{"id":5121,"date":"2021-02-28T18:59:00","date_gmt":"2021-02-28T17:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=5121"},"modified":"2021-02-28T22:36:55","modified_gmt":"2021-02-28T21:36:55","slug":"momentaufnahme-in-echtzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2021\/02\/28\/momentaufnahme-in-echtzeit\/","title":{"rendered":"\u201eMomentaufnahme in Echtzeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Oper Dortmund legt gemeinsam mit dem Forschungsinstitut f\u00fcr Musiktheater (fimt) der Universit\u00e4t Bayreuth ein Buch mit dem Titel \u201eOper 2020. Eine Dokumentation aus der Oper Dortmund\u201c vor. Im Fokus: die Bestandsaufnahme \u00e4sthetischer sowie kulturpolitischer Dortmunder (Theater-)Strategien aus dem Fr\u00fchjahr und Sommer des vergangenen Jahres. Regisseurinnen und Regisseure sowie Mitarbeiter des Hauses kommen ebenso zu Wort wie der st\u00e4dtische Kulturdezernent, der Composer in Residence Thierry Tidrow und Ensemblemitglieder der Jungen Oper. Wir unterhalten uns mit Intendant Heribert Germeshausen \u00fcber die Motivation, das Corona-Jahr 2020 zum Inhalt eines Buches zu machen, Visionen seiner Dortmunder Intendanz sowie \u00e4sthetische und betriebswirtschaftliche Wege durch die Pandemie.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Interview Florian Maier<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Hinter \u201eOper 2020\u201c steht die Idee einer \u201eMomentaufnahme in Echtzeit\u201c. Es verwundert ein wenig, dass die Chronologie der Ereignisse im August 2020 abbricht, das Buch aber erst jetzt erscheint \u2013 mehr als ein halbes Jahr sp\u00e4ter, inmitten einer noch viel schwerwiegenderen zweiten pandemischen Welle, die Sie nicht mehr ber\u00fccksichtigt haben. Ist Ihre Publikation ein reines Zeitdokument f\u00fcrs Archiv?<\/strong><br>Es braucht nat\u00fcrlich immer einen gewissen Vorlauf, bis ein Buch korrekturgelesen ist und die weiteren Produktionsschritte abgeschlossen sind. Wir wussten in dieser dynamischen Situation nicht, ob nach der zweiten auch noch eine dritte Welle kommt. Und hatten deshalb die Sorge, dass der Band immer nur einen Zwischenstand abbildet, wir ihn immer wieder verschieben w\u00fcrden und am Ende dann doch ganz auf Eis legen. Dabei bleiben die Fragen, die wir in \u201eOper 2020\u201c behandeln \u2013 n\u00e4mlich in erster Linie, wie wir mit der Situation umgehen \u2013 ja ganz grunds\u00e4tzlich. Graduell stellen sie sich vielleicht etwas versch\u00e4rft, aber im Prinzip \u00e4ndert sich nur, dass man letztlich sechs oder acht Produktionen statt vier anpassen muss. Das Buch enth\u00e4lt als kleinen Nachtrag eine Mail, die ich am 14. Oktober 2020 an unser gesamtes Ensemble verschickt habe. Darin habe ich die geplanten Anpassungen f\u00fcr die zweite H\u00e4lfte der laufenden Spielzeit erl\u00e4utert. Im Ergebnis entspricht diese Mail auch heute noch fast unserem Status quo, lediglich eine weitere Oper mussten wir seitdem noch in die n\u00e4chste Spielzeit verschieben. Alle anderen Produktionen sind so abgesichert, dass wir sie auf jeden Fall zeigen k\u00f6nnen \u2013 es sei denn, irgendjemand schlie\u00dft die Theater bis zur Sommerpause komplett \u2026<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-medium\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"230\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-230x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5139\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-230x300.jpg 230w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-786x1024.jpg 786w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-768x1001.