{"id":11607,"date":"2025-10-31T16:36:36","date_gmt":"2025-10-31T15:36:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=11607"},"modified":"2025-10-31T18:21:30","modified_gmt":"2025-10-31T17:21:30","slug":"die-altmeister-des-komischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2025\/10\/31\/die-altmeister-des-komischen\/","title":{"rendered":"Die Altmeister des Komischen"},"content":{"rendered":"<p><em>von Dietmar Langberg<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Kom\u00f6diendichter und Komponisten komischer Opern setzen auf das Prinzip Lachen: ein menschliches Bed\u00fcrfnis und zumeist Ausdruck von Freude \u2013 wor\u00fcber man lacht, das ist komisch. Allerdings besitzen Menschen sehr unterschiedlichen Humor. Die Abweichung von einer Norm wirkt komisch, ebenso die Diskrepanz zwischen dem Anspruch eines Menschen und dem nicht vorhandenen Verm\u00f6gen, diesem zu entsprechen. Lachen grenzt auch aus: Die Lachenden bilden eine Gruppe, zu der sie oder er, \u00fcber die gelacht wird, nicht geh\u00f6rt. So gesehen ist Lachen ein (a)sozialer Vorgang. \u00c4ndern sich Normen, \u00e4ndert sich das Lachen. Werden Erwartungen nicht erf\u00fcllt, kann auf eine Situation nicht ad\u00e4quat reagiert werden \u2013 auch das reizt zum Lachen oder sogar zu b\u00f6sartigem Spott. Das Lachen kann provoziert, aber nicht immer gelenkt werden, denn es ist irrational, willk\u00fcrlich und anarchisch. Das ist ein Problem f\u00fcr die Theaterkunst: Sie kann mit allen ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln Komik anstreben, aber ob diese entsteht und angenommen wird, ist keinesfalls \u00adsicher.<\/p>\n\n\n\n<p>In komischen Opern basiert die Wirkung auf dem Libretto und dessen musikalischer Umsetzung und Ausdeutung sowie auf dem Spiel der Akteure und ihrem Timing; hinzu kommen Regieeinf\u00e4lle. Komische Opern sind aber mehr als nur die Abfolge heiterer Szenen und das Auftreten lustiger Personen. Es gibt Momente auch der Besinnung, der lyrischen Reflexion oder sogar der Trauer, bis sich alles positiv l\u00f6st, jedenfalls f\u00fcr die meisten Beteiligten. Einige Verlierer bleiben immer zur\u00fcck, die gute Miene zum f\u00fcr sie b\u00f6sen Spiel machen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Charaktermasken und Singspiele<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte des heiteren Musiktheaters begann im fr\u00fchen 17. Jahrhundert in Rom und Venedig als Opera buffa. Ihre Komponisten nutzten die Typen und Charaktermasken der Commedia dell\u2019arte und adaptierten die musikalischen Ausdrucksm\u00f6glichkeiten der \u00adOpera \u00adseria, die sie auch persiflierten. Einer der wichtigsten und heute noch bekannten Vertreter war Giovanni \u00adBattista Pergolesi (1710-1736) mit seiner Oper \u201eLa \u00adserva padrona\u201c. In Frankreich entwickelte sich als Pendant zur Opera buffa die Op\u00e9ra comique, allerdings mit dem Unterschied, dass in gesprochenen Dialogen die Handlung vorangetrieben wurde und nicht wie in der Buffa in Rezitativen. Beide Formen inspirierten deutsche Komponisten wie Johann Adam Hiller mit z.B. \u201eDer Teufel ist los oder Die verwandelten Weiber\u201c (1766) oder Georg Benda mit \u201eDer Jahrmarkt oder Lukas und \u00adB\u00e4rbchen\u201c (1775), eigene Singspiele zu schaffen. Viele dieser Singspiele waren jedoch textlich und musikalisch simpler als ihre Vorbilder aus Italien und Frankreich, weshalb kein Geringerer als Johann Wolfgang Goethe das Niveau heben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam Mozarts Singspiel \u201eDie Entf\u00fchrung aus dem Serail\u201c, uraufgef\u00fchrt am 16. Juli 1782 in Wien \u2013 und setzte damit Standards, die fortan galten, an denen die Nachfolger sich messen mussten und gemessen wurden. Das Singspiel hatte sich in seiner einfachen Form \u00fcberlebt, die weitere Entwicklung vollzog sich in Richtung der komischen oder auch phantastischen Oper wie bei Louis Spohr mit \u201eFaust\u201c (1816) oder Carl Maria von Webers \u201eFreisch\u00fctz\u201c (1821).