{"id":13962,"date":"2026-10-07T22:59:24","date_gmt":"2026-10-07T20:59:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13962"},"modified":"2026-10-07T22:59:26","modified_gmt":"2026-10-07T20:59:26","slug":"mainz-lohengrin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/10\/07\/mainz-lohengrin\/","title":{"rendered":"Wagner auf dem Mittelaltermarkt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Kann es sein, dass in der Oper eine allm\u00e4hliche Abkehr vom ber\u00fcchtigten \u201eRegie-Theater\u201c stattfindet? Im neuen \u201eLohengrin\u201c in Mainz etwa tragen die Protagonisten Kost\u00fcme wie auf einem Mittelaltermarkt, der Titelheld wird bei seinem Auftritt von Schwanenfl\u00fcgeln flankiert und zum \u201eGottesgericht\u201c gibt es einen veritablen Schwertkampf. Das alles kommt ohne Verfremdung oder Ironisierung aus. Regiezutaten gibt es allenfalls in hom\u00f6opathischen Dosen, so eine stumme Vorgeschichte zu Beginn, in der Elsa und ihr Bruder Opfer eines angedeuteten Kindesmissbrauchs durch ihren Vater sind und ihn deswegen t\u00f6ten. Das spielt aber f\u00fcr den weiteren Verlauf der Handlung kaum eine Rolle. Auch gibt es eine sparsame Distanzierung zu den Mobilmachungsapellen des K\u00f6nigs, indem sich aus dazu eingeblendeten wei\u00dfen Kreuzen allm\u00e4hlich ein Soldatenfriedhof formt und gegen Ende einige Edelleute pantomimisch in Zeitlupe zeigen, wie man in der ersten Reihe einer Frontlinie f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Einheitsb\u00fchnenbild (Christoph Schubiger) ist ein mit hohen W\u00e4nden abgeschlossener, schmuckloser Raum, an dessen R\u00fcckwand sich zum Auftritt des Schwanenritters ein gezackter Spalt \u00f6ffnet. Da tritt der Retter von au\u00dfen in eine hermetisch abgeschlossene Gesellschaft hinein \u2013 ein einleuchtendes Bild. Die Inszenierung von Erik Raskopf zeigt, dass es gar nicht entscheidend darauf ankommt, in welche Kost\u00fcme man Darsteller steckt, sondern wie man Personen und Massen f\u00fchrt. Im ersten Aufzug etwa wird viel herumgestanden. Der Chor wird wenig bewegt, die Protagonisten oft im Bereich vor der Rampe abgestellt und ihrem mimischen Geschick \u00fcberlassen. Trotz dieser Statik funktionieren musikalische Koordination und Klangbalance nicht immer optimal. Nach dem wunderbar schwebend und atmosph\u00e4risch gelungenen Vorspiel \u00fcberzeugt das Orchester unter Gabriel Venzago vor allem in der Begleitung der Solisten, w\u00e4hrend die Dynamik beim Hinzutreten des Chores immer wieder schnell die Grenzen des Hauses sprengt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besser gelingt der kammerspielartige zweite Aufzug, der auf die darstellerische Intensit\u00e4t des Intrigantenpaares setzen kann. Brett Carter beeindruckt mit kernigem, gut fokussiertem Bariton bei klarer Diktion als Telramund. Als \u201eGenossin seiner Schmach\u201c ist Julija Vasiljeva eine stimmlich ideale Ortrud, welche ihren kraftvollen Sopran in der Mittellage gef\u00e4hrlich schimmern lassen kann und bei der triumphalen Anrufung heidnischer G\u00f6tter G\u00e4nsehaut erzeugt. Das steht in passendem Kontrast zu der klaren und gut gef\u00fchrten Stimme von Nadja Stefanoff, die ihr \u00fcberzeugendes Deb\u00fct als Elsa gibt. Dass die Regie K\u00f6nig Heinrich als hinf\u00e4lligen Greis zeichnet, f\u00fcgt sich zu der markanten, aber ein wenig glanzlosen Stimme von Stephan Bootz. Corby Welch in der Titelrolle schlie\u00dflich kann sich nicht entscheiden, ob er seine kernige Bruststimme oder doch lieber die hellere Farbe seiner Kopfstimme nutzen will. Beim Hin- und Herschalten zwischen den Registern leidet mitunter die Intonation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt zeigt das kleine Opernhaus seine enorme musikalische Leistungsf\u00e4higkeit, w\u00e4hrend die Regie in historisierenden Tableaus unauff\u00e4llig bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Dr. Michael Demel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eLohengrin\u201c (1850) \/\/ Romantische Oper von Richard Wagner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.staatstheater-mainz.com\/veranstaltungen\/oper-26-27\/lohengrin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website des Staatstheaters Mainz<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Staatstheater Mainz \u2022 Lohengrin<\/span><\/br> \u201eLohengrin\u201c punktet vor allem musikalisch<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13963,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2035],"tags":[],"class_list":["post-13962","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-04"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13962"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13965,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13962\/revisions\/13965"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13963"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}