{"id":13974,"date":"2026-10-12T11:44:35","date_gmt":"2026-10-12T09:44:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13974"},"modified":"2026-10-12T14:31:25","modified_gmt":"2026-10-12T12:31:25","slug":"oldenburg-la-forza-del-destino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/10\/12\/oldenburg-la-forza-del-destino\/","title":{"rendered":"Volltreffer!"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleich zu Beginn der Spielzeit gelingt dem Oldenburgischen Staatstheater mit Giuseppe Verdis \u201eLa forza del destino\u201c ein veritabler Volltreffer \u2013 und das in jeder Hinsicht. Die Regie von Joan Anton Rechi ist klug durchdacht und absolut werkgerecht, musikalisch sorgt Vito Cristofaro am Pult des bestens disponierten Oldenburgischen Staatsorchesters einmal mehr f\u00fcr eine spannende, differenzierte Wiedergabe \u2013 er beweist sein Gesp\u00fcr f\u00fcr Tempi, Dynamik und gewichtige Akzente auf h\u00f6chstem Niveau. Bewundernswert ist die Leistung des S\u00e4ngerensembles. Da ist jede Partie hervorragend besetzt und mit leidenschaftlichem Gesang erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Handlung wird als eine Folge von Erinnerungen Leonoras erz\u00e4hlt. In ihrer Todesstunde ziehen die Bilder ihres Schicksals, von dem ungewollten Schuss auf ihren Vater bis zum blutigen Finale in der Einsiedelei, an ihr vorbei. In ihrem roten Kleid ist sie also fast st\u00e4ndig auf der B\u00fchne pr\u00e4sent. Die Marketenderin Preziosilla ist hier eine Wahrsagerin, eine Mischung aus schwarzem Todesengel und blondem Vamp, und fungiert als eine Art Spielmacherin. Schon zur Ouvert\u00fcre dirigiert sie die Hauptpersonen \u00fcber die B\u00fchne und l\u00e4sst sie bedeutungsschwangere Gesten ausf\u00fchren. Die einzelnen Szenen der Oper gehen nahtlos und dank der Pr\u00e4senz von Leonora auch bruchlos ineinander \u00fcber \u2013 eine fast schon filmische Dramaturgie. Dazu passt das B\u00fchnenbild von Markus Erik Meyer: Man blickt wie von oben auf eine graue Treppenhausanlage, die in unendliche Tiefen zu f\u00fchren scheint, in ihrer Optik an Bilder von M. C. Escher erinnert und eine magische, soghafte Stimmung wie in Hitchcocks \u201eVertigo\u201c erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Personenf\u00fchrung ist klar und sinnvoll und artet nie, auch nicht bei den Kampfszenen von Alvaro und Don Carlo, in \u00fcberzogenen Aktionismus aus. Manchmal verschwimmt die Grenze zwischen Realit\u00e4t und Vison, etwa wenn der Geist von Leonoras Vater \u00fcber die B\u00fchne schreitet (\u201eMacbeth\u201c und der Komtur lassen gr\u00fc\u00dfen). Die Klosterszene mit dem gro\u00dfartigen Chor (Einstudierung: Thomas B\u00f6nisch) ist von eindrucksvoller Feierlichkeit gepr\u00e4gt. Dass \u201eLa dorza del destino\u201c im Krieg spielt, wird nicht ganz so deutlich. Ein paar wuselig herumlaufende M\u00e4nner mit Flinten sind zu harmlos. Aber insgesamt ist es eine geradlinige Inszenierung, die dem Werk absolut gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leonora steht nicht nur szenisch, sondern auch gesanglich im Mittelpunkt. Adr\u00e9ana Kraschewski verf\u00fcgt \u00fcber einen sehr ansprechenden Sopran, den sie vom feinsten Piano bis zum strahlenden Forte sehr differenziert und klangvoll f\u00fchrt. Die Arie \u201ePace, pace\u201c ist einer der vielen H\u00f6hepunkte der Auff\u00fchrung. Jason Kim, verdienstvolles Ensemblemitglied in Oldenburg, kann auch als Alvaro mit seinem h\u00f6hensicheren Tenor und seiner leidenschaftlichen Gestaltung begeistern. Als Don Carlo f\u00fchrt Aksel Daveyan einen virilen Bariton mit Kraft und \u201eBiss\u201c ins Feld. Beide erg\u00e4nzen sich in den gemeinsamen Szenen ideal. Die Partie der Preziosilla wird hier sehr aufgewertet. Anna Dowsley verleiht ihr viel Pers\u00f6nlichkeit und sinnliche Mezzot\u00f6ne. Seungweon Lee gibt dem Padre Guardiano mit gutem Bassfundament w\u00fcrdevolle Ausstrahlung. F\u00fcr die komischen Momente sorgt gekonnt Arthur Bruce als Fra Melitone.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Wolfgang Denker<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eLa forza del destino\u201c (\u201eDie Macht des Schicksals\u201c) (1862\/69) \/\/ Oper von Giuseppe Verdi<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/staatstheater.de\/programm\/musiktheater\/spielzeit-2627\/la-forza-del-destino\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website des Oldenburgischen Staatstheaters<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Oldenburgisches Staatstheater \u2022 La forza del destino<\/span><\/br> Verdis Oper im filmischen Sog<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13975,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2035],"tags":[],"class_list":["post-13974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-04"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13974"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13977,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13974\/revisions\/13977"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13975"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}