{"id":9462,"date":"2023-12-21T15:00:00","date_gmt":"2023-12-21T14:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=9462"},"modified":"2024-01-08T20:39:42","modified_gmt":"2024-01-08T19:39:42","slug":"rebekah-rota","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2023\/12\/21\/rebekah-rota\/","title":{"rendered":"Wie kann ich st\u00f6ren?"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-size:20px\"><strong>Zwei Jahrzehnte lang stand sie in u\u0308ber 40 Sopran-Partien selbst auf der Bu\u0308hne. Dann entschied sich Dr. Rebekah Rota fu\u0308r den Wechsel hinter die Kulissen und erwies sich als Allrounderin: erst Regie, Disposition und Operndirektion \u2013 und jetzt, seit vergangenem Herbst, ihre erste Intendanz an der Oper Wuppertal. Arbeiten im Krisenmodus ist der US-Amerikanerin dabei alles andere als fremd<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Interview Florian Maier<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Operns\u00e4ngerinnen und -s\u00e4nger sind eher selten an der Spitze eines Theaterbetriebes anzufinden. Wollen Sie ein Vorbild sein?<\/strong><br>Das w\u00fcrde ich mir nie anma\u00dfen. Es gibt den Spruch \u201eJeder ist austauschbar\u201c. Das stimmt zwar, kann aber schnell dazu f\u00fchren, dass jeder einzelne Akteur seine eigene Stimme untersch\u00e4tzt \u2013 aus Angst, ersetzt zu werden, wenn man zu laut, zu unangenehm, zu diffizil ist. Wenn ich ein Vorbild f\u00fcr etwas sein k\u00f6nnte, dann w\u00e4re ich es gerne im Hinblick auf das Vertrauen, dass jeder Einzelne z\u00e4hlt. Man muss nur den richtigen Rahmen finden und manchmal ist das ein anderer als zun\u00e4chst gedacht. Ich kann alles ein bisschen und alles ein bisschen schlecht \u2013 die beste Voraussetzung f\u00fcr eine F\u00fchrungskraft. <em>(lacht)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie waren 20 Jahre Sopranistin, bevor Sie ins \u00adManagement gewechselt sind. Gab es ein Schl\u00fcsselerlebnis f\u00fcr diese Entscheidung?<\/strong><br>Mehrere. In meiner Zeit als S\u00e4ngerin habe ich es leider viel zu oft erlebt, nicht gesch\u00e4tzt zu werden. Ein Regisseur, der eine Oper inszeniert und stolz darauf ist, die Oper nicht zu kennen, l\u00e4sst keine Frage, nicht den k\u00fcrzesten Dialog zu. Ein Opernhaus, das sich weigert, weibliche und m\u00e4nnliche S\u00e4nger gleich zu honorieren und nach vielen Jahren der Zusammenarbeit einen falschen Vertrag schickt, in dem nicht mal mein Name richtig geschrieben wird. Es kann f\u00fcr unsere Branche auf Dauer nicht gut sein, wenn Leitungsebenen kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, was es hei\u00dft, auf der B\u00fchne zu stehen. Und oft schwingt eine gewisse Arroganz dem Publikum gegen\u00fcber auch noch mit, gespeist aus einem vermeintlich intellektuell-elit\u00e4ren Ansatz, der sich selbst genug ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sind damals als alleinerziehende Mutter auf sich gestellt aus den USA nach Deutschland gekommen. Gab es Raum, \u00fcber Ihre beruflichen Zweifel und \u00ad\u00c4ngste zu sprechen?<\/strong><br>Das war eine harte Zeit und ich f\u00fchlte mich sehr alleingelassen damit. Ich hatte zeitweilig auch Stimmkn\u00f6tchen und trotz toller Kolleginnen und Kollegen Angst, offen dar\u00fcber zu reden \u2013 in unserem System f\u00fchlst Du Dich letzten Endes wie eine Einzelk\u00e4mpferin. Dementsprechend dankbar war ich, dass ich es, dank einem hervorragenden Chirurgen an der Berlin Charit\u00e9 und entsprechendem Stimmtraining im Anschluss, nach sechs Monaten wieder auf die B\u00fchne geschafft habe und dadurch ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr mein eigenes Handwerk gewonnen habe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"762\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-1024x762.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9551\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-1024x762.