{"id":634,"date":"2020-11-11T12:07:00","date_gmt":"2020-11-11T11:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=634"},"modified":"2021-02-26T16:44:07","modified_gmt":"2021-02-26T15:44:07","slug":"kunst-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2020\/11\/11\/kunst-in-der-krise\/","title":{"rendered":"Kunst in der Krise!?"},"content":{"rendered":"<p><em>Interviews Iris Steiner<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aus aktuellem Anlass starten wir in dieser Ausgabe eine neue Reihe und fragen Macher, Vision\u00e4re, Forscher und Politiker: Welche Zukunft hat die Kultur? Diesmal: Achim M\u00fcller, Direktor Forschung und Projekte am Institut f\u00fcr Kultur und Medienwirtschaft (IKMW) Berlin, sowie Jochen Sandig, Kulturunternehmer und Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Sprechen wir \u00fcber die \u201eZukunft der Kultur\u201c. Brauchen wir gerade jetzt eine solche Diskussion? Oder ist das nur populistisches S\u00e4belrasseln in einem Land, wo Kunst und Kultur staatlich unterst\u00fctzt werden?<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg\" alt=\"Achim M\u00fcller - \u00a9Annette Hempfling\" class=\"wp-image-1152\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg 472w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Achim M\u00fcller <br>(Foto Annette Hempfling)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Diskussionen \u00fcber die Zukunft von Kultur und ihre Rolle in der Gestaltung von Gesellschaft \u2013 auch in Bezug oder Konkurrenz zu anderen dr\u00e4ngenden Themen wie der Klimakrise oder gesellschaftlicher Polarisierung \u2013 gab es ja auch vor der alles \u00fcberschattenden Corona-Pandemie immer. Die aktuelle Situation stellt nun schlagartig einen gro\u00dfen Teil der konkreten kulturellen Praktiken und Institutionen in Frage: Sei es durch Kontakt- und damit Veranstaltungs-, Kapazit\u00e4ts- und Partizipationsbeschr\u00e4nkungen, durch ver\u00e4ndertes Freizeitverhalten und Bewertungen seitens des Publikums (wie \u201eGeht ja auch ohne\u201c, \u201eDas ist endg\u00fcltig etwas f\u00fcr wenige\u201c), oder schlie\u00dflich durch die absehbaren Legitimierungs- und Verteilungsdebatten angesichts \u00f6ffentlicher Sparzw\u00e4nge und anderer Problemfelder (Nachhaltigkeit, Diversit\u00e4t, Bildung). In diesem Licht braucht es nat\u00fcrlich spezifische Debatten \u00fcber die Rolle von Kultur in der Bew\u00e4ltigung der Krise im Allgemeinen als auch im Speziellen \u00fcber Reaktionen in Institutionen, k\u00fcnstlerischen Formen, Vermittlungsarbeit und Kommunikation.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg\" alt=\"Jochen Sandig - \u00a9 Jean-Baptiste Millot\" class=\"wp-image-1153\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg 340w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption>Jochen Sandig <br>(Foto Jean-Baptiste Millot)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Begriff der Zukunft weckt bei vielen Menschen Sorgen und \u00c4ngste. Zukunft aktiv zu gestalten, ist ein sch\u00f6pferischer Akt. Kommt nicht gerade den K\u00fcnsten hier eine wachsende Verantwortung gar mit dringlicher Notwendigkeit zu? Ebenso scheint mir das Schicksal unserer Gesellschaft existenziell mit der Zukunft der Kultur verkn\u00fcpft. Wer oder was sind wir denn \u00fcberhaupt ohne Kultur? Zum kulturellen Geschehen geh\u00f6ren in der Regel drei wesentliche Elemente: der Raum, die k\u00fcnstlerischen Akteure \u2013 auf und hinter der B\u00fchne \u2013 und das Publikum. Nur wenn dieser Dreiklang auch in eine zeitlich synchrone reale Zusammenkunft treten kann, kann die Magie der Kreation zum echten Erlebnis werden. Mithilfe der