{"id":13671,"date":"2026-08-01T16:45:50","date_gmt":"2026-08-01T14:45:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13671"},"modified":"2026-08-01T16:45:54","modified_gmt":"2026-08-01T14:45:54","slug":"bayreuth-siegfried","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/08\/01\/bayreuth-siegfried\/","title":{"rendered":"In der KI-Schmiede"},"content":{"rendered":"<p>Der vieldiskutierte Bayreuther KI-\u201eRing\u201c ist beim \u201eSiegfried\u201c angelangt. Hervorzuheben sind zun\u00e4chst die drei gro\u00dfen Protagonisten des Abends, die wirklich in Weltklasse-Dimensionen singen und derzeit wohl kaum \u00fcbertroffen werden k\u00f6nnen: Klaus Florian Vogt (Siegfried), Michael Volle (Der Wanderer) und Camilla Nylund (Br\u00fcnnhilde). Ihr liegt die h\u00f6here Tessitura der \u201eSiegfried\u201c-Br\u00fcnnhilde nat\u00fcrlich besser als die relativ tiefe der \u201eWalk\u00fcre\u201c. Nylund strahlt an diesem Abend mit ihrem warmen, leuchtenden Sopran jugendlicher Hochdramatik bei ausdrucksvoller Mittellage und perfekten H\u00f6hen im Finale. Klaus Florian Vogt \u00fcberzeugt immer mehr durch die vokal hochkultivierte Interpretation des Siegfried. Die ausdrucksvolle Stimme ist in jeder Lage gut gef\u00fchrt und sauber artikuliert, hinzu kommt eine gute Bewegungsregie. Michael Volle ist wieder ein vokal und von seiner Pers\u00f6nlichkeit her souver\u00e4ner Wanderer. Die drei d\u00fcrfen Applausst\u00fcrme \u00fcber sich ergehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alberich ist wieder Jochen Schmeckenbecher, er zeigt sich stabil und gut. Mit Gerhard Siegel als Mime steht Siegfried ein ausdrucksstarker Charaktertenor gegen\u00fcber, der \u00fcber eine auch noch sehr baritonale Mittellage verf\u00fcgt \u2013 ein guter Kontrapunkt also zu Vogt. Peter Rose als Fafner ist wieder ein Garant und Christa Mayer eine sehr gute, eindrucksvoll mahnende Erda. Der Waldvogel von Victoria Randem kann wegen unzureichender Diktion fast als Ausfall verbucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Thielemann musiziert mit dem Festspielorchester Wagners so gro\u00dfe und vielseitige Partitur vom Feinsten. Das ist schlicht fantastisch und bringt Riesen-Applaus. Bei allen Vorspielen bleibt der Vorhang unten und man sp\u00fcrt, wie sinnvoll in diesen Momenten die musikalische Vorbereitung und Konzentration auf das Kommende sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf den neuartigen KI-Ansatz erscheint nach dem \u201eSiegfried\u201c die Sache nun relativ klar. Das Konzept kann f\u00fcr die Oper nutzbar gemacht werden (anders als die gescheiterten Augmented-Reality-Brillen im \u201eParsifal\u201c 2023, die sich als Augmented-Phantasy-Brillen entpuppten). Das vorliegende Erlebnis ist dennoch weit entfernt von einer wirklich brauchbaren Auspr\u00e4gung; vielleicht aufgrund mangelnder Kommunikation zwischen Dramaturg Andri Hardmeier, der Bilder aus Bayreuther \u201eRing\u201c-Inszenierungen seit 1876 diskretion\u00e4r einstellt, und dem sogenannten Digital- und KI-Storyteller Roman Senkl. Der scheint die Tetratologie entweder nicht in all ihren Details und Verwicklungen vollumf\u00e4nglich zu kennen oder aber das System, das die eingegebenen Informationen algorithmisch verarbeitet und in Bildfolgen \u00fcbersetzt, ist bei Weitem noch nicht so entwickelt, wie es f\u00fcr eine werkgerechte Opern-Interpretation erforderlich w\u00e4re. \u00c4u\u00dferst geringe Probezeiten f\u00fcr diesen KI-\u201eRing\u201c hatten daran wohl ebenfalls ihren Anteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Was immer wieder zu beobachten ist: Sobald nach den gesondert eingestellten Szenenbildern die KI wieder beginnt mit ihren in st\u00e4ndigem Fluss wechselnden Bildern und Farben, l\u00e4uft vieles aus dem Ruder und hat oft kaum noch etwas mit dem St\u00fcck zu tun. Wie durch Zufall passt es manchmal dann doch: Wenn der Waldvogel kommt, sehen wir mehrere Kolibris. Sehr gut gelangen im bisherigen Zyklusverlauf auch der Walk\u00fcrenritt, wo man kriegsl\u00fcstern stampfende Soldaten und Waffen, aber auch archaische Landschaften als Schlachtfelder sah, und das Finale der \u201eWalk\u00fcre\u201c. Dagegen wirken manche Bilder wie Poster f\u00fcr eine Ausstellung moderner Malerei, absolut losgel\u00f6st vom \u201eSiegfried\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das muss man \u00e4ndern, verfeinern und die K\u00fcnstliche Intelligenz im Hinblick auf das St\u00fcck mit entsprechend detaillierterer Information besser sensibilisieren. All das sollte aber der Sache keinen Abbruch tun, denn nicht zuletzt sind diese KI-generierten Bilder viel aussagekr\u00e4ftiger und faszinierender als die altbekannten ewigen Videos, die sich in unz\u00e4hligen Inszenierungen und endlosen Dauerschleifen st\u00e4ndig wiederholen. In den letzten Jahren hat man sie bis zum \u00dcberdruss in der Opernregie und vor allem in aus dem Ufer laufenden und verfremdenden Regietheater-Produktionen erlebt. Das war bisweilen schon mehr Opernkino als Musiktheater \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Dr. Klaus Billand<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eSiegfried\u201c (1876) \/\/ Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels \u201eDer Ring des Nibelungen\u201c von Richard Wagner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bayreuther-festspiele.de\/programm\/auffuehrungen\/siegfried\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website der Bayreuther Festspiele<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Bayreuther Festspiele \u2022 Ring 10010110: Siegfried<\/span><\/br> Wagners \u201eSiegfried\u201c als Versuchsballon <\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13672,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2023],"tags":[],"class_list":["post-13671","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-03"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bayreuther-Festspiele_Siegfried-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath.jpg",1500,917,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bayreuther-Festspiele_Siegfried-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bayreuther-Festspiele_Siegfried-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-600x184.jpg",600,184,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bayreuther-Festspiele_Siegfried-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-1200x734.jpg",1200,734,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bayreuther-Festspiele_Siegfried-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-768x470.jpg",600,367,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bayreuther-Festspiele_Siegfried-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath.jpg",600,367,false],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"1. 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