{"id":6753,"date":"2021-10-29T10:30:00","date_gmt":"2021-10-29T08:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=6753"},"modified":"2021-10-29T10:38:03","modified_gmt":"2021-10-29T08:38:03","slug":"bauen-fuer-die-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2021\/10\/29\/bauen-fuer-die-kunst\/","title":{"rendered":"Bauen f\u00fcr die Kunst"},"content":{"rendered":"<p><em>Interview Iris Steiner und Dr. Wolf-Dieter Peter<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Von \u201eeinst\u00fcrzenden Neubauten\u201c muss nicht direkt die Rede sein, aber von der weltweit beneideten Infrastruktur: Eine steigende Zahl der \u00fcber 80 derzeit bespielten Theaterbauten ben\u00f6tigt dringend eine grundlegende Sanierung und Renovierung, teils mit Umbau und Erweiterung \u2013 etwa von Berlin \u00fcber K\u00f6ln, Frankfurt und Darmstadt bis Stuttgart, von Coburg \u00fcber W\u00fcrzburg, N\u00fcrnberg bis Augsburg. Das Atelier Achatz in M\u00fcnchen ist daf\u00fcr eine der renommierten Adressen: Das federf\u00fchrende Ehepaar kann auf die fertiggestellten M\u00fcnchner Kammerspiele, das Cuvilli\u00e9stheater, das G\u00e4rtnerplatztheater und die derzeitigen Gro\u00dfbaustellen Augsburg und Darmstadt verweisen. Dabei ist das \u201eBauen\u201c nur ein Aspekt, der das Gespr\u00e4ch lohnt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>M\u00fcssen \u201eFrau&amp;Mann\u201c Oper und Theater lieben, um daf\u00fcr und darin als Architekten t\u00e4tig zu sein?<\/strong><br>Walter Achatz: Kein \u201eMuss\u201c, aber wir sind beide profunde und langj\u00e4hrige Theaterliebhaber. Und es ist einfach sch\u00f6n, nicht an einem profitorientierten Projekt zu arbeiten, daf\u00fcr aber meist mit den kreativen Menschen, die in diesen Bauten ja arbeiten, in Kontakt zu stehen. Und zum Endergebnis sage ich vielleicht am Schluss unseres Gespr\u00e4ches etwas \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir sprechen ja \u00fcber aktuelle und kommende \u201eProblem-Bauten\u201c und zunehmend gilt auch der Begriff \u201eNachhaltigkeit\u201c.<\/strong><br>Walter Achatz: F\u00fcr unsere alten Theaterbauten, die nicht durch die beiden Kriege zerst\u00f6rt wurden, galt pauschal eine Nutzungsdauer von rund 100 Jahren. Das hat sich dann speziell auch durch die Entwicklung der Theatertechnik etwa auf 50 Jahre reduziert und derzeit geht man eher von h\u00f6chstens 30 Jahren aus \u2026<br>Emanuela Hualla Achatz: \u2026 dann erfordern haupts\u00e4chlich Brandschutz und Technik, aber auch die gesellschaftlichen Erwartungen und Anspr\u00fcche an so einen \u201ekulturellen Fest-Raum\u201c eine weit- und dann oft weitergehende \u00dcberarbeitung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"772\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-772x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6757\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-772x1024.jpg 772w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-768x1019.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-500x664.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-800x1062.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-870x1154.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507-600x796.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Cuvilliestheater_Comite\u0301-Hof_Foto-Achim-Bunz_DI011507.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 772px) 100vw, 772px\" \/><figcaption>Das Cuvilli\u00e9s-Theater, M\u00fcnchens \u00e4ltestes Opernhaus, \nerhielt beim Umbau 2008 ein filigranes Glasdach \u00fcber dem \nurspr\u00fcnglich offenen Foyer (Foto Bayerische Schl\u00f6sserverwaltung, Achim Bunz, M\u00fcnchen &#8211; www.schloesser.bayern.de)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>In Architektur-Artikeln spukt dann neben der \u201eNachhaltigkeit\u201c der Begriff \u201eBeton-Gold\u201c, also die Nutzung der im Material vorhandenen Qualit\u00e4t.