{"id":13335,"date":"2026-05-10T18:00:00","date_gmt":"2026-05-10T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13335"},"modified":"2026-05-10T23:50:46","modified_gmt":"2026-05-10T21:50:46","slug":"bielefeld-candide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/05\/10\/bielefeld-candide\/","title":{"rendered":"Die beste aller Welten"},"content":{"rendered":"<p>Ein alter Mann \u2013 Typ Landstreicher \u2013 betritt die offene B\u00fchne, die von einem \u00fcberlebensgro\u00dfen Schriftzug beherrscht wird: SUPER. Der Landstreicher (Thomas Wolff), das sind vor allem der alte Candide und Voltaire. Ein Erz\u00e4hler also, der die Handlung an den sonst unverst\u00e4ndlichen Enden erz\u00e4hlt. Als Candide\/Voltaire sich eine Zigarette anz\u00fcnden will, gibt es bei SUPER eine Explosion. Als sich das wiederholt, greift der Mann zum Feuerl\u00f6scher. Alles klar \u2013 so SUPER ist das alles nicht &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schriftzug dominiert am Theater Bielefeld hochgezogen einen Raum, in dem fortan s\u00e4mtliche Erlebnisse in der Alten Welt stattfinden. Von dem Schloss im sch\u00f6nen Westfalen wird Candide (Andrei Skliarenko) vertrieben, weil er und Cunegonde (Veronika Lee) gelernt haben, dass der Mund zum K\u00fcssen gemacht sein muss. Es folgt eine Reihe von Widrigkeiten, die Candides Weltverst\u00e4ndnis auf die Probe stellen: \u201eWenn das die beste aller m\u00f6glichen Welten ist, wie sehen dann die anderen aus?\u201c Er erf\u00e4hrt es. Voltaire l\u00e4sst nichts aus, was an Kriegen und Naturkatastrophen damals die Welt heimgesucht hat: Bulgarische Soldaten marodieren das Land, in Lissabon erlebt er das Erdbeben, und dann tritt auch noch die Inquisition auf den Plan. Und doch hat Candide nur seine Cunegonde im Kopf! Siehe da, in Paris trifft er sie wieder \u2013 doch via C\u00e1diz geht es in die Neue Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis hierhin war es schon verwirrend genug mit Szenen- und B\u00fchnenbildwechseln. Regisseur Wolfgang N\u00e4gele, B\u00fchnenbildner Thilo Ullrich und Kost\u00fcmbildnerin Annette Braun haben einen bunten Reigen erarbeitet, der nicht nur hinter den Kulissen verdammt viel Beweglichkeit von allen Akteuren verlangt. Was so spielerisch leicht aussieht, ist h\u00e4rteste Arbeit in einstudierten Abl\u00e4ufen. Gro\u00dfes Lob also auch der Choreografin Gal Fefferman.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den musikalischen Teil des grandiosen Abends ist Gregor Rot zust\u00e4ndig. Schon bei der Ouvert\u00fcre wird klar, dass die Bielefelder Philharmoniker musterg\u00fcltig einstudiert wurden. Bernsteins Liebe zu klaren Blechbl\u00e4sers\u00e4tzen ist ebenso herausgearbeitet wie sein Umgang mit der klassischen Musik der Alten Welt. Aber auch hier kommt immer wieder Rhythmus ins Spiel \u2013 man kann den Abend musikalisch als \u201ebeschwingt\u201c loben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Neuen Welt geht es drunter und dr\u00fcber, eigentlich noch mehr als in der Alten. Denn hier sind es ganz andere Rhythmen, die den Ton angeben. Das Lebensgef\u00fchl ist ein anderes, beispielsweise herrscht der Tango. Aber bei allen \u00dcberraschungen, die Candide zusto\u00dfen, leiden weder seine Naivit\u00e4t noch seine Liebe zu Cunegonde. Bewundernswert, wie Andrei Skliarenko und Veronika Lee ihre Rollen ausf\u00fcllen und den \u00dcberblick \u00fcber das Geschehen behalten. In das Lob eingeschlossen werden m\u00fcssen alle anderen Solistinnen und Solisten, von denen mehrere in vielen Rollen nacheinander auftreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende landet die Gesellschaft in Venedig, also wieder in der Alten Welt. Es zieht sich, bis Candide und die mittlerweile schwer vom Leben gezeichnete Cunegonde zueinanderfinden. SUPER war es nicht, was den beiden widerfahren ist \u2013 das Theater Bielefeld aber hat eine SUPER-Arbeit abgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Ulrich Schmidt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eCandide\u201c (1956\/74\/88) \/\/ Comic Operetta von Leonard Bernstein in der Scottish Opera Version<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.buo-bielefeld.de\/theater\/veranstaltung\/candide\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website des Theaters Bielefeld<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Theater Bielefeld \u2022 Candide<\/span><\/br> Bernsteins \u201eCandide\u201c ist wieder auf der Suche<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13336,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2023],"tags":[],"class_list":["post-13335","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-03"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Bielefeld_Candide-c-Bettina-Stoess.jpg",1500,1000,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Bielefeld_Candide-c-Bettina-Stoess-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Bielefeld_Candide-c-Bettina-Stoess-600x200.jpg",600,200,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Bielefeld_Candide-c-Bettina-Stoess-1200x800.jpg",1200,800,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Bielefeld_Candide-c-Bettina-Stoess-768x512.jpg",600,400,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Bielefeld_Candide-c-Bettina-Stoess.jpg",600,400,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"10. 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