{"id":10297,"date":"2024-12-20T14:07:00","date_gmt":"2024-12-20T13:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=10297"},"modified":"2024-12-19T17:08:10","modified_gmt":"2024-12-19T16:08:10","slug":"ich-brauche-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2024\/12\/20\/ich-brauche-freiheit\/","title":{"rendered":"Ich brauche Freiheit!"},"content":{"rendered":"<p><em>Interview Georg Rudiger<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Bis 2023 war Omer Meir Wellber Musikdirektor an der Volksoper Wien, bis 2024 auch Chefdirigent am Teatro Massimo in Palermo \u2013 in K\u00fcrze beginnt sein Engagement als Generalmusikdirektor an der Staatsoper Hamburg. Wir haben nach der Wiener Urauff\u00fchrung von <strong>\u201eAlma\u201c<\/strong> mit dem 43-J\u00e4hrigen \u00adgesprochen: \u00fcber sein Aufwachsen am Rande der W\u00fcste, sein eigenes Komponieren, \u00fcber Antisemitismus und die Ignoranz der Linken. Und dar\u00fcber, was er gemeinsam mit dem neuen Intendanten Tobias Kratzer in Hamburg vorhat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>An der Wiener Volksoper haben Sie Ende \u00adOktober die Urauff\u00fchrung von \u201eAlma\u201c, einer f\u00fcnfaktigen Oper der israelischen Komponistin Ella Milch-Sheriff, dirigiert. Sie komponieren selbst. Hilft das in der Zusammenarbeit mit einer Komponistin?<\/strong><br>Auf jeden Fall. Wir haben f\u00fcr diese Oper drei Jahre zusammengearbeitet und uns alle sechs Monate getroffen, um Ver\u00e4nderungen vorzunehmen, zu k\u00fcrzen, zu erg\u00e4nzen und die Instrumentation zu \u00fcberarbeiten. Die Entscheidungen hat nat\u00fcrlich Ella getroffen \u2013 aber f\u00fcr sie war es wichtig, mit mir im Dialog zu sein. Gro\u00dfe Komponisten wie \u00adGiacomo Puccini, \u00adRichard Strauss oder Johannes Brahms waren immer im Dialog. Seien wir ehrlich: Bei zeitgen\u00f6ssischen Opern k\u00f6nnte man h\u00e4ufig einige Passagen streichen. \u201eAlma\u201c dagegen hat eine Kompaktheit, die sicherlich auch ein Ergebnis unseres Austauschs ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hat Ihnen musikalisch besonders gefallen an der Oper?<\/strong><br>Vieles! Ich kenne die musikalische Sprache von Ella sehr gut, ich habe schon viele ihrer Werke dirigiert. Ihre Musik hat eine sehr starke Verbindung mit dem Text, es gibt theatralische Ideen in ihrer Partitur. Au\u00dferdem finde ich es sehr interessant, wie virtuos sie mit verschiedenen Stilen spielt, ohne dabei eklektisch zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Leben von Alma Mahler-Gropius-Werfel wird in der Oper von hinten nach vorne erz\u00e4hlt \u2013 es beginnt mit der 56-j\u00e4hrigen Alma Gropius im Jahr 1935 und endet mit der 22-j\u00e4hrigen Alma Schindler 1901. Die Oper \u00adl\u00e4uft im letzten Akt auf die zentrale Szene zu, wenn Alma ihre Noten verbrennt. Kurz zuvor hatte ihr Gustav Mahler das Komponieren verboten. Sie haben schon als Kind eigene Musik zu Papier gebracht. Was h\u00e4tten Sie gemacht, wenn Ihnen Ihre Eltern das Komponieren verboten h\u00e4tten?<\/strong><br><em>(lacht) <\/em>Das ist eine gute Frage. Man kann sich das schwer vorstellen, weil heutzutage die meisten Kinder grunds\u00e4tzlich alles machen d\u00fcrfen. Aber es gibt schon viele L\u00e4nder wie \u00adAfghanistan oder der Iran, in denen Frauen wenige oder gar keine Rechte haben. Diese Entscheidung gegen die Musik war f\u00fcr Alma eine Entscheidung gegen sich selbst, gegen ihre Pers\u00f6nlichkeit. Das ist sehr tragisch. Bei uns zuhause war das v\u00f6llig anders. Meine Eltern haben nichts forciert, aber auch nichts behindert. Ich war da ganz frei in meiner Entwicklung, wof\u00fcr ich dankbar bin. Aber nat\u00fcrlich habe ich durch die Entscheidung f\u00fcr die Musik auf vieles verzichten m\u00fcssen. Ich spielte sehr wenig mit anderen Kindern auf der Stra\u00dfe, habe nie an Schulausfl\u00fcgen teilgenommen. Als K\u00fcnstler muss man immer einen Preis zahlen, dieser Verzicht geh\u00f6rt einfach dazu. Wir sind jetzt in Wien \u2013 und meine Tochter in Mailand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10300\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Omer-Meir-Wellber_Ella-Milch-Sheriff-Volksoper-Wien-c-Barbara-Palffy.