Das an jährlichen Neuinszenierungen in Österreich führende Landestheater Linz – unter der ideenreichen Leitung von Intendant Hermann Schneider – setzt seine Arbeit am Bayreuther Kanon mit einer Neuinszenierung der romantischen Oper „Lohengrin“ fort, koproduziert mit dem von Michael Schulz geleiteten Saarländischen Staatstheater. Naheliegenderweise übernimmt dieser auch die Inszenierung. In seiner Zeit als Operndirektor in Weimar verantwortete Schulz 2006-08 einen „Ring des Nibelungen“, in dem Catherine Forster als Brünnhilde debütierte. Damals wie heute sind Dirk Becker sein (diesmal nicht allzu fantasievoller) Bühnenbildner und Renée Listerdal sein (mit einigen Kreationen unverständlich bleibender) Kostümbildner.

Nun ist der „Lohengrin“ ein schwer zu inszenierendes Stück. Einerseits ist er ein Märchen, was durch die in der Tat hochromantische, unglaublich schöne und um Lohengrin astrale A-Dur-Musik zum Ausdruck kommt. Andererseits ist er aber auch ein politisches Stück, in dem Mechanismen der Macht, Manipulation und Unterdrückung durch Lohengrin einmal subtiler, ein anderes Mal durch König Heinrich auch konkreter zum Ausdruck kommen.

Schulz konzentriert sich auf die politische Komponente und wird damit den komplexen, tiefergehenden und eben auch romantischen Dimensionen des Stücks nicht ganz gerecht. Wenn Lohengrin unterkühlt und offensichtlich machtorientiert auftritt, wird gleich klar, dass Emotionen und auch Liebe hier erst an zweiter und dritter Stelle kommen. Elsa wird von seinem Auftritt fast überrumpelt. Damit ist das Scheitern einer etwaigen Liebesbeziehung vorgezeichnet. Zu einer gewissen Entfremdung tragen banale Regieausrutscher (oder sind es Versuche einer Anbiederung an den Zeitgeist?) bei, wie das Handyblitzen im Brautgemach, PCs mit surfenden Mädchen ebendort sowie Telramunds Session am PC vor seinem Mordversuch an Lohengrin. Oder der Heerrufer, der mit dem blutbesudelten Schwert des Königs auftaucht und offenbar die Edlen des Telramund umgebracht hat. Wie das?!

Die musikalische Seite reißt den Abend heraus. Äußerst kompetent dirigiert der junge designierte Linzer Musikdirektor Christoph Koncz das Bruckner Orchester, welches Wagners Partitur traumhaft schön erblühen lässt. Und bei den Orchesterstücken endlich einmal vor geschlossenem Vorhang!

Michael Wagner gibt mit seinem profunden Bass einen souveränen König Heinrich. Marco Jentzsch verbindet als Lohengrin lyrischen Aplomb mit vokaler Strahlkraft. Dorothea Herbert singt eine emotional einnehmende und klangschöne Elsa. Julia Faylenbogens Ortrud ist mit kraftvollem Mezzo eine Gegnerin auf Augenhöhe. Adam Kim als Telramund fällt bei engagiertem Spiel vokal stark ab mit einem zu sehr auf Kraft setzenden und wenig resonanten Bassbariton. Gregorio Changhyun Yun ist ein stimmlich ausgezeichneter Heerrufer. Der von Franz Obermair einstudierte Chor und Extrachor des Landestheaters Linz, verstärkt durch den Hungarian National Male Choir, ist eine tragende Säule des Geschehens. Ein alles in allem guter Abend in Linz. Nächstes Jahr soll es mit dem „Tannhäuser“ weitergehen.

Dr. Klaus Billand

„Lohengrin“ (1850) // Romantische Oper von Richard Wagner

Infos und Termine auf der Website des Landestheaters Linz