Nachdem seine Oper „Fosca“ 1873 vom italienischen Publikum wegen ihres komplexen und damals zu avantgardistisch erscheinenden musikalischen Stils nur mäßig aufgenommen wurde, schrieb der berühmte brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes (1836-1896) gewissermaßen als kleine „Rache“ in nur sechs Monaten die Revolutionsoper „Salvator Rosa“. Damit wollte er das Publikum erneut überzeugen. Die Uraufführung in Genua wurde 1874 in der Tat sehr positiv aufgenommen. Es war die fünfte Oper des Komponisten, mit einem Libretto von Antonio Ghislanzoni nach der Novelle „Masaniello“ (1851) des französischen Schriftstellers Charles Jean-Baptiste Jacquot (unter dem Pseudonym Eugène de Mirecourt). Das Theatro Municipal bringt sie jetzt in einer interessanten und schlüssigen Neuinszenierung von Julianna Santos zur begeistert aufgenommenen Premiere.

Die Oper handelt von einem Aufstand der Bevölkerung Neapels im 17. Jahrhundert gegen die habsburgische Dominanz der Spanier, die besonders mit hohen finanziellen Tributen verbunden war. Es handelt sich um eine zum Teil auf Fakten beruhende Oper, denn der Aufstand fand tatsächlich im Juli 1647 statt. Es ist aber nicht belegt, dass der damals äußerst prominente italienische Barockmaler, Dichter, Theaterdarsteller, Musiker und Zeichner Salvator Rosa (1615-1673) an dem Aufstand mit dem einfachen Fischer Masaniello beteiligt war. Die Figur der Geliebten Rosas, Isabella – ausgerechnet die Tochter des spanischen Gouverneurs Duque d’Arcos –, wurde der Oper hinzugefügt, wie weitere fiktive Elemente, die den Vorstellungen der damaligen Romantiker entsprachen. So handelt es sich um eine höchst opernrelevante Mischung aus politischem Widerstand und einer prekären Liebesbeziehung.

Man denkt sofort an Puccinis „Tosca“, die aber erst 1900 herauskam. In der Tat ähnelt das Personal von „Salvator Rosa“ jenem der „Tosca“ auf den ersten Blick. In Rio de Janeiro sieht man im ersten Akt tatsächlich den Maler an seiner Staffelei wie Cavaradossi. Die mit klassischer Bühnenbild-Ästhetik geschmackvoll arbeitende Inszenierung überzeugt durch exzellente Personenführung sowie eine hervorragende Choreografie des eindrucksvoll singenden Chores. Sie setzt immer wieder wechselnde Gemälde Rosas ein. Insgesamt kommt die hochdramatische Entwicklung der Handlung wirkmächtig zum Tragen, wenn auch die Chorszenen im Mittelteil, als die Neapolitaner die vermeintliche Versöhnung mit den Spaniern feiern, noch etwas an die Grand Opéra erinnern.

Marcello Vannucci singt den Salvator Rosa mit höhensicherem Tenor, allerdings oft zu hohem Kraftaufwand. Marly Montoni ist eine ausgezeichnete Isabella mit großer Klangschönheit ihres leuchtenden Soprans und – wie bei allen anderen – sehr guter Darstellung. Vinícius Atique gibt einen exzessiven Masaniello mit klangvollem Bariton. Savio Sperandio ist ein Respekt gebietender spanischer Gouverneur mit profundem Bass. Carolina Morel singt mit lyrischem Sopran perfekt die Hosenrolle des Gennariello. Luiz Fernando Malheiro bringt mit dem Orquestra Sinfônica do Theatro Municipal die facettenreiche und glutvolle Musik bei der sehr guten Akustik des Hauses zu eindrucksvoller Entfaltung.

Dr. Klaus Billand

„Salvator Rosa“ (1874) // Oper von Antônio Carlos Gomes