{"id":10450,"date":"2025-02-28T14:15:00","date_gmt":"2025-02-28T13:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=10450"},"modified":"2025-02-28T14:36:34","modified_gmt":"2025-02-28T13:36:34","slug":"nora-schmid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2025\/02\/28\/nora-schmid\/","title":{"rendered":"Gestern. Heute. Morgen?"},"content":{"rendered":"<p><em>Interview Florian Maier<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>2010 kam Nora Schmid als Chefdramaturgin das erste Mal nach Dresden, nach dem \u00fcberraschenden Tod ihrer Chefin Ulrike Hessler 2012 trug sie als Teil der Interims-Intendanz schon einmal die Verantwortung. Heute \u2013 zehn Jahre sp\u00e4ter \u2013 setzt die 46-J\u00e4hrige mit mittlerweile achtj\u00e4hriger Grazer Intendanz-\u00adErfahrung ganz allein \u201edie Segel\u201c f\u00fcr die Semperoper auf dem Weg in eine erfolgreiche \u00adZukunft. Unter zugegebenerma\u00dfen nicht einfachen Bedingungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Hatten Sie schon in der \u00c4ra Hessler und der darauffolgenden Interims-Intendanz Visionen, die sich erst jetzt als \u201eoffizielle\u201c Nachfolgerin verwirklichen \u00adlassen?<\/strong><br>Ich bin damals gemeinsam mit Ulrike Hessler nach \u00adDresden gekommen \u2013 durch ihren viel zu fr\u00fchen, tragischen Tod ist quasi \u00fcber Nacht eine gro\u00dfe L\u00fccke entstanden. Da ging es dann mit unglaublichem Zusammenhalt zuallererst ums Reagieren: Wie machen wir jetzt weiter? Ich habe gemerkt, dass ich vor diesem Hintergrund mittelfristig erst einmal einen anderen Weg f\u00fcr mich selbst einschlagen wollte. Es war in der Vorbereitung meiner eigenen Intendanz von Vorteil, die Semperoper schon so gut zu kennen. Aber in den zehn Jahren seit meinem damaligen Abschied hat sich hier auch viel weiterentwickelt \u2013 und mir war es wichtig, jetzt \u201efrisch\u201c in ein neues Kapitel zu starten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie kehren an ein sehr traditionsreiches Haus zur\u00fcck. Schlagen Sie programmatische Br\u00fccken zur Historie \u2013 oder gerade bewusst nicht?<\/strong><br>Ich glaube, es braucht beides. \u00adJedes Theater hat seine Wurzeln, seine \u00adSeele. Die gilt es zu pflegen, aber auch weiterzuf\u00fchren. Die Semperoper h\u00e4tte keine Tradition, wenn man sie nicht immer wieder ins Hier und Jetzt geholt h\u00e4tte. Wenn Sie sich unseren ersten Spielplan ansehen, entdecken Sie Richard Strauss\u2019 \u201eIntermezzo\u201c, dessen Urauff\u00fchrung im vergangenen November vor exakt 100 Jahren in \u00adDresden stattfand. Aber mit \u00adKaija \u00adSaariahos \u201e\u00adInnocence\u201c von 2021 auch eine der packendsten zeitgen\u00f6ssischen Opern der letzten Jahre. Diese Spann\u00adweite macht ein ausgewogenes Programm aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von einer \u00adZukunftsperspektive \u201eSemper 2030\u201c war die Rede, als Sachsens Kulturministerin \u00adBarbara Klepsch 2021 Ihre Berufung bekanntgab: \u201eWir sehen dabei das, was heute gut ist, und denken trotzdem an das \u00dcbermorgen der Oper.\u201c Wie sieht denn dieses \u201e\u00dcber\u00admorgen\u201c konkret aus, das Sie ansteuern m\u00f6chten?<\/strong><br>Ich halte es f\u00fcr falsch zu kategorisieren: \u201eDas ist das Gestern\/das Heute\/das Morgen.\u201c Gerade bei einem gro\u00dfen Repertoirebetrieb wie dem unseren l\u00e4uft alles ineinander. Wir haben eine \u00adbreite Palette an Auff\u00fchrungen, die in ganz unterschiedlichen Zeiten entstanden sind \u2013 manche sind 40 Jahre alt, andere noch ganz neu. Mich erinnert das manchmal an ein Museum: Wenn man eine neue H\u00e4ngung plant und eine bestimmte Produktion in Kontrast zu einer anderen setzt, erlebt man wom\u00f6glich auch das Altbekannte pl\u00f6tzlich wieder ganz \u201eneu\u201c. \u201e\u00dcbermorgen der Oper\u201c bedeutet f\u00fcr mich, mit unserem Gesamtprogramm zu spielen und dabei das Publikum mitzunehmen \u2013 das ist immer ein laufender Entwicklungsprozess.