Das Thema Demenz gewinnt in einer alternden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Das Theater Regensburg zeigt in seiner Spielstätte am Haidplatz die Kammeroper „Lucidity“ der US-amerikanischen Komponistin Laura Kaminsky. Insgesamt vier Sängerinnen und Sänger befassen sich dabei aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit der Problematik.

Im Mittelpunkt steht die ehemalige Kammersängerin Lili, die früh an Demenz erkrankt. Ihr Adoptivsohn pflegt sie und gibt dafür seine eigene Karriere auf. Eine Medizinerin erforscht den Zusammenhang zwischen Musik und Gedächtnis und beauftragt eine junge Musiktherapeutin mit einer Studie über Lili. Die 90-minütige Kammeroper fragt nach der Bedeutung von Musik als Erinnerungsspeicher: „There is a place in your brain where music lives“, heißt es zu Beginn der zentralen Arie. Die Musik bleibt düster, intensiv, dissonant und ergreifend. Der Fokus liegt weniger auf medizinischen Fakten als auf der emotionalen Dimension der Erkrankung. Es geht auch um die Herausforderungen der Erkrankung im interpersonellen Bereich. Alle vier Charaktere der Kammeroper begeben sich auf die Suche nach dem Ort, an dem Musik lebt. Dabei tragen alle Alltagskleidung, umgeben von einer sehr reduzierten Ausstattung auf der Bühne.

Laura Kaminsky, 1956 in New York geboren, zählt zu den bekanntesten Musikproduzentinnen. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und beschäftigt sich in ihren Werken häufig mit gesellschaftlich relevanten Themen. Bereits in der Saison 2023/24 war am Theater Regensburg ihre Oper „As One“ zu sehen.

Die Hauptrolle der Lili übernimmt Renate Behle, 1945 in Graz geboren, die selbst auf den großen Bühnen von Mailand über Wien bis New York stand und die großen Opernrollen sang. Eigentlich hatte sie ihre Bühnenlaufbahn beendet, doch Intendant Sebastian Ritschel überzeugte sie, zurückzukehren: Er hatte „Lucidity“ vor eineinhalb Jahren in New York gesehen und bringt das Stück nun als europäische Erstaufführung nach Regensburg. Auf der Suche nach einer geeigneten Sängerin fand er Renate Behle, die ihn mit ihrer Stimme und ihrem Spiel berührte. „Ich konnte nicht nein sagen“, lachte Behle. „Die Rolle passt zum Alter!“ Fünf Tage nach dem ersten Anruf stand Renate Behle bereits in Regensburg auf der Bühne. 

Ein kleines Ensemble musiziert im Hintergrund: Schlagwerk, Klarinette, zwei Streicher und Klavier schaffen eine dichte Klangwelt. Die Spielstätte am Haidplatz mit ihren rund 100 Plätzen sorgt für eine besonders intime Atmosphäre. Das Publikum verschmilzt so mit Musik und Szenen. Sebastian Ritschel inszeniert eine berührende Oper in einem abstrakten Raum. Die begeisterten Besucher der ausverkauften Premiere hatten am Ende Tränen in den Augen.

Die Kammeroper „Lucidity“ läuft im Theater Regensburg in der Spielstätte am Haidplatz noch bis Ende Juni in zahlreichen Vorstellungen.

Claudia Erdenreich

„Lucidity“ (2024) // Kammeroper von Laura Kaminsky

Infos und Termine auf der Website des Theaters Regensburg