{"id":10218,"date":"2024-10-29T12:50:00","date_gmt":"2024-10-29T11:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=10218"},"modified":"2024-10-28T22:56:29","modified_gmt":"2024-10-28T21:56:29","slug":"manchmal-hatte-ich-gar-kein-zuhause-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2024\/10\/29\/manchmal-hatte-ich-gar-kein-zuhause-mehr\/","title":{"rendered":"Manchmal hatte ich gar kein Zuhause mehr"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Aufgewachsen zwischen Feldern und Steppe in Kirgistan, lernte sie erst in Deutschland die Sprache ihrer Vorfahren \u2013 und erfuhr von der Existenz klassischer Musik. Mittlerweile klopfen gro\u00dfe Opernh\u00e4user bei ihr an sowie Kirill Petrenko. Ein Gespr\u00e4ch mit der Sopranistin \u00fcber gestern, heute, morgen \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Interview R\u00fcdiger Heinze<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wissen Sie eigentlich, dass Sie laut deutscher Wiki\u00adpedia zu den gro\u00dfen T\u00f6chtern ihrer Heimatstadt Bischkek z\u00e4hlen?<\/strong><br>Ja, das wei\u00df ich, das hat mir mein Mann neulich gesagt. Ich bin schon stolz, dass ich aus Kirgistan komme und es so weit geschafft habe. Das h\u00e4tte ich nie gedacht. Aber dass man mich so betitelt! Ich wei\u00df nicht, wer darauf kam. Aber es schmeichelt mir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus Ihrer Familie war es niemand?<\/strong><br><em>(lacht)<\/em> Nicht, dass ich w\u00fcsste! Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus meiner Familie an dem Text dort rumdoktert. Auch nicht mein Mann oder irgendwelche Freunde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kamen Sie zu einem so urdeutschen Namen wie Katharina Konradi?<\/strong><br>Meine Vorfahren stammen aus Sibirien, sind aber Wolga\u00addeutsche, die 1993 bis 1995 auf Einladung in ihre Heimat Deutschland zur\u00fcckgingen. Und ich hatte das Gl\u00fcck, dass ich ein Teil der Familie bin, die dieses Privileg hatte. Meine ganze Familie v\u00e4terlicherseits tr\u00e4gt den Namen Konradi; meine Urgro\u00dfmutter sprach nur Deutsch, obwohl sie ihr Leben lang in Sibirien verbracht hat. Meine Mutter ist Russin, mein Vater hat einen deutschen Elternteil. Als ich dann 2003, mit 15 Jahren, nach Deutschland kam, hatte ich das erste Mal sehr intensive Begegnungen mit der deutschen Sprache. Es war ziemlich schwer, aber ich habe es geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das h\u00f6rt man, Gratulation! Erz\u00e4hlen Sie uns etwas \u00fcber Bischkek und das zentralasiatische Kirgistan kurz vor der Grenze zu China?<\/strong><br>Eigentlich komme ich aus einem kleinen Dorf abseits von Bischkek, mitten im Nirgendwo, drumherum nur Felder und Steppe. Bischkek war f\u00fcr mich eine gro\u00dfe, sch\u00f6ne Welt, wohin wir mit meinen Eltern Ausfl\u00fcge gemacht haben. Ich bin dort auch zur Musikschule gegangen, weil in unserem Dorf fast niemand Musik gemacht hat. Es gab nur eine Klavierlehrerin, bei der ich Unterricht hatte, ansonsten war dort die Besch\u00e4ftigung mit Musik eher ungew\u00f6hnlich. Es gab Viehzucht, Feldarbeit, alles, was man eben auf dem Dorf macht. Bis ich 15 Jahre alt war, habe ich die \u201eStadt\u201c nur stundenweise erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie wurde in Bischkek Ihr Interesse an Musik geweckt?<\/strong><br>Mit vier Jahren hatte ich zur Jahreswende meinen ersten Auftritt bei einem Dorffest. Mein Gro\u00dfvater spielte Akkordeon und ich sang dazu mit gro\u00dfer Freude am Tannenbaum. Das war der Moment, in dem mein Vater mein Talent erkannte und mich weiter f\u00f6rdern wollte. Das hatte zun\u00e4chst nichts mit Klassik zu tun, sondern mit Volksliedern auf Russisch und Kirgisisch, sp\u00e4ter mit popul\u00e4rer Musik. Ich trat sogar auch einmal im regionalen Fernsehen auf. Als ich dann nach Deutschland kam, gab es f\u00fcr mich erstmal gar keine musikalische Perspektive, weil ich klassische Musik einerseits nicht kannte und andererseits nicht wusste, wie ich mit Popmusik den Anschluss finden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gerade als Teenager braucht man einen Halt, einen R\u00fcckhalt. Dieser R\u00fcckhalt w\u00e4re f\u00fcr Sie Kirgistan gewesen, aber dann reiste Ihre Familie mit Ihnen als 15-J\u00e4hrige aus, nach Hamburg. Waren Sie in diesem Alter begeistert, Ihre Freunde zu verlassen?