{"id":13350,"date":"2026-05-15T22:21:12","date_gmt":"2026-05-15T20:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13350"},"modified":"2026-05-15T22:21:15","modified_gmt":"2026-05-15T20:21:15","slug":"basel-don-quijote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/05\/15\/basel-don-quijote\/","title":{"rendered":"Der Ritter, der nicht sterben m\u00f6chte"},"content":{"rendered":"<p>Am Ende stirbt er doch \u2013 im Roman und auf der B\u00fchne des Basler Theaters. Sancho Panza findet noch ein paar tr\u00f6stende Worte, dann berichten die Mitglieder des Opernstudios zu den Kl\u00e4ngen von Jules Massenets Oper \u201eDon Quichotte\u201c gleichzeitig in verschiedenen Sprachen vom Tod des Protagonisten. Das Ende sei im Anfang schon enthalten, sagten die Dichter. Aber Anf\u00e4nge ohne Ende seien besser. Der vielschichtige, fantasievolle, manchmal auch langatmige und ein wenig zusammengeklebt wirkende Abend \u00fcber den \u201eRitter von der traurigen Gestalt\u201c geht mit einem Augenzwinkern zu Ende. Und wird vom Premierenpublikum mit Standing Ovations gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte von Don Quijote stringent zu erz\u00e4hlen, ist nicht die Absicht des Regisseurs Thom Lutz. Er will mit einem Opern-Pasticcio gerade die Heterogenit\u00e4t und Episodenhaftigkeit des in zwei Teilen (1605\/1615) erschienenen Romans von Miguel de Cervantes unterstreichen. Deshalb hat Mathias Weibel f\u00fcr seine Arrangements aus den vielen Vertonungen gleich 13 Werke von zw\u00f6lf Komponisten aus f\u00fcnf Jahrhunderten ausgew\u00e4hlt, die er zum Teil auf engstem Raum aufeinanderprallen l\u00e4sst. Allein schon in der Ouvert\u00fcre wechselt das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Eduardo Strausser zwischen der \u201eBurlesque de Quixote\u201c von Georg Philipp Telemann, der Oper \u201eDie Hochzeit des Camacho\u201c von Felix Mendelssohn Bartoldy, der den Abend dominierenden Oper \u201eDon Quichotte\u201c von Jules Massenet und weiteren Vertonungen. Die Stilwechsel gelingen dem Kammerorchester Basel gut, die \u00dcberg\u00e4nge funktionieren. Nur im Detail liegt am Premierenabend vieles im Argen. Intonatorisch gibt es gerade in der Bassgruppe immer wieder Tr\u00fcbungen, etliche Bl\u00e4sereins\u00e4tze sind nicht zusammen, der Streicherklang ger\u00e4t im 20-k\u00f6pfigen Orchester mitunter zu d\u00fcnn und spr\u00f6de.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abend er\u00f6ffnet der pr\u00e4sente Schauspieler Jan Bluthardt in der Rolle des Autors Cervantes. Dass er \u00fcber weite Teile Spanisch spricht, ist eine Hommage an den originalen Roman, macht den komplexen, mit deutschen und englischen \u00dcbertiteln versehenen Abend aber auch schwerf\u00e4lliger, zumal neben Deutsch zus\u00e4tzlich auf Franz\u00f6sisch und Englisch parliert wird. Die Idee, mit der Sterbeszene auch anzufangen, ist dagegen ein kleiner Geniestreich. \u201eJe ne veux pas morir\u201c \u2013 \u201eIch m\u00f6chte nicht sterben\u201c \u2013 sagt Dietrich Henschel als Don Quijote auf dem Totenbett, springt von der B\u00fchne und flieht durch den Zuschauerraum ins Foyer. Die von Henschel stimmlich manchmal etwas forciert gestalteten Abenteuer sind nicht nur Flucht vor dem bevorstehenden Tod, sondern auch vor dem Autor Cervantes, der die Titelfigur in seinem Buch beerdigen m\u00f6chte, um selbst ber\u00fchmt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Andr\u00e9 Morsch als Sancho Panza hat dieser Don Quijote einen so kr\u00e4ftig wie beweglich singenden Kameraden an seiner Seite, der vor allem ans Essen denkt und die H\u00f6henfl\u00fcge seines vermeintlichen Ritterfreundes zu erden versucht. Daneben gibt es mit Ervin Ahmeti, Marius Aron, Harpa \u00d3sk Bj\u00f6rnsd\u00f3ttir, Hope Nelson und Nathan Schludecker ein gro\u00dfartiges Quintett aus dem Basler Opernstudio, das die Geschichte mal kommentierend, mal agierend vorantreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00e4uschungen, die Don Quijote auf seinen Abenteuern erlebt, bringt Regisseur Thom Lutz sehr poetisch mit echten und k\u00fcnstlichen Schatten auf die B\u00fchne. Auch das horizontal und vertikal drehbare Arbeits- und Sterbezimmer (B\u00fchne: Muriel Gerstner), das auch mal auf dem Kopf stehen kann, ist ein Symbol f\u00fcr die flie\u00dfenden Grenzen zwischen Realit\u00e4t und Fiktion. Die wei\u00dfen, gesteppten Oberteile von Don Quijote und Sancho Panza sind eine Mischung aus Clowns-Wams und Zwangsjacke (Kost\u00fcme: Tina Bleuler).<\/p>\n\n\n\n<p>Musikalisch kann das Pasticcio die theatralische Aussage verst\u00e4rken, wenn sich die f\u00fcnf Opernstudio-Solisten in Wilhelm Kienzls Oper die Aussage \u201eIch bin Don Quijote\u201c aufteilen und das Kammerorchester Basel die Verwirrung der Hauptfigur mit Glissandi nachzeichnet. Insgesamt aber ergibt das Nebeneinander der musikalischen Fetzen einen Flickenteppich, der nur in Teilen \u00fcberzeugt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Georg Rudiger<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDon Quijote\u201c (2026) \/\/ Opern-Pasticcio von Thom Luz mit Musik von Ruperto Chap\u00ed y Lorente, Francesco Bartolomeo Conti, Pedro Halffter, Jacques Ibert, Wilhelm Kienzl, Jules Massenet, Felix Mendelssohn Bartholdy, Saverio Mercadante, Henry Purcell, Maurice Ravel und Georg Philipp Telemann; musikalisches Konzept und Arrangements von Mathias Weibel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.theater-basel.ch\/de\/donquijote\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website des Theaters Basel<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Theater Basel \u2022 Don Quijote<\/span><\/br> \u201eDon Quijote\u201c als originelles Opern-Pasticcio \u2013 das aber zu komplex und langatmig ger\u00e4t<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13351,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2023],"tags":[],"class_list":["post-13350","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-03"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Basel_Don-Quijote-c-Ingo-Hoehn.jpg",1500,1000,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Basel_Don-Quijote-c-Ingo-Hoehn-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Basel_Don-Quijote-c-Ingo-Hoehn-600x200.jpg",600,200,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Basel_Don-Quijote-c-Ingo-Hoehn-1200x800.jpg",1200,800,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Basel_Don-Quijote-c-Ingo-Hoehn-768x512.jpg",600,400,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Theater-Basel_Don-Quijote-c-Ingo-Hoehn.jpg",600,400,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"15. 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