{"id":13060,"date":"2026-03-25T10:02:32","date_gmt":"2026-03-25T09:02:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13060"},"modified":"2026-03-25T10:02:37","modified_gmt":"2026-03-25T09:02:37","slug":"eggenfelden-wiener-blut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/03\/25\/eggenfelden-wiener-blut\/","title":{"rendered":"Wien bleibt Wien"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDu s\u00fc\u00dfes M\u00e4del, komm\u2019 und sei mein \u2026\u201c, schmachtet ein Liebestoller in umwerfendem Gesang. Welches M\u00e4del meint der bitte sch\u00f6n? Wo doch jeder wei\u00df, dass Graf Zedlau (Gerd Jaburek) l\u00e4ngst im sicheren Hafen der Ehe gestrandet ist. Wie sich bald zeigt, pflegt der Hallodri nicht nur ein, sondern gleich zwei au\u00dfereheliche Verh\u00e4ltnisse. Und schuld daran sei einzig dieses vermaledeite Wiener Blut! Geniale Ausrede. Nur gut, dass in den Adern seiner gar nicht spr\u00f6den Gattin derselbe Lebenssaft flie\u00dft. Trotzdem: Eine M\u00e9nage-\u00e0-quatre will die sch\u00f6ne Gr\u00e4fin nicht. W\u00e4re auch schwierig. Die Demoiselle Cagliari (Elisabeth Zeiler) als heimliche Geliebte hat \u201eihren\u201c Grafen streng an der Kandare. Wiener Blut hin, Wiener Schm\u00e4h her: \u201eGeh ma \u2026\u201c, so denkt sich das leicht verwirrte Publikum und konsumiert gierig Operettenvergn\u00fcgen in Reinform: leicht giftig, schwer charmant, selbstironisch gezuckert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, wie angenehm: Manches darf einfach so bleiben, wie es fr\u00fcher war. Wien bleibt Wien, Operette, operettenhaft. Regisseur Wolfgang Dosch und Ausstatter Florian Angerer tun gut daran, dem Publikum eine genussvolle Reise in die Goldene Operetten\u00e4ra zu g\u00f6nnen: Das Kost\u00fcmbild bietet eine Augenweide aus \u00fcppigen, bodenlangen Roben mit schmaler Taille \u2013 Satin, Seide, T\u00fcll. Die Herren, ebenso elegant, haben stets ein Taschentuch parat. All das spielt sich in der liebevoll gestalteten Kulisse des Prateridylls ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Handlung wurde 26 Jahre vorverlegt, in jene glitzernde Belle \u00c9poque, in der die Wiener Weltausstellung stattfand. Naheliegend, dass sich unters Wiener Volk Weltpublikum mit fremden Dialekten mischt. Das f\u00fchrt zu sprachbedingten Missverst\u00e4ndnissen im Runing-Gag-Charakter. Besonders der von Armin Stockerer gespielte leicht verstaubte, aber immer heitere Premierminister l\u00e4sst gekonnt s\u00e4chselnd kaum einen Fettnapf aus, stets bem\u00fcht, das zu vertuschen, was er selbst gar nicht durchblickt. Das angeblich \u201eschwache Geschlecht\u201c f\u00fchrt die Herren ganz sch\u00f6n vor. Darf schon sein, obwohl auch Frau mit Wiener Blut schon mal schwindelig werden kann. Etwa, wenn die Gr\u00e4fin vom Premierminister f\u00fcr\u2019s Gspusi gehalten wird und das Gspusi vor Eifersucht sch\u00e4umt, weil sich der Graf mit der Gr\u00e4fin-Gattin trifft. Eva Maria Amann spielt diese subtilen zwischenmenschlichen Delikatessen genussvoll aus, hat alle am Haken und bringt das Wiener Blut zum Kochen \u2013 ihr Sopran, elegant getragen, verf\u00fcgt \u00fcber jene feine Sch\u00e4rfe, die verr\u00e4t, dass es unter der h\u00f6fischen Fassade ordentlich brodelt. Michaela Maybauer als dialektfeste Probiermamsell Pepi f\u00fcllt ihr Spiel mit spitzb\u00fcbischem Vergn\u00fcgen: Als kindlich-weiblicher Wirbelwind ist sie der Gegenpol zur aristokratischen Welt der Gr\u00e4fin \u2013 unwiderstehlich. Auch sie ist infiziert mit diesem Wiener Keim, der die klare Sicht vernebelt: Obwohl sie des Grafen Kammerdiener Josef liebt, l\u00e4sst sie sich vom Grafen den Kopf verdrehen. K\u00f6stlich. Und Josef? Ist derjenige, der alles wei\u00df und kommen sieht, aber nichts verhindern kann \u2013 Bonko Karadjov setzt die Tragik seiner Figur stimmlich wie mimisch-gestisch genial um. Bleibt der Prater-Karussellbetreiber Kagler (Martin Kiener) zu erw\u00e4hnen, der seinen Part als Dialekt\u2011Schimpfkanonade mit Verve ausf\u00fcllt, und Yvonne K\u00f6stlers fantastische Pr\u00e4senz als F\u00fcrstin Pauline.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt ruhig Blut also Wiener Blut. Garniert wird das Ganze mit klasse Chorauftritten, schmissigen Balletteinlagen und \u2013 last, but not least \u2013 jenem kraftvollen Motor, der das Operettenschmankerl antreibt: Das Orchester sINNfonietta liefert unter dem feinen Dirigat von Gerald Karl ein herrliches Strauss\u2011Melodien-Mosaik. Bravo! Geh\u2019 ma z\u2019Haus? Ungern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Kirsten Benekam<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eWiener Blut\u201c (1899) \/\/ Operette mit Musik von Johann Strauss (Sohn), zusammengestellt, bearbeitet und erg\u00e4nzt von Adolf M\u00fcller jun.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/theater-an-der-rott.de\/stuecke\/wiener-blut\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website des Theaters an der Rott<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Theater an der Rott \u2022 Wiener Blut<\/span><\/br> Leicht giftiges und selbstironisch gezuckertes Operettenvergn\u00fcgen \u00e0 la Johann Strauss<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13062,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2020],"tags":[],"class_list":["post-13060","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-02"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Theater-an-der-Rott_Wiener-Blut-c-Sebastian-C.-Hoffmann.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Theater-an-der-Rott_Wiener-Blut-c-Sebastian-C.-Hoffmann-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Theater-an-der-Rott_Wiener-Blut-c-Sebastian-C.-Hoffmann-600x169.jpg",600,169,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Theater-an-der-Rott_Wiener-Blut-c-Sebastian-C.-Hoffmann-1200x675.jpg",1200,675,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Theater-an-der-Rott_Wiener-Blut-c-Sebastian-C.-Hoffmann-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Theater-an-der-Rott_Wiener-Blut-c-Sebastian-C.-Hoffmann.jpg",600,338,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"25. 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