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Sehnsuchtsorte

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt endlich wieder ­einen Print-„orpheus“! Die schlechte: Nach wie vor sind unsere Theater geschlossen, nach wie vor weiß niemand, wie es weitergeht, und schon lange niemand mehr, warum eigentlich nicht. Deutschland im Frühjahr 2021 liefert das Bild einer ratlosen (Kultur-)Nation, an das tägliche Corona-Horrorszenario in den Medien hat man sich gewöhnt. Sonst: alles wie vor einem Jahr. Außer, dass man schon fast vergessen hat, wie ein Theater von innen aussieht, wie eine Oper live klingt und wie es sich anfühlt, in einem dunklen Saal gemeinsam mit vielen anderen gespannt darauf zu warten, dass sich der Vorhang öffnet …

Je mehr die Kulturpolitik die Kultur vergisst, ­desto mehr suchen die Menschen nach eigenen musi­kalischen Fluchten. Nach der dritten einschlägigen CD-Neuerscheinung, die auf unserem Redaktionsschreibtisch landete, sind wir diesem Phänomen nachgegangen. „Flucht in die Traumblase“ heißt das Ergebnis und hat es bis zur Titelgeschichte geschafft – frei nach dem Motto: Alles geht den Bach herunter, aber wir feiern trotzdem! Sie werden erstaunt sein, wie krisen­sicher sich das gerne belächelte Genre Operette auch im 21. Jahrhundert darstellt.

„TROTZDEM“ haben wir mit einer gewaltigen Portion verzweifelter Wut quer über unser aktuelles Cover geschrieben – übrigens eine Szene aus der ­Benatzky-Operette „Im Weißen Rössl“. Im Rahmen der Corona-Modell­region ist das Saarländische Staatstheater mit dieser Auftaktproduktion ­bundesweit in neidvollen Fokus gerückt: Die dürfen vor Publikum spielen! Wer nicht das Glück hat, in der Nähe zu wohnen, stöbert wie wir gerne in der Vergangenheit – und besucht mit uns die Villa Lilli Lehmann, ein historisches Schatzkästchen und 100 Jahre alter Sommersitz dieser bedeutenden Sopranistin, den Dr. Rosamund Cole gerade noch rechtzeitig vor dem Verkauf beinahe im Originalzustand erkunden konnte.

Irgendwie werden wir die Zeit jetzt schon noch rumbekommen …
Hoffnungsvolle Grüße

Iris Steiner
Chefredakteurin

(Fast) 50 Jahre Leidenschaft …

Der „orpheus“ versteht sich als „Stimme“ der Musiktheaterwelt – als Medium für Opern-, Operetten- und Musicalfans und nicht zuletzt als hochwertiges Magazin mit einer eigenen Meinung, das mit spannenden und gut lesbaren Inhalten unterhält und informiert.


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