{"id":9921,"date":"2024-07-01T13:06:00","date_gmt":"2024-07-01T11:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/?p=9921"},"modified":"2024-07-01T01:22:12","modified_gmt":"2024-06-30T23:22:12","slug":"ein-provokanter-utopist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/de\/2024\/07\/01\/ein-provokanter-utopist\/","title":{"rendered":"Ein provokanter Utopist"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Karlheinz Roschitz<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>All jene, die fordern, dass man Oper, Musik- und Sprechtheater oder Performance heute eigentlich als \u201eOrt politischer und gesellschaftskritischer Selbstbefragung und k\u00fcnstlerischen Widerstandes\u201c verstehen sollte, bewundern Milo Rau wie einen Messias, weil er immer wieder selbstkritisch hinterfragt: Kann politische Kunst die Welt ver\u00e4ndern? Und wie? Oder zementiert sie nicht eher die bestehenden Verh\u00e4ltnisse? Die New York Times nennt ihn den \u201ekontroversesten K\u00fcnstler unserer Zeit\u201c, Amsterdams \u201eDe Standaard\u201c sprach vom \u201einteressantesten K\u00fcnstler\u201c. Deutsche Kritiker feiern ihn als K\u00fcnstler, dem es nicht mehr darum geht, die Welt darzustellen, sondern sie zu ver\u00e4ndern, die Darstellung der Welt Realit\u00e4t werden zu lassen. Die \u201eZeit\u201c spricht vom \u201eeinflussreichsten, innovativsten Regisseur\u201c, an dem man heute nicht \u201evorbei kann\u201c. Und der Z\u00fcrcher Tages-Anzeiger lobt: \u201eDer Milometer ist inzwischen so etwas wie der Goldstandard der Postdramatik.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Politisierung des Theaters ablehnend gegen\u00fcberstehende Kritiker und ein eher konservatives Publikum verdammen Raus konsequent analytische Inszenierungen allerdings als \u201emodische Dekonstruktion\u201c, ja als Zerst\u00f6rung. So l\u00f6ste erst k\u00fcrzlich Raus Inszenierung von Mozarts Dramma serio \u201eLa clemenza di Tito\u201c, seine erste Opernregie, die 2021 am Grand Th\u00e9\u00e2tre de \u00adGen\u00e8ve Premiere hatte und im Mittelpunkt der soeben zu Ende gegangenen Wiener Festwochen stand, bei Publikum und manchen Kritikern einen Sturm der Emp\u00f6rung aus. Blendete er doch in seiner \u201eeingewienerten\u201c \u201eClemenza\u201c-\u00adVersion 18 Immigranten-Interviews ein: Vertriebene, die in einem Trailerpark-Ghetto ihr Dasein fristen, berichten \u00fcber ihre Erfahrungen mit repressiven Systemen. Das Programm verk\u00fcndete, dass hier \u201edie wohlwollend engagierte Haltung des Herrschers Tito zu einer Strategie blo\u00dfer Selbsterhaltung, zur leeren Revolutionsfloskel verkommt\u201c und die umstrittene Mozart-Interpretation des Festwochen-Intendanten Rau eine \u201eKritik am bequemen Engagement [\u2026] der Menschen Wiens\u201c sei. Dass Wiens Opernfans das h\u00f6ren wollten, ist zu bezweifeln.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Globale Kunst<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Milo Rau, 1977 geboren in Bern, ist ein prominenter, international vielgefragter Schweizer Theater-, Film- und nun auch Opernregisseur und war seit 2018 Intendant des NTGent. Ein ruheloser Erneuerer und Tausend\u00adsassa, der an mehreren Universit\u00e4ten Kulturtheorie, soziale Plastik und Regie unterrichtet und 2017 die Saarbr\u00fcckener Poetikdozentur f\u00fcr Dramatik innehatte. Er ist mit R\u00fcdiger Safranski Star des \u201eLiteraturclubs\u201c des Schweizer Fernsehens. Seit 2002 ver\u00f6ffentlichte er etwa 50 Theaterst\u00fccke, Filme, B\u00fccher, Aktionen, Tribunale, Schauprozesse, die beim Berliner Theatertreffen, beim Festival von Avignon, der Biennale von Venedig, bei den Wiener Festwochen und dem Br\u00fcsseler Kunstenfestival\u00addesarts gro\u00dfen Erfolg hatten. Neben Frank Castorf und Pina Bausch erhielt er den ITI-Preis des Welttheater\u00adtages, 2018 f\u00fcr sein Lebenswerk den Europ\u00e4ischen Theater\u00adpreis, 2019 wurde er als erster K\u00fcnstler Asso\u00adciated Artist der European Association of Theatre and Performance (EASTAP). 