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-768x572.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-500x372.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-800x595.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-870x647.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr-600x447.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Rota_LaTraviata_2015-03-19_TSF5843_Tom-Schweers_lr.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Als Violetta in Verdis \u201eLa traviata\u201c am Landestheater \u00adNeustrelitz, 2015 (Foto Tom Schweers)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie das Gef\u00fchl, dass in der Branche inzwischen ein sp\u00fcrbarer Wandel einsetzt?<\/strong><br>Es wird momentan zumindest sehr viel dar\u00fcber geredet. In verschiedensten Initiativen wird versucht, mal mehr und mal weniger zu hinterfragen. Aber die Bereitschaft, wirklich gro\u00dfe Schritte zu gehen, fehlt. Das w\u00fcrde voraussetzen, die Oper und ihre urspr\u00fcngliche Rolle als humanistische Stimme f\u00fcr die Gesellschaft zu betrachten und an diesem Grundsatz Finanzierung, Arbeitsbedingungen und vieles mehr neu auszurichten. In einem riesigen System Grunds\u00e4tzliches infrage zu stellen, ist immer ein langer Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihre Wuppertaler Intendanz sind Sie mit einer \u201ezukunftweisenden Vision von einem demokratischeren und weltoffenen Theater\u201c angetreten. Wie darf man sich diese Vision denn konkret vorstellen?<\/strong><br>Sie betrifft drei Bereiche: die Prozesse hinter der B\u00fchne; die Kunst, die wir produzieren; und unseren Umgang mit dem Publikum. Es ist klar, dass in den Theaterstrukturen, in denen ich jetzt arbeite, eine klare Entscheidungsstruktur vorgegeben ist. Die Unternehmenskultur, mit der wir diese Struktur jeden Tag beleben, versuche ich demokratischer zu gestalten. Und das hei\u00dft, beispielsweise Entscheidungen transparenter zu machen. Vorher wird definiert, welche Beteiligungsgruppen \u00fcber welche Punkte entscheiden und nach welchen Parametern das geschieht. Beispielsweise wurde vor meiner Zeit am Haus ein sogenannter \u00adOrchester\u00fcberbau veranlasst, unter dem das Orchester aus verschiedenen Gr\u00fcnden sehr gelitten hat. Ich wurde gleich zu Beginn meiner Intendanz gebeten, ihn entfernen zu lassen, wollte das aber nicht einfach so aus dem Bauch heraus entscheiden, ohne alle Fakten zu kennen. Deshalb habe ich das Orchester, die Musikalische Leitung, aber auch den Chor und die Solisten auf der B\u00fchne und die Technik miteinbezogen. In den B\u00fchnenorchesterproben f\u00fcr \u201eTristan und Isolde\u201c wurde einmal mit und einmal ohne den \u00dcberbau gespielt, ich sa\u00df beide Male im Graben, um mich in die Perspektive des Orchesters hineinzuversetzen. Am Ende haben wir diskutiert und die finale Entscheidung habe zwar ich getroffen, aber im Konsens mit meinen Mitarbeitenden. Inzwischen ist der \u00dcberbau entfernt worden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Passend dazu haben Sie als \u201eerste Amtshandlung\u201c einen strategischen Opernbeirat ins Leben gerufen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Gewerken und Abteilungen eingeladen, sich darin einzubringen. Wie fielen die Reaktionen aus?<\/strong><br>Sehr positiv. Ich hatte allerdings ehrlicherweise erwartet, dass sich am Ende mehr Menschen daf\u00fcr anmelden w\u00fcrden. Das Interesse ist bis jetzt noch zur\u00fcckhaltend. Ich bin aber sehr gl\u00fccklich mit dem Team, mit mir sind wir zu acht in einer super Mischung querbeet durch das ganze Haus, vom Orchester und der B\u00fchnentechnik bis hin zu Maske und Requisite. Wir hatten ein erstes Treffen und werden im Januar wieder zusammenkommen \u2013 mal sehen, wohin die Reise geht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Zuge Ihrer Berufung als Opernintendantin sprach der Wuppertaler Kulturdezernent \u00adMatthias Nocke von einem \u201einhaltlich und k\u00fcnstlerisch ausgezeichneten Spielplan f\u00fcr gleich f\u00fcnf Spielzeiten, der nicht nur durchgerechnet war, sondern auch von handwerklich exzellenter Qualit\u00e4t ist\u201c. Was sind denn Ihre gro\u00dfen Leitlinien f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre?<\/strong><br>Ein ganz wesentlicher roter Faden in der Programmatik sind zeitgen\u00f6ssische Opern von internationalen Komponistinnen und Komponisten zu gesellschaftlich relevanten und ja, auch sehr schwierigen Thematiken. \u201eAngel\u2019s Bone\u201c von Du Yun hat den Auftakt gebildet, es geht darin um moderne Sklaverei und Menschenhandel. Das Werk f\u00fcr die kommende Spielzeit entsteht gerade, die Kammeroper \u201eSuites for Sleeping Children\u201c als Auftragsarbeit der libanesischen Komponistin Layale Chaker. Wir werden uns darin in Koproduktion mit dem \u00adSpoleto Festival und der niederl\u00e4ndischen Reis\u00adopera den Traumata gefl\u00fcchteter Kinder stellen. Eine weitere wichtige Leitlinie meiner Programmatik ist es, Opern unbekannter Komponistinnen zur Auff\u00fchrung zu bringen. St\u00fccke, die einen Bezug zu Wuppertal haben, sind ebenso ein wichtiger Baustein. Zur Vermittlung der Faszination, die von der Oper ausgehen kann, nutzen wir Edutainment-Programme wie beispielsweise \u201eDas \u00adUniversum der menschlichen Stimme\u201c, die regelm\u00e4\u00dfig an Orten au\u00dferhalb des Opernhauses stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"620\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-1024x620.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9467\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-1024x620.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-300x182.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-768x465.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-500x303.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-800x485.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-870x527.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek-600x364.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2_Oper_Wuppertal_Angel_s_Bone__c__Daniel_Senzek.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Missbrauchte Engel in \u00adK\u00e4fighaltung: Du Yuns \u201eAngel\u2019s Bone\u201c im Herbst 2023 (Foto Oper Wuppertal\/Daniel Senzek)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die Reaktionen zu \u201eAngel\u2019s Bone\u201c fielen teils sehr emotional aus, weil die Zuschauer \u201ehartem \u00adTobak\u201c zu Problemen unserer Zeit ausgesetzt wurden. Das stie\u00df nicht immer auf Gegenliebe. Woher r\u00fchren diese Wider\u00adst\u00e4nde?<\/strong><br>Ich glaube, das ist nicht nur ein Problem der Oper, sondern ein Problem unserer Gesellschaft. Nat\u00fcrlich ist es keine sch\u00f6ne Sache, mit schwierigen oder unangenehmen Themen konfrontiert zu werden \u2013 vor allem dann, wenn man an diesem Abend eine Erwartung des Konsumierens oder des rein \u00e4sthetischen Genusses hat. Aber die Operntradition ist eine sehr lange \u2013 historisch gesehen waren nicht wenige Werke immer schon sehr politisch, aktuell und haben f\u00fcr Aufruhr gesorgt. Unser Publikum ist ein sehr breites und ja, es gibt diese eher ablehnenden Stimmen, aber durchaus auch andere, die es sehr begr\u00fc\u00dfen, solche Stoffe zu sehen. Ich hoffe, in meiner Spielplansetzung einen Platz zu finden f\u00fcr alle diese Stimmen, ich will nicht nur eine bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist die Diskussion dar\u00fcber schon der halbe Gewinn?<\/strong><br>In der Tat, die Diskussion \u00fcber \u201eAngel\u2019s Bone\u201c hat ein Scheinwerferlicht auf das problematische Thema Menschenhandel geworfen und zu Diskussionen \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Verbesserung gef\u00fchrt \u2013 insbesondere in den begleitenden Nebenprogrammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlagzeilen gemacht haben Sie erst k\u00fcrzlich mit dem Slogan \u201eLego trifft Ikea\u201c. Was steckt \u00addahinter?