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben das Ensemble der Semperoper vergr\u00f6\u00dfert. Ein Bekenntnis zum genannten Repertoiretheater?<\/strong><br>Auf jeden Fall. Instrument des Jahres 2025 ist die menschliche Stimme und wenn wir uns fragen, wovon das Musiktheater lebt, ist f\u00fcr mich die eindeutige Antwort der singende Mensch. Er ber\u00fchrt uns und steht Abend f\u00fcr Abend auf dieser B\u00fchne. Nat\u00fcrlich ist es zentral, welche Geschichten wir erz\u00e4hlen \u2013 aber eben auch, mit welchen Menschen. Das Publikum baut eine Beziehung mit \u201eseinen\u201c K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern auf. Mir ist es dabei immer wichtig, dass verschiedene Generationen und Erfahrungslevel aufeinandertreffen. Nur so k\u00f6nnen die Mitglieder eines Ensembles voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"699\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-1024x699.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10448\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-1024x699.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-768x524.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-500x341.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-800x546.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-1280x874.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-870x594.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer-600x410.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/dreiOrangen_c_David_Baltzer.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Oper \u201eganz nah an unserer Zeit\u201c: Szene aus Prokofjews \u201eDie Liebe zu den drei Orangen\u201c, 2024 (Foto Semperoper Dresden\/David Baltzer)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>\u201eMich interessiert nur gesellschaftlich relevantes Theater\u201c, bekannte Ihr Vorg\u00e4nger Peter Theiler. Was bedeutet das f\u00fcr Sie?<\/strong><br>Es gibt viele Dinge, die gesellschaftlich relevant sind. Oft werde ich aber auch gefragt, was ich unter \u201e\u00admodern\u201c verstehe. Ob beides letztlich ein und dasselbe ist? Ich wei\u00df es nicht. Mich besch\u00e4ftigt auf jeden Fall das, was uns ber\u00fchrt und bewegt, unabh\u00e4ngig von einer zwanghaft \u201emodernen\u201c \u00c4sthetik. Wenn wir noch einmal auf \u201e\u00adInnocence\u201c schauen, geht es dort um Themen wie Waffengewalt, Mobbing und Zivilcourage. Auch \u00adProkofjews \u201eDie Liebe zu den drei Orangen\u201c ist bei aller \u00fcberbordenden Fantasie ganz nah an unserer Zeit: Ein Prinz hat das Lachen verlernt, findet keine Freude am Leben, ist depressiv \u2013 in der Welt nach Corona ein riesiges Thema. Letztlich verstecken sich die Motive, die uns in unserem Menschsein umtreiben, in allen Werken der Theatergeschichte \u2013 sonst w\u00e4ren diese ja nie entstanden. Gutes Theater erhebt nicht den moralischen Zeigefinger, sondern ist immer eine Einladung zum \u00d6ffnen von Gedankenr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das f\u00fchrt uns zum Motto Ihrer ersten Spielzeit: \u201eStell dir vor\u201c.<\/strong><br>\u201eStell dir vor\u201c ist weniger Spielzeitmotto als vielmehr ein Appell an die eigene Vorstellungskraft: Lass Dich auf die Oper ein \u2013 und entdecke, was sie wom\u00f6glich mit Dir selbst zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist die pers\u00f6nliche Ansprache per \u201eDu\u201c auch ein Versuch, die Oper unverkrampfter an neue Besucherschichten heranzutragen? Und ist das eine Genera\u00adtionenfrage?<\/strong><br>Lustigerweise haben wir tats\u00e4chlich intern dar\u00fcber diskutiert, ob wir \u201eeinfach so\u201c alle duzen k\u00f6nnen. <em>(lacht)<\/em> Aber es handelt sich ja eher um eine indirekte Kontaktaufnahme, auf die erfreulicherweise alle Generationen anspringen. Wir bekommen Feedback, dass unsere Besucherinnen und Besucher mittlerweile schon neugierig sind, welcher Spruch als n\u00e4chstes kommt. Ravels \u201eDas Kind und der Zauberspuk\u201c etwa bewerben wir mit \u201eStell dir vor, deine Fantasie wird Wirklichkeit\u201c, \u00adGounods \u201eRom\u00e9o et Juliette\u201c mit \u201eStell dir vor, du darfst nicht lieben, wen du liebst\u201c. Das sind Gedanken, die uns alle etwas angehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den fast zehn Jahren Ihrer Abwesenheit hat sich das gesellschaftspolitische Klima extrem erhitzt \u2013 gerade auch in Dresden. Macht sich das f\u00fcr Ihr Ensemble und Sie bemerkbar \u2013 im Alltag und auf der B\u00fchne?