{"id":8338,"date":"2022-12-22T18:13:00","date_gmt":"2022-12-22T17:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=8338"},"modified":"2022-12-22T19:15:04","modified_gmt":"2022-12-22T18:15:04","slug":"interview-aeneas-humm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2022\/12\/22\/interview-aeneas-humm\/","title":{"rendered":"Von k\u00fcnftigen Tr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eWunderkind&#8220; und \u201eOPUS Klassik-Nachwuchsk\u00fcnstler des Jahres&#8220;: Der junge Schweizer Bariton \u00c4neas Humm hat sich mit gerade einmal 27 Jahren auf dem hart umk\u00e4mpften S\u00e4ngermarkt etabliert. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Erwartungsdruck, eine Generation im Lockdown-Modus, die Liebe zum Lied und zur Heimat \u2013 und die \u00adSchattenseiten einer nach au\u00dfen hin weltoffenen Branche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Interview Florian Maier<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Mit nur 19 Jahren widmete Ihnen das Schweizer Fernsehen eine Reportage: \u201eEin Wunderkind wird \u00aderwachsen&#8220;. Ein Titel, mit dem Sie sich wohlf\u00fchlen?<\/strong><br>Ich finde, da ist nichts Wahres dran. Wenn man &#8222;Wunderkind&#8220; h\u00f6rt, dann denkt man an Mozart oder an \u00adSchubert \u2013 und von denen bin ich kilometerweit entfernt. <em>(lacht)<\/em> Das eigentliche Wunder war, dass ich eine so reiche Ausbildung genossen habe als Kind, angefangen bei meiner Zeit als Z\u00fcrcher S\u00e4ngerknabe bis hin zu Jugendmusikwettbewerben. Da steckt harte Arbeit dahinter. Und viel Gl\u00fcck. Deshalb finde ich es so wichtig, Kinder und Jugendliche musikalisch zu f\u00f6rdern, sei es im Pop oder in der Klassik. Das \u00f6ffnet so viele T\u00fcren im Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und doch war da immer der Erwartungsdruck &#8222;Weltkarriere&#8220;. Wie geht man damit um?<\/strong><br>Gar nicht \u2013 ich denke immer von Vorstellung zu Vorstellung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben die harte B\u00fchnenrealit\u00e4t in einem Alter kennengelernt, als andere noch neben der Schule ihre Freizeit genossen haben. Hie\u00df das oft auch zur\u00fcckstecken?<\/strong><br>Als S\u00e4nger steckt man immer zur\u00fcck: nicht feiern, nicht trinken, nicht zu viel Spa\u00df haben. Aktuell habe ich f\u00fcnf Vorstellungen mit drei Partien hintereinander. Das schafft man nur mit einem durchgetakteten Plan und Disziplin. Aber die Musik gibt einem so viel und das ist das Sch\u00f6ne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bleibt da noch Zeit f\u00fcr Hobbys?<\/strong><br>Seit etwa einem Jahr treibe ich sehr viel Sport. Das Auspowern tut mir auch f\u00fcr die B\u00fchne unglaublich gut. Und nat\u00fcrlich besuche ich sehr gerne meine Familie und treffe Freunde. Das ist ja das Tolle als Musiker: Egal wo man hinkommt, man kennt eigentlich immer jemanden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V\u00e4terlicherseits bringt Ihre Familie seit Generationen K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten hervor: Schriftsteller, \u00adMaler und B\u00fchnenbildner, Schauspieler, Keramiker. War Ihr Weg quasi vorgezeichnet?<\/strong><br>Gepr\u00e4gt hat mich das auf jeden Fall. Wobei selbst mein Gro\u00dfvater Ambrosius Humm, der in ganz Europa B\u00fchnenbilder entworfen hat, nie sonderlich opernaffin war \u2013 da bin ich tats\u00e4chlich der Erste. <em>(lacht)<\/em> Aber nat\u00fcrlich wurde mir durch meine Familie sehr fr\u00fch ganz generell der Zugang zu Theater, Kunst und Musik er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Plan B kam nie infrage?<\/strong><br>Doch, aber der ist auch k\u00fcnstlerischer Natur. Ich denke jetzt noch nicht ans Aufh\u00f6ren, finde es aber wichtig sich zu fragen: Was w\u00fcrde ich machen, wenn es pl\u00f6tzlich nicht mehr weitergehen sollte mit dem Gesang? Dann w\u00fcrde ich eines Tages gern die Seiten wechseln, weil ich mich wahnsinnig f\u00fcr k\u00fcnstlerische Planung, Operndirektion und Casting interessiere.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sch\u00e4tzen Sie Ihre Laufbahn in dieser Hinsicht als Vorteil ein?