{"id":7771,"date":"2022-06-30T11:35:00","date_gmt":"2022-06-30T09:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=7771"},"modified":"2022-08-06T19:09:08","modified_gmt":"2022-08-06T17:09:08","slug":"konzerthaus-am-abgrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2022\/06\/30\/konzerthaus-am-abgrund\/","title":{"rendered":"Konzerthaus am Abgrund"},"content":{"rendered":"<p>In M\u00fcnchen steht ein Hofbr\u00e4uhaus \u2013 und eben kein Konzerthaus, wenn es nach den neuesten Pl\u00e4nen der Bayerischen Staatsregierung geht. Eine pl\u00f6tzliche Kehrtwende mitten in laufender Planung. Zukunftsvision: Fehlanzeige<\/p>\n\n\n\n<p><em>von Iris Steiner<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Ein \u201eLangzeitprojekt f\u00fcr kommende Generationen\u201c sollte es werden und das weltweit erste Konzerthaus mit vollkommener Ausrichtung auf das Zeitalter der Digitalisierung. Ein Haus der Musik und der Musikvermittlung, dar\u00fcber hinaus kreativer Gestaltungsort f\u00fcr innovative Kunstformen. Noch Mitte 2021 seitens der Bayerischen Staatsregierung als \u201eJahrhundertprojekt\u201c gefeiert und vom Bayerischen Landtag abgesegnet, macht Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der jetzt einmal mehr das, was er am liebsten tut: einen medienwirksamen Alleingang ohne Vorank\u00fcndigung. Ist diese von oben verordnete Denkpause denn wirklich n\u00f6tig? W\u00e4re es nicht eher ein Fall f\u00fcr den Bayerischen Obersten Rechnungshof, wenn leichtfertig Millionen f\u00fcr Planung und Erbpacht bewilligt wurden? Nicht nur die eigens gegr\u00fcndete \u201eStiftung Neues \u00adKonzerthaus M\u00fcnchen\u201c l\u00e4uft Sturm, auch die Opposi\u00adtion im Bayerischen Landtag will das so nicht stehen lassen. Wir fragen den kulturpolitischen Sprecher der FDP im Bayerischen Landtag und Kunstminister a.D., Herrn Dr. Wolfgang Heubisch.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-light-gray-background-color has-light-gray-color\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image caption-align-right\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/WHeubisch-c-FDP-Fraktion-im-Bayerischen-Landtag.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7762\" width=\"390\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/WHeubisch-c-FDP-Fraktion-im-Bayerischen-Landtag.jpg 580w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/WHeubisch-c-FDP-Fraktion-im-Bayerischen-Landtag-218x300.jpg 218w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/WHeubisch-c-FDP-Fraktion-im-Bayerischen-Landtag-500x690.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><figcaption>Dr. Wolfgang Heubisch (Foto FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Warum spricht Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der in der \u00d6ffentlichkeit ausschlie\u00dflich von einem Konzertsaal, obwohl es sich um ein ganzes Konzerthaus mit eigener k\u00fcnstlerischer Konzeption handelt? \u00dcbrigens hat er noch im Juni 2020 selbst genau damit argumentiert \u2026<\/strong><br>In der Vergangenheit wurde das umfassende Gesamtkonzept selbst in der \u00f6ffentlichen Diskussion leider etwas flapsig oft auf den gro\u00dfen Saal reduziert \u2013 wir reden aber von einem Haus mit drei S\u00e4len. Entweder hat das selbst der Ministerpr\u00e4sident bisher noch nicht ganz verstanden, oder er bedient sich bewusst dieser irref\u00fchrenden Rhetorik. Erwartungsgem\u00e4\u00df bekam er viel (mediale) Zustimmung bei seinem Vorsto\u00df, derartig hohe Ausgaben f\u00fcr einen Orchester-Konzertsaal in der heutigen Zeit infrage zu stellen. Dass er andere wichtige \u2013 vielleicht sogar die entscheidenden \u2013 Funktionen des Hauses nicht einmal erw\u00e4hnt, macht im Sinne seiner Argumentation nat\u00fcrlich Sinn. Den vergleichsweise geringen Anteil von Konzertbesuchern in der Bev\u00f6lkerung zu vernachl\u00e4ssigen, bringt wenig Nachteile im Hinblick auf die Landtagswahlen. Schwieriger w\u00fcrde es dann schon bei den Folgen \u00f6ffentlichen Opponierens gegen eine bayernweit einzigartige, zukunftsweisende Bildungsst\u00e4tte, die das Konzerthaus ja auch ist. Es macht also taktisch Sinn, diesen Aspekt aus der \u00f6ffentlichen Debatte m\u00f6glichst herauszuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Juli 2021 hat der Bayerische Landtag mitten in der Pandemie einvernehmlich beschlossen, die Planung des Konzerthauses fortzusetzen. Wieso argumentiert Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der neuerdings, dass die Quasi-Absage eine Reaktion auf die ver\u00e4nderte Situation infolge der Pandemie ist?