{"id":13036,"date":"2026-03-20T21:57:48","date_gmt":"2026-03-20T20:57:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13036"},"modified":"2026-03-24T22:00:16","modified_gmt":"2026-03-24T21:00:16","slug":"muenchen-auf-und-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/03\/20\/muenchen-auf-und-ab\/","title":{"rendered":"Wollten Sie das? Aber ja, unbedingt!"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich ist das Publikum aus freiem Willen ins Prinzregententheater gekommen! Denn an diesem Abend geht es um nichts weniger als die nicht selten absurde Erfahrung vom \u201eAuf und Ab\u201c des Lebens. Auf einem hochklassigen s\u00e4ngerdarstellerischen Niveau mitzuerleben ist eine physikalisch-psychologisch fundierte, ebenso poetische wie spannungsgeladene Lehrstunde \u201e\u00dcber die unausweichliche Zunahme von Missverst\u00e4ndnissen\u201c. Sie katapultiert die Protagonisten dieses gekonnt inszenierten Opern-Doppels unter der souver\u00e4nen musikalischen Leitung von Peter Rundel am Pult des Rundfunkorchesters mit ihrer kaum \u00fcberraschend wohldosiert eing\u00e4ngigen, doch nie eindimensionalen Musik aus vermeintlich geordneten Bahnen flugs in Katastrophen. Wie auf einer Wippe, wie sie die Ausstatterin Hana Ramujki\u0107 nutzt, um das Fundament des Wohnst\u00e4tten-Kastenbaus immer wieder in Schieflage zu bringen, rutschen die Protagonisten in unvorhersehbare Situationen. F\u00fcr die moderne Musiktheaterb\u00fchne definitiv ein Gl\u00fccksfall, wird ihr Dasein in eine Richtung gelenkt, die weder gew\u00fcnscht noch beabsichtigt war.<\/p>\n\n\n\n<p>So ergeht es der introvertierten jungen Pianistin Mariuccia, die mit ihrer Mutter in einer von Fellinis Traumwelten inspirierten Pension lebt. So ergeht es dem verklemmten Raimondo, der sich dorthin aufmacht, um der Angebeteten endlich seine Liebe zu gestehen. Doch einen Haushaltsunfall sp\u00e4ter wird er ohnm\u00e4chtig und l\u00e4sst sich Bewusstseins-getr\u00fcbt auf die Liaison mit der lasziven Signora Giudotti ein. Synchron bedarf nebenan Mariuccia \u00e4rztlicher Hilfe und macht in ihrem Ausnahmezustand eine Liebeserkl\u00e4rung, die der Dottore auf sich bezieht. Die Aufkl\u00e4rung all dieser ungl\u00fccklichen Verwechslungen bleibt aus, nebul\u00f6se Aussprachen f\u00fchren ins Leere. Als wir uns zwei Jahre sp\u00e4ter \u201edazuschalten\u201c, hat sich Mariuccia ihrem Schicksal als \u00c4rztegattin gef\u00fcgt und Raimondo vergessen, mit welcher Mission er einst gekommen war. Er bittet genervt, das Fenster zu schlie\u00dfen, um vom Klavierl\u00e4rm verschont zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Weniger passiv agiert die verarmte Kneipenwirtin, die ihrem Mann treu ergeben ist und neue Beziehungen ablehnt. Als Matrose wird er seit 15 Jahren vermisst. Doppeltes Pech f\u00fcr ihn, dass er bei seiner R\u00fcckkehr nicht erkannt wird und beschlie\u00dft, sich als reichen Freund des bald nach Hause kommenden Matrosen auszugeben, um seine Frau einem Test zu unterziehen. Sie erschl\u00e4gt den vermeintlich reichen Fremden mit einem Holzhammer, um ihr \u00dcberleben zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Raffiniert verzahnt Regisseur Ingo Kerkhof die beiden Einakter \u201eI due timidi\u201c (\u201eDie beiden Sch\u00fcchternen\u201c) von Nino Rota (hier in der Radiofassung aus dem Jahr 1950) und das tragische Klagelied \u201eLe Pauvre Matelot\u201c (\u201eDer arme Matrose\u201c) (1927), f\u00fcr das die Federn von Darius Milhaud und Librettist Jean Cocteau kongenial zusammengeflossen waren, zur pausenlos funktionierenden Einheit, bereichert um Ausz\u00fcge aus weiteren Werken und Chansons.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte Lovro Kotnik, der als diabolisch guter \u201eErz\u00e4hler\u201c mal zynisch kommentierend, mal stumm die F\u00e4den bzw. Gardinen vors tragikomische Geschehen zieht, die Frage \u201eWollten Sie das?\u201c nicht schon relativ fr\u00fch in den Raum gestellt, h\u00e4tte das Publikum mit einem lauten \u201eAber ja, unbedingt!\u201c geantwortet. So setzt erst nach knapp zwei hochkonzentrierten Stunden langer Beifall ein, um das verbl\u00fcffend vokale Potenzial der Musiktheater\/Operngesang-Studierenden zu w\u00fcrdigen. Namentlich zu erw\u00e4hnen sind die Sopranistinnen Rusn\u0117 Tu\u0161lait\u0117 (Mariuccia) und Beatriz Maia (die Frau des Matrosen) sowie die Ten\u00f6re Mose Lee (Raimondo) und Henrique Lencastre (Matrose), die in jedem Moment auf ein feines Ensemble vertrauen d\u00fcrfen, das Pr\u00e4senz zur obersten Pr\u00e4misse macht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Renate Baumiller-Guggenberger<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eAuf und Ab \u2013 \u00dcber die unausweichliche Zunahme von Missverst\u00e4ndnissen\u201c \/\/ Musiktheater mit Nino Rotas \u201eI due timidi\u201c (\u201eDie beiden Sch\u00fcchternen\u201c (Radiofassung 1950) und Darius Milhauds \u201eLe Pauvre Matelot\u201c (\u201eDer arme Matrose\u201c) (1927)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/theaterakademie.de\/de\/theater\/programm\/auf-und-ab\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website der Bayerischen Theaterakademie August Everding<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Bayerische Theaterakademie August Everding \u2022 Auf und Ab<\/span><\/br> Ein tragikomischer Doppelabend nach Nino Rota und Darius Milhaud<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13038,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2020],"tags":[],"class_list":["post-13036","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-02"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bayerische-Theaterakademie-August-Everding_Auf-und-Ab-c-Cordula-Treml.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bayerische-Theaterakademie-August-Everding_Auf-und-Ab-c-Cordula-Treml-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bayerische-Theaterakademie-August-Everding_Auf-und-Ab-c-Cordula-Treml-600x169.jpg",600,169,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bayerische-Theaterakademie-August-Everding_Auf-und-Ab-c-Cordula-Treml-1200x675.jpg",1200,675,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bayerische-Theaterakademie-August-Everding_Auf-und-Ab-c-Cordula-Treml-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bayerische-Theaterakademie-August-Everding_Auf-und-Ab-c-Cordula-Treml.jpg",600,338,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"20. 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