Technologie kann der Raum auch virtuell sein, das kennen wir vom Film. Aber das Digitale wird niemals den realen physischen Raum vollst\u00e4ndig ersetzen, dies gilt ebenso f\u00fcr die Resonanz der Akteure mit dem Publikum. Ich spiele gerne mit Worten und so habe ich entdeckt, dass die Zukunft wortw\u00f6rtlich in der ZUsammenKUNFT steckt. Kultur ist ein unverzichtbarer Teil einer lebendigen demokratischen Gesellschaft und steht in ihrer Systemrelevanz dem Gesundheits-, Wirtschafts- und Bildungssystem in nichts nach. Kultur wirkt als Transmitter zwischen allen Bereichen des menschlichen Lebens. Die Leitplanken in Richtung einer positiven Zukunft symbolisieren f\u00fcr mich unter anderem die beiden B\u00fccher \u201eDas Prinzip Hoffnung\u201c von Ernst Bloch und \u201eDas Prinzip Verantwortung\u201c von Hans Jonas. In diesem Korridor m\u00fcssen wir auch die politische Debatte um die finanzielle Existenzsicherung der Kultur f\u00fchren, denn Investitionen in die Kultur sichern eine lebenswerte Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Hat die Pandemie mit den damit verbundenen starken Einschr\u00e4nkungen des Kulturbetriebs Auswirkungen, die Sie nicht erwartet hatten? Haben Sie Erkenntnisse gewonnen \u00fcber unverhoffte soziokulturelle Entwicklungen oder \u2013 im Gegenteil \u2013 hatten Sie andere erwartet?<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg\" alt=\"Achim M\u00fcller - \u00a9Annette Hempfling\" class=\"wp-image-1152\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg 472w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Achim M\u00fcller<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die bisherigen Entwicklungen haben Hypothesen auf der Grundlage fr\u00fcherer Untersuchungen des Instituts f\u00fcr Kultur und Medienwirtschaft (IKMW) best\u00e4tigt: Unsicherheit in weiten Teilen des Publikums verbunden mit leicht verf\u00fcgbaren und vielf\u00e4ltigen digitalen Alternativen f\u00fchrt zu h\u00e4ufig ungewisser Auslastung selbst der begrenzten Kapazit\u00e4ten; die Resonanz auf digitale Angebote von Kulturinstitutionen ist sehr unterschiedlich, in der Konkurrenz zu aufwendig produzierten Angeboten im Streaming- und Gaming-Bereich k\u00f6nnen nur wenige technisch mithalten, Teilnehmerzahlen sind h\u00e4ufig relativ gering. Um nachhaltig einen gleichwertigen Platz neben den traditionellen Formen einzunehmen, m\u00fcssen die digitalen Angebote Teil einer digilogen Gesamtstrategie sein, mit kontinuierlicher Content-Entwicklung, Aufbau der entsprechenden k\u00fcnstlerischen, kommunikativen und technischen Kompetenzen\/Mitarbeiter, Ausbau der technischen Infrastruktur und Anpassung von Organisationsprozessen. Viele Institutionen suchen L\u00f6sungen allerdings vor allem in der Innensicht oder im Austausch mit \u00e4hnlichen Institutionen, selten in Partnerschaften und durch Lernen au\u00dferhalb der eigenen Disziplin oder gar im Bereich der Wirtschaft. Daneben gibt es Gegenbeispiele von gro\u00dfer Lern- und Handlungsf\u00e4higkeit \u2013 meist von Institutionen, die bereits vor der Pandemie aktiv und strategisch auf Str\u00f6mungen wie die Digitalisierung oder die Ausdifferenzierung des Kultur-und Freizeitverhaltens reagiert haben und daf\u00fcr mit anderen Institutionen oder Unternehmen kooperiert haben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg\" alt=\"Jochen Sandig - \u00a9 Jean-Baptiste Millot\" class=\"wp-image-1153\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg 340w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption>Jochen Sandig<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Schon vor der Pandemie gab es ein komplexes globales Thema mit existentieller Notwendigkeit lokaler Antworten zur Krisenbew\u00e4ltigung: die Erderw\u00e4rmung und der damit verbundene Klimawandel. F\u00fcr den Globalen Klimastreik am 20. September 2019 habe ich ein Transparent mitentwickelt, auf dem stand geschrieben: \u201eWir machen zusammen Halt.