{"id":13338,"date":"2026-05-11T16:35:53","date_gmt":"2026-05-11T14:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13338"},"modified":"2026-05-12T14:09:53","modified_gmt":"2026-05-12T12:09:53","slug":"frankfurt-am-main-bluthochzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/05\/11\/frankfurt-am-main-bluthochzeit\/","title":{"rendered":"Bis zur Blutrache"},"content":{"rendered":"<p>Das literarische Schaffen von Federico Garc\u00eda Lorca (1898-1936) r\u00fcckt immer wieder zerr\u00fcttete Familienkonstellationen in den Mittelpunkt. Unaufgearbeitete Schuldkomplexe, Traumata, Vorwurfshaltungen und gegenseitige Abwertungen ziehen sich durch seine Geschichten aus dem Spanien am \u00dcbergang einer erstarrten Monarchie in die Neuzeit. Wobei der republikanisch gesonnene Autor anprangernde Kritik \u00fcbt an der in ihren Sitten und Gebr\u00e4uchen gefangenen Gesellschaft, die sich im innerfamili\u00e4ren Dialog zwischen den Generationen herb und empathiearm, au\u00dferhalb der Familie jedoch zusammenhaltend bis zur Blutrache erweist. Das stellt auch den Hintergrund zu seinem von Wolfgang Fortner 1957 vertonten Drama \u201eBluthochzeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelpunkt der Handlung steht die verh\u00e4rmte Mutter. Sowohl ihr Mann als auch einer ihrer beiden S\u00f6hne sind infolge einer Familienfehde bei Messerstechereien zu Tode gekommen, der noch lebende Sohn ist im Begriff, zu just dieser blutr\u00fcnstigen Familie Felix wieder in Beziehung zu treten. Er will eine Braut heimf\u00fchren, die zuvor schon einmal mit dem jungen Leonardo Felix liiert war, diese Verlobung dann aber gel\u00f6st hatte. Felix ging eine andere Ehe ein, wurde Vater, ohne jedoch sonderlich starke Liebesgef\u00fchle f\u00fcr Frau und Kind aufzubringen. Zu sehr nagt die verletzte Mannesehre, zu stark sind noch die Empfindungen f\u00fcr das M\u00e4dchen, das ihn verlie\u00df. Am Tag der Hochzeit entf\u00fchrt er die Braut in einen Wald. Der aufgebrachte Br\u00e4utigam verfolgt die beiden, holt sie ein, die beiden M\u00e4nner bringen sich gegenseitig um. Und drei Frauen bleiben, einsam trauernd, zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Fortners Verst\u00e4ndnis von Musiktheater leitet sich deutlich von den beiden Opern Alban Bergs her, hinsichtlich der strengen Umsetzung des Sprachrhythmus auch von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek. Das Orchester ist gro\u00df besetzt, verlangt alleine acht Schlagzeuger, verzichtet jedoch auf H\u00f6rner. Das macht das Klangbild herber, paassend zu Lorcas Spanien-Ambiente. Zu diesem tragen auch Instrumente aus der spanischen Volksmusik wie Kastagnetten oder Gitarren bei, die allerdings nur als punktuelle Farbtr\u00e4ger aufleuchten. Wie auch die anderen Einsprengsel aus originalen altspanischen Liedern, die Lorca gemeinsam mit Manuel de Falla einst herausgegeben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dirigent Duncan Ward leitet souver\u00e4n das sowohl im Graben als auch hinter der B\u00fchne hoch pr\u00e4sente Frankfurter Opern- und Museumsorchester und hat optimales Gesp\u00fcr f\u00fcr Fortners Tonsprache zwischen herber Dramatik und filigraner Transparenz, wenn sich sinfonisch kompakte Orchesterbl\u00f6cke in fein gewobene Klanggespinste aufl\u00f6sen und sich aus der Verbindung zwischen gesungenem und gesprochenem Wort spannungsvolles Miteinander ergibt. Denn in der vom Komponisten zugrunde gelegten Singspielform l\u00f6st sich Lorcas Text immer wieder aus der Musik heraus, verbinden sich Gesang und Sprache zu faszinierender Einheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Frankfurter Auff\u00fchrung verhilft die exzellente Ensembleleistung zu lebhaft akklamiertem Erfolg. Herausragend dabei: Claudia Mahnke als Mutter, eine Trag\u00f6din, die vor allem im dramatisch sich zuspitzenden zweiten Teil zur Hochform aufl\u00e4uft. Bezwingend auch das Duett zwischen Leonardo (Miko\u0142ai Tr\u1ea1bka) und der ungl\u00fccklicherweise von ihm begehrten Braut (Magdalena Hinterdobler). In den kleineren Partien fallen die Fortner-opernerfahrene Karolina Maku\u0142a (Magd), die dramatisch deklamierende Daniela Ziegler (Tod) und der volumenstarke Tenor AJ Glueckert (Mond) auf. \u00c0lex Oll\u00e9 inszeniert das Drama im sinnf\u00e4llig d\u00fcsteren B\u00fchnenbild (Alfons Flores) und den in strenger Schw\u00e4rze gehaltenen, perfekt stilisierenden Kost\u00fcmen (Lluc Castells) mit dichter Personenf\u00fchrung stringent und eindringlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Dr. J\u00f6rg Riedlbauer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eBluthochzeit\u201c (1957) \/\/ Lyrische Trag\u00f6die von Wolfgang Fortner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/oper-frankfurt.de\/de\/spielplan\/bluthochzeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website der Oper Frankfurt<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Oper Frankfurt \u2022 Bluthochzeit<\/span><\/br> Fortners lyrische Trag\u00f6die \u2013 ein Operndrama aus dem Vor-Franco-Spanien<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13339,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2023],"tags":[],"class_list":["post-13338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-03"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Oper-Frankfurt_Bluthochzeit-c-Xiomara-Bender.jpg",1500,998,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Oper-Frankfurt_Bluthochzeit-c-Xiomara-Bender-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Oper-Frankfurt_Bluthochzeit-c-Xiomara-Bender-600x200.jpg",600,200,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Oper-Frankfurt_Bluthochzeit-c-Xiomara-Bender-1200x798.jpg",1200,798,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Oper-Frankfurt_Bluthochzeit-c-Xiomara-Bender-768x511.jpg",600,399,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Oper-Frankfurt_Bluthochzeit-c-Xiomara-Bender.jpg",600,399,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"11. 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