2023 wurde er k\u00fcnstlerischer Leiter der Wiener Festwochen und Nachfolger des in Wien zu Unrecht nie voll akzeptierten und jetzt nach Br\u00fcssel zur\u00fcckgekehrten Christophe Slagmuylder.<\/p>\n\n\n\n<p>Milo Rau im Gespr\u00e4ch: ein charmanter, verheirateter Endvierziger, spr\u00fchend vor Energie, immer \u201eam Sprung\u201c, ein kritischer Analytiker, der zu allem humorvolle Einw\u00fcrfe parat hat, ein \u201eAgitator und linksradikaler Demokrat\u201c, wie er selbst mit eher ironisch-s\u00fcffisantem Lachen sagt; Rau: \u201eLenin hing an der Wand meines Jugendzimmers. Damit konnte man damals f\u00fcr richtig schlechte Laune sorgen. Mit 12 lie\u00df ich eine Visitenkarte drucken, auf der Kommunist als Beruf stand.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"688\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-688x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9936\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-688x1024.jpg 688w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-202x300.jpg 202w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-768x1143.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-500x744.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-800x1190.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-870x1295.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie-600x893.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Milo-Rau-sw2-c-Magdalena-Blaszczuk-Kopie.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Foto Magdalena Blaszczuk)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In seinen Ideen-Kombinationen ist er von gro\u00dfer Wendigkeit, ja Brillanz, egal ob er \u00fcber antike Dramen und ihre Aktualisierung in seinen eigenen \u00dcbersetzungen, \u00fcber gesellschaftliche Eliten und Bourgeoisie, Ver\u00e4nderung der Welt durch politische Kunst spricht oder sich \u00fcber postkoloniale Ausbeutung alteriert. Er habe \u201ePR-Strategien wie ein Spitzenpolitiker\u201c, schrieb einmal ein Kritiker der \u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c \u00fcber ihn und seine brillanten Krisen- und Kriegsreportagen aus Lateinamerika, Ruanda, dem Kongo, Syrien und Irak \u2013 und von der IS-Kriegsfront! Diese Reisen haben in seinen Theaterst\u00fccken ihren Niederschlag in einer \u201eglobalen Kunst\u201c gefunden \u2013 wie in \u201eHate Radio\u201c \u00fcber den V\u00f6lkermord in Ruanda (2011\/12), den \u201eMoskauer Prozessen\u201c (2013\/14) \u201eKongo Tribunal\u201c (2015), \u201eOrest in Mossul\u201c (2019), \u201eAntigone im Amazonas\u201c (2023). Oder dem 2023 in Genf uraufgef\u00fchrten Musiktheaterwerk \u201eJustice\u201c \u00fcber einen grauenvollen Unfall in der kongolesischen Provinz Katanga, einem Requiem, das er vor kurzem beim erfolgreichen St. P\u00f6ltener Festival \u00adTangente zeigte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Kontroversen und Unvereinbares<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit Herbst 2023 bastelt Rau an seinem spektakul\u00e4ren F\u00fcnf-Jahreskonzept f\u00fcr Wiens \u201eFestival der Zukunft\u201c \u2013 und sorgte damit sofort f\u00fcr Widerstand und heftige Diskussionen bis hinauf in die Politiker-Etage. Aber nichts anderes hatte man vom Polit- und Regie-Enfant-\u00adterrible Milo Rau erwartet. Schon Monate vor dem Festivalstart kam es wegen eines Projekts zum Stellungskrieg zwischen der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv und dem in Wien beliebten griechisch-russischen Dirigenten Teodor Currentzis. Rau wollte Jevhen Stankovychs ukrainisches Kaddish-Requiem \u201eBabyn Jar\u201c \u00fcber die Ermordung von 30.000 Juden in der Schlucht von \u00adBabyn unter Lyniv dem \u201eWar Requiem\u201c Benjamin Brittens unter Currentzis gegen\u00fcberstellen. Was die Ukrainerin Lyniv emp\u00f6rte: Sie wollte partout nicht gegen den \u2013 wie sie fand \u2013 Putin-Freund Currentzis antreten. Rau im R\u00fcckblick: \u201eEs waren unvereinbare Positionen! Die Festwochen sollten aber ein Ort der Begegnung sein. Totalboykott halte ich f\u00fcr falsch, auch gegen russische Kunstschaffende. Currentzis h\u00e4tte da