\u201c Niemand konnte ahnen, wie abrupt und radikal ein solches Haltmachen in einem ganz anderen Kontext \u00fcberhaupt m\u00f6glich sei. Die Corona-Pandemie mit der Gefahr des exponentiellen Wachstums von Ansteckungen hat uns dazu gezwungen. Haben wir die Zeit zum Nach-Denken genutzt oder auch zum Vor-Denken? Wir brauchen neue Konzepte des Zusammenlebens und des Wirtschaftens. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass wir noch st\u00e4rker dazu bereit sind, hier etwas zu ver\u00e4ndern. Bei den Schloss Fest Spielen richteten wir Anfang 2020 an unsere K\u00fcnstlerfamilie und das Publikum drei Fragen: \u201eWo stehst Du? Was bewegt Dich? Wohin gehen Wir?\u201c Wenn wir aus Corona etwas lernen k\u00f6nnen, dann ist es, das gemeinsame WIR zu entdecken und unseren Narzissmus und Egoismus zur\u00fcckzustellen. Die gute Nachricht: Ich habe viel Solidarit\u00e4t unter meinen Intendanten-Kollegen erlebt und das macht mir Hoffnung f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Welchen neuen Ansatz w\u00fcrden Sie der Politik zum jetzigen Zeitpunkt an die Hand geben? Wie w\u00fcrden Sie pers\u00f6nlich vorgehen?<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg\" alt=\"Achim M\u00fcller - \u00a9Annette Hempfling\" class=\"wp-image-1152\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg 472w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Achim M\u00fcller<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Hier w\u00fcrde ich zwei Bereiche hervorheben: Zum einen sollten Zielvereinbarungen oder Projektvorgaben zur Gewinnung und Bindung von Publikum (\u201eAudience Development\u201c), heute h\u00e4ufig mit dem Konzept von \u201eDiversit\u00e4t\u00ab verkn\u00fcpft, angesichts der drohenden Erosion gerade auch in den Kernpublika nachjustiert werden. Programme wie zum Beispiel das 360\u00b0 sollten im Sinne echter Diversit\u00e4t st\u00e4rker ausbalanciert werden: Neben der derzeit im Mittelpunkt stehenden Integration unterrepr\u00e4sentierter Personengruppen sollten f\u00fcr die Verankerung in der Bev\u00f6lkerung insgesamt auch die Pflege des treuen und engagierten Kernpublikums und die Ansprache h\u00e4ufig eher unterhaltungsorientierter Gelegenheitsbesucher fokussiert werden. Aktivit\u00e4ten sollten dabei auf empirisch ermittelten Verhaltensmustern und Pr\u00e4ferenzen beruhen, sonst droht statt der angestrebten Integration einfach Desinteresse. Zweitens sollten Anreize gesetzt und Ressourcen bereitgestellt werden, um die Reichweite durch digitale Angebote zu erh\u00f6hen. Dabei sind Gesamtstrategien zu priorisieren, bei denen die Content- und Formatentwicklung in den Aufbau von Kompetenzen, technischer Infrastruktur und spezifischer Kommunikationsstrategien eingebettet ist. Das Programm \u201eNeustart\u201c der KSB weist da in die richtige Richtung. Um Wissenstransfer anzuregen, sollten insbesondere Kooperationen mit technologischen Partnern (z.B. Software-\/Games-Entwickler) unterst\u00fctzt werden \u2013 angelehnt an \u201eTandemf\u00f6rderungen\u201c wie \u201eDoppelpass\u201c.