{"id":5151,"date":"2021-02-28T18:57:00","date_gmt":"2021-02-28T17:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=5151"},"modified":"2021-12-20T23:38:47","modified_gmt":"2021-12-20T22:38:47","slug":"weiblich-spritzig-jung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2021\/02\/28\/weiblich-spritzig-jung\/","title":{"rendered":"Weiblich, spritzig, jung"},"content":{"rendered":"<p><em>von Maike Graf<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eJung\u201c: ein Wort mit einem \u00e4hnlich breiten Bedeutungsspektrum, wie die Meinungen zu einer Operninszenierung bei einem gro\u00dfen Auditorium auseinandergehen. In manchen Kontexten meint der Begriff \u201esch\u00f6n\u201c, \u201efrisch\u201c, \u201eneu\u201c und \u201efrei\u201c. Wieder andere denken an \u201enicht so erfahren\u201c \u2013 als h\u00e4tte das karrieristisch \u201eJunge\u201c noch nicht gen\u00fcgend Lebenszeit gehabt, alle wichtigen (alten) B\u00fccher zu lesen. Auf der einen Seite w\u00fcnscht man sich Stars und das Altbew\u00e4hrte. Auf der anderen ist \u201ejung\u201c aber genau das, was die Kulturbranche braucht \u2013 mit Formaten f\u00fcr Kinder und Jugendliche oder auch experimentellen Publikumssituationen. Manchmal ist \u201ejung\u201c also mit einem gleichg\u00fcltigen Mundzucken versehen und manchmal mit strahlenden, faszinierten Funken in den Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regisseurin Ilaria Lanzino ist \u201ejung\u201c. Weil sie 30 Jahre alt ist, weil sie in mancher Hinsicht Regie-Deb\u00fctantin ist, aber auch weil sie spritzig und agil auftritt. Dass das irgendwann irrelevant wird, erlebe ich Ende Oktober 2020 bei einer Probe zu Manuel de Fallas St\u00fcck \u201eMeister Pedros Puppenspiel\u201c an der Deutschen Oper am Rhein. Hier passieren oft viele Dinge gleichzeitig: Gerade spielt die Regisseurin, \u00fcber eine Breite von sechs Opernsitzen hinweg, einem Darsteller auf der B\u00fchne eine Geste vor. \u201eGr\u00f6\u00f6\u00f6\u00dfer!\u201c ruft sie dabei \u00fcber den halben Zuschauerraum. W\u00e4hrend daraufhin wieder die Probenmusik erklingt, wendet sie sich, mit einer Stimme in Zimmertemperatur, an ihre Puppentheaterregisseure, spricht leise zu ihren Regieassistenten, was gleich an der Szene ver\u00e4ndert werden muss, und sprintet dann, von jetzt auf gleich, doch auf die B\u00fchne, um mit dem Darsteller die gerade geprobte Szene zu reflektieren. Ich habe schon lange keine Regief\u00fchrenden mehr rennen sehen. Aber das ist Lanzino, die eher \u00fcber die Sitzreihen springen w\u00fcrde, als langsam und gem\u00fctlich den ordentlichen Weg \u00fcber den B\u00fchnenzugang zu w\u00e4hlen oder gar jemand anderes zu schicken. Bei dieser Power fragen sich die Probenden an diesem Tag nicht, wof\u00fcr das St\u00fcck jetzt eigentlich \u201etipptopp\u201c gemacht wird, so der Anspruch der Regisseurin, obwohl die Premiere im November 2020 vorerst entfallen muss.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5161\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-1280x853.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-1920x1280.jpg 1920w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-1860x1240.jpg 1860w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Meister_Pedros_Puppenspiel_02_FOTO_Jochen_Quast-1-600x400.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Kampf gegen Windm\u00fchlen: Manuel de Fallas \u201eMeister Pedros Puppenspiel\u201c harrt Corona-bedingt weiter seiner Premiere (Foto Jochen Quast)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:22px\"><strong>\u201eAllora!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht die einzige Corona-bedingte Extremsituation f\u00fcr Ilaria Lanzino in dieser Spielzeit. Die letzte ging allerdings ein wenig besser f\u00fcr die Regisseurin aus. Ihre Inszenierung von Viktor Ullmanns \u201eDer Kaiser von Atlantis\u201c erwuchs (durch die Verschiebungen aufgrund der ersten B\u00fchnenschlie\u00dfungen) von einem Doppelabend in dem Format \u201eYoung Directors\u201c der Deutschen Oper am Rhein nicht nur zur alleinig abendf\u00fcllenden Oper, sondern auch zur Er\u00f6ffnung einer Spielzeit, auf die viele Opernliebhaber so sehns\u00fcchtig gewartet hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage nach ihrem Inszenierungsstil ruft sie \u201eAllora!