<\/strong><br>Ich halte das f\u00fcr eine Hilfsbegr\u00fcndung, um seine Grundthese zu st\u00fctzen. Selbst in der Hochphase der Pandemie sprach man an offiziellen Stellen des Kunstministeriums immer von einem \u201eabsoluten Superprojekt\u201c. Zeitlich passt die Begr\u00fcndung \u00fcberhaupt nicht, das sehen Sie v\u00f6llig richtig. Die hat er sich wohl ausgedacht \u2013 und dann gleich den neu installierten Kunstminister Blume zur weiteren Abarbeitung in seinem Sinne vorgeschoben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Trotzdem wird offensichtlich unver\u00e4ndert weiter geplant, 36 Millionen Euro sind bereits ausgegeben und noch immer arbeiten etwa 100 Menschen am Projekt Konzerthaus \u2013 Fachplaner, Akustiker und Raum\u00adklimaspezialisten. Und dass, obwohl es quasi schon \u201ebeerdigt\u201c ist. Wie w\u00fcrden Sie das nennen, wenn nicht \u201eSteuergeldverschwendung\u201c?<\/strong><br>Das w\u00fcsste ich auch gerne. Vor allem w\u00e4re interessant, was diese \u201eZeit zum Nachdenken\u201c genau bedeutet, von der S\u00f6der immer spricht. Auf jeden Fall eine ganz enorme Kostensteigerung. Ich kann nur spekulieren, dass es sich m\u00f6glicherweise um bewusstes Verz\u00f6gern und geplantes Beerdigen direkt nach der Landtagswahl 2023 handelt. Denn wenn ein neuer Kunstminister als erste Amtshandlung eine derartig deutlich ablehnende Aussage macht, wie Markus Blume das in dieser Sache getan hat, ist es zweifellos der thematische Supergau. Ich w\u00fcsste auch nicht, wie ein von Fachleuten entwickeltes Zukunftskonzept aus optimaler Musikdarstellung, diversen Studieng\u00e4ngen und kultureller Bildung durch \u201eNachdenken\u201c seitens der Staatsregierung verbessert werden k\u00f6nnte. Keine Ahnung, auf welche g\u00f6ttlichen Eingebungen man da wartet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie hatten es bereits angesprochen, Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der hat vor Kurzem ausgerechnet die Bau\u00administerin und den Kultusminister in seinem Kabinett ausgetauscht, drei Wochen sp\u00e4ter dann \u00f6ffentlich vom gr\u00f6\u00dften Kulturbauprojekt Bayerns Abstand genommen. Sehen Sie da einen Zusammenhang?<\/strong><br>Ich will das nicht ganz ausschlie\u00dfen, wei\u00df aber auch, dass er das Projekt in dieser Art bereits fr\u00fcher infrage gestellt und erneut gepr\u00fcft haben wollte. Kunstminister Sibler war im Gegenzug immer ein gro\u00dfer Bef\u00fcrworter und sprach von einem \u201eJahrhundertprojekt\u201c. Die eigentliche Kommunikationskatastrophe dieser kompletten Meinungsumkehr hat S\u00f6der dem Nachfolger \u00fcberlassen und einen Tag sp\u00e4ter selbst in einem Zeitungsinterview begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gab vor Kurzem die populistisch inszenierte Aussage S\u00f6ders, dass der Bau am Ende eine Milliarde Euro kosten wird, prognostiziert und belegt wurden im vergangenen Jahr allerdings 580 Millionen. Wie begr\u00fcndet der Ministerpr\u00e4sident diese derartige Kosten\u00adexplosion in so kurzer Zeit \u2013 und wie belegt er seine Zahl?<\/strong><br>S\u00f6der denkt in medialen Aufschl\u00e4gen. Er wei\u00df, wenn er mit einer Milliarde Euro Kosten f\u00fcr einen Konzertsaal argumentiert, wird das eine prominente Meldung. Er versucht, mit einem Satz zu sagen, dass ihm das alles viel zu teuer ist. Der Verweis auf die Kostenexplosion beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie hinkt in diesem Zusammenhang \u00fcbrigens sehr. Die Hamburger haben zwar steigende Kosten ebenfalls scharf diskutiert, trotzdem immer wieder aufgestockt und damit genau den Kommunikationsschock verhindert, den S\u00f6der hier fast schon provoziert. Und schauen Sie doch mal, die \u201eElphi\u201c wurde bereits nach kurzer Zeit ein Wahrzeichen Hamburgs, Publikumsmagnet und ein wirtschaftlicher Erfolg. Man hat die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber alle Schwierigkeiten informiert