<\/strong><br>Ich war schon vor 2003 immer mal wieder zu Besuch bei meinen Gro\u00dfeltern, die bereits 1995 nach Deutschland gekommen waren. Wir haben bei Hamburg die Sommer verbracht, und dort habe ich gesp\u00fcrt, dass Deutschland ein besonderes Land ist \u2013 wie ein Traum. Seitdem hatte ich den gro\u00dfen Wunsch, in Deutschland zu leben. Aber es war halt schwierig. Wir hatten Probleme mit den Dokumenten und erhielten zun\u00e4chst zweimal eine Absage. Mein Vater besa\u00df als junger Mann zwar einen deutschen Pass, aber den tauschte er sp\u00e4ter gegen einen russischen ein, und es war schwierig, diese \u00c4nderung sp\u00e4ter nachzuweisen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir eigentlich schon aufgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war f\u00fcr Ihre Eltern der Grund, Kirgistan zu verlassen?<\/strong><br>Ich glaube, sie wollten das f\u00fcr uns tun, f\u00fcr meine Schwester und mich. Sie haben an unsere Zukunft gedacht, an unsere Ausbildung. Meine Eltern waren Unternehmer und hatten in Kirgistan eine Nudelfabrik. Ich glaube, meinem Vater fiel es sehr schwer, das Gesch\u00e4ft in Kirgistan aufzugeben, aber er hat es dann trotzdem getan, auch weil er n\u00e4her bei seinen Eltern sein wollte. Die Einladung aus Deutschland wurde zum Geschenk des Himmels f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Waren Sie seit 2003 wieder einmal in Bischkek?<\/strong><br>Nein. Ich hatte es mir zwar vorgenommen und auch 2003 meinen Mitsch\u00fclern versprochen, dass ich nach zwei Jahren zu Besuch wiederkomme. Aber dann ging ich aufs Gymnasium, hatte neue Freunde, auch meinen ersten Freund, sodass gar nicht mehr das Gef\u00fchl auftauchte, ich muss zur\u00fcck. Ich wollte hier sein und bleiben, um wirklich anzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Hamburg wendeten Sie sich dann verst\u00e4rkt der Musik zu. Wie kam das?<\/strong><br>Mit 18 Jahren war ich zum ersten Mal in der Oper in Hamburg und hatte zum ersten Mal so etwas wie eine musikalische Erweckung. Es wurde die \u201eTraviata\u201c gegeben. Ich war sehr beeindruckt! Und dann habe ich gedacht, das will ich auch machen \u2013 ich will irgendwann auch in dieser Oper singen, ich will zur B\u00fchne. Ich dachte, wenn es mit der Popmusik nicht geht, dann ist die Oper der richtige Weg, um auf der B\u00fchne zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10209\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Fledermaus_2023_OHP_c_W_Hoesl-266.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Adele in der aktuellen \u201eFledermaus\u201c-Produktion der Bayerischen Staatsoper, 2023 (Foto Wilfried H\u00f6sl\/Bayerische Staatsoper)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Bis zum Hirten im Bayreuther \u201eTannh\u00e4user\u201c 2019, bis zur Sophie in M\u00fcnchens \u201eRosenkavalier\u201c 2021 dauerte es aber noch etwas. Was geschah?<\/strong><br>Als ich 21 war, machte ich mein Abitur und ging sofort in die Aufnahmepr\u00fcfungen an den Musikhochschulen in Berlin und K\u00f6ln. Ich entschied mich f\u00fcr Berlin, um f\u00fcr vier Jahre bei Julie Kaufmann zu studieren. Aber danach war ich noch nicht wirklich zufrieden und beschloss, ein Jahr Pause zu machen. Ich arbeitete beim M\u00fcnchner T\u00dcV, \u00fcberpr\u00fcfte unter anderem technische Unterlagen von Schaustellern, nahm weiter Gesangsunterricht, studierte jedoch nicht offiziell \u2013 bis ich schlie\u00dflich nochmal eine Aufnahmepr\u00fcfung absolvierte: f\u00fcr Lied und Konzertgesang in M\u00fcnchen. Zum Studium sang ich sp\u00e4ter parallel in Wiesbaden