Theatro São Pedro (São Paulo) • Don Pasquale Ein kleines Haus zeigt Donizettis Opera buffa ganz groß
Gewissermaßen im Windschatten des viel größeren Theatro Municipal de São Paulo führt das relativ kleine Theatro São Pedro im etwas abgelegenen Stadtteil Barra Funda ein unterschätztes, künstlerisch aber nicht minder ernst zu nehmendes Parallel-Leben. Das Haus in heimeliger Umgebung mit einem stilvollen Foyer und einem netten Pub gleich nebenan hat 630 Plätze und zeichnet sich durch ein stabiles Programm-Management aus. Denn anders als bei den großen Stadttheatern in Rio und São Paulo, wo der Intendant und oft auch der GMD wechselt, wenn ein neuer Bürgermeister ins Amt kommt – unabhängig von deren Qualitäten! –, ist das São Pedro ein Haus des Bundesstaates São Paulo. Der mischt sich weit weniger auf solch administrativ-kontraproduktive Art und Weise in den künstlerischen Prozess ein. Hier wird langfristig sehr gute und seriöse Arbeit geleistet, auch in Bezug auf die Ausbildung im musiktheatralischen Bereich.
„Don Pasquale“ gilt als eines der Meisterwerke der komischen Oper des 19. Jahrhunderts und zeichnet sich durch seinen raffinierten Humor, die dramatische Lebendigkeit und seinen musikalischen Reichtum aus. Auch wenn mit dem Begriff „Buffo“ oft eine etwas leichtere und eventuell auch „leichtgewichtigere“ Herangehensweise an die Regie verbunden wird, so stellt dieses Operngenre doch auch recht hohe Ansprüche. Diese werden vom Theatro São Pedro eindrucksvoll erfüllt.
In der Inszenierung von Livia Sabag mit einfachen, aber höchst wirkungsvollen Bühnenbildern von Daniela Gogoni, den auf die Ansprüche einer veristischen Interpretation abgestimmten Kostümen von Fabio Namatame und im wirkungsvollen Licht von Valéria Lovato gelingt ein unglaublich spritziges, erfrischendes und damit sehr unterhaltsames Gemälde des alten Mannes, der es noch einmal mit einer ganz jungen Braut versuchen will – Faust und Falstaff lassen grüßen. Aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung glaubt er auch noch, damit Erfolg zu haben.
Rodrigo Esteves verkörpert Don Pasquale nahezu ideal mit entsprechender Emotion und Mimik, sodass man meinen könnte, es sei Wirklichkeit. Dazu kommt sein klangvoller und ausdrucksstarker Bassbariton. Santiago Villalba ist ein kongenialer Dr. Malatesta, umtriebig und verschlagen, mit einem großartigen Schuss Humor und einer entsprechenden gesanglichen Leistung. Raquel Paulin liefert mit dieser Serie ihr Rollendebüt als Norina ab und macht das schlicht meisterhaft. Mit einem leichten, aber klangschönen farbigen Sopran gewinnt sie der Norina alles ab, was dieser bei ihrer großen Aktion gegen den alten Mann nur einfallen kann. Guilherme Moreira ist ein schönstimmiger, aber etwas zurückhaltender Ernesto.
Ira Levin, hervorragender US-amerikanischer Dirigent, der schon lange in Brasilien lebt und seit Jahren de facto GMD des Theatro São Pedro ist, aber auch an großen Häusern wie Rio, São Paulo und dem Teatro Colón in Buenos Aires dirigierte, leitet das Orquestra do Theatro São Pedro mit der von Donizetti geforderten Verve hochengagiert, was die Dynamik der gesamten Aufführung wesentlich erhöht. Levin bekommt mit dem Orchester damit auch Riesenapplaus, ebenso wie die Protagonisten unter den Sängern.
Dr. Klaus Billand
„Don Pasquale“ (1843) // Opera buffa von Gaetano Donizetti
