Wo, wenn nicht am Gärtnerplatz wüsste man, wie sehr die Kunst warm und wie mühelos eine mit bewährter Meisterhand kunstreich in Szene gesetzte Salonoperette das Publikum bei Laune hält! Handwerkich versiert steuert Regisseur Peter Lund auch eine geistreich aktualisierte Textfassung unter der Zugangsformel „Leichtsinn ist die Parole!“ bei und kann sich auf das Fundament einer sensationellen, ästhetisch hochwertigen Ausstattung von Jürgen Franz Kirner (Bühne) und Daria Kornysheva (Kostüme) verlassen, die das Publikum sinnenfreudig ins frivol-karnevaleske Flair der Pariser Bohème katapultiert. Dass die theatrale Liebeserklärung an Lehárs 1909 im Theater an der Wien uraufgeführte Operette auch über 100 Jahre später euphorischen Widerhall findet, ist auch der idealen, sängerdarstellerisch hochkarätigen Besetzung mit drei Solisten-Paaren geschuldet, die sich lange suchen, um im Happy End vergnügt und versöhnt zusammenzufinden.

Allen voran bezaubert die aparte Sopranistin Andreja Zidaric, die stimmlich und darstellerisch alle Voraussetzungen mitbringt, um die Rolle der ambitionierten Angèle Didier in vollen Zügen auszukosten. Für die Dialoge findet sie den selbstbewusst-koketten Ton, in den Soli und Liebes-Duetten die leuchtend-vollen Spitzentöne, die auch der „Abschieds“-Nummer den erwünschten Glamourfaktor verleihen. Die Lust am Aufstieg in höhere Kreise, die Kunst der Verstellung zum Gewinn materieller Vorteile und das über der Handlung schwebende Motto, dass „die Liebe doch nur alles durcheinanderbringt“, teilt sie sich mit dem Parvenue René Graf von Luxemburg, den Daniel Prohaska mit souveränem, teils devotem Understatement und bald überzeugendem tenoralem Nachdruck auf die Bühne stellt.

Zurecht frenetischen Szenenapplaus heimst immer wieder Dagmar Hellberg als domina(nt)-reife Gräfin Mathilde von Luxemburg ein. Deren Präsenz beflügelt auch Erwin Windegger, dessen Vitalität tanzend, singend und spielend alle Klischees des aussichtlos verliebten „alten Fürsten“ Lügen straft. Schlichtwegs grandios, wie diese beiden Routiniers zu glänzen wissen! Und auch Sophia Keiler und Peter Neustifter machen das Beste aus ihrem dem „Fauvismus“ gewidmeten Künstler-Wettstreit und stehen dem falschen und dem echten Adel im Atelier und im von Chor und Tänzern bevölkerten legendären „Le Chat Noir“ verständnisvoll moderierend zur Seite.

Versüßt werden all diese Irrungen und Wirrungen, Schein- und echte Ehedramen durch den ikonischen Duft des „Le Trèfle Incarnat“ – ein Parfüm, das dem orchestralen Esprit entspricht, den Michael Brandstätter aus dem Graben heraus mit fein dosierter Walzer-Seligkeit versprüht. Dieser Münchner „Graf von Luxemburg“, in dem sich die Protagonisten Libretto-gemäß galant und gewitzt ins finale Eheglück hineinschwindeln, lässt wenig Raum für offene Operettenwünsche und wird entsprechend frenetisch umjubelt.

Renate Baumiller-Guggenberger

„Der Graf von Luxemburg“ (1909) // Operette von Franz Lehár in einer Textfassung von Peter Lund, musikalisch eingerichtet von Kai Tietje

Infos und Termine auf der Website des Staatstheaters am Gärtnerplatz