{"id":10747,"date":"2025-06-30T19:00:00","date_gmt":"2025-06-30T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=10747"},"modified":"2025-06-30T16:04:51","modified_gmt":"2025-06-30T14:04:51","slug":"jenny-erpenbeck-rummelplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2025\/06\/30\/jenny-erpenbeck-rummelplatz\/","title":{"rendered":"\u201eDie N\u00e4he des Todes hat viel mit Oper zu tun\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im Gespr\u00e4ch mit der international gefeierten Schriftststellerin und Opern\u00adlibrettistin Jenny \u00adErpenbeck versucht Antje R\u00f6\u00dfler eine Ann\u00e4herung an ein ungew\u00f6hnliches Regionalprojekt \u2013 drei Monate vor der Premiere<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Ihr Image als graue Industriestadt im Osten bekommt Chemnitz nicht los, dabei hat der s\u00e4chsische Ort jede Menge zu bieten. Vor allem in diesem Jahr, wo man als eine der Kulturhauptst\u00e4dte Europas 2025 angetreten ist, kulturelle Vielfalt und Kreativit\u00e4t zu feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines der vielbeachteten Hauptprojekte mit Urauff\u00fchrung am 20. September: die Vertonung des legend\u00e4ren DDR-Romans \u201eRummelplatz\u201c, einem drastisch-realistischen Erlebnisbericht des 1934 in Chemnitz geborenen Schriftstellers Werner Br\u00e4unig. Ein Roman, der in der DDR nicht erscheinen durfte und erst aus dem Nachlass des Autors 2007 herausgegeben wurde. Schauplatz: die Wismut AG im Erzgebirge, in der von der Sowjetunion Uran f\u00fcr die Atomindustrie abgebaut wurde. Br\u00e4unig positioniert sie als Metapher f\u00fcr die Lage in der jungen Republik, wo Alt-Kommunisten und KZ-\u00dcberlebende auf Ex-Faschisten treffen und die j\u00fcngere Generation vor \u00adallem materielle Interessen verfolgt, w\u00e4hrend die Macht der Parteibonzen zunimmt. Schlie\u00dflich entladen sich die Widerspr\u00fcche im Aufstand des 17. Juni 1953. Den musikalischen Part \u00fcbernimmt der Hamburger Komponist Ludger Vollmer, der sich mit Opernadaptionen zeitgen\u00f6ssischer B\u00fccher und Filme einen Namen gemacht hat. Um auch ein j\u00fcngeres Publikum anzusprechen, setzt er bei dieser Arbeit auf \u201emelodischen Drive und pulsierende Rhythmen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mammut-Aufgabe, aus Br\u00e4unigs sprachgewaltigem Nachkriegs-Panorama ein Libretto zu destillieren, \u00fcbernahm die 1967 in Ost-Berlin geborene Schriftstellerin Jenny Erpenbeck. Als eine der bedeutendsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur wurde sie 2024 als erste Deutsche mit dem renommierten Inter\u00adnational Booker Prize ausgezeichnet. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin arbeitete sie als Musiktheater-Regisseurin. F\u00fcr Erpenbeck, die immer mal Wagners \u201e\u00adParsifal\u201c inszenieren wollte und \u201ePeter Grimes\u201c als absolute Lieblingsoper bezeichnet, eine Erfahrung, die ihr bei der Arbeit am \u201eRummelplatz\u201c zugutekommt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Frau Erpenbeck, ist dies Ihre erste Opern\u00adlibretto-\u00adArbeit?<\/strong><br>Nicht ganz. Als mein Mann Generalmusikdirektor in Hannover war, habe ich das Libretto f\u00fcr eine Urauff\u00fchrung geschrieben, die Giorgio Battistelli komponierte. Meine eigene Erfahrung als Regisseurin hat mir dabei beim Schreiben sehr geholfen. Regie f\u00fchrte damals Frank Hilbrich, der jetzt auch den \u201eRummelplatz\u201c machen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kam es \u00fcberhaupt zu dieser thematisch ungew\u00f6hnlichen Opernproduktion?<\/strong><br>Der Dramaturg Johannes Frohnsdorf hatte die sehr einleuchtende Idee, im Kulturhauptstadt-Jahr eine Produktion zu machen, die in der Gegend verwurzelt ist. Etwas, das die Menschen dort wirklich erreicht und zugleich Strahlkraft nach au\u00dfen hat. Er brachte Br\u00e4unigs \u201eRummelplatz\u201c ins Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welchen Eindruck haben Sie generell vom Theater Chemnitz?