{"id":7047,"date":"2021-12-22T10:13:00","date_gmt":"2021-12-22T09:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=7047"},"modified":"2021-12-22T20:15:23","modified_gmt":"2021-12-22T19:15:23","slug":"mozart-x3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2021\/12\/22\/mozart-x3\/","title":{"rendered":"Mozart x3"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-text-align-left\"><em>Interview Florian Maier<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Im Booklet zu Ihrer neuen CD stellen Sie direkt selbst eine naheliegende Frage in den Raum: \u201eNoch ein Mozart-Album?\u201c <\/strong><br><em>(lacht)<\/em> Ja! Weil es sich f\u00fcr mich gerade jetzt absolut richtig angef\u00fchlt hat. Ich singe in letzter Zeit unglaublich viel Mozart-Repertoire: mein Deb\u00fct bei den Salzburger Festspielen mit Fiordiligi, die Da-Ponte-Trilogie an der Berliner Staatsoper unter Daniel Barenboim, \u2026 Als dann der Direktor von Warner Music mit der Idee auf mich zukam, ein Album zu machen, auf dem ich mich durch verschiedenste Mozart-Opern singe, habe ich nat\u00fcrlich sofort zugesagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Verneigung vor dem Komponisten, der Ihrer Karriere starken Auftrieb gegeben hat?<\/strong><br>Auf jeden Fall! Mozart begleitet mich schon mein ganzes Leben. Meine Mutter hat w\u00e4hrend ihrer Schwangerschaft mit mir sehr viel Pamina gesungen. Sie hatte immer das Gef\u00fchl, dass ich in diesen Momenten in ihrem Bauch besonders gl\u00fccklich war. Beim Besuch einer zeitgen\u00f6ssischen Oper habe ich sie wohl stattdessen sehr getreten, anscheinend eine Form von fr\u00fchkindlichem Protest. <em>(lacht)<\/em> Auch im Laufe der Jahre bin ich nie von Mozart losgekommen \u2013 \u201eDie Zauberfl\u00f6te\u201c war schon immer meine Lieblingsoper, die Pamina an der Berliner Staatsoper dann auch folgerichtig meine erste Partie auf einer gro\u00dfen B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was verbirgt sich hinter dem Albumtitel \u201eMozart x3\u201c?<\/strong><br>Arien von jeweils gleich drei Charakteren aus den drei Da-Ponte-Opern, erg\u00e4nzt um Ausz\u00fcge aus den drei Opere serie \u201eIdomeneo\u201c, \u201eLucio Silla\u201c und \u201eLa clemenza di Tito\u201c. Ein Dreiklang in mehrerlei Hinsicht also. Gerade Mozart bietet sich daf\u00fcr ganz besonders an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><br>Weil seine Figuren im Gegensatz zu vielen anderen Opern sehr modern, dreidimensional, menschlich sind. Nehmen wir beispielsweise Fiordiligi. Sie ist sehr widerspr\u00fcchlich, sie sagt etwas und macht etwas anderes, macht etwas und sagt etwas anderes \u2013 ganz wie im wahren Leben. <em>(lacht)<\/em> Mozart und Da Ponte ist es gelungen, Frauen fast schon magisch in Musik zu transponieren. Wenn man sich wirklich mit Musik und Libretto von \u201eLe nozze di Figaro\u201c, \u201eDon Giovanni\u201c und \u201eCos\u00ec fan tutte\u201c auseinandersetzt, trifft man auf sinnf\u00e4llige, komplexe Charaktere \u2013 keine reduzierten B\u00fchnenfiguren, sondern richtige Personen. Das Libretto ger\u00e4t dabei nie zur Karikatur, die beste Musik ist meiner Meinung nach immer den Frauenpartien zugedacht \u2013 was will man mehr?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"700\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7057\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus.jpg 1000w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus-300x210.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus-768x538.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus-500x350.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus-800x560.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus-870x609.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/cosi-fan-tutte-2020-c-sf-monika-rittershaus-600x420.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Karrierekick zum Salzburger Festspiel-Jubil\u00e4um: Elsa Dreisig als Fiordiligi in Mozarts &#8222;Cos\u00ec fan tutte&#8220;, 2020 (hier mit Johannes Martin Kr\u00e4nzle und Marianne Crebessa) (Foto Salzburger Festspiele\/Monika Rittershaus)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Trifft das in Ihren Augen auch auf die noch mehr der Tradition verpflichteten Opere serie zu?<\/strong><br>Man merkt schon, dass \u201eIdomeneo\u201c, \u201eLucio Silla\u201c und \u201eLa clemenza di Tito\u201c nicht im genialen Teamwork mit Da Ponte entstanden sind. Der \u201eSpirit\u201c ist hier ganz anders, irgendwie auch intimer. Ich sp\u00fcre Mozart in diesen Werken fast mehr als in den Da-Ponte-Opern, die zweifellos figurentechnisch die Nase vorn haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Partie war f\u00fcr Sie technisch gesehen die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung?<\/strong><br>Donna Elviras Koloraturen in der Arie \u201eMi trad\u00ec quell\u2019alma ingrata\u201c sind sehr merkw\u00fcrdig. Sie ist emotional v\u00f6llig verloren, was sich auf die Musik \u00fcbertr\u00e4gt und es ziemlich schwer macht, als Interpretin Halt zu finden. Fiordiligi und Vitellia sind ebenfalls nicht zu untersch\u00e4tzen, da man hier jeweils den Spagat zwischen der n\u00f6tigen H\u00f6he wie auch Tiefe bew\u00e4ltigen muss \u2013 und das im Idealfall nicht auf Kosten eines sch\u00f6nen Glanzes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie entfesseln auf Ihrem Album einen rasanten \u201eRausch der Affekte\u201c. In welcher Gef\u00fchlswelt f\u00fchlen Sie sich k\u00fcnstlerisch denn am wohlsten?<\/strong><br>Ich mag \u201edunklere\u201c, ambivalente Frauen sehr gerne, die ruhig auch kompliziert sein d\u00fcrfen \u2013 Elettra, Vitellia, Fiordiligi oder auch Dorabella. Solche Partien sind meist energiegeladener und komplexer als \u201es\u00fc\u00dfe\u201c Rollen. Die Arien von Susanna und Donna Anna sind ebenfalls wundersch\u00f6n. Aber daf\u00fcr braucht man eine unglaubliche stimmliche Ruhe \u00fcber lange Strecken, um ausgedehnte Phrasen sanft und fast schon schwebend zu bew\u00e4ltigen. Daran arbeite ich noch. Vielleicht auch deshalb, weil ich selbst kein ruhiger Mensch bin. <em>(lacht)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Blick auf Ihre bisherigen Alben \u201eMiroir(s)\u201c und \u201eMorgen\u201c verr\u00e4t, dass Ihnen ein blo\u00dfes \u201eBest-of Klassik\u201c nicht genug ist. Sehen Sie in hochwertigen Konzeptalben die Zukunft des Tontr\u00e4germarktes?<\/strong><br>Ich denke, das kommt immer auf die K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit an. Mir macht es sehr viel Spa\u00df, Programme zu erfinden und einen roten Faden in auf den ersten Blick merkw\u00fcrdigen Kombinationen zu entdecken. Ein Album ist f\u00fcr mich mehr eine Spielwiese und weniger eine Miniatur, mit der man zeigt, wer man ist und wie gut man etwas singt. Nat\u00fcrlich kann man auch Spa\u00df mit einem \u201eklassischen\u201c Album voll gro\u00dfartiger Opernarien haben \u2013 Ren\u00e9e Fleming, Anna Netrebko und Angela Gheorghiu haben das oft genug bewiesen. Aber f\u00fcr mich ist das noch zehn Jahre zu fr\u00fch, ein solches Projekt erfordert unglaubliche Stimmsicherheit und daf\u00fcr fehlt es mir noch an Erfahrung. Im Hier und Jetzt ist es mir wichtiger, meine Pers\u00f6nlichkeit, Kreativit\u00e4t und Abenteuerlust zu zeigen. Aber irgendwann kommt das Belcanto-Album bestimmt. <em>(lacht)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background-color:#f5ece2\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"598\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozartx3_CD.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7051 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozartx3_CD.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozartx3_CD-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozartx3_CD-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozartx3_CD-500x498.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozartx3_CD-100x100.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-large-font-size\">EMPFEHLUNG<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMozart x3\u201c<br>Elsa Dreisig, Louis Langr\u00e9e, Kammerorchester Basel<br>1 CD, Erato<\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elsa Dreisigs Verneigung vor dem Genie<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":7055,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":3,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1591],"tags":[],"class_list":["post-7047","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2022-01"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozart_ParlophoneRecordsLtd.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozart_ParlophoneRecordsLtd.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozart_ParlophoneRecordsLtd-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozart_ParlophoneRecordsLtd-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozart_ParlophoneRecordsLtd-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Dreisig_Mozart_ParlophoneRecordsLtd-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"22. 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