<\/strong><br>Eigene B\u00fchnenerfahrungen halte ich bei Casting-Direktoren nie f\u00fcr verkehrt. Jemand plant ganz anders, wenn er wei\u00df, wie es ist, so oft aufzutreten, und welche Regenerationszeiten man beachten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Opernh\u00e4user d\u00fcrfen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte also schon mal ihre Kalender z\u00fccken?<\/strong><br>Sehr gerne. <em>(lacht)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von k\u00fcnftigen Tr\u00e4umen zur\u00fcck zum aktuellen Aufbau Ihrer Karriere: Wurde diese durch Corona ausgebremst?<\/strong><br>Ich hatte im Gegensatz zu vielen anderen das Gl\u00fcck, w\u00e4hrend all der Lockdowns fest engagiert gewesen zu sein. Aber der gr\u00f6\u00dfte R\u00fcckwurf passierte tats\u00e4chlich w\u00e4hrend meiner Zeit in Weimar, als mich der damalige Operndirektor anrief: &#8222;\u00c4neas, es tut mir leid, aber wir m\u00fcssen die \u201aCos\u00ec\u2018 komplett absagen.&#8220; Ich habe das erst nicht realisiert, dachte, es ginge um zwei oder drei Vorstellungen. Ein paar Minuten sp\u00e4ter meldete er sich direkt noch einmal: &#8222;Achja, \u201aAriadne\u2018 ist abgesagt, \u201aWest Side Story\u2018 auch \u2013 es ist alles abgesagt.&#8220; Da habe ich ihn gefragt, was ich denn jetzt bitte noch machen soll. Und er meinte nur: &#8222;Ich wei\u00df es auch nicht. Fahr nach Hause \u2026&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und dort?<\/strong><br>Ich habe versucht, meine Stimme fit zu halten, viel ge\u00fcbt, \u00fcber Zoom Unterricht bei meinem Lehrer genommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und Sie sind mitten in der laufenden Spielzeit 2019\/20 nach Karlsruhe gewechselt.<\/strong><br>Genau. In Weimar wurde alles abgesagt und was in meiner zweiten Saison gekommen w\u00e4re, war \u00fcberhaupt nicht klar. Ich habe also um Vertragsaufl\u00f6sung gebeten und konnte in Karlsruhe an einem gr\u00f6\u00dferen Haus den n\u00e4chsten Karriereschritt mit sehr sch\u00f6nen Partien machen: &#8222;Die Zauberfl\u00f6te&#8220;, &#8222;Don Pasquale&#8220;, &#8222;Die schweigsame Frau&#8220;, Schumanns &#8222;Faust&#8220;-Szenen. Abgesehen von &#8222;Don Pasquale&#8220; musste zwar wieder \u00adalles abgesagt \u00adwerden, aber das Einstudieren hat sich auf jeden Fall gelohnt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"669\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-1024x669.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8334\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-1024x669.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-768x502.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-500x327.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-800x523.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-870x568.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah-600x392.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Fledermaus-gp-264-c-Ludwig-Olah.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">In der laufenden Spielzeit ist \u00c4neas Humm Ensemblemitglied am Theater St.Gallen und dort unter anderem als Dr. Falke im Johann-Strauss-Klassiker &#8222;Die Fledermaus&#8220; zu erleben (Foto Ludwig Olah)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Erst Weimar, dann Karlsruhe, jetzt St. Gallen: sehr schnelle Schritte in Ihrem jungen Alter.<\/strong><br>Ganz unabh\u00e4ngig von der Pandemie bin ich eigentlich immer wegen der mir angebotenen Partien gewechselt. Es gibt nat\u00fcrlich Stimmen, die meinten: &#8222;Das sieht nicht gut aus, dass du schon so oft das Haus gewechselt hast.&#8220; Aber wegen Corona sind zwei Jahre verstrichen, in denen wichtige Erfahrungen ausgeblieben sind und das f\u00fcr eine s\u00e4ngerische Laufbahn n\u00f6tige Rollenpaket nicht wirklich erarbeitet werden konnte. In zehn Jahren wird man das in vielen Lebensl\u00e4ufen merken, wenn man die n\u00e4chsten Schritte nicht jetzt plant. Als dann der St. \u00adGaller Operndirektor Jan Henric Bogen mit dem Angebot auf mich zukam, eine Spielzeit hier Ensemblemitglied zu werden und unter anderem den Papageno und Dr. Falke zu singen, fiel mir die Entscheidung nicht schwer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und was kommt danach?