\u201c, h\u00fcpft auf ihrem Stuhl in eine aufrechte Haltung und r\u00fcckt sich selbst in eine erkl\u00e4rende Rolle, in der sie viel, aber elegant gestikuliert. Nachdem sie zuf\u00e4llig bei Spotify, wo sie oft nach neuem Repertoire st\u00f6bert, auf den \u201eKaiser von Atlantis\u201c stie\u00df, musste sie sich eingestehen: \u201eDas St\u00fcck ist besser als ich und alles, was ich daraus machen k\u00f6nnte.\u201c Was f\u00fcr sie hei\u00dft, es nicht aus einer arroganten Erhabenheit zwanghaft umzuinterpretieren. Bei anderen St\u00fccken ist das ganz anders, \u201eda muss ich das richtig knallhart neu interpretieren, weil sie Werte vertreten, die ich nicht im Geringsten teile\u201c. So beispielsweise bei der Oper \u201eStraszny Dw\u00f3r\u201c (\u201eDas Gespensterschloss\u201c) von Stanis\u0142aw Moniuszko, dem Werk, mit dem sie 2020 den renommierten 11. Europ\u00e4ischen Opernregie-Preis (EOP) gewann. Dieses St\u00fcck aus dem 19. Jahrhundert vertritt Werte, die man heute als \u201em\u00e4nnlich-chauvinistisch\u201c bezeichnen w\u00fcrde. Um sich zu distanzieren, wird Lanzino Symbole des polnischen Feminismus und Drag Queens auf die B\u00fchne stellen, fl\u00fcstert sie mir zu. Und ja, die Inszenierung soll bald auch in Polen, in Pozna\u0144, auf die B\u00fchne kommen \u2013 dem Land, das gerade seine LGBT-ideologiefreien Zonen verteidigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer also einen kleinsten gemeinsamen Nenner in den Inszenierungen von Ilaria Lanzino zu finden sucht, die sich von Kinderoper \u00fcber Urauff\u00fchrungen hin zu gro\u00dfer und schwergewichtiger Oper erstrecken, der entdeckt ihn in der Spielfreude der Darstellerinnen und Darsteller ihrer Produktionen. Das ist kein Zustand, in dem es darum geht, wie viel Spa\u00df von der B\u00fchne str\u00f6mt, und auch keiner, der die Motivationsf\u00e4higkeit der Regisseurin ausdr\u00fcckt. Nein, die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger in den Produktionen von Lanzino schauspielern unglaublich gut! Eine Aussage, die in Bezug auf Oper nicht immer f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:22px\"><strong>Probenabh\u00e4ngig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch gebe im Wort \u201aMusiktheater\u2018 der Musik nicht automatisch die h\u00f6here Bedeutung. Die Musik darf nat\u00fcrlich nicht kaputtgemacht werden und es muss im Spielen auch eine Temperaturbalance geben. Aber es ist trotzdem das Wichtigste, dass die Szene lebendig ist\u201c, beteuert die Regisseurin. Sogar im Gespr\u00e4ch hat sie eine derartige Ausdrucksst\u00e4rke, dass man manchmal vergisst, in der Opernkantine und nicht auf der B\u00fchne zu sitzen. An erster Stelle steht f\u00fcr Ilaria Lanzino, den Singenden ihre Charaktere \u201esehr sehr\u201c bewusst zu machen und gemeinsam die kleinsten Gesten, genauesten Gesichtsausdr\u00fccke und sogar Hand- oder Fu\u00dfstellungen zu spitzen. Etwas, was sie nicht nur zuhause in ihrem Regiebuch plant, sondern gemeinsam vor Ort erarbeitet. Manchmal auch mit viel M\u00fche, weil das Schauspiel kein so gro\u00dfer Teil des Bildungsbetriebs sei, \u201eder sehr auf Stimmenpornographie fokussiert ist\u201c, kritisiert sie mit dem Begriff von Regisseur Peter Konwitschny, der den Fokus auf rein klangliche Befriedigung anprangert.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcde ist Ilaria Lanzino bei diesen intensiven Proben aber nie. Sie hat nicht einmal einen Hauch von Augenringen, obwohl sie in der letzten Zeit drei Dienste gemacht hat, um die zwei Besetzungen f\u00fcr \u201eMeister Pedros Puppenspiel\u201c einzustudieren und das Wort Urlaub eigentlich nicht kenne, wie sie sagt. \u201eIch bin probenabh\u00e4ngig\u201c, beschreibt sie den rauschartigen Zustand, den die B\u00fchne in ihr ausl\u00f6st. \u201eDie Proben sind wie eine Droge f\u00fcr mich.