{"id":10085,"date":"2024-08-28T12:35:00","date_gmt":"2024-08-28T10:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=10085"},"modified":"2024-09-02T20:24:50","modified_gmt":"2024-09-02T18:24:50","slug":"zur-rechten-zeit-am-rechten-ort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2024\/08\/28\/zur-rechten-zeit-am-rechten-ort\/","title":{"rendered":"Zur rechten Zeit am rechten Ort"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Interview R\u00fcdiger Heinze<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>M\u00fcnchen, Theatinerstra\u00dfe, Sommer 2024. Tenor Daniel Johannsen steht Rede und Antwort, eloquent und \u00adreflektiert. Dass er am Abend noch einen Auftritt in Bachs h-Moll-Messe haben wird, ficht ihn nicht an \u2013 eher die Gleichzeitigkeit von Wohlstand und Gewalt in den unterschiedlichen Teilen der Erde. Sie aber haben von dem S\u00e4nger, 1978 in Wien geboren und in einem Pfarrhaus des Burgenlands aufgewachsen, noch nichts \u00adgeh\u00f6rt? Dann wird es h\u00f6chste Zeit. Gro\u00dfartiges entgeht dem, der es nicht tut.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Der ersten Frage sei eine Behauptung vorangestellt: Unter Kennern sind Sie ein hochverehrter Oratorien- und Lieds\u00e4nger, eigentlich aber m\u00fcssten Sie aufgrund der Sch\u00f6nheit Ihrer Stimme und Ihrer k\u00fcnstlerischen Ernsthaftigkeit weitaus bekannter, ja geradezu popul\u00e4r sein. Tragen Sie f\u00fcr diesen Umstand auch selbst eine Verantwortung \u2013 zum Beispiel, weil Sie restriktiv ausw\u00e4hlen, welche Engagements Sie annehmen?<\/strong><br>Ich glaube, ich werde mit 50 noch ein Geheimtipp sein, weil ich mich f\u00fcr ein Feld entschieden habe, dem die Welt nicht so hinterherrennt. Wir sind hier in \u00adM\u00fcnchen nur einen Steinwurf von einer der gr\u00f6\u00dften B\u00fchnen Deutschlands, der Bayerischen Staatsoper, entfernt, die ich vielleicht niemals betrete. Ich werde vielleicht auch deswegen kein \u00f6sterreichischer Kammers\u00e4nger, weil ich mich bisher mit der Wiener Staatsoper nicht im Entferntesten versucht habe zu assoziieren. Ich bin stolz genug zu sagen: Wenn man mich nicht fragt, gehe ich da nicht hin. Es gibt einen Dirigenten auf der Welt, f\u00fcr den w\u00fcrde ich noch ein Vorsingen im Sinne einer Arbeitsprobe machen, das ist Christian Thielemann. Alle anderen m\u00fcssen sich schon um mich bem\u00fchen, wenn Sie mich haben wollen. Nat\u00fcrlich, es ist auch das Repertoire: Jemand, der Bach liebt, wird relativ schnell im Internet auf meine Spur kommen. Ich kann gar nicht sagen, was das f\u00fcr Sieben-Lichtjahr-Stiefel sind, dass man mich auf allen f\u00fcnf Kontinenten, wo man Bach h\u00f6rt, kennt. Ich komme gerade vom Bachfest in Leipzig, und da hat man mich alle 200 Meter auf der Stra\u00dfe angesprochen und in der Kirche gar nicht gehen lassen nach den Motetten und Kantaten. Wenn mein Singen f\u00fcr die H\u00f6rer so eine Offenbarung ist und so etwas Sch\u00f6nes, dann bin ich doch dort angekommen, wo ich hin m\u00f6chte. Ich glaube, das beantwortet, warum ich mich in der zweiten Reihe, in der ich stehe, so wohl f\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Betrachten wir Ihre k\u00fcnstlerische Ernsthaftigkeit n\u00e4her, zumal diese im Verbund mit weiteren Einordnungen Ihres Musizierens steht \u2013 als da w\u00e4ren: Sorgfalt, Akribie, Reifung, Respekt, Uneitelkeit, Verinnerlichung. Zusammen genommen umrei\u00dfen diese Begriffe ein hohes Arbeitsethos, das vor allem Bach und Schubert zugutekommt. Woher kommt\u2019s?