<\/strong><br>Wir sind ein enorm internationales Haus mit Menschen aus f\u00fcnf Kontinenten \u2013 ein richtig gutes Beispiel f\u00fcr ein harmonisches Miteinander, finde ich. Aber nat\u00fcrlich werden auch wir mit der zunehmenden Entwicklung zu einer Emp\u00f6rungs- und Befindlichkeitsgesellschaft konfrontiert \u2026 Das w\u00fcrde ich aber nicht speziell auf Sachsen beziehen, das l\u00e4sst sich ja mittlerweile leider \u00adeuropa- und weltweit beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie reagiert man darauf \u2013 mit politischem Theater und klarer Haltung?<\/strong><br>Wir sind Kulturschaffende und keine Parteipolitiker, aber selbstverst\u00e4ndlich vertreten wir die Grundpfeiler der Demokratie und des Humanismus. Das sind unsere Wurzeln und f\u00fcr die stehen wir auch mit ganz klaren Haltungen ein.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"643\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-1024x643.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10447\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-1024x643.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-768x482.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-500x314.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-800x502.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-1280x804.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-870x546.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe-600x377.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Semperoper40Jubilaeum_12022025_01059_FotoSebastianHoppe.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">40 Jahre \u201edritte\u201c Semperoper: Oben die Videoinstallation \u201eSILENTIUM\u201c des Kollektivs OchoReSotto als \u201eAusrufezeichen des Erinnerns und Wachhaltens\u201c. Unten Schl\u00fcssel\u00fcbergabe auf dem Theaterplatz, 13. Februar 1985 (Fotos Semperoper Dresden\/Sebastian Hoppe &amp; Matthias Rank)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"638\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-1024x638.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10446\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-1024x638.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-768x478.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-500x311.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-800x498.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-1280x797.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-870x542.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank-600x374.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/19850213_Schluesseluebergabe__Foto_Matthias_Rank.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>40 Jahre sind seit dem Wiederaufbau der Semperoper vergangen \u2013 das Ereignis galt damals als Symbol gegen Krieg und Zerst\u00f6rung. Ist dieser Symbolcharakter in der Stadtgesellschaft heute noch pr\u00e4sent?<\/strong><br>Der Wiederaufbau der Semperoper zu DDR-Zeiten ist ein unglaublich faszinierendes Thema. Genauso wie \u00fcbrigens die Weihe der Frauenkirche 20 Jahre sp\u00e4ter: Das war ein Zeichen der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, ein Br\u00fcckenschlag zwischen Ost und West, vielleicht sogar so etwas wie ein europ\u00e4ischer Vers\u00f6hnungsgedanke. Beides sind Jahrhundertprojekte, die als Wahrzeichen weit \u00fcber Dresden hinausstrahlen. Jetzt sind die politischen Tendenzen \u00fcberall gerade v\u00f6llig andere \u2026 Aber ich denke, man wird sich irgendwann wieder darauf besinnen. Denn die Kraft, die von diesen Institutionen ausgeht, ist eine sehr besondere. Manchmal frage ich mich, wenn ich allein im Zuschauerraum sitze: Was w\u00fcrde mir dieser Raum alles erz\u00e4hlen, wenn er sprechen k\u00f6nnte?