<\/strong><br>Das Theater hat es, wie mir scheint, nicht leicht. Die Chemnitzer Oper ist kein Staatstheater und muss deshalb mit relativ wenig Subventionen auskommen. Und die Leute sind dort wohl vergleichsweise wenig ausgehfreudig. Ich habe auch bei meinen Lesungen oft erlebt, dass sich im Westen das kulturaffine B\u00fcrgertum auch dadurch definiert, dass man sich bei Veranstaltungen \u00f6ffentlich zeigt und trifft. Im Osten hatte ich dagegen manchmal den Eindruck, dass es so etwas wie einen R\u00fcckzug nach innen gibt. Die Zuh\u00f6rer dort stellen wenig Fragen, sind nichtsdestotrotz aufmerksam und nachdenklich. Zu Ostzeiten wurden sogar Arbeiter und Bauern mit Sonder-Bussen in die Kultureinrichtungen gebracht. Inzwischen hat die Oper ihren Ruf als elit\u00e4re Institution leider wiedergewonnen, heutzutage pfeifen Arbeiter und Bauern wohl auf sowas wie Oper. Das ist schade!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wann und wie sind Sie Br\u00e4unigs Roman begegnet?<\/strong><br>Als die Anfrage aus Chemnitz kam, kannte ich bereits einige Werke von ihm, aber nicht den \u201eRummelplatz\u201c. Ich wollte zuerst ablehnen, denn es ist ein Mammut-Unternehmen, aus einem 800-Seiten-Roman ein Libretto zu machen. Dann habe ich den Roman gelesen und war einfach hin und weg. Das ist ein unglaublich lebendiges und gutes Buch \u2013 nicht nur inhaltlich, auch sprachlich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"584\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10750\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele.jpg 1000w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele-300x175.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele-768x449.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele-500x292.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele-800x467.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele-870x508.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rummelplatz03_Buehnenbild_Volker-Thiele-600x350.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">B\u00fchnenbildentwurf von Volker Thiele<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Was genau hat Sie an dem Roman fasziniert?<\/strong><br>In der Einsamkeit Unter Tage stellen sich bestimmte Fragen viel existenzieller als im normalen Leben. Zugleich beschreibt Br\u00e4unig den wildwest-artigen Aufbruch in der Wismut nach Kriegsende, mit den vom Krieg kaputten Menschen, mit der komplexen politischen Lage \u2013 die Wismut geh\u00f6rte ja der Sowjetunion \u2013 und dem politischen Wettlauf um die erste Atombombe. Und Werner Br\u00e4unig ist auch als Person der Zeitgeschichte interessant. Er hat viel durchgemacht, war aber durchaus f\u00fcr den Neuanfang unter sozialistischem Vorzeichen. Dennoch durfte sein Buch damals nicht erscheinen, was er wohl nicht verkraftet hat. Er ist viel zu fr\u00fch \u2013 mit 42 Jahren \u2013 am Alkohol zugrunde gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sind das f\u00fcr M\u00e4nner, die in der Wismut AG die sog. Pechblende [Anm. d. Red.: bedeutendes Erz zur Uran-Gewinnung] abbauten?<\/strong><br>In Br\u00e4unigs Roman sieht man deutlich, dass es keine \u201eStunde Null\u201c gab. Die Regierung im Osten musste mit den vorhandenen Leuten das neue System begr\u00fcnden: mit Faschisten und Mitl\u00e4ufern, mit Opportunisten und Karrieristen. Und mit der Handvoll Kommunisten, die aus den Lagern oder der Illegalit\u00e4t zur\u00fcckkamen. Die Wismut bildete eine Art Miniatur-Staat. Und Br\u00e4unig schaut sich diesen Mikrokosmos an: Wie soll das gehen, dass all diese Leuten zusammen etwas aufbauen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Roman l\u00e4uft auf den Aufstand vom 17. Juni 1953 zu. Endet hier auch die Oper?<\/strong><br>1953 kam es zum ersten Bruch in der DDR-Geschichte, ausgel\u00f6st durch die Emp\u00f6rung der Arbeiter \u00fcber die neuen Normen, die in den Betrieben eingef\u00fchrt werden sollten. Im Epilog schlage ich einen Bogen bis ins Jahr 1992, als die Wismut aufgel\u00f6st wurde. Da muss eine der Hauptfiguren \u201eabwickeln\u201c, was sie als junge Frau mit viel \u00dcberzeugung aufgebaut hat. Eine tragische Figur. Chemnitz ist bis heute gepr\u00e4gt von diesen Verwerfungen, weil der Bergbau die Gegend zusammenhielt. Durch die Schlie\u00dfung vieler Zechen in den Neunzigern gibt es eine gemeinsame Verlusterfahrung in Bezug auf Arbeit, Familie und Zukunft. Dieser Schnitt in den Biografien vieler Menschen dort schl\u00e4gt durch bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist das ein Stoff, der ausgerechnet nach \u00adeiner Oper ruft? Man