<\/strong><br>Walter Achatz: Wir sprechen lieber von \u201egrauer Energie\u201c, die wir erneut nutzen k\u00f6nnen \u2013 bis zu einem bestimmten Ma\u00df. Denn allein der Brandschutz in diesen Geb\u00e4uden hat sich enorm ausgeweitet. Als Theaterfreund wei\u00df man ja von diversen verheerenden historischen Br\u00e4nden mit vielen Toten \u2013 bis hin zu den aktuellen Katastrophen in Clubs. Daher nur ein Satz: F\u00fcr uns steht der bestm\u00f6gliche Brandschutz ohne Diskussion an erster Stelle \u2013 also von Verh\u00fctung bis zur \u201eEntfluchtung\u201c. Viel \u00f6ffentlichkeitswirksamer ist dann etwas zu lesen, wenn neue Licht-, Fahr- und Tontechnik in ein Theater eingebaut wird: Da ist meist einiges zu sehen und zu h\u00f6ren. Ein paar unsichtbare Fakten: Allein im Probengeb\u00e4ude der M\u00fcnchner Kammerspiele mussten 640 km Elektro-Kabel verlegt werden, Vergleichbares im G\u00e4rtnerplatztheater. Dazu kommt die aufwendig gewordene Medientechnik, Ton und Video etc. F\u00fcr die \u00adgesamte Haustechnik waren das im G\u00e4rtnerplatztheater vor der Sanierung rund 1.000 m<sup>2<\/sup> Technik, jetzt mussten wir 4.000 m<sup>2<\/sup> Platz schaffen.<br>Emanuela Hualla Achatz: Dazu kommen Anforderungen wie die \u201eBetriebsoptimierung\u201c f\u00fcr den Theateralltag, von den Werkst\u00e4tten bis zur Kantine; die Einlagerung der aktuellen Spielzeit sowie dann moderne Logistik zur eventuell unumg\u00e4nglichen Auslagerung. Und das gro\u00dfe Thema Barrierefreiheit: Das ist nicht nur eine schon l\u00e4nger formulierte Forderung der bayerischen Politik, es ist auch unter dem Gesichtspunkt \u201eInklusion\u201c zu sehen und dazu der Anspruch auf einen gewissen Komfort. Und schlie\u00dflich der gesellschaftliche Aspekt: das Theater nicht nur abends, sondern auch tags\u00fcber als Begegnungsst\u00e4tte anzubieten, ohne den Probenalltag zu behindern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Steht \u00fcber allem nicht das Denkmalamt?<\/strong><br>Walter Achatz: Ja, berechtigterweise, da vor allem die Werkst\u00e4tten des Theaters im Alltagsbetrieb ohne gr\u00f6\u00dfere R\u00fccksprache und R\u00fccksicht auf die vorhandene Substanz flei\u00dfig weitergebaut, oft gut gemeint zu optimieren und zu verbessern versucht haben \u2013 bis hin zu \u201eWildwuchs\u201c \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen doch Zuschauerraum, Lifte, Garderoben, Toiletten, Foyer, Orchestergraben, B\u00fchnenraum, Probeb\u00fchne, Technik, Werkst\u00e4tten, Kantine, Chor- und Orchesterprobenr\u00e4ume, Fundus neu und erweitert \u201ezusammengebaut\u201c werden.<\/strong><br>Emanuela Hualla Achatz: Und speziell durch Corona sind die Anforderungen an den Komplex \u201eL\u00fcftung\u201c enorm gewachsen. Wenn im Theater T\u00e4nzer auftreten, m\u00fcsste eigentlich aufgrund deren rein k\u00f6rperlicher T\u00e4tigkeit die L\u00fcftung das Mehrfache leisten. Das ist oft baulich nicht umzusetzen und auch ein Kostenfaktor.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"580\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-1024x580.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6756\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-1024x580.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-300x170.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-768x435.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-1536x870.jpg 1536w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-500x283.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-800x453.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-1280x725.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-870x493.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb-600x340.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/1508860490_18102017haus-regchristianpogozach_10a0285v3_bearb.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>F\u00fcnf statt der geplanten drei Jahre dauerte die Sanierung des 1865 erbauten M\u00fcnchner G\u00e4rtnerplatztheaters, das 2017 wiederer\u00f6ffnet wurde. Gesamtkosten: 121,6 Millionen Euro \u2013 gut 50 Millionen Euro h\u00f6her als kalkuliert (Foto Christian POGO Zach)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Einschub zum \u201eWir\u201c: Wie fanden denn Architektin und Architekt zusammen?