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Wurzeln

Zukunft braucht Herkunft. Vor Kurzem bin ich während der Festrede zum 100-jährigen Jubiläum eines traditionsreichen mittelständischen Unternehmens hier in Augsburg über diesen Satz gestolpert – nein, der Redner hat mich damit regelrecht „gefesselt“. Gemeint war an diesem Abend natürlich die Unternehmensgeschichte – und während ich darüber nachdachte, was ich mit dem Begriff „Herkunft“ verbinde, fiel mir auf, dass mein Verständnis von „Zukunft“ untrennbar damit verbunden ist.

Und was hat das jetzt hier im Editorial verloren? Mehr als Sie denken! Wenn mir beispielsweise ein altgedienter, erfahrener Kollege erklärt, dass ohne ernsthaftes Studium von Beethoven oder Wagner eine objektive Beurteilung zeitgenössischer Musik gar nicht möglich sei, meint er genau das. Wenn ­Renée Fleming in unserer Titelstory darüber spricht, dass sie genug „altes“ Repertoire gesungen hat und ihr Interesse jetzt ausschließlich modernen Opern gilt, ist es das auch. Die Zukunft basiert immer auf den Erfahrungen und Möglichkeiten unserer Herkunft – und wird davon maßgeblich geprägt. Sie lesen in unserer aktuellen Ausgabe über eine künstliche Intelligenz, die an der ­Semperoper ganze Teile eines Musiktheaters gestaltet, vom 25-jährigen Jubiläum des Musical-Studiengangs an der Theaterakademie August Everding, von einer Zeitreise mit Peter Illmann in die Popgeschichte der 1980er ­Jahre und von den traditionell-ambitionierten Plänen der „Jungen Oper Baden-Württemberg“. Genug Beweise?

Ach ja, und dann ist da noch mein Kollege Florian Maier, dessen Frau Maria vor einigen Wochen den gemeinsamen Sohn Christoph in diese Welt geschickt hat. Zukunft braucht Herkunft: Auch Eltern arbeiten jeden Tag daran, ihrem Kind den bestmöglichen Start ins Leben – die eigene Zukunft – zu geben.

Ich wünsche Ihnen feste Wurzeln, schöne Erinnerungen und Erfahrungen – und damit eine robuste Basis für alles was kommt. Auch wenn es „da draußen“ manchmal ungemütlich ist: Genießen Sie die goldenen Herbsttage, eine ­gesunde, friedvolle Advents- und Weihnachtszeit und natürlich viele ­musikalische Sternstunden!

Ihre
Iris Steiner
Chefredakteurin

(Fast) 50 Jahre Leidenschaft …

Der „orpheus“ versteht sich als „Stimme“ der Musiktheaterwelt – als Medium für Opern-, Operetten- und Musicalfans und nicht zuletzt als hochwertiges Magazin mit einer eigenen Meinung, das mit spannenden und gut lesbaren Inhalten unterhält und informiert.


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Aktuell

  • Zum Tod von Franz Hummel
    Musikalischer Nachruf auf einen, der in keine Schublade passen wollte
  • No Business Like Show Business
    Der Musical-Studiengang der Theaterakademie August Everding feiert sein 25-jähriges Jubiläum
  • Frustrationspotenzial? Null!
    Die neue Präsidentin der Salzburger Festspiele Dr. Kristina Hammer startet ihre Aufgabe in turbulenten Zeiten. Sie darf nicht nur, sie muss einige Dinge neu denken

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