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bei der Probe von \u201eAlma\u201c mit Komponistin Ella Milch-Sheriff (Foto Barbara P\u00e1lffy)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie sind Sie denn \u00fcberhaupt zum Komponieren gekommen? Das ist ja eher ungew\u00f6hnlich f\u00fcr ein Kind. Wie alt waren Sie denn?<\/strong><br>Elf Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kam das zeitgleich mit dem Erlernen von Klavier und Akkordeon?<\/strong><br>Ja. Das hatte auch mit meinen Lehrern zu tun, die echte K\u00fcnstler waren und meine \u00adKreativit\u00e4t gef\u00f6rdert haben. Einer war Emigrant aus Russland, der andere Holocaust-\u00dcberlebender. Sie haben viel erlebt. Auch meine Heimatstadt spielte eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Be\u2019er Sheva am Rand der Negev-W\u00fcste: eine Gro\u00dfstadt mit \u00fcber 200.000 Einwohnern.<\/strong><br>In meiner Kindheit war die Stadt allerdings mit rund 80.000 Einwohnern noch viel kleiner. Der Aufschwung kam erst in den 90er Jahren mit der Gr\u00fcndung von zwei Universit\u00e4ten. Be\u2019er Sheva war in meiner Kindheit eine arme, multikulturelle Stadt, in der wenig geboten war. In meiner Schulklasse h\u00f6rte ich acht verschiedene Sprachen. Ich habe aus rum\u00e4nischen B\u00fcchern gelernt, weil meine Lehrerin aus Rum\u00e4nien kam. Wir mussten uns alles hart erarbeiten \u2013 das hat mich gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr wen haben Sie komponiert?<\/strong><br>F\u00fcr meine Freunde. Einer spielte Mandoline, der andere Violine, ich Klavier und Akkordeon. Ich habe viele St\u00fccke f\u00fcr diese Besetzung geschrieben. Wir waren wie eine kleine musikalische Gesellschaft und haben unsere eigene Musik gespielt. So ein bisschen wie bei Joseph Haydn und Antonio Vivaldi.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welchen Stellenwert hat das Komponieren heute f\u00fcr Sie?<\/strong><br>Seit zehn Jahren komponiere ich gar nicht mehr. Von einem Tag auf den anderen hatte ich das Bed\u00fcrfnis, B\u00fccher zu schreiben und keine Musik mehr. Ich wollte konkreter werden \u2013 meine k\u00fcnstlerischen Ideen konnte ich ab diesem Zeitpunkt besser durch Sprache ausdr\u00fccken. Dann habe ich meinen ersten Roman \u201eDie vier Ohnmachten des Chaim Birkner\u201c geschrieben. Inzwischen ist mein zweiter fertig, aber noch nicht ver\u00f6ffentlicht. Das ist im Augenblick meine kreative Welt. Durch meine T\u00e4tigkeit als Dirigent habe ich so viel Musik von anderen im Kopf, dass es mir schwerer f\u00e4llt als fr\u00fcher, meine eigene Musik zu h\u00f6ren. Richard Strauss und Gustav Mahler ging es \u00e4hnlich \u2013 sie haben sich dann in die Stille der Natur zur\u00fcckgezogen, um wieder komponieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beeinflussen Ihre Erfahrungen mit dem Komponieren auch Ihre Interpretationen als Dirigent? M\u00f6chten Sie lieber etwas Neues schaffen, als das Alte zum Leben zu erwecken?<\/strong><br>Absolut ja. Als Komponist sehe ich andere Dinge in der Partitur: Was steht hinter den Noten? Ich sehe meine Arbeit als Dirigent viel weitgefasster. Und habe auch kein Problem damit, eine Partitur zu k\u00fcrzen oder Dinge herauszuarbeiten, die nicht notiert sind. Es interessiert mich \u00fcberhaupt nicht, wie Mozarts Musik in der Zeit ihrer Entstehung geklungen hat. Der Notentext braucht immer eine Interpretation.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10299\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_cOliver-Killig.