\u201c Und wenn sie einmal nicht arbeitet? \u201eEigentlich tue ich nur so, als w\u00fcrde ich nicht arbeiten\u201c, lacht sie. \u201eIch gehe dann ins Kino, ins Theater oder schaue zuhause einen Film und lasse mich inspirieren.\u201c&nbsp; Die Regisseurin zwinkert, w\u00e4hrend sie gef\u00fcllt von Spannung \u00fcber ihr arbeitsdurchzogenes Leben schw\u00e4rmt, das ihr die gr\u00f6\u00dfte Inspirationsquelle ist: \u201eDu musst leben, um auch lebendige Menschen zu inszenieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5163\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-500x333.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-800x534.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-1280x854.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-870x580.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/EOP-11-Copyright_-Michal-Leskiewicz-2.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auf der Probeb\u00fchne (Foto Michal Leskiewicz)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:22px\"><strong>Von wiehernden Pferden zur Regie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger ihr vertrauen und sich, gerade im Spielen, \u00fcber ihre eigenen Grenzen pushen lassen, liegt daran, dass Lanzino wei\u00df, wovon sie spricht. Sie hat n\u00e4mlich selbst Gesang studiert. Ein Bachelor und ein Master, das passiert nicht aus Versehen. Heute lacht sie dar\u00fcber, dass es eher Gl\u00fcck war, bereits mit 16 und noch w\u00e4hrend der Highschool am Provinzkonservatorium in Lucca angenommen zu werden; bei Giovanni Dagnino, einem Lehrer, der seine Studierenden gerne mit besonders viel unterschiedlichem Repertoire besch\u00e4ftigt. Die Regisseurin, die so aufs Schauspielern setzt, nimmt auch in unserem Gespr\u00e4ch immer wieder verschiedene Rollen ein und spielt mir die Szene ihrer Aufnahmepr\u00fcfung vor: \u201eBeim Vorsingen muss der einzige Bewerber neben mir ein wieherndes Pferd gegeben haben. \u201aSingen Sie bitte!\u2018 \u2013 \u201aH\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcooopffff.\u2018 \u2013 \u201aVielen Dank, der N\u00e4chste!\u2018 Und dann komme ich und singe halb schief eine Aria antica. Sie fragten sich wohl: \u201aNehmen wir das wiehernde Pferd oder das halbtalentierte M\u00e4dchen? Na gut, dann eben das M\u00e4dchen. \u2018\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Gesangsstudium war sehr leidenschaftlich, ich habe oft die Highschool geschw\u00e4nzt, um ins Konservatorium zu gehen\u201c, schmunzelt sie in sich hinein. Aber nach einer Hospitanz bei Benedikt von Peters \u201eAida\u201c in Berlin habe sie sich dann f\u00fcr die Regie entschieden. Bis dahin wollte sie f\u00fcr ein weiteres Gesangsstudium nach K\u00f6ln, aber das Singen sei immer mehr ein \u201eSchauen wir mal, wie es kommt\u201c gewesen. Als sie das realisierte, sattelte sie um \u2013 auf das Metier, in dem sie sich tats\u00e4chlich durch die \u201ebigger vision\u201c der Oper w\u00fchlen kann und nicht nur eine Partie lernt und nicht wei\u00df, was im zweiten Akt passiert. \u201eJetzt springe ich nicht ab, die Regie ist mein Traumjob und mein Leben. Aber das Singen hilft mir trotzdem sehr sehr bei meiner Arbeit, weil ich konkrete L\u00f6sungen aus dieser Erfahrung einbringen kann. Beispielsweise, an welchen Stellen die Singenden atmen k\u00f6nnen, damit sie meine Ideen realisieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, ob es bei der ganzen Liebe zum Schauspiel dann nicht viel eher das Sprechtheater ihr Metier gewesen w\u00e4re, braucht man daraufhin auch nicht mehr zu stellen. Denn es war immer die Musik, seitdem sie mit acht Jahren das erste Mal Offenbachs \u201eLes contes d\u2019Hoffmann\u201c auf der Anlage ihrer Mutter geh\u00f6rt und sich dann durch die Kirchenmusik und Mozarts \u201eRequiem\u201c unwiderruflich in die Welt der Musik verliebt hatte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5162\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-2048x1151.jpg 2048w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-500x281.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-1280x720.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-1920x1079.jpg 1920w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-870x489.