<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Drei Karrieren, eine Generation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Albert Lortzing (1801-1851), Otto Nicolai (1810-1849) und Friedrich von Flotow (1812-1883) traten drei Komponisten aus einer Generation hervor, die bis heute als Hauptvertreter der komischen Oper in Deutschland gelten. Ihre Werke wurden jahrzehntelang viel gespielt, waren Kassenmagneten, unterhielten Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern, bereiteten ihnen H\u00f6rgenuss und brachten sie zum Lachen. Jahrzehnte sp\u00e4ter kam noch der Deutsch-Italiener Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) hinzu (u.a. mit \u201eDie neugierigen Frauen\u201c). Nat\u00fcrlich gab es weitere Komponisten heiterer B\u00fchnenwerke wie Hermann Goetz mit \u201eDer Widerspenstigen Z\u00e4hmung\u201c (1874) oder Hugo Wolf mit dem \u201eCorregidor\u201c (1896), doch die drei zuerst Genannten pr\u00e4gten das Genre.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"775\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-1024x775.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11611\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-1024x775.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-300x227.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-768x581.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-870x658.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-600x454.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-500x378.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski-800x605.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6170_presse_8_Pawel_Sosnowski.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Steffi Lehmann (Frau Fluth) und Silke Richter (Frau Reich) in Otto Nicolais \u201eDie lustigen Weiber von Windsor\u201c, Staatsoperette Dresden 2022 (Foto Pawel Sosnowski)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und verschiedenen Lebensl\u00e4ufen schufen sie Opern mit etlichen Gemeinsamkeiten, die hier nur grob skizziert werden k\u00f6nnen. Alle drei orientierten sich an Mozart, an der Opera buffa und Op\u00e9ra comique. Die Gesangsmelodik ist bei Lortzing entsprechend dem sozialen Stand der Figuren lied- oder arienhaft, hat in den kunstvollen Ensembles Konversationscharakter. Bei Nicolai, der einige Jahre in Italien lebte und wirkte, sind die Ges\u00e4nge dem Belcanto, der Opera buffa und der Opera seria verpflichtet und sehr virtuos. Flotow verband liedhaften mit ariosem Ausdruck, versah die Abschl\u00fcsse mit Spitzent\u00f6nen, Trillern und Koloraturen, vergleichbar mit Nicolai, der als deutscher Donizetti galt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mehrzahl der Opern von Lortzing, Nicolai und \u00adFlotow \u2013 es gibt allerdings Ausnahmen wie Lortzings \u201eRegina\u201c oder Nicolais \u201eIl templario\u201c \u2013 sind Liebesgeschichten, mit Nebenhandlungen verkn\u00fcpft. Sie bilden eine Mischung aus interessanten B\u00fchnenfiguren, die oft mehr als Typen sind, effektvollen Situationen und viel Gef\u00fchl bis hin zur Sentimentalit\u00e4t. Es gibt auch Momente der Besinnung, des Erschreckens und der Verunsicherung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam ist den Opern der drei Komponisten das Prinzip der Nummerndramaturgie. Aber w\u00e4hrend Lortzing und Nicolai Arien, Duette, Ensembles und Chorszenen mit Ballett mit gesprochenen Dialogen wie in der Op\u00e9ra comique und im Singspiel verbanden, in ihnen die Handlung entwickelten, nutzte Flotow Rezitative wie in der Opera \u00adbuffa. Er teilte nicht die Meinung von Lortzing und Nicolai, dass die deutsche Sprache nicht \u00adflexibel genug f\u00fcr Rezitative sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswahl der zu vertonenden Geschichten nahmen Lortzing, Nicolai und Flotow jeweils anders vor. F\u00fcr Lortzing erschienen Schauspiele, die ihre B\u00fchnentauglichkeit bewiesen hatten, aber vom Publikum wieder vergessen worden waren, am geeignetsten, vor allem wenn sie Rollen hatten, die \u201eselbst von geringen Theatersubjekten nicht totzumachen\u201c w\u00e4ren. Viele dieser St\u00fccke hatte er als Darsteller kennengelernt und erprobt. Nicolai besa\u00df einen ausgezeichneten literarischen Geschmack, seinen \u201eLustigen Weibern\u201c lag die gleichnamige Kom\u00f6die von William Shakespeare zugrunde, seiner Seria \u201eIl templario\u201c der Roman \u201eIvanhoe\u201c von Walter Scott. Flotow verwendete am Anfang seiner Karriere Libretti, die bereits andere Komponisten vertont und damit ihre Tauglichkeit bewiesen hatten wie \u201ePierre et Cathrine\u201c, zuvor von \u00adAdolphe Adam musikalisiert. Sp\u00e4ter bevorzugte er Originallibretti wie zu \u201eAlessandro \u00adStradella\u201c und \u201e\u00adMartha\u201c, die Friedrich Wilhelm Riese verfasst hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Orchesterarbeit orientierten sich Lortzing, \u00adNicolai und Flotow an Mozart, aber auch an Joseph Haydn. Lortzing und Flotow nahmen dazu Anregungen aus der Op\u00e9ra comique auf. Nicolai weilte, wie bereits angemerkt, mehrere Jahre in Italien und galt dort neben Giuseppe Verdi als aufgehender Stern am Opernhimmel. Er verf\u00fcgte \u00fcber eine instrumentale Kunst, die ihn von den meisten anderen Opernkomponisten abhob.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Assoziationen zum Heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So viel zu den artifiziellen Merkmalen und Vorz\u00fcgen der komischen Opern aus Deutschland. Aber was k\u00f6nnen sie Interpreten und Publikum heute noch bieten? Diese Frage beantwortet sich vielleicht am besten, wenn einige konzeptionelle Ans\u00e4tze f\u00fcr Inszenierungen zumindest angedeutet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Otto Nicolais \u201eLustigen Weibern von \u00adWindsor\u201c versucht der Schmarotzer Falstaff, Frau Fluth und Frau Reich sexuell und finanziell auszubeuten. Doch die Frauen wissen sich zu wehren, schlagen zur\u00fcck und das mit List und Humor: eine Emanzipation von patriarchalischen Machtstrukturen, von denen sich auch Anna und Fenton befreien.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"704\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-1024x704.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11612\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-1024x704.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-768x528.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-870x598.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-600x413.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-500x344.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642-800x550.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zarzimmermann_wa_17022018kirstennijhof_dsc3642.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Leipziger Inszenierung von Lortzings \u201eZar und Zimmermann\u201c wird im kommenden Fr\u00fchjahr an der Musikalischen Kom\u00f6die wiederaufgenommen (Foto Kirsten Nijhof)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Lortzings \u201eWaffenschmied\u201c \u00adinszenierte einst Peter Konwitschny in Leipzig als Gleichnis auf den Machtkompromiss zwischen Adel und Gro\u00dfb\u00fcrgertum in Deutschland nach 1871. In \u201eZar und Zimmermann\u201c wird der Machtanspruch von \u00adPolitikern mit dem B\u00fcrgermeister van Bett kritisiert und parodiert. Zar Peter spioniert, sein Namensvetter Peter \u00adIwanow fl\u00fcchtete vor dem Milit\u00e4rdienst in Russland. Da dr\u00e4ngen sich Assoziationen zum Heute geradezu auf. Im \u201eWildsch\u00fctz\u201c muss das junge Gretchen