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-1179x1536.jpg 1179w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-1572x2048.jpg 1572w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-500x651.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-800x1042.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-1280x1668.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-1920x2501.jpg 1920w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-870x1133.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-1860x2423.jpg 1860w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-600x782.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_Heribert-Germeshausen_2020_Foto-Bjoern-Hickmann-scaled.jpg 1965w\" sizes=\"(max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><figcaption>Heribert Germeshausen (Foto Bj\u00f6rn Hickmann)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>W\u00fcrden Sie die Publikation also als eine Art \u201eGebrauchsanweisung\u201c an Strategien und Ideen beschreiben, deren Lekt\u00fcre sich auch f\u00fcr andere H\u00e4user lohnt?<\/strong><br>Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die irgendwelche generellen Empfehlungen zum Schlie\u00dfen und \u00d6ffnen der H\u00e4user geben. Eine andere Gruppe \u2013 darunter auch ich \u2013 hat etwas verst\u00e4ndnislos darauf reagiert. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass jeder nur f\u00fcr seine Situation vor Ort sprechen sollte, eine Handreichung f\u00fcr andere H\u00e4user betrachte ich als nicht wirklich zielf\u00fchrend. Das Buch ist insofern eine Situationsbeschreibung aus unserem Theater. Vielleicht erkennen sich andere darin wieder, entwickeln f\u00fcr ihre H\u00e4user \u00e4hnliche Strategien. Man darf aber nicht au\u00dfer Acht lassen, dass sich das Infektionsgeschehen, die Rechtstr\u00e4gersituation, die ma\u00dfgeblichen Entscheider im Kulturdezernat und der Stadtk\u00e4mmerei bis hin zum Finanzministerium regional oft sehr voneinander unterscheiden. Gerade deshalb ist es kaum m\u00f6glich, Handlungsempfehlungen f\u00fcr andere abzuleiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie leiten die Oper Dortmund unter dem Arbeitstitel \u201eRuhr-Oper 21\u201c \u2013 und setzen in Ihrer Intendanz auch stark auf partizipative Formate, die im Buch erl\u00e4utert werden und ganz auf die Soziokultur der (Stadt-)Gesellschaft in lebendigem Austausch mit den Menschen vor Ort zugeschnitten sind. Verkompliziert dieser logistisch aufwendige Ansatz das Man\u00f6vrieren durch die Krise?<\/strong><br>In diesem Bereich erweist sich Corona als besonders problematisch. Letztlich steuert die Pandemie jetzt die einzelnen Projekte. Wir fragen uns bei jedem Format, ob wir es trotz der aktuellen Umst\u00e4nde realisieren k\u00f6nnen und ab welchem Zeitpunkt wir es verschieben m\u00fcssen. Dahinter verbergen sich allerdings oft mehrdimensionale Auswirkungen. Denn auf der anderen Seite haben wir mit \u201eSounds of Dortmund\u201c jetzt ein Live-Konzept in ein Filmprojekt umgewandelt, das die Sichtbarkeit der Oper untermauert. Der Film war einer der gr\u00f6\u00dften Erfolge unseres Online-Spielplans und stie\u00df auch im Kulturdezernat der Stadt auf gro\u00dfe Begeisterung. Ein Projekt wie dieses tr\u00e4gt also auch zur Legitimation des Hauses in einer Zeit bei, in der alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Institutionen nochmals besonders kritisch auf dem Pr\u00fcfstand stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch die Nachwuchsarbeit liegt Ihnen sehr am Herzen \u2013 neue Impulse haben Sie etwa f\u00fcr die Junge Oper an Ihrem Haus angesto\u00dfen, die als eine der ersten im deutschsprachigen Raum \u00fcber ein eigenes, spezifisches Ensemble verf\u00fcgt. Mit \u201eBeyond Opera \u2013 Ein Festival f\u00fcr Entdecker*innen\u201c planen Sie dar\u00fcber hinaus ein Outreach-Festival, das neue Besucherschichten f\u00fcr das Musiktheater begeistern soll. Ist Vermittlungsarbeit w\u00e4hrend der Krise \u00fcberhaupt sinnvoll umsetzbar?