an der Oper \u2013 mein erstes Engagement. Ich sang Operette, aber auch meine erste Woglinde, Pamina, Susanna, bestes Repertoire zum Einsteigen. Und dann kam Bayreuth mit dem Hirten, obwohl ich dort f\u00fcr die Woglinde vorgesungen hatte. Sie sagten, meine Stimme sei f\u00fcr die Woglinde zu klein, aber ich k\u00f6nne doch den Hirten im \u201eTannh\u00e4user\u201c singen. Damit war ich auch sehr gl\u00fccklich, der Hirte steht doch mehr im Fokus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mittlerweile haben Sie etliche CDs aufgenommen \u2013 und dabei f\u00e4llt ein Faible f\u00fcr Konzept-Programme einerseits, f\u00fcr au\u00dfergew\u00f6hnliche Besetzungen andererseits auf, nicht zuletzt auf \u201eSolitude\u201c mit romantischen Liedern in Fassungen Aribert Reimanns f\u00fcr Streichquartett. Wie kam es dazu?<\/strong><br>Die sechs Schumann-Lieder op. 107 h\u00f6rte ich bereits vor meiner Entscheidung, Gesang zu studieren. Ich hatte mir eine CD mit Christine Sch\u00e4fer gekauft \u2013 f\u00fcr mich die G\u00f6ttin im Liedgesang \u2013 und h\u00f6rte die Lieder rauf und runter. Worauf sich der Wunsch entwickelte, sie auch selbst zu singen, was dann tats\u00e4chlich w\u00e4hrend meines Studiums geschah. Und sp\u00e4ter fand ich die Fragmente op. 20 von Gy\u00f6rgy Kurt\u00e1g, die meiner Meinung nach in der Kombination unfassbar gut zu Schumann passen \u2013 was auch immer gut beim Publikum ankam. \u00dcber die Jahre hinweg reifte die Vorstellung, Schumann in der Reimann-Bearbeitung zu singen und weitere St\u00fccke rund um Einsamkeit einzubinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gehen Ihnen sicherlich weitere \u00e4hnliche \u00adProjekte durch den Kopf. Was w\u00fcrden Sie gerne als erstes, liebstes machen?<\/strong><br>Es gibt eine Idee: die einer Orchester-CD, und daf\u00fcr wird es auch Zeit. Das ist mein gro\u00dfer Wunsch. Das Konzept bleibt \u00e4hnlich, dass \u2013 im Kontrast \u2013 mal das Orchester spielt, mal ich alleine singe oder zumindest nur von wenigen Instrumenten begleitet. \u00dcber die Komponisten kann ich nat\u00fcrlich noch nichts verraten. Es sind zwei Jahre Arbeit, die ich f\u00fcr solch ein Projekt brauche. Das ist wie ein Kind, das ich austrage. Ich liebe solche Projekte, auch um mein k\u00fcnstlerisches Ego zu befriedigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihre Konzept-Alben haben Ecken und Kanten \u2013 Sie selbst auch?<\/strong><br>Ja, viele. Wenn man Ungeduld als Ecke und Kante bezeichnen kann: Ich bin sehr ungeduldig und kann sehr schnell an die Decke gehen, wenn etwas nicht so l\u00e4uft, wie ich das will. Das kriegt mein Mann oft zu sp\u00fcren. Zum Gl\u00fcck ist er das Gegenteil von mir; er ist so schwer aus der Ruhe zu bringen. Meine Ungeduld kriegt nicht nur er zu sp\u00fcren. Auch meine Agenten erfahren das, weil ich sehr viel und gleichzeitig machen m\u00f6chte, tausend Projekte in einer Woche. Noch eine Ecke und Kante: Ich kann an einem Ort nicht lange sein. Innerhalb von zwei Jahren bin ich schon achtmal umgezogen. Letztes Jahr hatte ich gar kein Zuhause mehr, wir sind nur gereist. Ich bekam solch eine Panik, mich irgendwo festzusetzen, weil ich das Gef\u00fchl hatte, wenn ich eine feste Wohnung habe, dann ist das f\u00fcr mich: Schluss, Aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"913\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-1024x913.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10208\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-1024x913.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-300x268.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-768x685.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-500x446.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-800x713.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-870x776.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302-600x535.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/die_lustige_witwe_bk_\u00a9Monika-Rittershaus_302.