{"id":13542,"date":"2026-06-30T23:44:25","date_gmt":"2026-06-30T21:44:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13542"},"modified":"2026-06-30T23:45:58","modified_gmt":"2026-06-30T21:45:58","slug":"muenchen-die-walkuere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/06\/30\/muenchen-die-walkuere\/","title":{"rendered":"Auf zur n\u00e4chsten Runde"},"content":{"rendered":"<p>Da jubelt das Herz der Wagnerianer: Auf der B\u00fchne der Bayerischen Staatsoper sieht man doch tats\u00e4chlich mal wieder richtige (Plastik-)B\u00e4ume, Speere und Fl\u00fcgelhelme. Ja, sogar echte Pferde im Walk\u00fcrenritt gibt es bei dieser Premiere \u2013 wenn auch nur als Video-Zuspielungen, die bei Inszenierungen von Feuilleton-Liebling Tobias Kratzer mittlerweile zu den erwartbaren Stilelementen z\u00e4hlen. Fast anderthalb Jahre musste das Publikum nach dem heftig bejubelten \u201eRheingold\u201c auf die Fortsetzung dieses \u201eRings\u201c warten, jetzt klatscht es sich erneut in kollektive Euphorie.<\/p>\n\n\n\n<p>In der letzten M\u00fcnchner \u201eWalk\u00fcren\u201c-Inszenierung von Regisseur Andreas Kriegenburg begann der dritte Aufzug noch mit einer merkw\u00fcrdigen Stampf-Choreografie, die selbst bei Wiederaufnahmen konsequent von Buhrufen begleitet wurde. Bei Kratzer hingegen gibt es an derselben Stelle gleich mehrfach begeisterten Szenenapplaus, wenn die Wotanst\u00f6chter durch den Englischen Garten und durchs Siegestor galoppieren oder Waltraute in ihrem Hubschrauber wenig subtil an Coppolas \u201eApocalypse Now\u201c erinnert.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn auch in der zweiten \u201eRing\u201c-Episode bleiben Kratzer und das von Rainer Sellmaier angef\u00fchrte Produktionsteam der etablierten Film- und Serien-\u00c4sthetik treu. Man erlebt erneut ein popkulturelles Kaleidoskop, bei dem neben den Erinnerungen an Neil Gaimans \u201eAmerican Gods\u201c u.a. auch noch die Zombie-Armee aus \u201eGame of Thrones\u201c anr\u00fcckt, die von den Walk\u00fcren f\u00fcr Wotans letztes Gefecht ausgebildet wird. Kratzers Kollektiv verkn\u00fcpft immer wieder alte und neue Mythen. Und in den besten Momenten entdeckt man tats\u00e4chlich einige clevere Ideen, die einem in der mehr als 150-j\u00e4hrigen Werkgeschichte so tats\u00e4chlich noch nicht untergekommen sind. So zeugen Siegmund und Sieglinde ihren heldischen Nachwuchs diesmal bereits, bevor sie sich als Geschwister erkennen. Und auch der Feuerzauber wird von Regie und Videomannschaft \u00fcberaus sinnf\u00e4llig gebrochen. Solche starken Einf\u00e4lle k\u00f6nnen aber nicht ganz dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Intensit\u00e4t des \u201eRheingolds\u201c hier nicht immer erreicht wird und manche Bilder schon auch sehr gewollt wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal an Kontur gewinnt daf\u00fcr das scharfkantige Dirigat von GMD Vladimir Jurowski, der trotz breiter Tempi stets die Spannung h\u00e4lt. Trotz akribischer Arbeit am Detail schreckt er gleichzeitig nicht vor gro\u00dfen plakativen Gesten zur\u00fcck, wenn es dem dramatischen Effekt dient. Vertrauen kann er auf ein rundum exzellent besetztes Ensemble. Joachim B\u00e4ckstr\u00f6m als Siegmund vermag keineswegs nur mit seinen machtvollen \u201eW\u00e4lse\u201c-Rufen zu punkten, sondern findet in den \u201eWinterst\u00fcrmen\u201c auch schnell wieder zarte Farbnuancen, die dem gebrochenen Helden gut zu Gesicht stehen. Und auch Irene Roberts baut als Sieglinde auf einem soliden Mezzo-Fundament, das ihrem Rollenportrait eine anr\u00fchrende W\u00e4rme verleiht. Eine Qualit\u00e4t, wie man sie auch bei der sehr menschlichen Br\u00fcnnhilde von Miina-Liisa V\u00e4rel\u00e4 findet. Sie hat ihre st\u00e4rksten Momente im Dialog mit Nicholas Brownlee, dessen ausladender Bassbariton alles mitbringt, was man sich f\u00fcr einen Wotan nur w\u00fcnscht: klare Diktion, ein dunkles Timbre und Spitzent\u00f6ne von beeindruckender Strahlkraft. Mit solchen Stimmen muss man sich um das doppelte \u201eRing\u201c-Finale in der kommenden Saison wohl keine gro\u00dfen Sorgen machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Tobias Hell<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDie Walk\u00fcre\u201c (1870) \/\/ Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels \u201eDer Ring des Nibelungen\u201c von Richard Wagner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.staatsoper.de\/stuecke\/die-walkuere\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website der Bayerischen Staatsoper<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.staatsoper.de\/spielzeit-2025-26\/oper-fuer-alle-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">F\u00fcr alle, die keine Karten mehr bekommen haben: Die Bayerische Staatsoper zeigt \u201eDie Walk\u00fcre\u201c am Samstag, 4. Juli 2026 ab 17 Uhr bei \u201eOper f\u00fcr alle\u201c auf dem Max-Joseph-Platz als kostenlose Live-\u00dcbertragung aus dem Nationaltheater.<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Bayerische Staatsoper \u2022 Die Walk\u00fcre<\/span><\/br> Tobias Kratzer und Vladimir Jurowski schmieden weiter an ihrem \u201eRing\u201c<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2023],"tags":[],"class_list":["post-13542","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-03"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bayerische-Staatsoper_Die-Walkuere-c-Monika-Rittershaus.jpg",1500,1000,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bayerische-Staatsoper_Die-Walkuere-c-Monika-Rittershaus-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bayerische-Staatsoper_Die-Walkuere-c-Monika-Rittershaus-600x200.jpg",600,200,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bayerische-Staatsoper_Die-Walkuere-c-Monika-Rittershaus-1200x800.jpg",1200,800,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bayerische-Staatsoper_Die-Walkuere-c-Monika-Rittershaus-768x512.jpg",600,400,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bayerische-Staatsoper_Die-Walkuere-c-Monika-Rittershaus.jpg",600,400,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"30. 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