<\/strong><br>Gegenw\u00e4rtig versuchen wir das \u00fcber digitale Kan\u00e4le, da wir nat\u00fcrlich nicht in die Kinderg\u00e4rten und Schulen gehen k\u00f6nnen. Unsere Theaterp\u00e4dagogik hat gerade ein Opern-ABC entwickelt, das im Februar\/Anfang M\u00e4rz produziert wird. Das Ganze ist nachhaltig angelegt, wir werden es auch nach Corona noch drei, vier Jahre im Internet anbieten. Wir wollen Kindern und Jugendlichen damit die Theaterwelt in einem F\u00fcnf-Minuten-Format mit 26 Folgen n\u00e4herbringen: Was ist ein Opernhaus, was ein Philharmonisches Orchester? Wir geben Einblicke in unsere Produktionen, machen mit ber\u00fchmten Komponisten wie Mozart vertraut und zeigen auch die Arbeit in den Werkst\u00e4tten. Das Opern-ABC ist einerseits allgemeing\u00fcltig konzipiert, andererseits durch Beispiele aus der Oper Dortmund aber auch regional verankert. Leitende Figur ist ein M\u00e4dchen, das in ein geheimnisvolles Zimmer kommt, durch einen Bilderrahmen in unser Opernhaus f\u00e4llt und dann die ganze Institution erkundet. Unsere neuen digitalen R\u00e4ume betrachte ich als zus\u00e4tzliche wichtige Spielst\u00e4tten und Kommunikationskan\u00e4le \u2013 ersetzen k\u00f6nnen sie eine gro\u00dfe Opernb\u00fchne \u201eim richtigen Leben\u201c aber nicht. Erst bei der R\u00fcckkehr ins Analoge kann die Kunstform Oper wieder ihren ganzen Zauber entfalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5141\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-1280x853.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-1920x1280.jpg 1920w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-1860x1240.jpg 1860w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_MUSIK-AUF-RAeDERN_Mandla-Mndebele_Foto-Lena-Feuser-600x400.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Mit der Konzertreihe \u201eMusik auf R\u00e4dern\u201c zu Gast in einer Justizvollzugsanstalt (Foto Lena Feuser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Stichwort analoge Strategien: In \u201eOper 2020\u201c kommen unter anderem Regisseure wie Nikolaus Habjan und Martin G. Berger wie auch Ihr Technischer Direktor, die Leiterin der Kost\u00fcmabteilung und Ihr Composer in Residence Thierry Tidrow zu Wort. Gab es Erkenntnisse aus den unterschiedlichen Positionen, die Sie besonders \u00fcberrascht haben?<\/strong><br>Auf jeden Fall die Flexibilit\u00e4t, Kreativit\u00e4t und Hilfsbereitschaft, mit der die einzelnen Abteilungen auf die neue Situation reagiert haben und die sich hoffentlich auch im normalen Alltag erhalten wird. Ein gro\u00dfer Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollte unbedingt weiterarbeiten, nat\u00fcrlich unter sicheren Bedingungen. Die Initiativen reichten vom Maskenn\u00e4hen bis zur Produktion eines H\u00f6rspiels, eine Idee aus der Mitte unseres Jungen Ensembles. Ber\u00fchrt hat mich auch die Erkenntnis, was mit mobilen Formaten dann doch erreichbar ist. Mit unserem Opernensemble waren wir beispielsweise in einer Justizvollzugsanstalt und hatten dort einen sehr emotionalen Auftritt. Empfangen wurden wir mit vielen Buhrufen, am Ende haben wir den Pausenhof unter gro\u00dfem Applaus wieder verlassen. Im Grunde ist ein Zwischenergebnis auf jeden Fall die starke und heilende Kraft der Musik. Das f\u00fchrt nochmals neu vor Augen, wie sinnvoll und wichtig das ist, was wir hauptberuflich tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurz vor den erstmaligen Theaterschlie\u00dfungen machte Peter Konwitschnys Inszenierung von Aubers Oper \u201eLa muette de Portici\u201c an Ihrem Haus Schlagzeilen als \u201eGeisterpremiere\u201c, die gerade noch rechtzeitig vor knapp 25 Journalistinnen und Journalisten aufgef\u00fchrt wurde \u2013 um dann bis dato in der Versenkung zu verschwinden. Durch den noch wesentlich l\u00e4ngeren Lockdown im Winter 2020\/21 droht inzwischen vielerorts ein Premierenstau \u2013 gerade auch im Musiktheater mit seinem langen Planungsvorlauf. Wird der Pandemie auch Fertigproduziertes zum Opfer fallen, das nachtr\u00e4glich \u00fcberhaupt nicht mehr zur Auff\u00fchrung gelangen kann?