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eWenn ich ein Werk \u00addirigiere, mache ich das niemals gleich\u201c (Foto Oliver Killig)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>In der Oper \u201eAlma\u201c gibt es im ersten Akt w\u00fcste antisemitische \u00c4u\u00dferungen von Alma Mahler. Gustav Mahler wurde 1907 Opfer einer antisemitischen Kampagne in Wien, vor der er mit Alma nach New York an die Met fl\u00fcchtete. Sie arbeiten als israelischer Dirigent schon lange in Europa. Haben Sie selbst Antisemitismus erlebt?<\/strong><br>Nein, pers\u00f6nlich nicht. Aber meine Definition von Antisemitismus ist auch etwas anders. Alma Mahler ist hierf\u00fcr ein gutes Beispiel. Diese Frau war zwar Antisemitin, aber trotzdem verheiratet mit Gustav Mahler und Franz Werfel, zwei sehr bekannten Juden. Das Leben ist kompliziert und voller Widerspr\u00fcche. Heute muss man in einer Diskussion f\u00fcr oder gegen Israel sein. In der polarisierten \u00f6ffentlichen Debatte wird eine Stellungnahme gegen \u00adIsrael mit Antisemitismus gleichgesetzt. Das ist falsch. Die politische Korrektheit spiegelt die Ambivalenz der Wirklichkeit nicht wider. Man kann gegen Netanjahu sein, aber f\u00fcr Israel. F\u00fcr Pal\u00e4stina, aber gegen die Hamas. Diese M\u00f6glichkeiten, diese Graut\u00f6ne werden aber im Schwarz-Wei\u00df-\u00adDenken und der damit verbundenen Emp\u00f6rungskultur nicht abgebildet. Die Erstarkung der Rechten in Europa h\u00e4ngt damit zusammen. Das ist der Protest gegen Denkverbote. Alma Mahler k\u00f6nnte ein gutes Beispiel daf\u00fcr sein, wie komplex das Leben ist. Einfache L\u00f6sungen sind immer falsch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie schauen Sie selbst aktuell auf den Krieg in Israel und dem Libanon?<\/strong><br>Ich bin ein gro\u00dfer Kritiker von Benjamin \u00adNetanjahu und seiner faschistischen Clique. Das Vorgehen \u00adIsraels im Gazastreifen ist f\u00fcr mich nicht akzeptabel. Da wurden viele Fehler gemacht. Im Libanon ist die Sache etwas anders. Vom Libanon aus wurde Israel die letzten zehn Jahre von der Hisbollah mit Raketen angegriffen. Mehr als 150.000 Bewohner aus dem Norden Israels mussten ihre H\u00e4user verlassen und leben seit einem Jahr im Hotel. Diese Situation muss gel\u00f6st werden. Von hundert falschen Sachen macht Netanjahu eine Sache richtig. Und im pal\u00e4stinensischen Widerstand gibt es auch berechtigte Anliegen. Ich war ein \u00fcberzeugter Linker, aber die Linke hat im pal\u00e4stinensisch-israelischen Konflikt gro\u00dfe Fehler gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><br>Wir waren zu zufrieden in unserer Denkblase und haben die Realit\u00e4t nicht angeschaut. Nach dem \u00dcberfall der Hamas am 7. Oktober 2023, nach den brutalen Vergewaltigungen, Geiselnahmen, Folterungen und T\u00f6tungen hat keine feministische Organisation etwas gegen die Hamas gesagt. Die Linke hat die Realit\u00e4t nicht gesehen. Freunde meiner Mutter sind in diesem von der Hamas \u00fcberfallenen Kibbuz gek\u00f6pft worden. Ihre K\u00f6pfe hat man nicht mehr gefunden. Diese Realit\u00e4tsverkennung der Linken ist gef\u00e4hrlich. Eine Transgender-Person aus Berlin w\u00fcrde im Iran oder in Pal\u00e4stina sofort get\u00f6tet. Diese Ignoranz der Linken und der Rechten ist das Problem, das uns auch in Zukunft noch besch\u00e4ftigen wird. Alma Mahler, um auf sie zur\u00fcckzukommen, vereint Widerspr\u00fcche in sich und wird damit der Realit\u00e4t viel mehr gerecht. Wir brauchen mehr Alma \u00adMahlers.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie hatten an der Wiener Volksoper einen Vertrag bis 2027 als Musikdirektor, sind dann aber Ende 2023 von diesem Amt zur\u00fcckgetreten, weil sie im September 2025 als Generalmusikdirektor in Hamburg beginnen.<\/strong><br>Wichtig war Intendantin Lotte de Beer und mir, dass unsere musikalische Zusammenarbeit wie jetzt in \u201eAlma\u201c weitergeht. Ende Januar werde ich an der Volksoper mit dem \u201eKaiserRequiem\u201c, einer Verbindung von Viktor Ullmanns Oper \u201eDer Kaiser von Atlantis\u201c mit Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem, die n\u00e4chste Produktion dirigieren. Mein fr\u00fcherer Assistent Ben Glassberg hat die Stelle des Musikdirektors \u00fcbernommen \u2013 so ist das f\u00fcr alle eine gute L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und was haben Sie in Hamburg vor?