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Sommer!

Mal ehrlich: Man kann wirklich nicht meckern in diesem Jahr – fast schon zu viel des Guten, was uns der Himmel in Sachen Freiluft-Vorstellungen ermöglich hat. So, als wolle man für zwei magere Kulturjahre jetzt wenigstens im Nachhinein durch gutes Wetter entschädigen. Fröhlich-wuseliges Sommertheater allenthalben, selten so planungssicher wie heuer, selten so viel ­Angebot auf einmal: Als liefe zum „normalen“ auch noch ein Pandemie-Nachholbetrieb parallel. Ging es Ihnen ähnlich wie mir? Man verschwitzt zwischen Eutin und Salzburg allabendlich ein Sommerkleid nach dem anderen, nur um ja nichts zu verpassen. Ich gebe zu, dieser Festivalsommer hat mich kräftemäßig erledigt – und das lag nicht nur an den hohen Temperaturen. Ob auf Malta, in Bayreuth, Langenlois oder im Jugendgefängnis in Adelsheim: Überall gab es in kürzester Zeit wunderbare Musik, spannende Menschen, kreative Projekte und nachhaltige Eindrücke zu gewinnen. Dass es nicht nur mir so ging, werden Sie beim Stöbern in dieser Ausgabe ­unschwer feststellen. So, als wolle man zeitgleich auch bereits der medial weitverbreiteten, kryptischen Vorahnung entgegenwirken, dass „im Herbst ohnehin einiges auf uns zukommen wird“.

Was leider stimmen könnte. Bereits das groß angekündigte neue Infektionsschutzgesetz ist aus Sicht der Kulturbetriebe – freundlich ­formuliert – keine große Hilfe. Dem nahenden politischen Pandemietheater steht womöglich die Panikmache rund um unsere Energieversorgung im ­Winter in nichts nach. Hoffen wir mal, dass nicht wieder die Kultur zu den Leidtragenden an vorderster Front gehört und wegen der sprunghaft steigenden Energiekosten in gewohnter Manier „bei Freizeitaktivitäten“ gespart wird.

Ich entscheide mich jetzt, optimistisch in den Herbst zu gehen und halte mich – um den alten Vergleich zu bemühen – an das halbvolle statt halbleere Glas. Es sieht aus, als würde dieser Herbst mit ­einigen Überraschungen auf uns warten. Hoffen wir, dass viele schöne dabei sind.

Es grüßt Sie herzlichst


Ihre

Iris Steiner
Chefredakteurin

Iris Steiner

(Fast) 50 Jahre Leidenschaft …

Der „orpheus“ versteht sich als „Stimme“ der Musiktheaterwelt – als Medium für Opern-, Operetten- und Musicalfans und nicht zuletzt als hochwertiges Magazin mit einer eigenen Meinung, das mit spannenden und gut lesbaren Inhalten unterhält und informiert.


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Aktuell

  • Die singende Nation
    Joseph Calleja feiert sein Land und sein 25-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Open-Air-Spektakel auf Malta
  • Ludwig, Louis und die Musik
    Rap meets Beethoven im Knast: „Himmel über Adelsheim“, ein soziokulturelles Projekt des Stuttgarter Kammerorchesters
  • Für Gefühle war da keine Zeit
    Nachgefragt bei Michael Kupfer-Radecky, dem sehr spontanen „Einspringer-Wotan“ der Bayreuther Premieren-„Walküre“

Rezensionen

  • Revolution in Hamburg
    Hamburg / Stage Operettenhaus (Oktober 2022)
    Deutsche Erstaufführung von Lin-Manuel Mirandas „Hamilton“
  • Dramatischer Entwicklungsbogen
    Nürnberg / Staatstheater Nürnberg (Oktober 2022)
    Richard Strauss’ Oper „Die Frau ohne Schatten“
  • Aus der Not zur Tugend
    Köln / Oper Köln (September 2022)
    Bemerkenswerter Saisonauftakt mit „Les Troyens“ im Staatenhaus Köln
  • Im Banne des Vergangenen
    Meiningen / Staatstheater Meiningen (September 2022)
    Traumabewältigung in Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“
  • Für eine bessere Welt
    Wien / Musiktheatertage Wien (September 2022)
    „Chornobyldorf“ als beeindruckende Talentshow von Opera Aperta
  • Glamouröser Bollywood-Bombast
    Bayreuth / Bayreuth Baroque Opera Festival (September 2022)
    Vergnügliche Wiederentdeckung von Leonardo Vincis „Alessandro nell’Indie“