<\/strong><br>Ich bin ein Lutheraner und uns Lutheranern sagt man immer den Flei\u00df nach. Ich glaube, heutzutage w\u00fcrden zwei solcher Pfarrstellen wegen Burn-out-Syndrom ausfallen, wie sie mein Vater in den 32 Jahren seiner Arbeitszeit alleine ausgef\u00fcllt hat. Das ist die Vorlage von zu Hause, ob ich will oder nicht. Mir hat auch meine hochverehrte Lehrerin Margit Klaushofer immer gesagt: &#8222;Daniel, Ihnen hat der liebe Gott in den Hals gespuckt, aber das wird leider nicht reichen.&#8220; Und da hat sie recht gehabt. Ich sehe andere Kollegen um mich herum, die ein herrliches Timbre haben, bei denen ich aber denke, wenn Deine Bach-Arien immer so sind, dass Du einen halben Schmiss in der Probe und einen Viertel-Schmiss im Konzert hast, dann wird das nicht f\u00fcr ganz oben reichen. Man muss an seinen St\u00fccken einfach dran sein. Ich bin ein Mittvierziger, die n\u00e4chste Generation gl\u00fcht schon empor. Man muss was tun. Ich glaube, ich komme jetzt in die Jahre, wo ich so viel, wie ich investiert habe, um das zu sein, was ich bin, noch einmal investieren muss, um es auch zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"695\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-1024x695.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10089\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-1024x695.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-300x204.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-768x521.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-500x339.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-800x543.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-870x590.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip-600x407.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Catalina-Filip.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Beim George Enescu Festival Bukarest 2021 (umgeben von Mitgliedern des M\u00fcnchener Bach-Orchesters) (Foto Catalina Filip)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Sch\u00e4tzen Sie bitte mal: Wie viel Prozent bei Ihrer Stimme sind Gottesgabe, wie viel Prozent an K\u00f6nnen sind durch Lehrer vermittelt worden und wie viel ist Flei\u00df?<\/strong><br>Da muss ich noch eine vierte Komponente nennen. Und zwar: zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Das ist in meinem Leben ganz oft so. Wenn ich alles zusammen rechne, werden es dann fast 100 Prozent. 30 Prozent \u00adNaturtalent und jeweils 23 Prozent an Vermittlung, Flei\u00df und eben der Punkt, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Noch eine Behauptung, die einer Frage voraus geht: So verinnerlicht wie Sie als Oratoriens\u00e4nger auftreten, d\u00fcrften Sie \u00fcberzeugter Christ sein \u2013 zumal Sie durch Ihr Elternhaus vorbelastet sind. Ist dem tats\u00e4chlich so?<\/strong><br>Also ich m\u00f6chte jetzt hier nicht wie der amerikanische Fernsehprediger klingen, aber: You get what you see, you get what you hear. Das gilt f\u00fcr mich, f\u00fcr mein Singen \u00fcber Jesus Christus und fast alle Glaubensinhalte. Der Glaube ist aber ein t\u00e4gliches Ringen und ein t\u00e4gliches Fassungsloswerden \u00fcber das, was man sieht. Jetzt sitzen wir hier in der westlichen Welt am Kaffeetisch, fast immer noch 1.000 Kilometer entfernt von Kiew, viele tausend Kilometer von Gaza und Israel entfernt und vom t\u00e4glichen Wahnsinn in Afrika und in Teilen Asiens. Und angesichts der Bilder, die kommen, sto\u00dfen wir immer wieder auf die Frage: Wie passt das denn der liebende Gott zusammen? Wie passt zusammen, dass Bach zehn seiner 20 Kinder begraben musste und dennoch in seine Werke unverbr\u00fcchliche