<\/strong><br>Emanuela Hualla Achatz: Ich kam als Praktikantin in das B\u00fcro eines meiner damaligen Professoren, wo Walter als Werkstudent t\u00e4tig war. Aber mit Figaro: \u201eIl resto nol dico\u201c \u2013 \u201edas Weit\u2019re, das Weit\u2019re verschweig\u2019 ich\u201c \u2026 Zur Familie Achatz geh\u00f6ren mittlerweile zwei erwachsene Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ist jetzt Ihr Arbeitsprozess? Der Herr f\u00fcr den \u00adBeton, die Dame f\u00fcr Innenausstattung, Farbe, Dekor \u2013 oder ist das zu banal rollentypisch?<\/strong><br>Emanuela Hualla Achatz: Sehr gerne die Innenausstattung, auch mal das Intendantenzimmer, die Auswahl der Materialien und Farben \u2013 das alles in enger Abstimmung speziell mit der Denkmalpflege. So ist es uns etwa im M\u00fcnchner Cuvilli\u00e9stheater gelungen, das historische Erscheinungsbild in den Foyers hochleben zu lassen, Neues einzuf\u00fcgen wie die \u00dcberkuppelung, die Theken und Garderoben \u2013 doch alles zu verbinden, sodass es ein Kontinuum gibt, das sichtbar und erlebbar wird. Einerseits ein \u201eDa hat sich ja nichts ge\u00e4ndert\u201c, andererseits \u201eDas ist aber neu und passt\u201c. Und ansonsten bin ich hier die \u201eBodenstation\u201c.<br>Walter Achatz: Zum weiteren Alltag unserer Arbeitsteilung: Ich mache \u00fcberwiegend die Acquisition und die aktive Umsetzung der Projekte; meine Frau ist ein wichtiges Korrektiv im kreativen Prozess, weil sie den fachlichen Blick hat und ihre Nachfragen und Einw\u00e4nde eben fundiert sind. Eine tragende S\u00e4ule sind heute rund 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die \u00fcber die Jahre zu Spezialisten geworden sind. Zus\u00e4tzlich braucht man bei Projekten dieser Art auch eine Vielzahl an Fachplanern, die den Architekten mit ihrem Wissen unterst\u00fctzen und begleiten \u2013 darum ist Theaterarchitektur neben dem Krankenhausbau eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"654\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-1024x654.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6758\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-1024x654.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-300x192.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-768x491.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-1536x981.jpg 1536w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-500x319.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-800x511.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-1280x818.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-870x556.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt-600x383.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FW_Theatersaal_23.07.2019_Zuschauersaal-1_Florian-Waadt.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auch f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre bleibt der Vorhang im Zuschauersaal des Staatstheaters Augsburg noch geschlossen. Die von der Stadt als \u201eJahrhundertprojekt\u201c bezeichnete Generalsanierung des denkmalgesch\u00fctzen Geb\u00e4udes von 1877 steht wegen der hohen Baukosten vielfach in der Kritik (Foto Florian Waadt)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Dauert deswegen so eine General\u00fcberholung oft deutlich l\u00e4nger \u2013 und wird meist auch deutlich teurer?<\/strong><br>Walter Achatz: Technisch haben wir ja jetzt dazu schon vieles genannt. Hinzu kommen meist nicht \u00f6ffentlich kommunizierte \u00c4nderungsw\u00fcnsche \u2013 wir sind jetzt in Augsburg bei einer bemerkenswerten Vielzahl von \u00c4nderungsantr\u00e4gen \u2026 Und damit ist ein Wort gefallen: Kommunikation. Am besten von Anfang an: Da gibt es eine Ausschreibung nach der VgV, der Vergabeverordnung, mit einer Zahl f\u00fcr die Kosten. Erstes Problem: Das ist keine wirklich realistische, sondern eine \u201epolitische Zahl\u201c, eine \u201eB\u00fcrgermeisterzahl\u201c. Wenn Sie heute gleich zu Anfang die wahrscheinlichen Kosten \u00f6ffentlich nennen, ist der ebenfalls \u00f6ffentliche Protest so gro\u00df, dass das Vorhaben