{"id":7870,"date":"2022-07-27T11:16:46","date_gmt":"2022-07-27T09:16:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=7870"},"modified":"2022-07-27T20:51:16","modified_gmt":"2022-07-27T18:51:16","slug":"alte-liebe-rostet-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2022\/07\/27\/alte-liebe-rostet-nicht\/","title":{"rendered":"Alte Liebe rostet nicht"},"content":{"rendered":"<p>Regisseur Roland Schwab liefert einen Gegenentwurf zu g\u00e4ngigen Aktualisierungsversuchen des Ausnahmewerkes. Soviel Erdenferne und Universumsn\u00e4he gab es bei Wagners \u201eTristan und Isolde\u201c seit Ruth Berghaus nicht. Zur Er\u00f6ffnung der Bayreuther Festspiele w\u00e4hnt man sich in einem Raumschiff, das in Sachen Erkundung unendlicher Weiten der Liebe unterwegs ist. Aber doch auch nicht. Denn der sternenklare Blick in den Himmel ist das eine. Es gibt aber auch den Blick nach unten, in den Abgrund der Leidenschaft. Als Gegenst\u00fcck zum ovalen Himmelsblick findet sich auf der (post-Neubayreuther?) Scheibe ein Ausschnitt mit Meereswellen \u2013 vielleicht ein Pool. Aber wir sind an keinem konkreten Ort und schon gar nicht auf einem Luxusliner mit Braut-Fracht. Wir sehen Isolde am Rande eines Abgrunds, in dem die Leidenschaften Bild geworden sind. Blutrot. Dann aber als ein Strudel, der zwei Liebende aufeinander zu und hinab zu ziehen scheint. Man sieht, was man h\u00f6rt, und umgekehrt. Alles \u00fcbersetzt in eine eigene Welt, ist es doch klar und nachvollziehbar. Tristan und Isolde k\u00f6nnen \u00fcber diesen Boden gehen. Kurwenal oder Brang\u00e4ne k\u00e4men nicht mal auf die Idee, ihn zu ber\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Akt kommen Tristan und Isolde durch eine glei\u00dfend taghelle \u00d6ffnung in das Dunkel ihrer Liebesnacht. In der dann sogar die Sterne tanzen. Wenn ihre Begegnung auffliegt, macht Melot daraus ein Tribunal. Tristan landet auf einem Stuhl in der Mitte und Isolde wird mit einem der Suchscheinwerfer immer wieder geblendet. Grandios das Bild, wenn unz\u00e4hlige, glei\u00dfend wei\u00dfe Neonr\u00f6hren auf Tristan herniedersinken und er von dieser \u00dcberdosis Tageshelle t\u00f6dlich verwundet wird. Im dritten Aufzug wuchern Trauerweiden von oben in die Szene. Tristan \u2013 ganz in Wei\u00df \u2013 liegt da schon zwischen Kerzen wie ein Toter. Auch Isolde kommt in Wei\u00df. Wenn sie zu ihrem Liebestod anhebt, taucht ein greises Paar (das uns davor schon in j\u00fcngeren Jahren begegnet war) auf und bleibt aufrecht an der Rampe stehen, w\u00e4hrend die anderen Liebenden hinter ihnen in ihrer Welt versinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwab wirft die \u201eTristan\u201c-Rezeption nicht um, erfindet nichts neu. Aber das Tr\u00f6stliche einer grenzenlosen Liebe \u00fcber den Tod hinaus einzufangen, das versucht er schon. Dank B\u00fchnenbildner Piero Vinciguerra, Gabriele Rupprechts Kost\u00fcmen und den Videos von Luis August Krawen mutet das alles sehr \u00e4sthetisch an.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sehr s\u00e4ngerfreundlich. Dabei kann er sich auf eine erfahrene Crew st\u00fctzen. Catherine Foster ist eine ph\u00e4nomenale Isolde mit einem umwerfenden ersten Akt und einem kr\u00f6nenden Liebestod vom Feinsten. Dass man zwischendrin nicht jedes Wort versteht: was tut\u2019s. Stephen Gould liefert einen Tristan ohne Gef\u00e4hrdungen ab, der die Erinnerung an seinen vorigen deutlich \u00fcbertrifft. Exzellent Ekaterina Gubanova als Brang\u00e4ne und ein wunderbar klarer Markus Eiche als Kurwenal. Georg Zeppenfeld muss nicht beweisen, dass er ein Referenz-Marke ist, und tut es doch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Markus Poschner, der den beim \u201eRing\u201c aushelfenden Cornelius Meister ersetzt, nach nur zwei Proben mit dem Orchester mit seinem zupackend-diesseitigen Dirigat eigene Akzente setzt, die S\u00e4nger auf H\u00e4nden tr\u00e4gt und doch den gro\u00dfen Bogen liefert, qualifiziert ihn f\u00fcr mehr als eine Einspringer-R\u00fcckkehr in den verdeckten Graben. Der Jubel ist einhellig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Roberto Becker<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eTristan und Isolde\u201c (1865) \/\/ Oper von Richard Wagner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bayreuther-festspiele.de\/programm\/auffuehrungen\/tristan-und-isolde\/\" target=\"_blank\" aria-label=\"Infos und Termine auf der Website der Festspiele (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">Infos und Termine auf der Website der Festspiele<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"location\">Bayreuth \/ Bayreuther Festspiele (Juli 2022)<\/span><\/br><br \/>\nEine eindrucksvolle und vom Publikum einhellig bejubelte \u201eTristan und Isolde\u201c-Inszenierung<\/p>","protected":false},"author":12,"featured_media":7871,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":2,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[34,1660],"tags":[],"class_list":["post-7870","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezensionen","category-rezensionen-2022-05"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Bayreuther-Festspiele_Tristan-und-Isolde-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Bayreuther-Festspiele_Tristan-und-Isolde-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Bayreuther-Festspiele_Tristan-und-Isolde-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Bayreuther-Festspiele_Tristan-und-Isolde-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Bayreuther-Festspiele_Tristan-und-Isolde-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Bayreuther-Festspiele_Tristan-und-Isolde-c-Bayreuther-Festspiele-Enrico-Nawrath-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"27. 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