seine Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausdr\u00fccken k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wurde Rau wegen \u201eisraelfeindlicher Propa\u00adganda\u201c heftig angegriffen, wollte er doch zwei umstrittene Pers\u00f6nlichkeiten in seinen Festwochen-\u201eRat der Republik\u201c holen: die franz\u00f6sische Literatur-Nobel\u00adpreistr\u00e4gerin Annie Ernaux, die der m\u00f6glicherweise antisemitischen BDS-Bewegung nahesteht, und den fr\u00fcheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, der im Zank mit Deutschland wegen Antisemitismus mit Einreiseverbot belegt wurde. Und eine Woche vor der \u201e\u00adEr\u00f6ffnungsrede an Europa\u201c musste sogar der israelische Philosoph Omri Boehm in Interviews und im Fernsehen zu Verteidigungsreden antreten, etwa gegen den ehemaligen Pr\u00e4sidenten der Israelitischen Kulturgemeinde \u00d6sterreichs, Ariel Muzicant, dem der vers\u00f6hnliche Ton Boehms, der von der Utopie einer Auss\u00f6hnung zwischen Israeli und Pal\u00e4stinensern in einem Einheitsstaat tr\u00e4umt, zu provokant war. Muzicant meinte, er w\u00fcrde Eier gegen den Vortragenden werfen, w\u00e4re er j\u00fcnger. Eine prominente Bank stieg als Sponsor aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"717\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-1024x717.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9931\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-1024x717.jpg 1024w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-300x210.jpg 300w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-768x538.jpg 768w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-500x350.jpg 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-800x560.jpg 800w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-1280x896.jpg 1280w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-870x609.jpg 870w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie-600x420.jpg 600w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/gp-eroeffnung-c-franzi-kreis-024-kopie.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Revolution\u00e4re \u00dcbung vor dem Rathaus: Er\u00f6ffnung der Wiener Festwochen 2024 (Foto Franzi Kreis)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>Die Zweite Moderne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Milo Rau ist angetreten, um die Wiener Festwochen zu \u201eaktualisieren\u201c. Er attestiert dem Kulturbetrieb von heute \u201eDiskursl\u00e4hmung\u201c und fordert eine \u201eUtopie des Handelns\u201c. In einer Open-Air-Monsterveranstaltung vor dem Wiener Rathaus rief der \u201eWokeness-K\u00f6nig und Moral-Apostel\u201c Rau die \u201eFreie Republik der Wiener Festwochen\u201c aus. Er erkl\u00e4rte einen 100-k\u00f6pfigen Rat der Republik zum Souver\u00e4n und proklamierte Wien als wichtigste Experimentalst\u00e4tte einer Zweiten Moderne: Musiktheater und Theater sollte \u201eglobal, entgrenzt, utopisch, radikal politisch und radikal \u00e4sthetisch\u201c sein. In einer Wiener Erkl\u00e4rung stellt er Fragen zur Zukunft \u2013 so nach Erarbeitung einer Verfassung f\u00fcr das \u201eFestival der Zukunft\u201c mit der Frage, wie viel Innovation und Tradition ein Festival heute brauche.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Mittelpunkt des Festivals stellte er \u201eWiener Prozesse\u201c, nach den Muster-Gerichtsformaten seiner spektakul\u00e4ren Z\u00fcrcher und Moskauer Prozesse und seinem Kongo Tribunal, vom Theater inspirierten Gerichtsprozessen, \u201eB\u00fchnenereignissen als Ein\u00fcbung in demokratische Praktiken\u201c, wie er meint, bei denen in Veranstaltungen wie \u201eDie \u00adkorrupte Republik\u201c, \u201eAnschl\u00e4ge auf die Demokratie\u201c und \u201eDie Heuchelei der Gutmeinenden\u201c Politiker, politisch-\u00f6konomisch-mediale Komplexe, Klimafragen, die Freiheitliche Partei \u00d6sterreichs usw. auf die Anklagebank kamen. \u201eGanz \u00d6sterreich \u2013 vors Tribunal der Republik zitiert!