<\/strong><br>Das ist tats\u00e4chlich nur beim genannten Werk der Fall. Es sind inzwischen noch eine Reihe weiterer Produktionen premierenreif, die wir alle \u201eeinfrieren\u201c und zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt der \u00d6ffentlichkeit vorstellen. Sehr schwierig sind die sechs Jahre meiner Dortmunder Intendanz. Ich hatte sie komplett durchgeplant, mit Festivals wie dem Wagner-Kosmos und vielen aufeinander Bezug nehmenden Premieren \u2013 im Prinzip gedacht als eine Art \u201eGesamtkunstwerk\u201c. Darin eine neue sinnvolle Ordnung zu bringen, war nicht ganz leicht, ist aber jetzt im Gro\u00dfen und Ganzen gelungen. Wir mussten einige wenige Produktionen in den letzten beiden Spielzeiten absagen, f\u00fcr die allerdings noch keine Regieteams engagiert waren. Es gab einen einzigen weiteren Fall, wo sich ein Regievertrag leider nicht mehr realisieren l\u00e4sst. Insgesamt sind es mittlerweile sieben Produktionen \u2013 im Prinzip eine gesamte Spielzeit \u2013 die wir bis 2024 in einer sinnvollen Reihenfolge nachholen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5142\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-2048x1363.jpg 2048w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-1280x852.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-1920x1278.jpg 1920w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-870x579.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-1860x1238.jpg 1860w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Oper-Dortmund_DIE-STUMME-VON-PORTICI_M.-Roschkowski_M.-Mndebele_S.-Wilken_A.-Sohn_S.-Dladla_Foto-T.-Jauk-600x399.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>\u201eGeisterpremiere\u201c im M\u00e4rz 2020 und Opfer der Pandemie: Peter Konwitschnys Inszenierung der Auber-Oper \u201eLa muette de Portici\u201c (Foto Thomas M. Jauk \/ Stage Picture)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Damit wandert unser Blick von der Kunst zum Management: Als Kind wollten Sie lange Zeit Dirigent werden, haben dann Jura und Betriebswirtschaftslehre studiert \u2013 um schlie\u00dflich doch beruflich in der Oper Fu\u00df zu fassen. Ein Umweg mit Perspektiven, die Ihnen gerade jetzt besonders weiterhelfen?<\/strong><br>Das kann ich auf jeden Fall unterstreichen. Was allerdings im R\u00fcckblick wie eine langfristige Strategie wirkt, kam tats\u00e4chlich eher durch unterst\u00fctzende Zuf\u00e4lle zustande. Es war bei mir wie bei vielen Kindern und Jugendlichen aus kulturinteressierten Familien, in denen es keine K\u00fcnstler gibt: einerseits die gro\u00dfe Begeisterung, andererseits aber auch die elterliche Sorge, ob das eigene Kind wirklich in einer solch unsicheren Branche arbeiten sollte. W\u00e4hrend meines Jura-Studiums habe ich es dann eine Zeit lang nicht mehr ertragen, in die Oper zu gehen, weil sie ohne mich stattfand und ich sie nicht einfach als Zuschauer genie\u00dfen konnte. In einem Prozess, der sich \u00fcber anderthalb Jahre erstreckte, habe ich realisiert, dass ich Oper wirklich selbst gestalten muss, um gl\u00fccklich zu sein. Deshalb habe ich \u00fcber Umwege all meine Praktika in Opernh\u00e4user gelegt. Als Quereinsteiger war es