<\/strong><br>Unser neues Konzept f\u00fcr ein wiederverwend\u00adbares und damit nachhaltiges B\u00fchnenbildsystem, \u201e\u00adModular Stage Zero\u201c. Gedanklich ist das eine Erweiterung praktikabler Podeste, die an jedem Theater schon vorhanden sind. Das Grundmaterial ist aber viel filigraner und kann in der Oberfl\u00e4che schnell und individuell beschichtet werden, sodass das Ergebnis bei jeder Oper wie ein komplett neues B\u00fchnenbild wirkt. Im Prinzip wie Lego\u00adsteine auf R\u00e4dern, die 360 Grad bespielt werden k\u00f6nnen. In den n\u00e4chsten Jahren werden wir f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Inszenierungen den Produktionsteams immer wieder die Vorgabe machen, mit \u201eModular Stage Zero\u201c zu arbeiten. Und diese k\u00f6nnen dann auch neue passende Teile anfertigen lassen, die sich in das System einf\u00fcgen \u2013 so, als ob ein Kind zu Weihnachten ein neues Lego-Set bekommt. \u00dcber die Jahre wird das Gesamtkonstrukt also immer mehr zu bieten haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckt derzeit ein innovatives Pilotprojekt, \u201eSp\u00fcr zu: Oper zum F\u00fchlen\u201c. Audiodeskription in der Oper kommt inzwischen vermehrt zum Einsatz, Angebote f\u00fcr geh\u00f6rlose und h\u00f6rbeeintr\u00e4chtige \u00adMenschen waren gerade in dieser Kunstform dagegen lange Zeit kaum vorstellbar. Wie funktioniert das Ganze?<\/strong><br>Ich habe einen pers\u00f6nlichen Zugang zur Geb\u00e4rdensprache, meine Schw\u00e4gerin ist Lehrerin. Als dann meine Tochter geboren wurde, habe ich ihr von Beginn an die Geb\u00e4rdensprache beigebracht, weil Kinder auf diese Weise nachgewiesenerma\u00dfen schon extrem fr\u00fch kommunizieren k\u00f6nnen. Das hat tats\u00e4chlich geklappt, mit einem Jahr hatte sie schon einen Wortschatz von 100 W\u00f6rtern, lange, bevor sie Englisch und Deutsch sprechen konnte. So ist auch ein Kontakt zur entsprechenden \u00adCommunity entstanden. In den USA ist diese viel gr\u00f6\u00dfer als hier, wodurch auch das Konzertangebot in dieser Hinsicht viel weiter fortgeschritten ist. Als ich dann noch auf einen Bericht zu sogenannten \u201eSound Shirts\u201c der Firma CuteCircuit gesto\u00dfen bin, ist in mir die Idee entstanden, ein solches Angebot auch f\u00fcr unser Publikum zu entwickeln. Bei \u201eSp\u00fcr zu\u201c werden wir mit solchen ausleihbaren Sound Shirts arbeiten. Diese verwandeln die T\u00f6ne in feine Vibrationen und \u00fcbertragen sie drahtlos auf den Menschen. Man kann beispielsweise programmieren, dass die tieferen T\u00f6ne in den Brustbereich \u00fcbertragen werden, die Trompeten auf den R\u00fccken oder die Geiger auf die Arme. Inzwischen ist die Technologie ausgereift genug, um das n\u00f6tige Feingef\u00fchl f\u00fcr so etwas Komplexes wie Musiktheater zu liefern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"755\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-1024x755.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9550\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-1024x755.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-300x221.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-768x566.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-500x369.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-800x590.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-870x642.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer-600x443.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Opernhaus5-c-Andreas-Fischer.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Opernhaus Wuppertal (Foto Andreas Fischer)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie weit sind Sie denn damit? Arbeiten Sie wissenschaftlich mit einem Kooperationspartner?