\u201c \u201eWo Politik versagt, wo sie hinter lokalen Diskursgewinnen herjagt und die Worte entwertet, kann vielleicht die Kunst Abhilfe schaffen \u2026\u201c, findet Rau. \u201eWir K\u00fcnstlerInnen leben, heute und vielleicht schon immer, am Hof des blinden K\u00f6nig \u00d6dipus. Wir m\u00fcssen umso hellsich\u00adtiger sein, auch wenn die Explosionen der zahllosen globalen Konflikte blenden \u00adm\u00f6gen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><strong>St\u00e4ndige Erneuerung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber seine k\u00fcnstlerische Arbeit, bei der Operninszenierungen in Zukunft mehr Platz bekommen werden, sagte Milo Rau in der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung: \u201eAm gl\u00fccklichsten bin ich, das zu tun, was ich nicht vorhatte. Ich selbst als Person bin im Zentrum des Ganzen nur panisch. Je gr\u00f6\u00dfer die Sache, umso kleiner komme ich mir vor. Im Grunde besteht meine Kunst darin, das alles irgendwie zu \u00fcberleben.\u201c Ein K\u00fcnstler, der sich in st\u00e4ndiger Erneuerung befindet, der mit \u201edokumentarischen Theatersprengungen die H\u00e4user f\u00fcllt\u201c. Ihm ist es gelungen, seine Kunst \u201eaus dem Elfenbeinturm zu werfen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem soeben erschienenen neuen, brillanten Essayband \u201eDie R\u00fcckeroberung der Zukunft\u201c schreibt er sein ganz pers\u00f6nliches Bekenntnis, eine Liebeserkl\u00e4rung an die st\u00e4ndige Erneuerung, an das fortw\u00e4hrende Infragestellen von sich etablierender Kunst: \u201eWenn sich eine der Institutionen, die wir gr\u00fcnden, zu verfestigen beginnt, wenn ich sp\u00fcre, dass der Moment des Aufstands in eine Ideologie der Sicherheit und Wiederholbarkeit \u00fcbergeht, wenn aus Freundschaft Liebe wird, aus einer Situation ein Zustand, aus einer Besetzung Besitz \u2013 dann ist f\u00fcr mich der Zeitpunkt gekommen zu gehen.\u201c Doch er ist auch voll Optimismus, wenn er in seinen Texten \u00fcber Kunst und Gesellschaft, \u201eGrunds\u00e4tzlich unvorbereitet\u201c, erg\u00e4nzt: \u201eDies ist was ich am Theater so liebe. Dass alle Irrt\u00fcmer der Welt korrigiert werden k\u00f6nnen, wenn auch nur f\u00fcr einen Abend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background-color:#e9f0f2;grid-template-columns:auto 25%\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px;text-transform:uppercase\"><strong>Empfehlungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Milo Rau: <br>\u201eGrunds\u00e4tzlich unvorbereitet.<br>99 Texte \u00fcber Kunst und Gesellschaft\u201c<br>224 Seiten, Verbrecher Verlag<\/p>\n\n\n\n<p>Milo Rau: <br>\u201eDie R\u00fcckeroberung der Zukunft:<br>Ein Essay\u201c<br>176 Seiten, Rowohlt Buchverlag<\/p>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img decoding=\"async\" width=\"394\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Buecher_Rau2-394x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9924 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Buecher_Rau2-394x1024.png 394w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Buecher_Rau2-116x300.png 116w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Buecher_Rau2-500x1298.png 500w, https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Buecher_Rau2.png 520w\" sizes=\"(max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:90px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile has-media-on-the-top has-background\" style=\"background-color:#f6f6f6\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\" style=\"font-size:22px\"><strong><strong><strong><strong>Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe Juli\/August 2024<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/print-ausgabe-04-2024\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">Print-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong> | <strong><a href=\"https:\/\/www.orpheus-magazin.de\/product\/pdf-ausgabe-04-2024\/\" target=\"_blank\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"ek-link\">PDF-Ausgabe bestellen<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizer Regisseur Milo Rau holt die Kunst mit teils brachialen Mitteln aus dem Elfenbeinturm. 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