Zuversicht hinein komponierte? Ja, der Glaube ist eine Zumutung. Er ist die erste und gr\u00f6\u00dfte Zumutung, die der Mensch vielleicht haben muss. Ich glaube, was ich singe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie bekennen \u00f6ffentlich, dass Sie vor Jahren einmal in eine existenzielle Verzweiflung, in ein schwarzes Loch gefallen waren, erkl\u00e4ren sich aber nicht n\u00e4her. K\u00f6nnen, m\u00f6chten Sie heute, da wom\u00f6glich alles verarbeitet ist, n\u00fcchtern, sachlich darlegen, worum es ging \u2013 und wie Sie herausfanden?<\/strong><br>Mein musikalisches Leben ist munter und fr\u00f6hlich losgegangen, und es ist instinktgetrieben gewesen. Wenn man bedenkt, dass meine Gesangslehrerin mir gleich &#8222;Die sch\u00f6ne M\u00fcllerin&#8220; und das Weihnachtsoratorium zu singen gegeben hat, k\u00f6nnen manch andere Stimmp\u00e4da\u00adgogen sagen: Na ja, da wird es dann halt irgendwann an etwas mangeln, an irgendeiner technischen Kenntnis \u2013 wenn man eben gleich so ganz auf Musik und Interpretation geht, was ich ja getan habe. Man konnte damals nur hoffen, dass die technischen L\u00fccken anderweitig schlie\u00dfen. Diese L\u00fccken haben sich \u2013 nachdem ich doch schon einige Jahre gesungen hatte, auch Solist war bei Harnoncourt \u2013 nicht nur nicht geschlossen, sondern so weit aufgetan, dass sich mein sonniger S\u00e4ngertraum von heute auf morgen ins Gegenteil verkehrte. Ich hatte im Sp\u00e4therbst 2012 den Zugriff auf meine Stimme und auf meine Aussage komplett verloren. Ich bin zu meiner Lehrerin und musste fragen: &#8222;Wie geht \u00adsingen?&#8220; Jetzt k\u00fcrze ich ein bisschen ab: Ich habe versucht, mir Hilfe zu holen bei allen m\u00f6glichen technischen, menschlichen Ans\u00e4tzen. Ein gro\u00dfer Teil meiner Ratgeber sagte mir: &#8222;Ich f\u00fcrchte, Du musst noch einmal von vorne anfangen.&#8220; Das h\u00f6rt man nicht gerne mit 35 Jahren, nachdem man schon erfolgreich etwas gesungen hat. Aber mir war klar, cum grano salis ist da was dran. Ich habe Zeit gebraucht, um mich und meinen K\u00f6rper zu finden, um \u2013 nur ein Detail \u2013 eine vollkommen entspannte tiefe Kehle zu gewinnen. Der liebe Alois Aichhorn hat mir \u00dcbungen und Vertrauen gegeben, hat mein Ohr auf einen anderen Klang der Stimme hingef\u00fchrt \u2013 von der reinen hellen Lieblichkeit hin zur tiefen Erdung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"811\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-1024x811.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10092\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-1024x811.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-300x238.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-768x608.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-500x396.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-800x633.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-870x689.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch-600x475.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Werner-Kmetitsch.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Als Graf Almaviva in Rossinis &#8222;Il \u00adbarbiere di Siviglia&#8220; bei der Grazer Styriarte 2015 (mit Bibiana Nwobilo als Berta und \u00adMiljenko Turk als Figaro) (Foto Werner Kmetitsch)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Heute sagen Sie: &#8222;Ich darf ein sehr gl\u00fcckliches Leben f\u00fchren!&#8220; Was ist die Ursache f\u00fcr dieses Empfinden? Die Musik wird eine Rolle spielen, nat\u00fcrlich, aber dann \u2026?