den \u00e4lteren Schulmeister Baculus heiraten, um ihren Lebensunterhalt abzusichern. Baculus selbst ist arm, wildert deshalb und wird als Lehrer gek\u00fcndigt. Es ist auch die Geschichte zweier Menschen in einer prek\u00e4ren Situation im Kontrast zu den Liebes-Wehwehchen von Adligen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Flotows \u201eAlessandro Stradella\u201c wird die Titelfigur, ein historisch verb\u00fcrgter Musiker und Komponist, von zwei M\u00f6rdern verfolgt, die von ihrem T\u00f6tungsauftrag absehen, weil Stradellas Musik und Gesang sie ber\u00fchrt und umstimmt. Ist das nicht eine sch\u00f6ne Utopie \u00fcber die St\u00e4rke von Kunst? In \u201eMartha\u201c scheint f\u00fcr Lady Harriet nur harte Landarbeit noch ein Nervenkitzel zu sein, um die Langeweile aus einem privilegierten Leben zu vertreiben: ein Spiel mit Herkunft und gesellschaftlichen Rollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das musikalische Lustspiel \u201eDie vier Grobiane\u201c von Ermanno Wolf-Ferrari? Die Geschichte handelt von vier armseligen M\u00e4nnern mit \u00fcberholten Ansichten \u00fcber Moral und Familie, die am Ende die \u00dcberlegenheit ihrer Frauen anerkennen m\u00fcssen. \u00dcberhaupt sind es in vielen komischen Opern die Frauen, die kl\u00fcger als ihre M\u00e4nner sind, die die F\u00e4den in den H\u00e4nden halten und darauf hinarbeiten, dass vern\u00fcnftige L\u00f6sungen gefunden werden f\u00fcr Konflikte, die keinesfalls nur aus Eitelkeiten, Missverst\u00e4ndnissen und privaten Ungl\u00fccken entstehen. Auch soziale Unterschiede liegen ihnen zugrunde, die kritisch behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sind nur einige m\u00f6gliche Ans\u00e4tze f\u00fcr Interpretationen skizziert. Aktualisiert werden k\u00f6nnten die gesprochenen Dialoge, ebenso die Optik und die Ausdrucksformen des Spiels. Und noch ein Aspekt spricht f\u00fcr komische Opern: Sie verlangen die hohe Kunst des Zusammenspiels und Zusammensingens, das Eingehen auf die B\u00fchnenpartnerinnen und -partner. Das kann \u00aderlernt und verfeinert werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Verkannt oder vergessen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die bei Regisseurinnen und Regisseuren so bevorzugten Darstellungen des Lebens als nur desastr\u00f6s oder als d\u00fcstere Dystopie sind mit den Opern von Lortzing, Nicolai, Flotow, Wolf-Ferrari und Co. wohl nicht ohne weiteres m\u00f6glich. Liegt es vielleicht daran, dass die B\u00fchnenwerke der Genannten nur noch selten \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 zu sehen und zu h\u00f6ren sind? Untersch\u00e4tzt man sie als biedermeierlich und daher belanglos? Hat man vergessen, dass Humor oft subversiv und doppelb\u00f6dig ist? Oder ist das Vorurteil, Komik sei nur Unterhaltung, immer noch pr\u00e4sent? Es kann aber auch viel simpler sein, ist zu bef\u00fcrchten: Regisseure, Dirigenten und Dramaturgen kennen diese komischen Opern vielleicht auch einfach schlicht nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"763\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-763x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11613\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-763x1024.jpg 763w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-224x300.jpg 224w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-768x1031.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-870x1168.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-600x805.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-500x671.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1-800x1074.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/undine_operleipzig_c_kirstennijhof_1.