{"id":14001,"date":"2026-10-13T15:15:52","date_gmt":"2026-10-13T13:15:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=14001"},"modified":"2026-10-13T21:08:16","modified_gmt":"2026-10-13T19:08:16","slug":"annaberg-buchholz-schmetterling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/10\/13\/annaberg-buchholz-schmetterling\/","title":{"rendered":"Im Operetten-Wunderland"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der bereits zweiten Operetten-Urauff\u00fchrung sichert Intendant Moritz Gogg seinem Haus ein h\u00fcbsches Alleinstellungsmerkmal. Vor drei Jahren bewiesen der komponierende Tenor Daniel Behle und sein Mit-Librettist, der Schweizer Autor Alain Claude Sulzer, dass die Operette lange noch nicht so tot ist, wie ihr gerne nachgesagt wird. Auf \u201eHopfen und Malz\u201c (\u00fcber\u2019s Bier, was auch sonst) folgt unter dem Titel \u201eSchmetterling\u201c jetzt der zweite Streich des Duos, auch diesmal wieder szenisch im B\u00fcndnis mit Jasmin Solfaghari (Regie) und Walter Sch\u00fctze (Ausstattung). Am Pult der Erzgebirgischen Philharmonie Aue kann deren neuer Musikdirektor Bruno Borralhinho mit einer Spezialit\u00e4t der besonderen Art einsteigen und die Kompetenzen des Hauses gl\u00e4nzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dank Regieteam und Dirigent laufen die Auftritte und Szenenwechsel f\u00fcr das ausgesprochen spielfreudige Ensemble und den Chor nicht nur mit der Pr\u00e4zision eines eingespielten Uhrwerkes ab. Diesmal steht sogar eine geheimnisvolle Standuhr in einem Baum als dauerpr\u00e4senter Teil der Ausstattung vorn rechts an der Rampe \u2013 auch als Symbol f\u00fcr gutes Timing. Am Kulissenhorizont erinnert ein Gem\u00e4uer sehr entfernt an das Festspielhaus in Bayreuth. Davor gibt es auf der Drehb\u00fchne, hinter einer Mauer mit Pforte und Grab, zwei vollgestopfte R\u00e4ume. Beatrice L\u00f6ffelholz f\u00fchrt als \u201eAlice im Wunderland\u201c-kompatible Uhrmacherin geheimnisvoll moderierend durch einen Abend, der als Zeitreise 1880 (also noch zu Wagners Lebzeiten) beginnt, dann in der Gegenwart 2026 Station macht und schlie\u00dflich in einer fernen, dystopischen Zukunft landet, in der alles kulturfeindliche Tun von heute von einem zweifelhaften Erfolg gekr\u00f6nt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im St\u00fcck dreht sich alles um die von einem Meister (na wem wohl?) hinterlassene und von dessen Enkel und amtierendem Festspieldirektor Franz (Angus Simmons) im Uhrenkasten entdeckte Opernpartitur. Die erweist sich als Goldschatz mit Pferdefu\u00df. Denn die Tenorpartie ist so \u00fcberfordernd, dass deren Interpreten ihr reihenweise wortw\u00f6rtlich zum Opfer fallen, bevor sie vom G\u00e4rtner Richard (Ivaylo Guberov) und der K\u00f6chin Helga (Melina H\u00f6fflin) im Wald vergraben werden. Die Oper als Wunder und Fluch zugleich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erinnert zwar durchaus an Wagners notorische Ma\u00dflosigkeit, aber die gro\u00dfe Bayreuth-Parodie, mit der man im Vorfeld werbewirksam kokettiert hatte, ist es dann doch nicht. Die flott gereimten, immer mal kalauernden Sentenzen und Dialoge flattern dennoch geschmeidig durch den Abend. Vor allem Behles exzellent orchestrierte Melodien sind eing\u00e4ngig und sorgen immer f\u00fcr Abwechslung. Dazwischen gibt es hier einen einsamen Gralston, da einen Gru\u00df von Tristan oder den Meistersingern aus der Ferne \u2013 doch das bleibt im Format eines Augenzwinkerns, \u00fcber das man so schmunzeln kann wie \u00fcber die meisten Kalauer des Textes. Auch wenn das Rheint\u00f6chter-Lallen der 1., 2. und 3. Migr\u00e4ne im Gespensteroutfit tats\u00e4chlich Witz hat, sind aus dem Personaltableau keine Nachfahren der lustigen Nibelungen, gezauste S\u00e4nger oder Besucher auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwung kriegt die Geschichte in der Gegenwart (Helga ist jetzt eine klischee-typische Regisseurin von heute), wenn der Startenor Peter (Theo Rohde) seine gro\u00dfen, musikalisch z\u00fcndenden \u201eIch bin Peter\u201c-Auftritte hinlegt. Inklusive einer obligaten Aff\u00e4re mit Sopran Petra (Zs\u00f3fia Szab\u00f3), Peter als Operettentenor im Opernwunderland ist immerhin was. Als renommierter Wagner-Tenor selbst die diversen Klischees sozusagen mit Binnenkenntnis so wie hier auf die Schippe zu nehmen, muss man auch erstmal hinkriegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem das Finale im mittleren Gegenwarts-Akt das Musical touchiert, rettet der Tenor in der Zukunft, jetzt nat\u00fcrlich als bunter Schmetterling (sprich mit dem ererbten Werk des Meisters), die Welt aus ihrer klinisch geklonten Erstarrung und K\u00e4lte. Auch wenn man die Moral von der Geschicht\u2019 schon vor dem Ende der Nummer verstanden hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel Behle aber begeistert nicht nur in seinen Wagner-Rollen als Tenor auf der B\u00fchne. Das gelingt ihm auch mit dem selbstkomponierten Operettenblick auf seine Branche. Wie jetzt in Annaberg-Buchholz, wo die Operette von heute lebt und bejubelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Dr. Joachim Lange<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eSchmetterling\u201c (2026) \/\/ Operette von Daniel Behle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.erzgebirgische.theater\/details.cfm?id=1650\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website des Eduard-von-Winterstein-Theaters<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Eduard-von-Winterstein-Theater (Annaberg-Buchholz) \u2022 Schmetterling<\/span><\/br> Urauff\u00fchrung von Daniel Behles \u201eSchmetterling\u201c<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":14002,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2035],"tags":[],"class_list":["post-14001","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-04"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14001"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14004,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14001\/revisions\/14004"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14002"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}