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg\" alt=\"Jochen Sandig - \u00a9 Jean-Baptiste Millot\" class=\"wp-image-1153\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg 340w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption>Jochen Sandig <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Was sich am dringendsten \u00e4ndern muss, sind die l\u00e4hmende Stagnation und das Festhalten an alten Prinzipien und Privilegien. Wir brauchen Mut zum Neuanfang. Die \u201eGro\u00dfe Transformation\u201c bedeutet, gro\u00dfe Ziele f\u00fcr eine nachhaltige gemeinsame Welt in allen Bereichen zu etablieren und systematisch umzusetzen: Keine Armut. Bildung und Kultur f\u00fcr Alle. Die Gleichheit aller Menschen, egal welcher Geschlechter und Herkunft kann und muss Realit\u00e4t werden. Der Planet Erde darf nicht weiter zerst\u00f6rt und ausgebeutet werden, sondern soll als Lebensraum und Heimat aller zuk\u00fcnftigen Generationen erhalten werden. Den K\u00fcnsten kommt dabei die verantwortungsvolle Rolle als Katalysatoren dieses Wandlungsprozesses zu. Der Traum einer besseren Welt hat die Vereinten Nationen zum gemeinsamen Masterplan der Sustainable Development Goals als globale Agenda 2030 gef\u00fchrt. Ein wichtiger Kompass, der uns bereits seit vier Jahren in die Hand gelegt wurde. Wie ich pers\u00f6nlich dabei vorgehe? Ich nehme diesen Kompass ernst und suche leidenschaftlich gerne auch nach Wegen, die noch niemand gegangen ist. Es ist ein langer Weg, aber er f\u00fchrt uns vielleicht zum Ziel, wenn wir beginnen, ihn zu gehen. Als Intendant habe ich mich entschlossen, die traditionsreichen Ludwigsburger Schlossfestspiele als ein zeitgem\u00e4sses Fest der K\u00fcnste, Demokratie und Nachhaltigkeit zu begehen und zu feiern. Dies bedeutet, Vielfalt, Zug\u00e4nglichkeit und Regeneration konsequent zusammen zu denken.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Hat die momentane Situation Auswirkungen auf Ihre zuk\u00fcnftige Arbeit? Werden Sie etwas ver\u00e4ndern, weil Sie erst jetzt die Relevanz erkannt haben?<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg\" alt=\"Achim M\u00fcller - \u00a9Annette Hempfling\" class=\"wp-image-1152\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg 472w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Achim M\u00fcller<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die digital unterst\u00fctzte Arbeit ist noch st\u00e4rker \u201eangekommen\u201c \u2013 ich arbeite derzeit fast ausschlie\u00dflich mit internetbasierten Forschungs-, Vermittlungs- und Moderationsmethoden. Die Potenziale dieser Technologien waren ja schon bekannt, nun haben sich die Rahmenbedingungen ver\u00e4ndert, machen physische Kontakte zum Risikofaktor, beeintr\u00e4chtigen sie oder schlie\u00dfen sie \u00fcber juristische Regelungen gar aus. Dadurch ist der Bedarf nach m\u00f6glichst intensiver digitaler Interaktion nat\u00fcrlich gestiegen. Die in dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen werden sicher auch die zuk\u00fcnftige Arbeit pr\u00e4gen, hin zu einem Mix aus rein digitalen Methoden und Formaten, solchen, die auf physischer Begegnung und Interaktion beruhen, sowie hybriden Formen, die physischen mit digitalem Austausch verkn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg\" alt=\"Jochen Sandig - \u00a9 Jean-Baptiste Millot\" class=\"wp-image-1153\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg 340w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption>Jochen Sandig<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wir lernen, mehr im Moment zu leben und flexibel zu planen. Wir m\u00fcssen bereit und in der Lage sein, auf Entwicklungen zu reagieren, und brauchen daf\u00fcr vor allem Verl\u00e4sslichkeit der Finanzierung. Materielle Ressourcen sind notwendig, um das Personal und die K\u00fcnstler zu finanzieren und durch das tiefe Tal der geringeren Einnahmen hindurch zu f\u00fchren. Besonders hart trifft es die