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-1860x1046.jpg 1860w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/DerKaiservonAtlantis_04_FOTO_HansJoergMichel-600x337.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Sensibles Gesp\u00fcr f\u00fcr bildstarke und vielschichtige Deutungen: Szene aus Viktor Ullmanns \u201eDer Kaiser von Atlantis\u201c (Foto Hans J\u00f6rg Michel)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:22px\"><strong>\u201eSehr sehr\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ist Ilaria Lanzino jetzt jung oder etabliert? Wie ist sie im Vergleich zu den \u201egr\u00e4ulichen Urgesteinen\u201c zu positionieren? Ehrlich gesagt gibt es so viele Dinge, die sie besser beschreiben, als sie als \u201ejung\u201c zu charakterisieren, was auch immer das hei\u00dfen mag. Vielleicht sollten wir das Wort, bei dem sich sowieso jeder und jede f\u00fcr eine eigene Interpretation entscheiden kann, beiseitelegen und stattdessen sagen: Ilaria Lanzino ist energiegeladen, temperamentvoll, fantasiesprudelnd, hemmungslos. Und was sie noch charakterisiert, ist ihre gro\u00dfe liebevolle und respektvolle Geste gegen\u00fcber der B\u00fchne, der Oper und der Regie. Auch dass sie jede Kollegin und jeden Kollegen beim Namen nennt oder dass sie immer \u201esehr sehr\u201c sagt, um einen Umstand zu verdeutlichen, denn die einfache Form reicht einfach nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie singt und spricht und tanzt mit einer Freude, Hingabe und ganzen K\u00f6rperlichkeit, dass man nur staunt \u2013 und das alles unterf\u00fcttert mit fachlicher Kompetenz\u201c, erkennt Regisseur Axel K\u00f6hler bereits in ihrer Zeit als Regieassistentin seiner \u201eFledermaus\u201c-Produktion an der Deutschen Oper am Rhein. Charakteristika, die sie auch heute noch auszeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eI\u2019m here to watch your art!\u201c, ruft Tenor David Fischer von der B\u00fchne, um zu erkl\u00e4ren, warum er da ist, obwohl seine Szene gar nicht mehr geprobt wird. \u201eLove you!\u201c, ruft Lanzino zur\u00fcck. Ob es nun ihr gro\u00dfartiger \u201eKaiser von Atlantis\u201c ist, die Corona-bedingt verschobene Produktion von \u201eMeister Pedros Puppenspiel\u201c oder ihr \u201eGespensterschloss\u201c, das nach Polen auch in Wiesbaden zur Auff\u00fchrung kommen soll: We should be there to watch her art!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regisseurin Ilaria Lanzino im Portrait<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":5154,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":6,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,578],"tags":[617,616,60,612,608,615,59,618,609,610,480,425,426,605,613,614,611],"class_list":["post-5151","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2021-02","tag-axel-koehler","tag-benedikt-von-peter","tag-das-gespensterschloss","tag-der-kaiser-von-atlantis","tag-deutsche-oper-am-rhein","tag-giovanni-dagnino","tag-ilaria-lanzino","tag-maike-graf","tag-manuel-de-falla","tag-meister-pedros-puppenspiel","tag-musiktheater","tag-orpheus","tag-orpheus-magazin","tag-peter-konwitschny","tag-stanislaw-moniuszko","tag-straszny-dwor","tag-viktor-ullmann"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sommerserie2020_IlariaLanzino_FOTO_DanielSenzek-scaled.jpg",2560,1707,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sommerserie2020_IlariaLanzino_FOTO_DanielSenzek-700x700.jpg",700,700,true],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sommerserie2020_IlariaLanzino_FOTO_DanielSenzek-600x200.jpg",600,200,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sommerserie2020_IlariaLanzino_FOTO_DanielSenzek-1200x800.jpg",1200,800,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sommerserie2020_IlariaLanzino_FOTO_DanielSenzek-768x512.jpg",600,400,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sommerserie2020_IlariaLanzino_FOTO_DanielSenzek-1920x1280.jpg",600,400,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"28. 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