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Zeiten mauer Kassen ger\u00e4t die Kultur wieder einmal mit als erstes in den Sparfokus. Gro\u00dfe Dresdner Kulturinstitutionen wie die Staatsoperette stehen auf der \u201eroten Liste\u201c \u2013 die Semperoper auch?<\/strong><br>Zun\u00e4chst sprechen wir da von zwei verschiedenen T\u00f6pfen: Die Staatsoperette ist st\u00e4dtisch, wir werden vom Freistaat Sachsen finanziert. Allerdings beschr\u00e4nken sich die mauen Kassen nicht nur auf die Stadt. Umso wichtiger ist es, immer wieder zu zeigen, warum es uns braucht. Wir sind ein s\u00e4chsischer Leuchtturm f\u00fcr die Welt: Die Semperoper kennt man. Als Kulturbotschafterin appelliere ich an alle Verantwortlichen, sich bewusst zu machen, dass so etwas nicht aufs Spiel \u00adgesetzt werden darf! Vom kulturgeschichtlichen und k\u00fcnstlerischen Stellenwert einmal abgesehen l\u00e4sst sich das auch wirtschaftlich bekr\u00e4ftigen: Wir generieren enorm viele Besucherinnen und Besucher, die wegen der Semper\u00adoper \u00fcberhaupt erst nach \u00adDresden kommen \u2013 und dann hier einkaufen, Caf\u00e9s, Bars und Restaurants besuchen. Wir sind auch ein unglaublicher Wirtschaftsfaktor f\u00fcr die Stadt und die Region.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Semperoper hat dabei einen Spagat zu meistern: hier die Befriedigung des Touristenanspruchs, da der Wunsch, k\u00fcnstlerisch zukunftsf\u00e4hig zu bleiben.<\/strong><br>Naja, was hei\u00dft \u201eTouristenanspruch\u201c? 50 Prozent unseres Publikums ist ein \u00fcberregionales, das von au\u00dferhalb Sachsens zu uns kommt. Mehrheitlich sind das wirk\u00adliche Kulturfans. Oft klingt es aber trotzdem nach: \u201eDie Semperoper ist wegen der Touristen eh voll.\u201c Es kauft sich aber jemand nur dann eine Karte, wenn das, was wir bieten, attraktiv und von hoher Qualit\u00e4t ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den letzten Jahren steht das Berufsbild Intendanz wegen Machtmissbrauch, toxischem Arbeitsklima etc. vielerorts in der Kritik. Sie dagegen gelten als Teamplayerin. Wie schafft man es, eine solche \u201eWorth\u00fclse\u201c im Alltag wirklich mit gutem Beispiel zu beglaubigen?<\/strong><br>Indem man es jeden Tag immer wieder aufs Neue versucht. Bei der Anzahl der Prozesse, die es in so einem gro\u00dfen Haus zu moderieren gilt, ist das eine Herausforderung. Ich halte nichts von einer Fehlerkultur, in der man auf den Schuldigen zeigt. Es ist doch viel zielf\u00fchrender, dar\u00fcber nachzudenken, was man beim n\u00e4chsten Mal besser machen kann. Ganz abgesehen davon, dass ich viele Berufsjahre ja selbst nicht \u201edie Chefin\u201c war. Wo viel gearbeitet wird, passiert immer mal wieder irgendetwas, aber die Grundfrage f\u00fcr uns alle ist doch: Wie m\u00f6chte ich, dass man mit mir umgeht?<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe M\u00e4rz\/April 2025<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-02-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-02-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nora Schmids Dresdner Programmatik<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":10449,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[1,86,1804],"tags":[],"class_list":["post-10450","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-beitraege","category-beitraege-2025"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nora_Schmid_c_Armac_Garbe_2025_1_kl.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nora_Schmid_c_Armac_Garbe_2025_1_kl.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nora_Schmid_c_Armac_Garbe_2025_1_kl-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nora_Schmid_c_Armac_Garbe_2025_1_kl-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nora_Schmid_c_Armac_Garbe_2025_1_kl-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Nora_Schmid_c_Armac_Garbe_2025_1_kl-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"28. 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