nicht-\u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Veranstaltungsbranche. Dringend m\u00fcssen wir Zug\u00e4nglichkeit zu einem breiten 360-Grad-Publikum herstellen. Musik und Tanz sind universelle Sprache, die alle Menschen verstehen, sie haben ihren Ursprung im rituellen und transformativen Akt. Beide K\u00fcnste sind verg\u00e4nglich und gleichzeitig in der Lage, die Zeit anzuhalten, sie geben uns eine Ahnung von der Ewigkeit \u2013 ein wundersch\u00f6nes Paradoxon. Genauso oszillieren wir als Teile st\u00e4ndig zwischen der materiellen und der immateriellen Welt. Corona hat daf\u00fcr unsere Sinne gesch\u00e4rft.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Welche Bedeutung hat Kultur f\u00fcr unsere Gesellschaft? Ist Ihnen jetzt \u2013 vielleicht aufgrund der Einschr\u00e4nkungen &#8211; etwas aufgefallen, was Ihnen vorher nicht so bewusst war?<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg\" alt=\"Achim M\u00fcller - \u00a9Annette Hempfling\" class=\"wp-image-1152\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg 472w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Achim M\u00fcller<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Es ist hinl\u00e4nglich und kontrovers diskutiert worden, welche Bedeutung Kultur, pr\u00e4ziser der Kulturbereich\/-betrieb, grunds\u00e4tzlich f\u00fcr gesellschaftliche Diskurse und Prozesse hat \u2013 dem ist in der hier gebotenen K\u00fcrze wenig hinzuzuf\u00fcgen. Politisch\/organisatorisch best\u00e4tigt sich in der Krise positiv wie negativ Vertrautes: Das deutsche Kultur-(finanzierungs-)system erweist sich bisher als erstaunlich widerstandsf\u00e4hig, Unterst\u00fctzung und Rechtssicherheit wurden relativ schnell und partnerschaftlich bereitgestellt. Nur wenige Stimmen haben bisher die Situation dazu genutzt, das System grunds\u00e4tzlich in Frage zu stellen. Ob dies in den Zeiten des Abbaus \u00f6ffentlicher Defizite so bleibt, ist abzuwarten. Die einschneidende grundlegende Erkenntnis ist wohl, wie stark der bestehende Kulturbereich auf erprobten kulturellen Praktiken des physischen Kontaktes beruht \u2013 falls Corona und damit die Kontaktbeschr\u00e4nkungen auch nur ann\u00e4hernd bestehen bleiben, k\u00f6nnte dies im Kulturbetrieb \u00e4hnlich massive strukturelle Auswirkungen haben wie die Digitalisierung oder andere technologische Umbr\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg\" alt=\"Jochen Sandig - \u00a9 Jean-Baptiste Millot\" class=\"wp-image-1153\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg 340w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption>Jochen Sandig<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Kultur schafft Gemeinschaft. Kultur spendet Trost. Die K\u00fcnste \u00f6ffnen geistige R\u00e4ume. Die K\u00fcnste stellen seelische Verbundenheit her. Es muss doch jenseits der Arbeit und Produktivit\u00e4t auch Raum und Zeit f\u00fcr Rituale geben, f\u00fcr Feste, die wir feiern. Als verantwortlicher Intendant der Schloss Fest Spiele m\u00f6chte ich die drei Begriffe zum Tanzen bringen: Das Schloss, das Fest und die Spiele. In Zeiten von Corona gehen wir verst\u00e4rkt in die Au\u00dfenr\u00e4ume: Marktplatz, Schlosshof und Bl\u00fchendes Barock bilden in Ludwigsburg einen spannungsreichen Dreiklang an sehr unterschiedlichen R\u00e4umen. Es ist ph\u00e4nomenal zu erleben, dass gerade in diesen leicht zug\u00e4nglichen offenen R\u00e4umen ein Schl\u00fcssel zur \u00d6ffnung liegt. Wenn wir wirklich Schwellen abbauen wollen und die K\u00fcnste nicht als Zeitvertreib f\u00fcr ein elit\u00e4res Bildungsb\u00fcrgertum begreifen, sondern radikal als ein gelebter demokratischer Resonanzraum, dann m\u00fcssen wir auch neue Orte bespielen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Sehen Sie in der jetzigen Situation auch eine Chance, etwas zum Besseren zu ver\u00e4ndern?