{"id":13997,"date":"2026-10-13T14:23:28","date_gmt":"2026-10-13T12:23:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=13997"},"modified":"2026-10-13T14:23:33","modified_gmt":"2026-10-13T12:23:33","slug":"linz-lohengrin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/10\/13\/linz-lohengrin\/","title":{"rendered":"Unterk\u00fchlt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Das an j\u00e4hrlichen Neuinszenierungen in \u00d6sterreich f\u00fchrende Landestheater Linz \u2013 unter der ideenreichen Leitung von Intendant Hermann Schneider \u2013 setzt seine Arbeit am Bayreuther Kanon mit einer Neuinszenierung der romantischen Oper \u201eLohengrin\u201c fort, koproduziert mit dem von Michael Schulz geleiteten Saarl\u00e4ndischen Staatstheater. Naheliegenderweise \u00fcbernimmt dieser auch die Inszenierung. In seiner Zeit als Operndirektor in Weimar verantwortete Schulz 2006-08 einen \u201eRing des Nibelungen\u201c, in dem Catherine Forster als Br\u00fcnnhilde deb\u00fctierte. Damals wie heute sind Dirk Becker sein (diesmal nicht allzu fantasievoller) B\u00fchnenbildner und Ren\u00e9e Listerdal sein (mit einigen Kreationen unverst\u00e4ndlich bleibender) Kost\u00fcmbildner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ist der \u201eLohengrin\u201c ein schwer zu inszenierendes St\u00fcck. Einerseits ist er ein M\u00e4rchen, was durch die in der Tat hochromantische, unglaublich sch\u00f6ne und um Lohengrin astrale A-Dur-Musik zum Ausdruck kommt. Andererseits ist er aber auch ein politisches St\u00fcck, in dem Mechanismen der Macht, Manipulation und Unterdr\u00fcckung durch Lohengrin einmal subtiler, ein anderes Mal durch K\u00f6nig Heinrich auch konkreter zum Ausdruck kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schulz konzentriert sich auf die politische Komponente und wird damit den komplexen, tiefergehenden und eben auch romantischen Dimensionen des St\u00fccks nicht ganz gerecht. Wenn Lohengrin unterk\u00fchlt und offensichtlich machtorientiert auftritt, wird gleich klar, dass Emotionen und auch Liebe hier erst an zweiter und dritter Stelle kommen. Elsa wird von seinem Auftritt fast \u00fcberrumpelt. Damit ist das Scheitern einer etwaigen Liebesbeziehung vorgezeichnet. Zu einer gewissen Entfremdung tragen banale Regieausrutscher (oder sind es Versuche einer Anbiederung an den Zeitgeist?) bei, wie das Handyblitzen im Brautgemach, PCs mit surfenden M\u00e4dchen ebendort sowie Telramunds Session am PC vor seinem Mordversuch an Lohengrin. Oder der Heerrufer, der mit dem blutbesudelten Schwert des K\u00f6nigs auftaucht und offenbar die Edlen des Telramund umgebracht hat. Wie das?!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die musikalische Seite rei\u00dft den Abend heraus. \u00c4u\u00dferst kompetent dirigiert der junge designierte Linzer Musikdirektor Christoph Koncz das Bruckner Orchester, welches Wagners Partitur traumhaft sch\u00f6n erbl\u00fchen l\u00e4sst. Und bei den Orchesterst\u00fccken endlich einmal vor geschlossenem Vorhang!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Wagner gibt mit seinem profunden Bass einen souver\u00e4nen K\u00f6nig Heinrich. Marco Jentzsch verbindet als Lohengrin lyrischen Aplomb mit vokaler Strahlkraft. Dorothea Herbert singt eine emotional einnehmende und klangsch\u00f6ne Elsa. Julia Faylenbogens Ortrud ist mit kraftvollem Mezzo eine Gegnerin auf Augenh\u00f6he. Adam Kim als Telramund f\u00e4llt bei engagiertem Spiel vokal stark ab mit einem zu sehr auf Kraft setzenden und wenig resonanten Bassbariton. Gregorio Changhyun Yun ist ein stimmlich ausgezeichneter Heerrufer. Der von Franz Obermair einstudierte Chor und Extrachor des Landestheaters Linz, verst\u00e4rkt durch den Hungarian National Male Choir, ist eine tragende S\u00e4ule des Geschehens. Ein alles in allem guter Abend in Linz. N\u00e4chstes Jahr soll es mit dem \u201eTannh\u00e4user\u201c weitergehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Dr. Klaus Billand<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eLohengrin\u201c (1850) \/\/ Romantische Oper von Richard Wagner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.landestheater-linz.at\/stuecke\/detail?ref=202620271997\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website des Landestheaters Linz<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Landestheater Linz \u2022 Lohengrin<\/span><\/br> Wagners romantische Oper vergisst die Romantik<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":13998,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2035],"tags":[],"class_list":["post-13997","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-04"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13997","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13997"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13997\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14003,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13997\/revisions\/14003"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13998"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13997"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13997"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13997"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}