{"id":7292,"date":"2022-02-21T17:04:42","date_gmt":"2022-02-21T16:04:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=7292"},"modified":"2022-03-02T16:38:47","modified_gmt":"2022-03-02T15:38:47","slug":"zurueck-in-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2022\/02\/21\/zurueck-in-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Das Landestheater Detmold hat ausgezeichnete S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger in seinen Reihen. Das ist erneut bei der Urauff\u00fchrung des neuen B\u00fchnenwerkes von Detlef Heusinger zu erleben. \u201eDie Zeitreisemaschine \u2013 Eine Familienoper\u201c nennt er sein neuestes Opus. Darin entfliehen zwei Kinder (Theresa Kohler und Friedrich Schlieker) per Zeitmaschine dem ewig grantelnden Gro\u00dfvater (\u201eFr\u00fcher war alles besser!\u201c) und landen im Pariser Schlafzimmer von Gioachino Rossini. Dort erleben sie einen Komponisten, der die Lust am Komponieren verloren hat, stattdessen der Lust am Kochen und Essen fr\u00f6nt und sich dauernd mit seiner Frau Isabella und seinem Diener Figaro herumstreitet. Die Kinder stellen fest, dass auch die Menschen der guten alten Zeit unzufrieden sind, und beamen sich entt\u00e4uscht in die Gegenwart zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Doppelrolle als bettl\u00e4geriger Komponist und unzufriedener Gro\u00dfvater ist Stefan Stoll mit seiner warmen, gleichwohl zu dramatischen Ausbr\u00fcchen f\u00e4higen Stimme eine gute Wahl. Emily Dorn spielt die Isabella und die Mutter der Kinder. Sie zeigt vor allem als Rossinis quirlige Gattin bewegliche Koloraturen und eine in allen Registern durchgearbeitete, frei str\u00f6mende Tongebung. Ihr zur Seite steht der strahlende Tenor von Stephen Chambers als stets am Rande der Verzweiflung agierender Diener und als Papa der beiden Kinder. Alle drei finden an mehreren Stellen der Oper zu kunstvoll komponierten Terzetten mit einem guten Gef\u00fchl f\u00fcrs Ensemblesingen zusammen. Aber ihre s\u00e4ngerischen Qualit\u00e4ten k\u00f6nnen den Abend nicht retten.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde. Zum einen ist bei allem Wohlklang der Stimmen fast durchg\u00e4ngig nicht zu verstehen, wovon gesungen wird.&nbsp; Zum anderen muss das Ensemble mit einer Musik fertig werden, deren Stilrichtung unklar bleibt und die sich dramaturgisch gesehen bis auf wenige Momente nicht recht vom Fleck bewegt. Auch die angek\u00fcndigte Zuordnung elektronischer Kl\u00e4nge und live gespielter Orchestermusik will sich im Saal nicht differenziert einstellen. Die beiden Zeitreisen der Kinder in die Vergangenheit und zur\u00fcck in die Gegenwart, dargestellt in einer Gro\u00dfprojektion drehender Wolkenfelder, wollen einfach nicht enden. Und dass die beiden Kinder f\u00fcr den R\u00fcckflug als Code ausgerechnet Martin Luthers Choral \u201eVater unser im Himmelreich\u201c in ihre Zeitmaschine eingeben sollen, ist ein inhaltlich kurioser Querschl\u00e4ger, wenn auch der Kinderchor des Theaters, verst\u00e4rkt durch Damen des Opernchores, stimmsch\u00f6n singt.<\/p>\n\n\n\n<p>Detlef Heusinger ist nicht nur der Komponist, sondern \u00fcbernimmt auch die Regie und die Gestaltung des B\u00fchnenbildes. Dabei gelingen bei der Interaktion zwischen Rossini, seiner Frau und dem Diener durch puppenhaft ruckende Bewegungsabl\u00e4ufe einige interessante surreale Abl\u00e4ufe. Das aber wird nicht durchgehalten und die Szene rutscht weg in normale Interaktionen, bei denen die Personenf\u00fchrung unbearbeitet wirkt. Das gilt besonders dann, wenn nur gesprochen wird. Allerdings bieten die Dialoge auch nicht viel Deutungstiefe f\u00fcr eine nuancenreiche Darstellung an.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Finale geht es dann pl\u00f6tzlich mit groovendem Musical-Sound musikalisch zur Sache, wobei die arg individuellen t\u00e4nzerischen Einlagen des Ensembles durchaus einen Choreografen-Blick vertragen h\u00e4tten. Ob sich dieses Werk als Familienoper bew\u00e4hren kann, wie im Titel versprochen wird, sei infrage gestellt. Zumal sich zwischendurch auch Langeweile einstellt, was im Theater niemals geschehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Claus-Ulrich Heinke<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDie Zeitreisemaschine\u201c (2022) \/\/ Familienoper von Detlef Heusinger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Infos und Termine:<br><a aria-label=\"-&gt; Landestheater Detmold (bis 13. M\u00e4rz 2022) (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.landestheater-detmold.de\/de\/programm\/die-zeitreisemaschine\/39376882\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">-> Landestheater Detmold (bis 13. M\u00e4rz 2022)<\/a><br><a aria-label=\"-&gt; Bregenzer Festspiele (in Kooperation, 12. und 13. Mai 2022) (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/bregenzerfestspiele.com\/de\/programm\/junge-festspiele\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">-> Bregenzer Festspiele (Kooperationspartner, 12. und 13. Mai 2022)<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\">Detmold \/ Landestheater Detmold (Februar 2022)<\/span><\/br><br \/>\nUrauff\u00fchrung von Detlef Heusingers Familienoper \u201eDie Zeitreisemaschine\u201c<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":7293,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":2,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[1594,34],"tags":[],"class_list":["post-7292","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen-2022-03","category-rezensionen"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Landestheater-Detmold_Die-Zeitreisemaschine-c-Jochen-Quast.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Landestheater-Detmold_Die-Zeitreisemaschine-c-Jochen-Quast.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Landestheater-Detmold_Die-Zeitreisemaschine-c-Jochen-Quast-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Landestheater-Detmold_Die-Zeitreisemaschine-c-Jochen-Quast-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Landestheater-Detmold_Die-Zeitreisemaschine-c-Jochen-Quast-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Landestheater-Detmold_Die-Zeitreisemaschine-c-Jochen-Quast-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"21. 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