<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg\" alt=\"Achim M\u00fcller - \u00a9Annette Hempfling\" class=\"wp-image-1152\" width=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited.jpg 472w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Achim-Mueller-small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Achim M\u00fcller<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Sicher kann die Bew\u00e4ltigung der Corona-Krise auch eine konkrete Form von b\u00fcrgerschaftlichem Gemeinsinn schaffen, ein \u201eDas haben wir gemeinsam \u00fcberwunden!\u201c, das in einer Zeit, in der sich in den sozialen Medien quasi autarke Resonanzr\u00e4ume ausdifferenzieren, von gro\u00dfem Wert w\u00e4re. Die Herausforderung f\u00fcr Kulturinstitutionen besteht dabei unter anderem darin, neben internem Krisenmanagement als handfester und integrierender Gestalter des \u00f6ffentlichen Lebens zu agieren \u2013 und nicht vorrangig als Forderungssteller im Verteilungskampf um \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung. Ansatzpunkte in Form von \u201eGood-Practice-Beispielen\u201c gibt es, von k\u00fcnstlerischen Formaten, auch im \u00f6ffentlichen und im digitalen Raum, \u00fcber den Aufbau digitaler Kompetenz und Infrastruktur bis hin zu branchen\u00fcbergreifenden Partnerschaften mit Gastronomie und Einzelhandel f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Lebens im \u00f6ffentlichen Raum trotz Corona. Nun gilt es, dass diese guten Beispiele sich in der Breite durchsetzen. Als Beitrag dazu haben wir am IKMW ein eigenes Projekt aufgesetzt: Wir nehmen Auswirkungen und Strategien von Theatern und freien Gruppen in Deutschland auf und dokumentieren Best-Practice-Beispiele. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen zu integrierten digilogen (digital\/analogen) Strategien erweitern die bew\u00e4hrten Praktiken durch zeitgem\u00e4\u00dfe digitale wie hybride Ans\u00e4tze und werden auch in der nach Corona sicherlich digitaleren Welt von Bedeutung sein. Ende November werden wir Ergebnisse vorstellen \u2013 selbstverst\u00e4ndlich digital.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-center is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg\" alt=\"Jochen Sandig - \u00a9 Jean-Baptiste Millot\" class=\"wp-image-1153\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited.jpg 340w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Orpheus-Magazin-Kunst-in-der-Krise-Jochen-Sandig_small-edited-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption>Jochen Sandig <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wir befinden uns in einem Krieg gegen uns selbst. Der Mensch zerst\u00f6rt die Natur, die Umwelt, seinen Lebensraum. Wir brauchen eine doppelte Hinwendung zum \u201eTerrestrischen\u201c, wie der franz\u00f6sische Philosoph Bruno Latour es fordert, und gleichzeitig zum \u201eMenschlichen\u201c. Daher habe ich vor vier Jahren gemeinsam mit Alexandra Mitsotakis, Irene Papaligouras und anderen Partnern das World Human Forum in Delphi gegr\u00fcndet. Mein Leben ist bestimmt durch die st\u00e4ndige Suche nach einem dritten Weg, einem Plan C. Wir m\u00fcssen das \u00d6konomische, \u00d6kologische und Soziale in Einklang bringen, oder besser: in einen wohlklingenden Dreiklang!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leere Theater ohne Publikum, arbeitslose K\u00fcnstler, fehlende Lobby: Schafft die Kultur sich selber ab? 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