, selbst in der Zeit, als Konrad Adenauer regierte, ein Demokrat, aber sein Kanzleramtsminister Hans Globke, der Mitverfasser der Rassengesetze, Kanzleramtsminister war &#8230; Ich habe mich immer wieder gefragt: H\u00e4tte Konrad Adenauer Kanzler werden k\u00f6nnen und bleiben ohne Globke? Oder konnte Globke mit dieser Vergangenheit, die eigentlich vor den N\u00fcrnberger Prozessen h\u00e4tte verhandelt werden m\u00fcssen, nur Kanzleramtschef werden wegen Adenauer? Wahrscheinlich ist die Wahrheit: Die Demokratie konnte nur eingef\u00fchrt werden, weil die, die sie nicht wollten, wussten, dass sie einen Vertreter im Kanzleramt hatten. Wie lange haben wir? Sind Sie sicher, dass wir in f\u00fcnf Jahren noch in Freiheit und Demokratie leben werden? Sind Sie sicher? Wenn sie schon nicht sicher sind, sind wir am Anfangspunkt des Endpunktes und nicht mehr an einem Anfangspunkt der Anfangspunkte. Und wenn das so ist, wenn es so ist, dass wir bei Endpunkten der Gewalt angekommen sind, m\u00fcssen wir, und zwar nicht im Interesse der Minderheiten, sondern im Interesse unserer selbst reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn es geht um Menschenhass. Menschenhass. Judenhass ist Menschenhass. Schwulenhass ist Menschenhass. Frauenhass ist Menschenhass. Der Hass ist hungrig und wird nie satt. Und ja, das nennt man Zivilisation, den Menschen zivilisieren, auch mich, jeden von uns. Die Kruste der Zivilisation ist nicht besonders stark. J\u00fcdisches Leben in Deutschland ist seit dem 7. Oktober 2023 so schlimm gef\u00e4hrdet wie noch nie. Kinder werden von ihren Eltern gebeten, ihren Davidstern auszuziehen. Ich kenne keine F\u00e4lle in Deutschland, dass man Kinder bittet, das Kreuz auszuziehen. Noch in der Nacht vom Gemetzel, noch in der Nacht, da hat \u00fcberhaupt kein israelisches Milit\u00e4r reagiert, schreit man in Berlin: \u201eTot den Juden\u201c, \u201eTot den Israelis\u201c. In Deutschland, in Berlin. Ich, Michel Friedman, der ein deutscher Staatsb\u00fcrger ist, meine Religion ist j\u00fcdisch, werde von linksextremistischen Gruppierungen, auch Teile der etablierten Linken, als Israeli pl\u00f6tzlich betrachtet. Eines der \u00e4ltesten antisemitischen Narrative wird wieder instrumentalisiert. Das Ger\u00fccht \u00fcber die Juden, wie Adorno es nannte oder wie Wagner, der Jude bleibt immer Ausl\u00e4nder. Die Boykottbewegung BDS, die verlangt, kein israelischer K\u00fcnstler oder K\u00fcnstlerin darf irgendwo mehr auftreten in Deutschland, hat Erfolg. J\u00fcdische, israelische K\u00fcnstler werden ausgeladen. Einladungen werden nicht mehr verschickt vor Angst vor dieser Demonstration. Das ist ein stiller, eiskalter und allt\u00e4glicher Boykott. Selbst Israelis, die sich gegen ihre Regierung stellen, werden als Mitt\u00e4ter diffamiert. An deutschen Universit\u00e4ten werden israelische Studierende, aber auch deutsche j\u00fcdische Studierende beleidigt, bedroht, geschlagen von linksextremistischen Gruppen und man muss es leider auch sagen, von einem Teil der radikalisierten Muslime in diesem Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studentenparlamente der HU Berlin jetzt, der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf jetzt, der Universit\u00e4t Hamburg und der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t in Mainz jetzt fordern das Aufk\u00fcndigen der Vertr\u00e4ge und der gemeinsamen Verbundforschung mit israelischen Universit\u00e4ten. Fassungslos macht mich die Hilflosigkeit einiger Professoren oder Dekane, die diese antisemitischen Vorf\u00e4lle nicht im Keim ersticken, auf dem Schulhof die Kinder an die Hand nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn darum geht es, dass es Menschen gibt, und zwar in allen Religionen, in allen Nationen, in allen Kulturen, die dem Hass folgen, die den Vorurteilen folgen. Wir alle sind vorurteilend, aber wir Menschen k\u00f6nnen lernen, davon bin ich \u00fcberzeugt, und wir k\u00f6nnen aus Vorurteilen rationale Urteile machen. Aber das ist die eine Seite. Aber wenn die, die zugucken, nichts tun, dann stellt sich f\u00fcr mich immer wieder die Frage: Wovor habe ich mehr Angst? Vor denen, die gerade etwas tun, oder der Tatsache, dass mir niemand helfen wird? J\u00fcdische Jugendliche in diesem Land erleben sich nicht mehr als \u201eWir\u201c, sondern werden zum \u201eIhr\u201c gemacht. Erleben, dass sie kaum mehr Deutsche sein k\u00f6nnen. J\u00fcdische Menschen m\u00fcssen sich, bevor sie einen Raum betreten, von der Politik Netanyahus distanzieren. Also ganz ehrlich gesagt, wenn ich mich zu distanzieren h\u00e4tte, ist es nicht Netanyahu, sondern ich m\u00fcsste mich ja von meiner Regierung distanzieren. Friedrich