„Im weißen Rössl“ wird von der neuen Bühne Senftenberg zur Eröffnung der 30. Sommersaison im nahegelegenen Amphitheater aufgeführt – und rockt unter der musikalischen Leitung von Saessak Shin gewaltig. Wir werden zunächst im Romantikhotel, dem „Hotel unserer Träume“, willkommen geheißen. Chefin ist Josepha Vogelhuber (grandios: Marianne Helene Jordan). Den Laden schmeißt – mal recht, mal schlecht – der fesche Zahlkeller Leopold (spielstark: Janus Torp), ganz im Sinne österreichischer Ober: „Ja doch meine Herrschaften, nur immer friedlich.“ Er ist heimlich verliebt in seine Chefin, die aber nur an Stammgast Dr. Siedler (bravourös: Jan Nicolas Bastel) denken kann und die die täglichen Blumen ihm und nicht Leopold als Absender zuschreibt. „Es muss was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden“, seufzt Leopold denn auch.

Doch das ist nicht das einzige Pärchen, das sich im Laufe des Abends finden wird. „Die ganze Welt ist himmelblau“, schmachten sich Dr. Siedler und Ottilie (Lene Juretzka) an. Auch Kathi und Sülzheimer (Leon Haller mit „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“) kommen sich näher. Zu „Im Salzkammergut – da kann man gut lustig sein“ wird geschuhplattlert, geschunkelt und getanzt (prima Choreo: Franziska Golk). Herausragend auch „Der Piccolo“ (Richard Fuchs), für den allein sich die Anreise nach Senftenberg lohnen würde: „Ein Kellner ist auch nur ein Mensch.“ Zurück zu Leopold: Josepha bemerkt den Irrum, ihr Herz auch und im Zeugnis des zuvor Gefeuerten steht alsdann die Entlassung als Kellner – aber das Engagement als Ehemann auf Lebenszeit: „Lass uns Schampus trinken mit lächelndem Gesicht!“

Regisseur und Intendant Daniel Ris gelingt eine „bemerkenswerte“ Inszenierung. Bemerkenswert im Sprech des Berliner Theatertreffens. Er gewinnt die Zuschauer schon mit den ersten Melodien, die Spielfreude des Ensembles schwappt förmlich über und kaum ein Lied wird nicht von der Menge frenetisch gefeiert. Dass die ersten Standing Ovations noch vor dem Schlusston kommen, ist keine Überraschung. Waltraut Haas und Peter Alexander aus der Verfilmung von 1960 treten in die zweite Reihe.

„Und musst Du dann einmal fort von hier – dann tut der Abschied Dir weh – denn Dein Herz das hast Du verloren, im Weißen Rössl am See“. Weh tut der Abschied am Ende dem Publikum allemal. Zahlreiche witzige Änderungen gegenüber dem Original sorgen für überzeugte Lacher und eine ausgelassene Stimmung. So gibt es Sprachunterricht für die deutschen Gäste, um vom Huhn über das Hendl zum Henderl zu kommen und das „Be-u-schel“ als Lungenhaschee zu erkennen. Ottilie als typische Großstadtpflanze ist auf der Suche nach der „veganen“ Karte, zeigt sich über die mangelnde Netzabdeckung betrübt, bekommt statt WLAN einen „Google-Hupf“ und freut sich auf Yoga und die regionale Bio-Küche. „Aromatherapie“? Findet sie im Kuhstall! „Ist der See beheizt?“ verhallt ohne Antwort in der Begeisterung des Publikums. Der Wolfgangsee kommt für einen Abend an den Senftenberger See. Und die „Krönung der Alpen“ ist – natürlich – der SenftenBERG.

Torsten Kutschke

„Im weißen Rössl“ (1930) // Singspiel von Ralph Benatzky (Musik) und Robert Gilbert (Gesangstexte) mit musikalischen Einlagen von Robert Gilbert, Bruno Granichstaedten und Robert Stolz; musikalische Arrangements von Michael Fuchs, Marty Jabara, Saessak Shin und Band

Infos und Termine auf der Website der neuen Bühne Senftenberg