{"id":13535,"date":"2026-06-30T23:18:40","date_gmt":"2026-06-30T21:18:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13535"},"modified":"2026-06-30T23:18:43","modified_gmt":"2026-06-30T21:18:43","slug":"muenchen-die-csardasfuerstin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/06\/30\/muenchen-die-csardasfuerstin\/","title":{"rendered":"Operette mit Herz und Verstand"},"content":{"rendered":"<p>War fr\u00fcher alles besser? Gewiss nicht. Nehmen wir als Beispiel nur \u201eDie Cs\u00e1rd\u00e1sf\u00fcrstin\u201c von Emmerich K\u00e1lm\u00e1n. Die eing\u00e4ngigen Melodien lassen einen leicht vergessen, dass w\u00e4hrend der Urauff\u00fchrung 1915 drau\u00dfen l\u00e4ngst der Erste Weltkrieg tobte. Da ist es durchaus ernst gemeint, wenn man sich im dritten Akt fragt, \u201ewie lange noch der Globus sich dreht? Ob es morgen nicht schon zu sp\u00e4t?\u201c Aber gerade in unruhigen Zeiten ist es umso wichtiger, zwischendurch auch mal wieder ordentlich zu lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so erlaubt sich auch die Pasinger Fabrik, die sich selbst gern als M\u00fcnchens kleinstes Opernhaus tituliert, hin und wieder mal bei den Klassikern der leichten Muse zu wildern. Die intime Atmosph\u00e4re erweist sich auch jetzt wieder als Gl\u00fcckfall f\u00fcr diese spritzige Kom\u00f6die. Regisseurin Franziska Reng hat ihre Kammerfassung daf\u00fcr auf sechs Personen komprimiert. Das funktioniert erstaunlich gut und bietet sogar zus\u00e4tzliches kom\u00f6diantisches Potenzial, wenn etwa Martin Sch\u00fclke neben seiner Hauptrolle als alternder Schweren\u00f6ter Feri B\u00e1csi zwischendurch auch in die Uniform des auf Sitte und Anstand pochenden F\u00fcrsten von und zu Lippert-Weylersheim schl\u00fcpft. Eine Gratwanderung, die er ebenso souver\u00e4n meistert wie Carolin Ritter, die gleich im doppelten Sinne von der Schwiegermama zur Variet\u00e9-S\u00e4ngerin mutiert. Und weil K\u00e1lm\u00e1n ihrer Rolle leider keine eigene Arie geg\u00f6nnt hat, bekommt Ritter als kleines Trostpflaster zumindest den Leh\u00e1r-Schlager \u201eMeine Lippen, sie k\u00fcssen so hei\u00df\u201c zu singen. Ein echter Showstopper, mit dem auch sie auf der Zielgeraden noch einmal ordentlich beim Publikum abr\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p>Titelheldin Alessia Broch muss sich da ganz sch\u00f6n ins Zeug legen, um ihren Diven-Status zu verteidigen. Oder besser gesagt, gleich unter Szenenapplaus in den Spagat werfen. Solche Einlagen werden ihrem Edwin, alias Kaspar Fischer-Mylenbusch, zum Gl\u00fcck nicht abverlangt. Doch wie das gesamte Ensemble wird auch er t\u00e4nzerisch ganz schon gefordert, w\u00e4hrend er sich liebestoll durch die Tenor-Schlager des Abends kn\u00f6delt.<\/p>\n\n\n\n<p>Choreografin Riccarda Sch\u00f6nerstedt nutz daf\u00fcr wirklich jeden Quadratzentimeter der kleinen Drehb\u00fchne, die Ausstatterin Leni Wimmer in die Wagenhalle gebaut hat. Gerade in den Variet\u00e9-Szenen ist das Publikum an den vorderen Tischen auch schon mal mittendrin statt nur dabei. Von dieser N\u00e4he profitiert die in nostalgischem Charme schwelgende Inszenierung ungemein. Am Premierenabend z\u00fcnden vor allem die Szenen des Buffop\u00e4rchens. Klara Brockhaus und Philipp Gaiser machen als Stasi und Boni nicht nur stimmlich gute Figur, sie beherrschen auch die doppelb\u00f6dige Mimik, durch die so manche Gags erst richtig z\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die musikalische Untermalung sorgt ein sechsk\u00f6pfiges Kammerensemble unter Leitung von Andreas P. Heinzmann. Grunds\u00e4tzlich steht der intime Kaffeehaus-Sound K\u00e1lm\u00e1ns Operette eigentlich ganz gut zu Gesicht. Hin und wieder gibt es bei diesem reduzierten Arrangement aber trotzdem den einen oder anderen Moment, in dem man der Partitur einen etwas \u00fcppigeren Klang gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Dies bleibt letzten Endes nur ein kleiner Sch\u00f6nheitsfleck bei diesem Operettenspa\u00df mit Tiefgang. Denn K\u00e1lm\u00e1ns Meisterwerk lebt letztlich nicht von gro\u00dfen Effekten, sondern davon, dass die Liebesirrungen und -wirrungen ernstgenommen werden und die Figuren so nie ins Klischee abrutschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Tobias Hell<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDie Cs\u00e1rd\u00e1sf\u00fcrstin\u201c (1915) \/\/ Operette von Emmerich K\u00e1lm\u00e1n, arrangiert von Andreas P. Heinzmann und J\u00f6rg-Oliver Werner; Textfassung von Franziska Reng<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/pasinger-fabrik.de\/veranstaltung\/die-csardasfuerstin-operette-von-emmerich-kalman\/2026-08-13\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website der Pasinger Fabrik<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Pasinger Fabrik \u2022 Die Cs\u00e1rd\u00e1sf\u00fcrstin<\/span><\/br> K\u00e1lm\u00e1ns Klassiker schwelgt in nostalgischem Charme<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13536,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2023],"tags":[],"class_list":["post-13535","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-03"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Pasinger-Fabrik_Die-Csardasfuerstin-c-Annette-Hempfling.jpg",1500,1000,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Pasinger-Fabrik_Die-Csardasfuerstin-c-Annette-Hempfling-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Pasinger-Fabrik_Die-Csardasfuerstin-c-Annette-Hempfling-600x200.jpg",600,200,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Pasinger-Fabrik_Die-Csardasfuerstin-c-Annette-Hempfling-1200x800.jpg",1200,800,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Pasinger-Fabrik_Die-Csardasfuerstin-c-Annette-Hempfling-768x512.jpg",600,400,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Pasinger-Fabrik_Die-Csardasfuerstin-c-Annette-Hempfling.jpg",600,400,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"30. 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