h\u00e4tte ja auch ein Theaterst\u00fcck daraus machen k\u00f6nnen \u2026<\/strong><br>Oper ist immer sch\u00f6n. <em>(lacht) <\/em>Aber nicht nur deshalb. Ein wichtiger Aspekt des Romans ist es, sich durch Vergn\u00fcgen und vor allem mit Schnaps zu bet\u00e4uben, damit man die schwere Arbeit \u00fcberhaupt machen kann. Das ruft f\u00f6rmlich nach Musik. Und dann die vielen verschiedenen Stimmen, die kann man nur durch Musik zusammenbringen \u2013 und auch wieder auseinanderfliegen lassen. Bei Br\u00e4unig steht der Rummelplatz \u00fcbrigens auf einem ehemaligen Friedhof. Die N\u00e4he des Todes hat immer viel mit Oper zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Roman wirkt auch sehr akustisch und beschreibt eine unglaubliche L\u00e4rmkulisse.<\/strong><br>Die Maschinen in den Stollen sind nat\u00fcrlich per se sehr laut. Aber das Ausgesetztsein unter diesen ungeheuren Mengen von Stein bringt auch jede einzelne Stimme mit ihrer Angst und Einsamkeit zum Vorschein. Oper bietet ja auch immer eine Innenansicht der Seelen. Und \u00adLudger Vollmer hat ein Gef\u00fchl f\u00fcr den \u201eAppeal\u201c des Genres, f\u00fcr den Pop-Aspekt. Das finde ich gut. Auch, weil ihm sehr wichtig ist, wieder junges Publikum f\u00fcr die Oper zu interessieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"853\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-853x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10749\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-853x1024.jpg 853w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-250x300.jpg 250w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-768x922.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-500x600.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-800x960.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-870x1044.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi-600x720.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Pr02_Jenny-Erpenbeck-und-Ludger-Vollmer-C-Nasser-Hashemi.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 853px) 100vw, 853px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jenny Erpenbeck mit Komponist Ludger Vollmer (Foto Nasser Hashemi)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Es wird also eher nicht avantgardistisch klingen?<\/strong><br>Neue Musik sollte nicht nur f\u00fcr Experten da sein. Musik hat urspr\u00fcnglich mit K\u00f6rper, mit Rhythmus und Tanz zu tun. Man muss sie auch auf einer sinnlichen und lebendigen Ebene verstehen k\u00f6nnen. Ich selbst war schon das eine oder andere Mal bei Auff\u00fchrungen sogenannter Neuer Musik, wo die Besucher sich hinterher benahmen wie bei \u201eDes Kaisers neue Kleider\u201c: Keiner traute sich zu sagen, dass er nichts verstanden hat. Und Avantgarde in der Musik n\u00fctzt nichts, wenn man nicht auch emotional versteht, was das Neue ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben zwei Jahre Theaterwissenschaft an der \u00adBerliner Humboldt-Universit\u00e4t und dann Musik\u00adtheater-Regie an der Musikhochschule \u201eHanns Eisler\u201c studiert.<\/strong><br>Ja, und ich erinnere mich gern an Gerd Rien\u00e4cker, meinen legend\u00e4ren Professor f\u00fcr Musikgeschichte, von dem ich viel gelernt habe. Er kommt \u00fcbrigens auch in meinem Buch \u201eKairos\u201c vor. Ich zitiere da einen sehr ber\u00fchrenden Brief, den er mir nach dem Mauerfall geschrieben hat: Er ist froh, dass wir die Sklavensprache nun endlich abwerfen d\u00fcrfen. Gleichzeitig verzweifelt er, weil er sieht, wie das Volk in den Abgrund l\u00e4uft und er es nicht zur\u00fcckhalten kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben als Kind ein Jahr in Italien gelebt, weil Ihre Mutter kurzzeitig mit einem Diplomaten dort ver\u00adheiratet war. Hat das etwas mit Ihrer Liebe zur Oper zu tun?<\/strong><br>Nein, die kam sp\u00e4ter, als ich schon fast erwachsen war. Allerdings habe ich immer gern selbst gesungen, als junges M\u00e4dchen einige Jahre in einem Kirchenchor. Die Eignungspr\u00fcfung f\u00fcr Musiktheater-Regie habe ich recht spontan gemacht und dann \u00fcberraschend bestanden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Andere Musiktheater-Regisseurinnen berichten von einer gewissen Frauenfeindlichkeit in diesem Metier. War das auch Ihre Erfahrung?