nicht zustande kommt. Dann folgt ein Wettbewerb. Wenn Sie da \u2013 aufgrund Ihrer Einsch\u00e4tzung der realen Bauanforderungen \u2013 zu weit \u00fcber der \u201eB\u00fcrgermeisterzahl\u201c liegen \u2026<br>Emanuela Hualla Achatz: Nenn das Beispiel Coburg: Dort waren 68 Millionen Euro als Obergrenze angegeben \u2026<br>Walter Achatz: \u2026 heute wird \u00fcber 190 Millionen Euro diskutiert \u2013 und ich sehe eine deutlich h\u00f6here Endsumme. Wir sind in Coburg \u00fcbrigens bei der Bewerbung ausgeschieden. Zur\u00fcck zum Ablauf: Sie gewinnen den Wettbewerb; Auftraggeber ist der Staat, das Bundesland oder die Stadt, beispielsweise Augsburg. Bauherr ist dann das Stadtbauamt, der Bauamtsleiter. Und jetzt wieder das Stichwort \u201eKommunikation\u201c: die Pressestelle der Stadt plus die Pressestelle des Bauamts plus die Pressestellen der zuvor genannten \u00c4mter plus die Presse \u2026 Dann leben wir in einer lebendigen Demokratie: Im Verlauf des Bauvorhabens gibt es Wahlen \u2013 und pl\u00f6tzlich haben Sie andere, neue Amtsinhaber vom B\u00fcrgermeister abw\u00e4rts bis zum Intendanten und dem Technischen Direktor des Theaters. So geschehen in Augsburg: eine fast komplette personelle Ver\u00e4nderung auf allen Posten. Da werden von den neuen Amtsinhabern gern eigene \u201eAkzente\u201c gesetzt, \u00f6ffentlich kommuniziert, diskutiert \u2013 und wir sollen sie bauen.<br>Emanuela Hualla Achatz: Dazu das Gegenbeispiel Cuvilli\u00e9s\u00adtheater. Bauherr war der kunst- und theaterbegeisterte Finanzminister Faltlhauser. Der kam regelm\u00e4\u00dfig zu den Sitzungen, lie\u00df sich die n\u00e4chsten Schritte erkl\u00e4ren, \u00e4u\u00dferte W\u00fcnsche, fragte nach \u2013 und entschied dann: \u201eDas nicht, aber so und so machen wir das!\u201c Kein Durchsetzungsproblem, die Kosten liefen nicht aus dem Ruder \u2013 so geht das auch.<br>Walter Achatz: Noch ein kleiner Seitenblick: Wir bauen parallel auch \u201eTheater des kleinen Mannes\u201c \u2013 Kinos zwischen Island und Wladiwostok. Im gleichen Zeitraum von den Kammerspielen bis jetzt Augsburg und Darmstadt haben wir weit \u00fcber hundert \u00adKinos gebaut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welcher andere Beruf k\u00e4me f\u00fcr Sie infrage? Gibt es den \u00fcberhaupt?<\/strong><br>Walter Achatz: <em>(zu seiner Frau)<\/em> Darf ich f\u00fcr uns beide antworten? Architektur ist kein Job oder nur Profession, sondern unsere Berufung. Wir arbeiten einfach gerne mit und f\u00fcr diese kreativen, leidenschaftlichen Theatermenschen. Und was gibt es Sch\u00f6neres, als anonym in einem von uns sanierten Theater zu sitzen und S\u00e4tze zu h\u00f6ren wie \u201eAh, das schaut ja aus wie immer!\u201c oder \u201eOh, das ist aber sch\u00f6n geworden!\u201c. Das ist Erf\u00fcllung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:80px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieses Interview ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe November\/Dezember 2021<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-06-2021\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-06-2021\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gespr\u00e4ch mit dem Theater-Architekten-Ehepaar<br \/>\nEmanuela Hualla Achatz<br \/>\nund Walter Achatz<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":6754,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":6,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1563],"tags":[],"class_list":["post-6753","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2021-06"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Aufmacher_Achatz.jpg",1475,830,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Aufmacher_Achatz.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Aufmacher_Achatz-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Aufmacher_Achatz-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Aufmacher_Achatz-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Aufmacher_Achatz-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"29. 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