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">In der Rolle der Valencienne in Leh\u00e1rs \u201eLustiger Witwe\u201c, Opernhaus Z\u00fcrich 2024 (Foto Monika Rittershaus)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Sie hatten erkl\u00e4rterma\u00dfen mal ein Burn-out. Nun aber ist Ihr Auftrittskalender wieder ausgesprochen voll. Ein Widerspruch? K\u00f6nnte sich da etwas wiederholen?<\/strong><br>Mein Burn-out im Januar 2020 war ziemlich heftig; dabei wusste ich zuvor gar nichts von der M\u00f6glichkeit eines Burn-outs. Ich hatte zwei Jahre lang keinen Urlaub, nur durchgesungen, durchstudiert. Drei Monate zuvor hatte es sich schon angek\u00fcndigt: Ich konnte nicht mehr schlafen, nur noch eine Stunde pro Nacht. F\u00fcr mich war Schlafen damals verlorene Zeit. Gleichzeitig entwickelte ich eine Angst vor dem n\u00e4chsten Auftritt. Ich bin zwar auf die B\u00fchne und habe meine Sachen alle noch ganz gut gemacht, aber der Widerstand in mir war pl\u00f6tzlich so gro\u00df. Bei einer Hamburger \u201eBoh\u00e8me\u201c dann passierte es, dass ich zwar ein-, aber nicht mehr ausatmen konnte. Es war nur noch schrecklich und ich bekam einen Nervenzusammenbruch. Dann suchte ich mir schnell psychologische Hilfe in der Musiker-Ambulanz in \u00adHamburg. Ich musste auch wieder lernen zu schlafen. Es klingt bescheuert jetzt, aber Corona war f\u00fcr mich die Rettung. Die Veranstalter sagten ab. Nun hatte ich Zeit zu schlafen. Heute jedenfalls habe ich gute Berater: meinen Mann, meine Psychologin, meine Agenten. Ich wei\u00df nicht, was ich mit meiner Ungeduld machen soll, mit diesem Gef\u00fchl, ich m\u00f6chte noch so vieles schaffen an Orten, wo ich noch nicht gewesen bin \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sagten einmal, es gebe noch andere wichtige Aufgaben im Leben \u2013 neben dem Singen. Was w\u00e4ren die f\u00fcr Sie?<\/strong><br>Eine wichtige Aufgabe ist ein guter Freundeskreis. Ein gro\u00dfes Fest, zu dem wir viele Freunde einladen, n\u00e4hrt mich noch wochenlang. Auch Malen geh\u00f6rt dazu, ich male so gerne. Doch ich komme einfach nicht dazu. Die gr\u00f6\u00dfte Aufgabe ist aber nat\u00fcrlich unsere kleine Tochter. Ich m\u00f6chte auch viel mehr Zeit mit ihr verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zurzeit singen Sie viel geistliche Musik. Wie halten Sie es mit der Religion?<\/strong><br>Ich bin aufgewachsen, ohne jemals eine Kirche von innen gesehen zu haben \u2013 bis ich nach Deutschland kam. Hier wurden wir bei der Anmeldung der evangelischen Kirche zugeordnet, da unsere Vorfahren evangelisch waren. Aber mittlerweile bin ich aus der Kirche ausgetreten, auch weil ich ihr nie freiwillig beigetreten bin. Aber: Ich singe wahnsinnig gerne geistliche Musik. Davon kann ich nicht genug kriegen. Die Musik beseelt mich; sie erweitert meinen Geist. Ich m\u00f6chte nicht darauf verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es steht ja wohl demn\u00e4chst ein Konzert mit einem Weltklasse-Orchester unter einem Weltklasse-Dirigenten an. Darf dar\u00fcber Genaues schon vermeldet werden? Wie kam es dazu?<\/strong><br>Ja, das darf man jetzt schon schreiben, dass ich in Baden-\u00adBaden bei Beethovens Neunter mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko singe; das findet doch in der laufenden Spielzeit statt. Es stand zur Auswahl, ob ich in der \u201eMissa solemnis\u201c oder in der Neunten singe. Ich sollte dann eine Aufnahme schicken, weil Herr Petrenko gerne h\u00f6ren wollte, wie meine Stimme piano in der H\u00f6he klingt. Er erhielt meine M\u00fcnchner \u00adSophie. Dann kam die Antwort, er habe mich gerne.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe November\/Dezember 2024<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-06-2024\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-06-2024\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist ein Energieb\u00fcndel. 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