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Alles Theater!

Manchmal kommt es anders, als man denkt – und ab und zu bekommt eine Sache ein ­Eigenleben, ohne dass man sie geplant hat. Man steht daneben und kann die Entwicklung nur noch staunend beobachten. So ungefähr würde ich das Entstehen dieser Ausgabe beschreiben. Richtig weit im Voraus konnten (und wollten) wir uns übrigens ohnehin nicht festlegen, von vornherein hing das Hin und Her verschiedenster Pandemiemaßnahmen wie ein Damoklesschwert auch über unserer Redaktion. Alles, was wir zu Beginn hatten, war der Themenschwerpunkt „Aktion Theatervielfalt“ – eine umfassend recherchierte Vorschau auf die neue Saison – sowie die Idee, über möglichst vieles zu berichten, was in diesem Sommer an Live-Musiktheater stattfinden darf. Abgerundet werden sollte das alles durch einen bunten Themenmix – anlässlich des 100. Todestages von Engelbert Humperdinck oder der neuen Oper des ehemaligen „The Police“-Drummers Stewart Copeland beim Kunstfest Weimar beispielsweise.

Was dann wie von selbst passierte, hat uns mit aller Macht überrollt. Die letzten ­beiden Monate müsste man passenderweise mit „kulturellem Vulkanausbruch“ überschreiben: Es schien, als wolle man alles nachholen, was über ein Jahr lang nicht möglich war. Fast alle Häuser organisierten – um überhaupt spielen zu dürfen – ohne Murren und mit ­riesigem Elan vielfältigste Hygienemaßnahmen. Am Ende spielten sie ALLE – und unsere großzügig vergebenen „ungläubigen“ Rezensionsaufträge sprengen jetzt auf 41 Seiten jeden üblichen Rahmen. Auch die „Aktion Theatervielfalt“ wurde zum vollen Erfolg. Dank der überwältigenden Mitwirkung von 91 Häusern ist dieser Beitrag das mit 26 Seiten umfangreichste „orpheus“-Thema aller Zeiten. Reisen Sie mit uns also schon jetzt in die neue Saison – quer durch unsere Opernlandschaft.

So wurde aus dem geplanten sommerlichen Themenmix ganz nebenbei eine Art Mahnmal für die Musiktheaterkultur. Wir hatten das nicht beabsichtigt, Ehrenwort. Nur: Einen besseren Zeitpunkt hätten wir dafür auch nicht finden können!

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihre


Iris Steiner
Chefredakteurin

(Fast) 50 Jahre Leidenschaft …

Der „orpheus“ versteht sich als „Stimme“ der Musiktheaterwelt – als Medium für Opern-, Operetten- und Musicalfans und nicht zuletzt als hochwertiges Magazin mit einer eigenen Meinung, das mit spannenden und gut lesbaren Inhalten unterhält und informiert.


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