<\/strong><br>Ich kann noch nicht viel sagen, weil erst im M\u00e4rz unsere Pressekonferenz stattfindet. Aber so viel: An der Staatsoper Hamburg beginnt eine neue \u00c4ra. Das wird zu sp\u00fcren sein. Wir haben neue Ideen f\u00fcr die Konzerte, aber auch f\u00fcr das Musiktheater. Ich leite dort in der kommenden Spielzeit zwei Produktionen \u2013 und beide sind keine klassischen Opern. Das Haus soll innerhalb Deutschlands ein besonderes Profil erhalten, wie es auch in der Vergangenheit mit Peter Konwitschny, Rolf Liebermann oder auch schon Gustav Mahler der Fall war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Also mehr Experiment?<\/strong><br>Ja. Es gibt hier ein sehr neugieriges, offenes Publikum. Wir haben den Hafen als Tor zur Welt, wir haben viele Touristen. Wir m\u00f6chten noch mehr in Dialog treten mit der Stadt, mit den unterschiedlichen Kulturen, aber auch mit der Wirtschaft und Politik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben sich Ihr Studium als Zauberer finanziert. Welche Probleme im Musikbetrieb w\u00fcrden Sie gerne verschwinden lassen?<\/strong><br><em>(lacht) <\/em>Als Zauberer gibt es zwei entscheidende Dinge. Erstens: Timing. Zweitens: Man kann denselben Trick nicht zweimal machen. Das ist f\u00fcr einen Zauberer wichtig, aber auch f\u00fcr einen Generalmusikdirektor. Wenn ich ein Werk dirigiere, mache ich das niemals gleich. Auch in den Proben lasse ich viele Entscheidungen offen, was f\u00fcr die Orchester\u00admusikerinnen und -musiker vielleicht auch anstrengend sein kann. Ich brauche diese Freiheit. Die eigentliche Interpretation entsteht dann im Augenblick der Auff\u00fchrung \u2013 das ist der Zauber.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background-color:#ffe100;grid-template-columns:auto 30%\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px;text-transform:uppercase\"><strong>Lesetipp<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Omer Meir Wellber:<br>\u201eDie vier Ohnmachten<br>des Chaim Birkner\u201c<br>208 Seiten, Berlin Verlag<\/p>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" width=\"366\" height=\"560\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_Buch.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10303 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_Buch.png 366w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/OMW_Buch-196x300.png 196w\" sizes=\"(max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:90px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe Januar\/Februar 2025<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-01-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-01-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der israelische Dirigent Omer Meir Wellber lebt seinen K\u00fcnstlertraum \u2013 zwischen Wien und Hamburg, zwischen Familie, Berufung,<br \/>\nHerkunft und Identit\u00e4t<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":10301,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1804],"tags":[],"class_list":["post-10297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2025"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Wellber_LUP3299-cLuca-Pezzani.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Wellber_LUP3299-cLuca-Pezzani.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Wellber_LUP3299-cLuca-Pezzani-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Wellber_LUP3299-cLuca-Pezzani-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Wellber_LUP3299-cLuca-Pezzani-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Wellber_LUP3299-cLuca-Pezzani-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"20. 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