Staatstheater Regensburg • Król Roger Szymanowskis Oper zwischen Ordnung und Aufbruch
Es ist die erste Saison als Staatstheater in Regensburg, erst im Mai wurde das Fünf-Sparten-Haus vom Stadt- zum bayerischen Staatstheater erhoben. Das ist Jubel und Verpflichtung zugleich. Intendant Sebastian Ritschel startet mit einer Vielzahl an Premieren und dem übergreifenden Motto „Freiheiten“ in die Saison, im Musiktheater geht es los mit der polnischen Oper „Król Roger“ von Karol Szymanowski. Die Klangwelten sind so ungewohnt wie die Sprache.
Die Hauptfigur kämpft, verfangen in Lust und christlicher Kirche, konservativen Haltungen und losgelöster Hemmungslosigkeit. Gezeigt wird ein innerer Zwiespalt zwischen der hergebrachten Ordnung und verlockendem Aufbruch. Szymanowski verarbeitete darin auch persönliche Fragen und Konflikte.
Der polnische Komponist wurde 1882 in Timoschowka geboren, einem kleinen Dorf, das heute zur Ukraine gehört. Beeinflusst und musikalisch inspiriert wurde er von Béla Bartók und Igor Strawinsky sowie Maurice Ravel. Seine über 60 Werke wurden noch zu Lebzeiten in ganz Europa aufgeführt. „Król Roger“ schrieb Szymanowski ab 1918 im Verlauf von mehreren Jahren. Die rund eineinhalbstündige Oper wird in Regensburg ohne Pause gezeigt. Sie zählt nicht zu den bekannten Dauerbrennern, erlebt derzeit aber eine kleine Renaissance, da die Musik wie die ethischen Fragen aktueller denn je erscheinen. Der Kampf zwischen König Roger, einem Hirten, der Königin Roxana, zwischen der alten Ordnung und der neuen Zeit wird in drei Akten aufgeblättert.
Kristopher Kempfs finstere, schlichte Bühne repräsentiert die psychischen Abgründe Rogers und wird gleichzeitig zum stimmigen Rahmen. Die Musik ist Wagner-ähnlich fast zu groß für das Haus, wird aber von GMD Stefan Veselka, Orchester und Chor bestens umgesetzt. Die Sängerinnen und Sänger arbeiten dabei Leidenschaft, Vernunft und unbewusste Tiefen perfekt und sehr glaubwürdig heraus, verkörpern ihre Hauptrollen sehr überzeugend und mit Ernst und Spielfreude. Carl Rumstadt beeindruckt als emotional gebeutelter König Roger, Pauliina Linnosaari ebenso als Roxana. Ein persönlicher Kampf um heimliche Homosexualität steht neben gesellschaftlicher Verantwortung. Die Partitur weist bereits klar in die Moderne, auch wenn sie den Klangrausch vergangener großer Bühnenwerke noch aufgreift und von Stefan Weselka kraftvoll, aber ohne harte Lautstärke umgesetzt wird. „Król Roger“ geht zurück auf antike Dramen und weist zugleich auf zeitgenössische politische wie persönliche Tiefen.
Intendant Sebastian Ritschel bringt diese Komposition mit seiner Regie zum Strahlen. Die karge Bühne wirkt nur als Rahmen und stellt dabei die Handlungsströme und Emotionen in den Vordergrund. Das Regiekonzept setzt dabei auf klare Formen, Reduktion und Licht. Ritschel und seinem Team gelingt damit erneut das Kunststück, ein Werk in die Gegenwart zu holen. Am Ende gibt es langen Applaus.
Claudia Erdenreich
„Król Roger“ („König Roger“) (1926) // Oper von Karol Szymanowski
Infos und Termine auf der Website des Staatstheaters Regensburg
