{"id":5632,"date":"2021-04-19T15:20:32","date_gmt":"2021-04-19T13:20:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=5632"},"modified":"2021-04-19T17:15:24","modified_gmt":"2021-04-19T15:15:24","slug":"manege-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2021\/04\/19\/manege-frei\/","title":{"rendered":"Manege frei!"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Alban Bergs \u201eLulu\u201c umweht die besondere Aura des Unvollendeten. Nach Friedrich Cerhas Komplettierung des dritten Aktes 1979 ist die Entscheidung f\u00fcr die zweiaktige Fassung ein Statement. Deren Gesamtbearbeitung f\u00fcr Soli und Kammerorchester durch Eberhard Kloke kommt obendrein den pandemiebedingten Restriktionen entgegen. In der Regie von Axel Vornam und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Elias Grandy war diese Fassung jetzt als einmalige Streaming-Premiere zu erleben und wurde als digitale Preview f\u00fcr die noch nicht zu terminierende analoge Premiere deklariert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Bildschirm wechselt die Kameraf\u00fchrung in angemessener Frequenz zwischen der Totale des Einheitsb\u00fchnenbildes und den Naheinstellungen der Protagonisten. Das Manegen-artige Halbrund von Tom Muschs B\u00fchne mit vier Dreht\u00fcrelementen erweist sich als praktisch und im Handumdrehen wandelbar f\u00fcr alle Schaupl\u00e4tze, angereichert mit einem roten Riesensofa und Ausschnitten aus dem Portr\u00e4t Lulus. Manchmal schaut einer der Protagonisten von oben \u00fcber den Rand auf die Szene. Ganz so, als w\u00fcrde er in einem Terrarium Laborratten beobachten. Die fantasievoll ausschweifenden und bei passender Gelegenheit jede Menge nackte Haut zeigenden Kost\u00fcme von Cornelia Kraske verfremden Lulu und die M\u00e4nner (und die Frau) um sie herum tats\u00e4chlich ein St\u00fcck in Richtung einer leichten Stilisierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt erz\u00e4hlt Vornam die Geschichte unaufgeregt gradlinig. Das erm\u00f6glicht insbesondere der bet\u00f6rend lyrischen Jenifer Lary, alle Facetten einer schillernden Lulu auszuspielen. Sie ist kaprizi\u00f6s, offensiv verf\u00fchrerisch, skrupellos und dennoch einsam. Der sonore James Homann ist als Dr. Sch\u00f6n der sozusagen seri\u00f6se Fels in den Brandungen ihres bewegten Lebens, w\u00e4hrend Corby Welch dieser Frau als Alwa nicht mal ansatzweise etwas entgegensetzen k\u00f6nnte. Auf der anderen Seite n\u00fctzen Jo\u00e3o Terleira als Maler und Ip\u010da Ramanovi\u0107 als Tierb\u00e4ndiger offensiv zur Schau gestellte virile Attraktivit\u00e4t ebenso wenig, wie Gr\u00e4fin Geschwitz die hochkonzentrierte Pr\u00e4senz der Andersartigkeit, mit der Zlata Khershberg sie ausstattet. Lulu scheitert schlie\u00dflich an sich selbst und an den Erwartungen, die die M\u00e4nner, die die Welt beherrschen, an eigenen verkorksten Frauenbildern auf sie projizieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende entschwindet dieses (Alb-)Traumbild Frau fast wie unbemerkt. Und ein spannender Opernabend aus einem Guss am Bildschirm macht Lust aufs analoge Original im Theater Heidelberg.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Roberto Becker<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eLulu\u201c (1937) \/\/ Opernfragment von Alban Berg; zweiaktige Fassung in einer Gesamtbearbeitung von Eberhard Kloke f\u00fcr Soli und Kammerorchester<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\">Heidelberg \/ Theater Heidelberg (April 2021)<\/span><\/br><br \/>\n\u201eLulu\u201c als packende Livestream-Premiere<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":5633,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":1,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[1102,34],"tags":[1105,1108,1114,1111,468,1109,1107,1103,1116,1113,1112,1115,1106,480,422,1118,423,450,425,426,424,1101,944,481,994,1104,1110,1117],"class_list":["post-5632","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen-2021-04","category-rezensionen","tag-alban-berg","tag-axel-vornam","tag-corby-welch","tag-cornelia-kraske","tag-eberhard-kloke","tag-elias-grandy","tag-friedrich-cerha","tag-heidelberg","tag-ipca-ramanovic","tag-james-homann","tag-jenifer-lary","tag-joao-terleira","tag-lulu","tag-musiktheater","tag-oper","tag-opernfragment","tag-opernkritik","tag-opernstreaming","tag-orpheus","tag-orpheus-magazin","tag-premierenkritik","tag-premierenstreaming","tag-roberto-becker","tag-streamingkritik","tag-streamingpremiere","tag-theater-heidelberg","tag-tom-musch","tag-zlata-khershberg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5632"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5632\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}