<\/strong><br>Es ist die menschliche Verbindung. Und ich glaube, es gibt keine andere Art, sein Geld zu verdienen, die mit so viel Altruismus verbunden ist, so viel Austausch von Emotionen, so viel Dankbarkeit, wie das in der Musik der Fall ist. Am Ende jeden Jahres sind 40 bis 50 Menschen in mein Leben getreten, die ich vielleicht gar nicht mehr wiedersehe, mit denen ich aber sofort, wenn ich es nur k\u00f6nnte, einen Abend verbringen w\u00fcrde, bei dem wir uns bestens verstehen und unsere Lieben teilen und potenzieren k\u00f6nnen. Das ist Ursache unendlichen Gl\u00fccks. Wer kann das so sagen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben sie jemals einen saftigen oder auch h\u00f6flich verbr\u00e4mten Verriss erhalten?<\/strong><br>Oh ja, immer wieder. In fr\u00fcheren Jahren \u00f6fter. Mein Timbre ist halt manchmal an der Counter-Ecke, ist manchem zu hell, zu wenig italienisch. Der italienische Melomane wird mit meiner voce tedesca niemals gl\u00fccklich werden. Eine tiefe Kehle in Ehren, aber \u2026 [Anm. d. Red.: Johannsen f\u00e4ngt an, mit tiefer Kehle zu singen.] Es darf nicht immer alles danach klingen. Das ist nicht meines, so kann man keinen Evangelisten singen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wann erhielten Sie Ihren j\u00fcngsten Verriss?<\/strong><br>Da muss ich nachdenken. Also im letzten Jahrzehnt erhielt ich, glaube ich, keinen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Damit es so bleibt: Lassen Sie Ihre Stimme regelm\u00e4\u00dfig kontrollieren?<\/strong><br>Also meine letzte Gesangsstunde bei Alois Aichhorn ist demn\u00e4chst acht Jahre her. Aber ich lasse mich insofern kontrollieren, als einer meiner Agenten, der selbst mal Gesang studiert hat, mir besonders genau zuh\u00f6rt und der mir manchmal auf die Finger klopft, indem er von mir mehr Bodenhaftung fordert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was haben Sie in Sachen Lied-Interpretation von \u00adRobert Holl, Nicolai Gedda, Dietrich Fischer-Dieskau und Christa Ludwig, mit denen Sie auch zusammenarbeiteten, mitgenommen? Pro Koryph\u00e4e bitte nur einen Punkt.<\/strong><br>Von Robert Holl, dem Niederl\u00e4nder, nahm ich mit, wie deutsche Sprache in ihrer Sch\u00f6nheit und Lieblichkeit und all ihren Finessen wirklich funktioniert, von Fischer-\u00adDieskau die Kompromisslosigkeit, in ein St\u00fcck einzutauchen. Von Gedda habe ich sehr viele Einsing-\u00dcbungen erhalten, die ich bis heute ausf\u00fchre. Und von Christa Ludwig habe ich ihren Frohsinn mitgenommen, dieses &#8222;Ach, ich bin ein Kriegskind, aber ich habe es trotzdem sch\u00f6n gehabt&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10090\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Claudia-Prieler.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jephtha im gleichnamigen Oratorium von H\u00e4ndel, Festival Retz 2016 (Foto Claudia Prieler)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie mehr Oper und Operette gesungen. Was sind die Gr\u00fcnde, dass dies in den Hintergrund trat?<\/strong><br>Das h\u00e4ngt halt damit zusammen, dass ich mich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit einem Opernhaus nicht ausliefern m\u00f6chte. Ein Tenor meinesgleichen ist an jedem Haus vorr\u00e4tig. Ich bin der lyrische Wald- und Wiesen\u00adtenor. Nicht der \u00adRitter vom hohen C, damit gehe ich nicht hausieren, aber f\u00fcr das, was man von H\u00e4ndel \u00fcber Belcanto bis hin zu \u00adBritten braucht, bin ich der Sechzehnerschl\u00fcssel, wie man auf Wienerisch sagt. Und den gibt es an jedem deutschen Haus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einspruch, Eurer Ehren. Den mag es geben an jedem Haus, aber nicht in Ihrer Qualit\u00e4t. Und da wir gerade beim Thema Verwechslung sind, gleich die Frage: Hatte eigentlich der Umstand, dass auch ein schwedischer Kollege namens Daniel \u00adJohansson singend Erfolg hat, f\u00fcr Sie schon einmal Folgen?