und positiv in die Zukunft argumentiert &#8211; weil man das Geb\u00e4ude wollte. Das ist der Unterschied. Ab und zu wird zwar auch bei uns verschiedentlich darauf hingewiesen, dass die genannte Milliarde v\u00f6llig aus der Luft gegriffen sei. Aber so richtig \u201eplatzieren\u201c l\u00e4sst sich das Thema nicht. Ich pers\u00f6nlich halte das Vorgehen des Ministerpr\u00e4sidenten in diesem Fall f\u00fcr h\u00f6chst unseri\u00f6s. Ich bef\u00fcrchte, dass es negative Folgen hinsichtlich der gesellschaftlichen Akzeptanz von Gro\u00dfprojekten \u2013 nicht nur kultureller Art \u2013 haben wird: bei Initiatoren, in der Bev\u00f6lkerung, bei privaten F\u00f6rderern und Freundeskreisen, bei Sponsoren und im b\u00fcrgerschaftlichen Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bleiben wir noch ein wenig bei S\u00f6ders medialer Strategie. Er spricht durchwegs von einem \u201eKonzert\u00adtempel\u201c \u2013 und m\u00fcsste eigentlich wissen, dass es das genau nicht ist, sondern ein niederschwelliges Konzept mit Schwerpunkt auf Bildung und zukunfts\u00adweisender Digitalisierung.<\/strong><br>Es wurde in einigen Medien und auch von uns in der Opposition immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Darstellung zumindest unvollst\u00e4ndig ist. Leider war die Resonanz in der Bev\u00f6lkerung schwach und auch die Medien behandeln Kulturthemen recht stiefm\u00fctterlich. Der Begriff \u201eKulturtempel\u201c ist hier gleichzeitig populistisch und kontraproduktiv, klingt unterschwellig elit\u00e4r und versnobt. S\u00f6der setzt noch einen drauf und formuliert neuerdings dauernd, dass er sich \u201ein der Leberk\u00e4s-\u00adEtage\u201c befindet \u2013 was auch immer das bedeutet \u2013 anstatt transparent und ehrlich den (manchmal leider kostspieligen) Wert von Kultur f\u00fcr uns alle zu formulieren. Auch der neue Konzertsaal in N\u00fcrnberg fiel \u00fcbrigens diversen Einspar-Argumenten zum Opfer. Man sieht deutlich, dass Kulturprojekte ganz klar nicht \u00adS\u00f6ders Schwerpunkt sind, viel lieber benutzt er Begriffe wie \u201eHightech Agenda\u201c. Ich w\u00fcrde auch das voll unterst\u00fctzen. Nur: So einseitig darf man nicht denken. Und bei Kunstminister Blume fehlt mir bis heute ebenfalls der Nachweis, dass er die Kultur als Wert f\u00fcr unsere Gesellschaft sch\u00e4tzt. In dem Punkt etabliert er sich eher als Lautsprecher seines Herrn.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7760\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-500x281.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-800x450.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-1280x720.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-870x490.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-600x338.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering2_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>So sollte es aussehen, das M\u00fcnchner Konzerthaus auf dem ehenmaligen Pfanni-Gel\u00e4nde im Osten der Stadt (Foto Renderings Bloomimages f\u00fcr Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Bei dem Grundst\u00fcck, auf dem das Konzerthaus gebaut werden soll, handelt es sich um einen Erbpachtvertrag mit einer Mindestlaufzeit von 88 Jahren und 600.000 Euro j\u00e4hrlichen Mietkosten. Dar\u00fcber hinaus besteht die vertragliche Verpflichtung zum Bau eines Konzerthauses. Beschlossen \u00fcbrigens unter Leitung des damaligen Finanzministers S\u00f6der \u2026<\/strong><br>Aufgrund des Index-Mietvertrages sprechen wir heute schon von fast 700.000 Euro und ja, auch die Nutzung als Standort f\u00fcr das Konzerthaus ist Vertragsbestandteil. Wenn das jetzt nicht kommen sollte, wird man dem Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer an anderer Stelle entgegenkommen m\u00fcssen oder freiwillig einen Aufpreis f\u00fcr eine m\u00f6gliche Umnutzung bezahlen. Es handelt sich um einen sehr vermieterfreundlichen Vertrag, die Komplettaufgabe des Projektes auf diesem Grundst\u00fcck hat ganz sicher die eine oder andere kostenintensive Konsequenz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Stadt M\u00fcnchen war nie begeistert vom Standort auf dem ehemaligen Pfanni-Gel\u00e4nde im Osten. Erwartungsgem\u00e4\u00df ruhig verh\u00e4lt sich der M\u00fcnchner (SPD)- Oberb\u00fcrgermeister Reiter. Halten Sie den Vorschlag, die Interimsspielst\u00e4tte Isarphilharmonie l\u00e4nger als vorgesehen zu nutzen, f\u00fcr eine gute Idee?