{"id":14034,"date":"2026-10-20T23:07:00","date_gmt":"2026-10-20T21:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=14034"},"modified":"2026-10-21T00:11:13","modified_gmt":"2026-10-20T22:11:13","slug":"hannover-il-viaggio-dante","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2026\/10\/20\/hannover-il-viaggio-dante\/","title":{"rendered":"Starke Dante-Vertonung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Pascal Dusapin (*1955) scheut keine gro\u00dfen Stoffe. F\u00fcr ihn sind sie stets Recherchen nach einer \u00fcbergeordneten, seine Gegenwart betreffenden Relevanz. Diese deutsche Erstauff\u00fchrung in der Staatsoper Hannover als zweiter Teil einer Dusapin-Trilogie markiert auch die j\u00fcngste Etappe der Koproduktion mit dem Festival d\u2019Aix-en-Provence, der Op\u00e9ra national de Paris und der Th\u00e9\u00e2tres de la Ville de Luxembourg. Der Komponist, der sich seit seiner Jugend inhaltlich und musikalisch mit Dantes im 13. Jahrhundert entstandener \u201eDivina Commedia\u201c auseinandersetzt, findet in Regisseur Claus Guth einen den Gesamteindruck intensiv verdichtenden Partner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIl Viaggio, Dante\u201c verweigert sich dem Sensationsappeal eines spirituellen Abenteuerparcours durch Inferno und L\u00e4uterungsberg hin zum Paradies. Vielmehr strebt die Produktion danach, Dantes 100 das Wissen des Hochmittelalters in einem religi\u00f6s-symbolischen Kontext verankernde Ges\u00e4nge zu vereinen. Das Libretto von Fr\u00e9d\u00e9ric Boyer in italienischer Sprache, zu dessen Prosodie und Deklamation Mezzosopranistin Christel Loetzsch wertvolle Impulse beisteuert, verschmilzt die drei Sph\u00e4ren zu einem knapp zweist\u00fcndigen Werk zwischen Oper und Oratorium.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Partienverzeichnis splittet die Zentralfigur auf. Bariton Peter Sch\u00f6ne erweist sich als gro\u00dfartige Verk\u00f6rperung des \u00e4lteren Dante \u201ein der Mitte des Lebens\u201c und \u201eam Scheidepunkt\u201c. Guth l\u00e4sst ihn im Video (rocafilm) mit dem Auto auf einer Forststra\u00dfe verungl\u00fccken. Das dichte harmonische Material, das neben suggestiven Klangwirkungen auch reine Moll-Dreikl\u00e4nge enth\u00e4lt, grundiert Dantes spirituelle Visionen. Schauplatz ist ein transparent werdender Wohnraum (B\u00fchne: Etienne Pluss). Die Kost\u00fcme von Gesine V\u00f6llm verharren in einer konsequenten Gegenwart. Schwer verletzt ger\u00e4t der Protagonist in einen Schwebezustand zwischen gesteigerten und verl\u00f6schenden Gedanken, die durch Fabrice Kebours Lichtregie plastisch konturiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dante erinnert sich an eine ambivalente Beziehung: Ketevan Chuntishvili formt die irdische und g\u00f6ttliche Liebe vereinende Beatrice zu einer aparten, gleichsam \u00e4therischen Projektionsfl\u00e4che. Olga Jel\u00ednkov\u00e1 modelliert Lucia, die Heilige des physischen Sehens, zu einer stimmlich extrovertierten, reizvoll skurrilen Gestalt. Guths formal streng durchdachte Inszenierung macht den Erz\u00e4hler (Christian Dieterle) zum Showmaster. Norman D. Patzke stattet Dantes heidnischen Begleiter Virgilio mit suggestiver Ruhe aus, ger\u00e4t dabei jedoch in den Schatten von Christel Loetzschs jungem Dante. Die substanziell verdichtete Komposition hofiert Loetzschs Glanzleistung noch deutlicher als den Bariton-Part mit dem ebenfalls um Dusapin hochverdienten Peter Sch\u00f6ne. Loetzsch phrasiert mit strahlender Timbrierung und verstr\u00f6mt eine beinahe \u00fcberirdische Aura.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dusapin bettet die Stimmen in ein dicht gewebtes, physisch-elektronisches Instrumentalgeflecht (Sounddesign: Thierry Coduys \/ Elektroakustische Einrichtung: Matthias Spitzbarth). Der von Lorenzo Da Rio einstudierte Chor verschmilzt fast symbiotisch mit dem farbsatt aufspielenden Nieders\u00e4chsischen Staatsorchester unter dem sensibel steuernden Dirigat von Roland Kluttig. Dieses ebnet und steigert die dunkel leuchtende Partitur zu einem ausladenden und rundum bezwingenden Flow.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Roland H. Dippel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eIl Viaggio, Dante\u201c (\u201eDie Reise Dantes\u201c) (2022) \/\/ Oper von Pascal Dusapin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/staatstheater-hannover.de\/de_DE\/programm\/die-reise-dantes.1399056\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Infos und Termine auf der Website der Staatsoper Hannover<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\"> Staatsoper Hannover \u2022 Il Viaggio, Dante<\/span><\/br> Teil 2 der Dusapin-Trilogie: sensible Besinnung statt spiritueller Abenteuerreise<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":14035,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,2035],"tags":[],"class_list":["post-14034","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2026-04"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14034"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14034\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14038,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14034\/revisions\/14038"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14035"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}