<\/strong><br>Ab der kommenden Saison werde ich freischaffend sein. Eine Entscheidung, die ich in den letzten Wochen gef\u00e4llt habe. Man hat in einem Festvertrag das Gl\u00fcck, &#8222;durchbezahlt&#8220; zu werden, aber nat\u00fcrlich auch die Verpflichtung, immer auf Abruf zu sein. Das ist mit einer Karriere, die sicherlich zur H\u00e4lfte konzertt\u00e4tig ist, sehr schwer zu vereinbaren. Im Sommer gebe ich meine Deb\u00fcts beim Heidelberger Fr\u00fchling und beim Lucerne Festival und kehre dann als Agrippa in John Adams\u2019 neuester Oper &#8222;Antony and Cleopatra&#8220; ans Gran Teatre del Liceu zur\u00fcck \u2013 Adams selbst dirigiert. Daneben sind Hausdeb\u00fcts an der Staatsoper Hamburg und dem MusikTheater an der Wien sowie einige sch\u00f6ne Liederabende und Konzerte geplant. Ich freue mich also auf diverse neue Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sprechen es an: Abseits der Opernh\u00e4user trifft man Sie auch regelm\u00e4\u00dfig in den Konzerts\u00e4len an, wo Sie sich dem Lied widmen. Ihre zweite Leidenschaft?<\/strong><br>Absolut! Wenn man so jung anf\u00e4ngt zu studieren wie ich, ist der ganze K\u00f6rper ja noch im Wachstum. Und man selbst immer ein bisschen &#8222;in Warteschleife&#8220;, weil man nie wei\u00df, wann sich die Stimme wirklich gesetzt hat und man endlich richtig loslegen kann. Viele Arien waren in dieser Zeit einfach noch nicht m\u00f6glich, Lieder aber schon. Daraus hat sich dann eine langj\u00e4hrige Liebe entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die jetzt mit einem OPUS Klassik als &#8222;Nachwuchsk\u00fcnstler des Jahres&#8220; f\u00fcr Ihre CD &#8222;Embrace&#8220; \u2013 ein klug konzipiertes Programm mit Liedern von Fanny \u00adHensel, Franz Liszt, Viktor Ullmann und Edvard Grieg \u2013 belohnt wurde. Waren Sie \u00fcberrascht?<\/strong><br>Mich haben zuvor ein paar befreundete Intendanten angerufen, die meinten: &#8222;Du bist in drei Kategorien nominiert, da gewinnt man immer eine.&#8220; Ich wollte mir trotzdem nicht zu viele Hoffnungen machen. Man kennt den OPUS als die gro\u00dfe, abendf\u00fcllende, opulente Sendung, bei der immer bekannte Gesichter ausgezeichnet werden. Als dann mein Label anrief und mir die Nachricht mitgeteilt hat, habe ich nur gefragt: &#8222;Was? Ich? Haben die meine CD auch wirklich geh\u00f6rt?&#8220; <em>(lacht)<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8335\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-725x1024.jpg 725w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-768x1085.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-500x707.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-800x1130.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-870x1229.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass-600x848.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/MNB08540-OPUS-Klassik-Aeneas-Humm-c-Markus-Nass.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Seine Liebe zum Liedgesang brachte Humm 2022 die Ehrung als &#8222;OPUS Klassik-Nachwuchsk\u00fcnstler des Jahres&#8220; ein (Foto Markus Nass)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es gesangliche Vorbilder, an denen Sie sich orientieren?<\/strong><br>Eines meiner gr\u00f6\u00dften Vorbilder ist Ren\u00e9e Fleming. Sie hat eine Karriere gemacht, wie sie im Buche steht: alle Genres, immer gepflegt, immer wunderbar gesungen. Oder auch Hermann Prey. Der hatte eine ganz andere Stimme als ich und ich will ihn \u00fcberhaupt nicht kopieren. Aber ich finde es wahnsinnig beeindruckend, wie eine so schwere Stimme auch so liebevoll klingen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nun treffen wir uns hier gerade in St. Gallen, Ihrer aktuellen Wirkungsst\u00e4tte. Und nicht einmal 200 km weiter wird Regula M\u00fchlemann am Theater Basel im Januar ihre erste Gilda singen. Bleiben Schweizer Klassikstars denn gern daheim?