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 763px) 100vw, 763px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Neben komischen Opern steht auch die \u201e\u00adromantische Zauberoper\u201c \u201eUndine\u201c auf dem Programm des Leipziger Festivals \u201eLortzing 26\u201c (hier Olga Jel\u00ednkov\u00e1 in der Titelrolle) (Foto Kirsten Nijhof)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Blick in die Spielpl\u00e4ne der Theater zeigt, dass die einst viel gespielten Opern fast v\u00f6llig fehlen. In der \u00adSaison 2023\/24 z.B. wurde Nicolais Oper \u201eDie lustigen Weiber von Windsor\u201c immerhin in Dresden (Staats\u00adoperette), M\u00fcnchen, Wien und Wuppertal aufgef\u00fchrt. \u00adFlotows \u201eMartha\u201c konnte man in Frankfurt am Main erleben, Lortzings \u201eWildsch\u00fctz\u201c und \u201eHans Sachs\u201c in Gera und in Leipzig. In der aktuellen Spielzeit, in die drei \u00adJubil\u00e4en fallen \u2013 Lortzings 225. Geburtstag und 175. Todestag sowie Wolf-Ferraris 150. Geburtstag \u2013 gibt es noch weniger Inszenierungen. In Dresden und \u00adAugsburg sind \u00adNicolais \u201eWeiber\u201c angesetzt. Einzig die Oper und die Musika\u00adlische Kom\u00f6die Leipzig gedenken mit einer Fest\u00adwoche Lortzing, der hier einst seine wohl besten Lebensjahre verbrachte. Mit dem \u201eWaffenschmied\u201c, \u201eZar und Zimmer\u00admann\u201c und den selten gespielten Opern \u201eUndine\u201c und \u201eRegina\u201c werden im Fr\u00fchjahr 2026 exemplarische Beispiele aus seinem Opernschaffen zu sehen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Programm-Verantwortlichen sollten sich besinnen auf die Opern der Altmeister des Komischen, die nur scheinbar Patina angesetzt haben, die mit Humor, Ironie, Hintersinn, kritischem Blick und einpr\u00e4gsam-\u00admitrei\u00dfender Musik \u00fcberzeugen. Sie halten den Menschen auch heute noch einen Spiegel vor, denn so sehr \u00e4nderten sich diese nicht. Und wenn der Blick nicht erfreut, dann sei an Gotthold Ephraim Lessing erinnert, der darauf verwies, dass das Lachen wie ein Dragee \u00adwirke, welches die bittere Medizin der Selbsterkenntnis s\u00fc\u00df umh\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#dde4ea\">\n<div class=\"wp-block-column has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"background-color:#dde4ea;flex-basis:100%\">\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Lortzing 26<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Festival der Oper Leipzig <br>24. April bis 3. Mai 2026 <br>u.a. mit Premieren von \u201eDer Waffenschmied\u201c und \u201eRegina\u201c, Wiederaufnahmen von \u201eUndine\u201c und \u201eZar und Zimmermann\u201c sowie dem Symposium \u201eDas Verh\u00e4ltnis von Heiterkeit und Ernst in der Oper des 19. Jahrhunderts\u201c<br><a href=\"https:\/\/lortzing.oper-leipzig.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>lortzing.oper-leipzig.de<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe November\/Dezember 2025<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-06-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-06-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einst viel gespielt, heute fast vergessen: Gedanken zur Geschichte des heiteren Musiktheaters <\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":11608,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[1,86,1804],"tags":[],"class_list":["post-11607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-beitraege","category-beitraege-2025"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Altmeister_Header.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Altmeister_Header-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Altmeister_Header-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Altmeister_Header-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Altmeister_Header-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Altmeister_Header-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"31. 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