{"id":13945,"date":"2026-10-06T22:15:06","date_gmt":"2026-10-06T20:15:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13945"},"modified":"2026-10-06T23:23:04","modified_gmt":"2026-10-06T21:23:04","slug":"wien-eine-florentinische-tragoedie-herzog-blaubarts-burg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/10\/06\/wien-eine-florentinische-tragoedie-herzog-blaubarts-burg\/","title":{"rendered":"M\u00f6rderischer Lustrausch"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Saison-Premiere der Wiener Staatsoper bringt zwei Einakter von Alexander von Zemlinsky und B\u00e9la Bart\u00f3k, die fast zeitgleich uraufgef\u00fchrt wurden (1917\/18) und in der Vergangenheit hier an nur wenigen und lang zur\u00fcckliegenden Spieltagen zu erleben waren. Beide Werke handeln von jeweils einem Ehepaar im Krisenmodus. Regisseur Vasily Barkhatov interpretiert die Handlung teils neu und stellt einen szenischen Bogen zwischen den St\u00fccken her. Er zeigt EIN Protagonistenpaar in einem Kammerst\u00fcck, verortet in einem gestylten, gediegenen Design-Einrichtungshaus; Christian Schmidt gestaltet die f\u00fcr beide Opern einheitliche B\u00fchne mit moderner Eleganz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guido Bardi aus der \u201eTrag\u00f6die\u201c ist kein florentinischer Renaissance-Adeliger, sondern therapiert als Eheberater das verheiratete Paar an deren Arbeits- und Wohnplatz mit einem Eifersuchtsspiel. Die Ehefrau tippt oft gelangweilt am Handy, w\u00e4hrend ihr \u2013 sie st\u00e4ndig abwertender \u2013 Gatte sich als Verkaufstalent von Luccaner Damast pr\u00e4sentiert. Schlie\u00dflich verwandelt sich der biedere H\u00e4ndler zu einem leidenschaftlichen Ehemann und als seine \u201eehrbare Frau\u201c den frechen Gast unversch\u00e4mt k\u00fcsst, wird aus dem Spielchen Ernst. Der Ehebrecher liegt erstochen im Ehebett und steigert das verlorengegangene Verlangen, sodass die beiden leidenschaftlichen Sex haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offenbar auch w\u00e4hrend der Pause, da die Szene in Blaubarts Burg weiterf\u00fchrt \u2013 mit demselben Sopran in gleicher Reizunterw\u00e4sche (Kost\u00fcme: Stefanie Seitz), aber einem anderen Bariton als Herzog Blaubart, mit gro\u00dfer \u00c4hnlichkeit zu Simone. Nun muss das Paar durch sieben T\u00fcren wandeln, die auf der B\u00fchne nie zu sehen sind. Nur durch Projektionen, einen zerbrochenen Spiegel und dem kalten, leeren Kinderzimmer stellen sie die Folter- und Schatzkammer, den Rosengarten, den Tr\u00e4nensee und das Gemach der ermordeten (Ex-)Ehefrauen dar bzw. dienen als Tore der Seele und der Aufarbeitung von ihren traumatischen Erlebnissen. An diesem Opernende bedeutet Blaubarts \u201ef\u00fcr immer Nacht\u201c nicht Judiths Tod oder das Versinken in ewig schwarze Nacht, sondern ein positives Ende der Beziehung inklusive sexueller Vereinigung \u2013 noch immer mit dem Leichnam aus der Zemlinsky-Oper unter dem Bett. Das Konzept zeichnet sich durch exzellent herausgearbeitete und mit gro\u00dfartigen Darstellern mitrei\u00dfend auf die B\u00fchne gebrachte Personenregie aus, wird mit einer interessanten Erz\u00e4hlung und sehr speziellen Spielarten von Liebe und Lust umgedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Asmik Grigorians eindringliche szenische Pr\u00e4senz und ihre umwerfende Nat\u00fcrlichkeit bringen \u2013 trotz nur weniger vokaler Phrasen der Bianca, aber mit wundervoller stimmlicher, hochdramatischer Intensit\u00e4t als Judith \u2013 eine Doppelrolle mit enormem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Christopher Maltman besticht als Simone mit volumin\u00f6sem Bariton und dunklen Klangfarben. Er hat mehr kraftvolle Ausdauer als Dmitry Golovnin, der seinen Widersacher Giudo mit zu leisem Tenor und farblos darstellt. Mit tiefen Abgr\u00fcnden, sehr nuancenreicher Tiefe und verletzlich legt Florian Boesch die Rolle des Blaubarts ausgezeichnet an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alain Altinoglu brilliert am Pult mit opulentem Farbenreichtum zwischen melodischer, symphonischer Romantik und dem atmosph\u00e4rischen Umschwung zu dunkelstem Schatten, machtvollem Chaos und ausgesuchter Rauheit. Jubel f\u00fcr alle!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Susanne Lukas<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eEine florentinische Trag\u00f6die\u201c (1917) \/\/ Oper von Alexander von Zemlinsky<br>\u201eA k\u00e9kszak\u00e1ll\u00fa herceg v\u00e1ra\u201c (\u201eHerzog Blaubarts Burg\u201c) (entstanden 1911, uraufgef\u00fchrt 1918) \/\/ Oper von B\u00e9la Bart\u00f3k<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.wiener-staatsoper.at\/kalender\/detail\/eine-florentinische-tragoedie-herzog-blaubarts-burg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website der Wiener Staatsoper<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Wiener Staatsoper \u2022 Eine florentinische Trag\u00f6die \/ Herzog Blaubarts Burg<\/span><\/br> Verbindende Liebes- und Sexspiele von Zemlinsky und Bart\u00f3k<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13946,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2035],"tags":[],"class_list":["post-13945","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-04"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13945","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13945"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13945\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13948,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13945\/revisions\/13948"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13945"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13945"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13945"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}