<\/strong><br><em>(lacht) <\/em>Ich bin jemand, der es liebt, daheim zu sein. Das ist auch etwas, was ich an diesem Leben nicht mag: das st\u00e4ndige Unterwegs-Sein. Regula geht es da vielleicht \u00e4hnlich. Und das Publikum freut sich, weil sie Leute sehen, die sie kennen. Was vielleicht bei all den leidigen politischen Diskussionen um Subventionsk\u00fcrzungen f\u00fcr die Kultur auch einen positiven Identifikationseffekt haben kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind denn die Folgen der Pandemie kulturpolitisch auch hier schon sp\u00fcrbar?<\/strong><br>Leider ja. Gerade bei kleinen Veranstaltern, aber auch bei den gro\u00dfen H\u00e4usern sinken die Etats und damit auch die Gagen f\u00fcr die Musikerinnen und Musiker. Als Beispiel: Die St.Galler Festspiele finden k\u00fcnftig nur noch alle zwei Jahre im Stiftsbezirk statt, dazwischen in kleinerer Form au\u00dferhalb der Stadt \u2013 warum auch immer. Meiner Meinung nach sollten wir gerade jetzt in Kultur investieren und sie dem Publikum durch g\u00fcnstigere \u00adTickets zug\u00e4nglicher machen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf Ihren Social-Media-Kan\u00e4len haben Sie k\u00fcrzlich auch die Vorurteile angeprangert, Sie seien &#8222;zu schwul&#8220; und zu &#8222;gro\u00df&#8220; f\u00fcr die Oper. Diese Aussagen haben mich \u00fcberrascht, weil sich doch gerade die Theaterbranche sehr weltoffen gibt und nach au\u00dfen immer f\u00fcr Toleranz eintritt. Haben Sie da andere Erfahrungen gemacht?<\/strong><br>Man erlebt leider sehr viel \u2013 auch Kritik, die \u00fcber das Fachliche hinausgeht \u2026 Es gab immer wieder Personen in Vorsingen, die wegen meiner sexuellen Ausrichtung zu mir gesagt haben: &#8222;Sie m\u00fcssen lernen, wie ein Hetero-\u00adMann \u00fcber die B\u00fchne zu laufen.&#8220; Oder: &#8222;Sie sind zu gro\u00df, Sie werden nie einen Papageno singen&#8220; \u2013 nur weil ich eine K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 1,96 m habe. Als ich mich in unserer Inszenierung von Joseph Bolognes &#8222;L\u2019amant anonyme&#8220; in Frauenkleidern auf der B\u00fchne bewegen sollte, dachte ich nur: Zum Gl\u00fcck habe ich nicht auf diese Leute geh\u00f6rt. Als junger Mensch ist solche vorurteilsbehaftete Kritik nicht leicht wegzustecken \u2013 Gott sei Dank habe ich es geschafft, zu mir selbst zu stehen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind das Einzelf\u00e4lle oder w\u00fcrden Sie die Klassikszene als verkappt diskriminierend einstufen?<\/strong><br>Ich glaube, in jeder Branche steckt das traurige Poten\u00adzial zu Diskriminierung. Dazu geh\u00f6ren die Menschen, die darin arbeiten, bis zu denjenigen, die von au\u00dfen dazusto\u00dfen. Die Oper ist in meinen Augen gerade wirklich in einem Wandel, wo Diskriminierung endlich immer mehr hinter uns gelassen wird. Aber es braucht Intendantinnen und Intendanten, die vehement gegen so etwas vorgehen und ein diverses Ensemble auf die B\u00fchne und damit auch in die Gesellschaft stellen, sodass wir uns selbst in den Opern und Theatern wiedererkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieses Interview ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe Januar\/Februar 2023<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-01-2023\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-01-2023\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klassik-Shootingstar \u00c4neas Humm im Gespr\u00e4ch<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":8333,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":7,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1670],"tags":[],"class_list":["post-8338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2023-01"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Aeneas_Humm_c_Maurice_Haas_O7A6686-1.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Aeneas_Humm_c_Maurice_Haas_O7A6686-1.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Aeneas_Humm_c_Maurice_Haas_O7A6686-1-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Aeneas_Humm_c_Maurice_Haas_O7A6686-1-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Aeneas_Humm_c_Maurice_Haas_O7A6686-1-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Aeneas_Humm_c_Maurice_Haas_O7A6686-1-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"22. 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