Merz war gestern da. Ein t\u00e4glicher Gesinnungstest, die Eintrittskarte in den Raum. Und es ist gut, ich sage es ausdr\u00fccklich, dass meine muslimischen Freunde in meinem Land sich nicht automatisch, bevor sie den Raum betreten, von der Hamas distanzieren m\u00fcssen. Aber f\u00e4llt dieser Widerspruch niemandem auf: Die Juden m\u00fcssen sich distanzieren f\u00fcr Israel, aber die Araber und Muslime nicht f\u00fcr die Hamas. Da stimmt doch was nicht, oder? Und noch etwas: Es wird die Vernichtung des Staates Israels gefordert. Ja, diese Regierung Netanyahu, ich will es f\u00fcr mich pers\u00f6nlich sagen, ist eine Katastrophe. Ich finde sie auch katastrophal und vor allen Dingen, weil sie so wie Trump, so wie Orb\u00e1n es wollte, den Rechtsstaat, die Menschenrechte mit F\u00fc\u00dfen treten will und damit die Demokratie zu einem autorit\u00e4ren Staat machen m\u00f6chte. Aber es wird die Vernichtung des Staates Israels gefordert, nicht der Ersatz einer Regierung. Wurde jemals die Vernichtung Russlands gefordert, obwohl Putin seine eigenen Menschen wie Ware in den Tod schickt und die Ukraine angreift? Wurde jemals die L\u00f6schung des Staates Iran von der Landkarte gefordert, diesen islamistischen Mullahs, die die eigene Bev\u00f6lkerung abschlachten? F\u00e4llt eigentlich niemandem auf, dass die Aufforderung in einem berechtigten politischen Streitraum, dass man die Regierungen, die Mehrheiten in einem Land f\u00fcr nicht gro\u00dfartig h\u00e4lt, in keinem anderen Land dazu f\u00fchrt, dass man die Aufl\u00f6sung und die Vernichtung des Landes verlangt, au\u00dfer im Staate Israel, wo mit dieser Vernichtungsfantasie auch einhergeht, dass acht Millionen Juden vernichtet werden? Meine Damen und Herren, das nenne ich Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Tatsache ist, dass wir es mit all dem oder trotz all dem einige Jahrzehnte geschafft haben, in Frieden und Freiheit im besten Deutschland zu leben, das es je gab. Ist diese Tatsache nicht der Beweis, dass, wenn Menschen es wollen, sie die Welt ver\u00e4ndern k\u00f6nnen? Am besten, wir w\u00fcrden sie t\u00e4glich ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr brauchen wir keine Handlungsanleitung. Wir sind im Verein, wir sind in der Familie, wir sind im Konzert, wir sind im Beruf. Und ja, jeder und jede von Ihnen muss es geh\u00f6rt haben, dass der eine oder andere gesagt hat, den man kennt: \u201eIch w\u00e4hle die AfD\u201c, oder gesagt hat, &#8222;Die sind mmh, mmh, mmh\u201c. Wissen Sie, wo die Demokratie beginnt? Jetzt Stopp zu sagen. Millionen Mal jeden Tag Stopp zu sagen. Wenn man dann aus dem individuellen, gest\u00e4rkten, trainierten R\u00fcckgrat in die \u00d6ffentlichkeit geht, die hart ist, auch in der digitalen, die sehr hart ist, dann ist man trainiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man nicht im Ich trainiert hat, dann ist der \u00f6ffentliche Auftritt eher eine Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme f\u00fcr Orthop\u00e4den, die Muskelkater behandeln m\u00fcssen, weil man nicht gelernt hat, sich zu integrieren und vor allen Dingen, sich zu integrieren durch Aktivit\u00e4t. Es geht nicht nur ums Demonstrieren. Es geht um dieses Land. Wollen Sie frei leben oder unfrei? Wollen Sie in einer Welt leben, die den Konflikt, die den Hass, die Gewalt, also die Konfrontation lebt? Oder wollen wir in einer Welt leben, in der der Kompromiss lebt?<\/p>\n\n\n\n<p>Wollen wir in einer Welt des Hasses leben oder in einer Welt des Respekts? Vergessen wir die Moral. Seien wir egoistisch. Wenn ich morgen zum B\u00e4cker gehe, m\u00f6chte ich franz\u00f6sische Croissants kaufen und nicht nur Graubrot von Herrn H\u00f6cke. Wollen wir Demokratie? Sie ist schwach, sie scheitert. Aber die Tatsache, dass wir unseren Anspr\u00fcchen nicht als Menschen gerecht werden, darf doch nicht dazu f\u00fchren, dass die Werte und die Ziele, die wir haben, abgelegt werden, sondern dass wir wie Sisyphos wieder aufstehen und versuchen, unsere Werte zu leben. Und wir wissen, wir werden scheitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir sollten gut miteinander umgehen, wenn wir scheitern, denn auch wir k\u00f6nnten scheitern. Aber die Werte, die wir wie Sisyphos jeden Tag immer noch vor uns tragen, sie sind es doch wert. Oder nicht? Mir ist es das wert. Und Sie sehen einen sehr fr\u00f6hlichen, einen sehr lustvollen, einen Menschen, der voller \u00dcberzeugung ist, sich daf\u00fcr einzusetzen. Das ist wunderbar, denn wir haben das bessere Produkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch als Mittelpunkt, der Mensch, der Mensch ist und von niemandem mehr sein Menschsein abgesprochen bekommt. Die Kulturfreiheit. Das hier ist Freiheit. Die Wissenschaftsfreiheit, die Bedingung des m\u00fcndigen, selbstdenkenden Menschen, die von der L\u00fcgenpropaganda angegriffen wird, damit die junge Generation nicht mehr wei\u00df, was Tatsache oder L\u00fcge ist. Ich sag&#8217;s noch einmal: Auch in f\u00fcnf Jahren, wenn Millionen Menschen die L\u00fcge weitertragen, bleibt sie eine L\u00fcge. Die Tatsache, das Wissen, das Reflektieren, das Denken und F\u00fchlen, das ist Fortschritt. Alles andere ist R\u00fcckschritt. Ist sich eigentlich jedermann und jede Frau, jeder Mensch hier wirklich bewusst, in was f\u00fcr einem Land wir leben?