anfangs sehr schwierig, weil ich f\u00fcr die klassischen Einsteigerpositionen als \u00fcberqualifiziert galt und f\u00fcr die n\u00e4chsth\u00f6heren dann schon mangelnde Berufserfahrung hatte. Insofern bin ich sehr froh und dankbar, dass mir der Einstieg \u00fcber die Dramaturgie gegl\u00fcckt ist. In der jetzigen Situation hilft mir mein Hintergrund tats\u00e4chlich sehr, gerade auch im Gespr\u00e4ch mit Sponsoren oder Finanzpolitikern. Das sind die Kommilitonen, mit denen ich von der Denkweise her in meinem BWL-Studium sehr viel zu tun hatte und bei denen grunds\u00e4tzlich \u2013 anders vielleicht als bei Jura-Studenten \u2013 ein kulturelles Interesse deutlich weniger stark ausgepr\u00e4gt ist. Insofern hat mir meine Studienzeit einen wertvollen Einblick in die Denkweise von Menschen, die nicht so kulturaffin sind, ihre Ausbildung und Argumentationsweise gew\u00e4hrt. Durch dieses Wissen kann ich nat\u00fcrlich auch Strategien f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Umgang entwickeln. Und das wird sich zuk\u00fcnftig sicher als hilfreich erweisen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background-color:#c2d3ce\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"675\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm-675x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5136 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm-675x1024.jpg 675w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm-768x1165.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm-500x759.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm-800x1214.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm-600x911.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/fahrholz_germeshausen_hartung_mungen_978-3-8260-7200-0_7cm.jpg 827w\" sizes=\"(max-width: 675px) 100vw, 675px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">EMPFEHLUNG<\/p>\n\n\n\n<p>Merle Fahrholz, Heribert Germeshausen, Ulrike Hartung, Anno Mungen (Hg.): \u201eOper 2020. Eine Dokumentation aus der Oper Dortmund\u201c<br>212 Seiten, K\u00f6nigshausen &amp; Neumann<\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Intendant Heribert Germeshausen \u00fcber Dortmunder (Theater-)Strategien im Corona-Jahr 2020<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":5126,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":7,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,578],"tags":[602,435,597,584,595,606,600,598,604,603,607,594,425,426,605,601,599,596],"class_list":["post-5121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2021-02","tag-beyond-opera","tag-corona","tag-fimt","tag-florian-maier","tag-forschungsinstitut-fuer-musiktheater","tag-geisterpremiere","tag-heribert-germeshausen","tag-koenigshausen-neumann","tag-martin-g-berger","tag-nikolaus-habjan","tag-oper-2020","tag-oper-dortmund","tag-orpheus","tag-orpheus-magazin","tag-peter-konwitschny","tag-ruhr-oper-21","tag-thierry-tidrow","tag-universitaet-bayreuth"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Theater-Dortmund_Opernhaus_-e1614251188110.jpg",2144,1205,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Theater-Dortmund_Opernhaus_-e1614251188110-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Theater-Dortmund_Opernhaus_-e1614251188110-600x169.jpg",600,169,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Theater-Dortmund_Opernhaus_-e1614251188110-1200x674.jpg",1200,674,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Theater-Dortmund_Opernhaus_-e1614251188110-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Theater-Dortmund_Opernhaus_-e1614251188110-1920x1079.jpg",600,337,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"28. 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