<\/strong><br>Anfang 2024 sollten wir die Sound Shirts vorliegen haben, um damit zun\u00e4chst intern zu proben und an den Einstellungen zu feilen. Unser bester Ratgeber ist derzeit die Lyric Opera of Chicago. Das ist bisher das einzige Opernhaus weltweit, das diese Technologie eingesetzt hat \u2013 im Konzertbereich gibt es schon mehr Veranstalter mit diesbez\u00fcglichen Erfahrungen. Chicago hat in der letzten Spielzeit damit begonnen und viel positives Feedback aus der Stadtgesellschaft erhalten. Wir sind in engem Austausch, um aus den dortigen Erfahrungen zu lernen. Denn letztendlich ist die Oper im Kern ein Gesamterlebnis f\u00fcr alle Sinne, eine unmittelbare Kommunikation von einem Menschenherzen direkt an ein anderes. Und davon sollte keine Gesellschaftsgruppe ausgeschlossen sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was kann das deutschsprachige Musiktheater denn sonst noch von der amerikanischen Szene lernen?<\/strong><br>Es gibt im amerikanischen Raum nat\u00fcrlich ebenso konservative Systeme und Stimmen wie hier. Aber was ich sehr sch\u00e4tze ist die Einstellung, dass eine moderne musikalische Sprache nicht automatisch ausschlie\u00dft, dass sie auch zug\u00e4nglich sein kann. Musiktheater kann zugleich anspruchsvoll <em>und<\/em> verst\u00e4ndlich, intellektuell <em>und<\/em> emotional sein. In der deutschen Tradition wird das Ganze in meiner Wahrnehmung allzu oft zu einem \u201eEntweder\/oder\u201c stilisiert und die eine Seite damit verp\u00f6nt. In den USA ist die Haltung entspannter: \u201eI don\u2019t care where it\u2019s coming from\u201c \u2013 wenn etwas gut ist, dann wird es auch genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00fcrden Sie Ihre Arbeitsmentalit\u00e4t auch Ihrer Pr\u00e4gung als US-Amerikanerin zuschreiben?<\/strong><br>Ich glaube nicht, dass das an meiner Herkunft liegt. Aber dadurch, dass ich genauso viel zuhause und fremd bin in beiden L\u00e4ndern, habe ich einen gewissen Outsider-Status, den ich bewusst sehr pflege. Ich halte das jedoch f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Eigenschaft, die nichts mit meinem Status als Amerikanerin, als S\u00e4ngerin oder auch als Frau zu tun hat. Wenn alles ruhig ist, dann \u00fcberlege ich: Wie kann ich st\u00f6ren? Und wenn alles gest\u00f6rt und aufgew\u00fchlt ist, dann \u00adsuche ich die Ruhe. Hauptsache, es ist anders, mit dem Ziel, altvertraute Muster aufzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieses Interview ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe Januar\/Februar 2024<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/print-ausgabe-01-2024\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/product\/pdf-ausgabe-01-2024\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Rebekah Rota: Allrounderin mit Outsider-Status<\/p>","protected":false},"author":14,"featured_media":9465,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"tpgb_global_settings":"","_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[86,1696],"tags":[],"class_list":["post-9462","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege","category-beitraege-2024-01"],"tpgb_featured_images":{"full":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RotacFelixGruenschloss.jpg",1500,844,false],"tp-image-grid":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RotacFelixGruenschloss.jpg",700,394,false],"thumbnail":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RotacFelixGruenschloss-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RotacFelixGruenschloss-300x169.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RotacFelixGruenschloss-768x432.jpg",600,338,true],"large":["https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RotacFelixGruenschloss-1024x576.jpg",600,338,true],"default":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/plugins\/the-plus-addons-for-block-editor\/assets\/images\/tpgb-placeholder.jpg"},"tpgb_post_meta_info":{"get_date":"21. 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