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie hier in Bayreuth falsch geparkt haben und einen Strafzettel bekommen haben, k\u00f6nnen Sie vor ein Verwaltungsgericht gehen und das anfechten. Geht\u2019s noch? Was will man mehr in einem Rechtsstaat, meine Damen und Herren?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie lesen und h\u00f6ren, was die Antidemokraten schreiben und sagen, und verdammt noch mal, warum nehmen wir sie nicht endlich ernst? Warum nehmen wir sie nicht beim Wort? Sie tun, was sie androhen, wenn sie die Macht bekommen. Deswegen d\u00fcrfen sie nicht die Macht haben. Wenn Sie das alles lesen, ich sag\u2019s noch einmal: Wann, wenn nicht jetzt? Mein Vater hat mir gesagt: \u201eWerde nicht misstrauisch. Hab Vertrauen in Menschen.\u201c Mein Vater hat gesagt: \u201eDu bist nicht hilflos.\u201c Mein Vater hat gesagt: \u201eNiemand hat das letzte Wort.\u201c Wir stehen, wir sitzen und wir erleben ein Wochenende, das sowohl im Mikrokosmos Bayreuth als auch im Makrokosmos uns deutlich macht: Die gr\u00f6\u00dfte Vergiftung eines Menschen sind seine Geheimnisse, sind seine L\u00fcgen, sind seine Legenden. Sie vergiften selbst ein sch\u00f6nes Leben. Ist das einer der Gr\u00fcnde, warum Menschen, denen es so gut geht, so b\u00f6sartig gegen andere Menschen werden? Man muss diese Wunden aufmachen. Diese Operation ist am offenen Herzen gef\u00e4hrlich. Aber der Patient stirbt garantiert, wenn wir dieses Herz nicht behandeln, meine Damen und Herren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind nicht hilflos. Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Es geht, wenn wir wollen. Also, liebe Damen und Herren, ich gestehe hier vor Ihnen allen: Ich will. Wollen Sie auch? Danke sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:80px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-vertically-aligned-center is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6;grid-template-columns:22% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" width=\"850\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Heft_Bestellbox_2026-03.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13772 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Heft_Bestellbox_2026-03.jpg 850w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Heft_Bestellbox_2026-03-768x904.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Heft_Bestellbox_2026-03-10x12.jpg 10w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Heft_Bestellbox_2026-03-60x71.jpg 60w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Heft_Bestellbox_2026-03-320x376.jpg 320w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Heft_Bestellbox_2026-03-600x706.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Ein Interview mit Michel Friedman finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe 03\/2026.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-03-2026\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/print-ausgabe-03-2026\" rel=\"noreferrer noopener\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-03-2026\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/pdf-ausgabe-03-2026\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:80px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michel Friedman: Gedenkrede anl\u00e4sslich 150 Jahre Bayreuther FestspieleFestspielhaus Bayreuth, 26. Juli 2026 (Skript aus dem Tondokument) Ich musste gerade an meinen Vater denken, der mir immer gesagt hat: \u201eEin Mensch kann die Welt ver\u00e4ndern, wenn\u2019s auch nur seine ist und die kleine.\u201c Ich m\u00f6chte ausdr\u00fccklich sagen, dass Katharina Wagner gerade die Erinnerungskultur von Bayreuth ver\u00e4ndert [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":1,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"class_list":["post-13696","page","type-page","status-publish","hentry"],"tpgb_featured_images":null,"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"12. August 2026","get_modified_date":"14. 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