<\/strong><br>Schon unter Seehofer hat man versucht, eine gemeinsame L\u00f6sung mit der Stadt M\u00fcnchen zu finden, die den sanierungsbed\u00fcrftigen M\u00fcnchner Gasteig mit einbezieht. Diese Gespr\u00e4che wurden mit der Begr\u00fcndung abgebrochen, dass zwei so unterschiedliche Orchester wie das des Bayerischen Rundfunks und die M\u00fcnchner \u00adPhilharmoniker nicht gleichberechtigt in einem Saal unterzubringen sind. Allerdings hat die Stadt \u00adM\u00fcnchen bis heute keinen Investor f\u00fcr den notwendigen Gasteig-\u00adUmbau gefunden. Daher kommt die Situation fast schon gelegen, da man m\u00f6glicherweise den Freistaat jetzt doch wieder zu Kooperationsgespr\u00e4chen bewegen kann. Es ist \u00fcberfl\u00fcssig zu erw\u00e4hnen, dass ein Konzept wie das des neuen Konzerthauses nicht in den Gasteig installiert werden kann, bei dieser L\u00f6sung geht es dann wirklich nur um den gesuchten Orchester-Spielort. Ein komplett anderer, viel kleinerer Ansatz, der aber im Zuge des Umbaus \u00fcbrigens auch mindestens 450 Millionen Euro kosten w\u00fcrde. Was die Isarphilharmonie betrifft: So wunderbar und charmant dieses Konzept jetzt f\u00fcr das Interim ist, auch dort m\u00fcsste man f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige Nutzung deutlich Geld in die Hand nehmen. Es gibt weder ordentliche K\u00fcnstlergarderoben noch eine ausreichende Toiletten- und Pausensituation. Und wir sprechen \u00fcbrigens wieder nur \u00fcber einen Saal. Noch dazu einen, dessen B\u00fchne zu klein f\u00fcr Mahler oder Strauss ist. Aber ob das Herrn S\u00f6der interessiert?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie stehen Sie zu dem berechtigten Einwand, dass in der Stadt M\u00fcnchen die Einwohnerzahlen seit Jahren steigen, w\u00e4hrend die Sitzplatzkapazit\u00e4ten der Kultureinrichtungen stagnieren?<\/strong><br>Dieses Argument habe ich selbst im Landtag eingebracht, nachdem S\u00f6der sich vom Konzerthausplan in der urspr\u00fcnglichen Form offensichtlich verabschiedet hat. Wir vergessen total, dass die Bev\u00f6lkerung in M\u00fcnchen und dar\u00fcber hinaus konstant w\u00e4chst und es schon deshalb ein gr\u00f6\u00dferes Angebot braucht. Was ich auch nicht verstehe: Unser Ministerpr\u00e4sident schw\u00e4rmt zwar permanent von K\u00fcnstlicher Intelligenz und Quantentechnologie, l\u00e4sst diese sehr nachvollziehbaren Argumente hinsichtlich einer zukunftsf\u00e4higen Kulturinstitution aber \u00fcberhaupt nicht gelten \u2013 geschweige denn, dass er sie argumentativ nutzt. Bayern ist laut seiner Verfassung Kulturstaat. Kultur ist weit mehr als systemrelevant. Gerade in einer Zeit, in der sich sicher geglaubte Gewissheiten in Rauch aufl\u00f6sen und kulturelle Identit\u00e4ten bedroht werden, brauchen wir den v\u00f6lkerverbindenden Dialog und kulturellen Diskurs mehr denn je. Dieser Austausch \u2013 weit \u00fcber M\u00fcnchen und Bayern hinaus \u2013 ist eine Chance des neuen Konzerthauses.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:60px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe Juli\/August 2022<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-04-2022\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-04-2022\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Dr. Wolfgang Heubisch<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":7759,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":7,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1649],"tags":[],"class_list":["post-7771","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2022-04"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering1_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering1_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering1_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering1_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering1_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Konzerthaus_Rendering1_Bloomimages-fu\u0308r-Cukrowicz-Nachbaur-Architekten-ZT-GmbH-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"30. 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