<\/strong><br>Ganz aktuell hat mich, vollkommen richtig geschrieben, die englische Musikzeitung &#8222;The Tatler&#8220; in einem rei\u00dferischen Artikel als den n\u00e4chsten Tristan f\u00fcr Glyndebourne vorgestellt. Aber ich werde ihn nicht singen. Und nun habe ich endlich mal Daniel Johansson kontaktiert und ihn gefragt, ob ihm mittlerweile nicht auch diese st\u00e4ndigen Anfragen reichten, warum er so viele Evangelisten singt \u2013 so, wie es mich an\u00f6det, mich st\u00e4ndig erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, dass ich nicht als Helden\u00adtenor auftrete. Nein, ich singe keinen \u00adSiegmund und keinen Canio. Johansson hat sehr geseufzt und erkl\u00e4rt, das passiere auch ihm immer wieder. In meinem Fall war es auch mal so, dass in einem sch\u00f6nen Matth\u00e4us-\u00adPassion-Programmheft f\u00fcrs Madrider Auditorio \u00adNacional de \u00adM\u00fasica neben meiner wunderbar ins Spanische \u00fcbersetzten Vita ein sch\u00f6nes Foto von Daniel Johansson prangte, knusprig, rothaarig wie er ist \u2013 und eindeutig nicht ich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sind christlich erzogen und sozial, Sie arbeiten ernsthaft und f\u00fchlen hohe Verantwortung f\u00fcr Ihre Sch\u00fcler. Sagen Sie mal, haben Sie auch charakterliche Schw\u00e4chen?<\/strong><br>Meine G\u00fcte! Sie haben sich vorhin als mich uneitel pr\u00e4sentierend ge\u00e4u\u00dfert. Aber ich glaube, ein gewisser Stolz und ein gewisser Ehrgeiz ist in mir sehr stark angelegt. Ich kann mich zwar nach au\u00dfen hin unter Kontrolle halten, aber manchmal, wenn ich mich irgendwo \u00fcbergangen f\u00fchle, wenn ich frage &#8222;Warum er und nicht ich?&#8220;, dann merke ich, da kommt doch eine Art Stolz heraus und vielleicht auch eine kleine \u00dcberheblichkeit, die ich mir schon ankreide. Vor Hybris m\u00fcssen wir, die wir Erfolg haben \u2013 da schlie\u00dfe ich viele Kolleginnen und Kollegen ein \u2013, bewahrt werden, denn die hat ganz viele S\u00e4ngerleben gekostet. Ein bisschen \u00f6fter &#8222;Nein&#8220; zu sagen, das muss ich auch noch lernen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe September\/Oktober 2024<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/print-ausgabe-05-2024\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/pdf-ausgabe-05-2024\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel \u00adJohannsen singt lieber Evangelisten als Wagner-Heroen und setzt dabei auf das Gl\u00fcck von Talent, Flei\u00df und menschlicher Verbindung<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":10091,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1697],"tags":[],"class_list":["post-10085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2024"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Marcel-Plavec.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Marcel-Plavec.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Marcel-Plavec-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Marcel-Plavec-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Marcel-Plavec-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Daniel-Johannsen-c-Marcel-Plavec-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"28. 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