<\/strong><br>Wenn \u00fcberhaupt, hatte ich Probleme mit den S\u00e4ngerinnen, mit den M\u00e4nnern eigentlich nie. Frauen m\u00f6gen es manchmal nicht, sich von einer anderen Frau etwas sagen lassen zu m\u00fcssen. Es ist einfach ein sehr anstrengender Beruf mit viel Stress und unchristlichen Arbeitszeiten. Wenn man Kinder haben m\u00f6chte, sollte man sich einen anderen Job suchen. Deshalb habe ich \u00fcbrigens mit dem Beruf aufgeh\u00f6rt. Als mein Sohn drei Jahre alt war, musste ich elf Kinderg\u00e4rten kontaktieren, bis ich ihn schlie\u00dflich als Gastkind anmelden konnte. Von der Betreuung w\u00e4hrend der Abendproben ganz zu \u00adschweigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihren Mann, den Dirigenten Wolfgang Bozic, treffen Sie wohl auch nicht jeden Tag am Abendbrottisch?<\/strong><br>Inzwischen h\u00e4ufiger als fr\u00fcher. Er begleitet mich oft auf meinen Lesereisen. Im M\u00e4rz waren wir vier Wochen auf Literaturfestivals in Indien und Sri Lanka und jetzt gerade zwei Wochen in \u00c4gypten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mischen Sie sich eigentlich in politische und gesellschaftliche Debatten ein?<\/strong><br>Hin und wieder, aber die Auseinandersetzung in den Medien wird oft sehr hart gef\u00fchrt. Wenn man eine Meinung \u00e4u\u00dfern will, die vom g\u00e4ngigen Kanon abweicht, kostet das viel Energie. Manchmal will ich diesen Gegenwind nicht aushalten, weil solche Auseinandersetzungen einen mit Haut und Haaren auffressen und meistens fruchtlos sind. Da verwende ich meine Energie lieber f\u00fcr ein neues Buch. Das Schwarz-Wei\u00df \u00f6ffentlicher Diskussionen reicht oft nicht, um etwas wirklich in der Tiefe zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chemnitz ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt. Deshalb greifen wir trotzdem eine Debatte auf: Warum hat die AfD in Ostdeutschland solche Erfolge?<\/strong><br>H\u00e4tte man den Ostdeutschen schon viel fr\u00fcher Verantwortung zumindest f\u00fcr ihre eigenen Lebensbereiche zugestanden, w\u00e4re es wohl nicht so weit gekommen. Auch in den Medien waren und sind Ostdeutsche leider noch immer nicht angemessen repr\u00e4sentiert. Ost und West haben 40 Jahre lang unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Aber Erfahrungen sind per se nicht richtig oder falsch, und keine ist mehr wert als die andere. Diesen Spagat auszuhalten, scheint eine schwere \u00dcbung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#ccd4de\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>&#8222;RUMMELPLATZ&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Projekt f\u00fcr Chemnitz 2025<br>Nach einem Roman von Werner Br\u00e4unig<br>Musik von Ludger Vollmer, Libretto von Jenny Erpenbeck<br>Urauff\u00fchrung: 20. September 2025 \u2013 weitere Termine bis November 2025<br><a href=\"https:\/\/www.theater-chemnitz.de\/spielplan\/detailseite\/rummelplatz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>www.theater-chemnitz.de<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:80px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe Juli\/August 2025<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/print-ausgabe-04-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/pdf-ausgabe-04-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Ausgabe best<\/a><a aria-label=\" (opens in a new tab)\" class=\"ek-link\" href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/pdf-ausgabe-05-2022\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Chemnitz wird der DDR-Kultroman \u201eRummelplatz\u201c zur Oper<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":10751,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1804],"tags":[],"class_list":["post-10747","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2025"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Erpenbeck_privat.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Erpenbeck_privat.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Erpenbeck_privat-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Erpenbeck_privat-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Erpenbeck_privat-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Erpenbeck_privat-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"30. 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