Uckermärkische Bühnen Schwedt • Mister Mars Uraufführung einer Operette für Brandenburg
Wohl kaum ein Investor hat Brandenburg so sehr geprägt wie Elon Musk. Zeit für eine Operette über ihn. Nur: Sein Name kommt (natürlich) gar nicht vor, sondern der eines „Egon Mars“. Ein ähnlicher Zeitgenosse, der den Glauben teilt, sich mit Geld alles kaufen zu können. Überzeugend dargestellt wird er von Volker Ringe, der seinen leicht griesgrämigen Egon-Gesichtsausdruck sogar bis zum Schlussapplaus behält: „Wer ist Euer Held? Der reichste Mann der Welt!“
Aber der Reihe nach: Die Bühne (Bauten und Kostüme von Daniel Unger) präsentiert sich mit Planeten, Wolken und Sternen. Die musikalische Umrahmung erfolgt in Gestalt zweier Musiker, Tom van Hasselt (der auch Autor des Stückes ist) und Toni Schmidt, die in Engelskostümen auftreten. „Das ist ja schon mal witzig“, meint die Sitznachbarin zurecht.
Der etwas aufmüpfige Kai Klempke (unglaublich spielfreudig: Fabian Ranglack) ist von Mars aus der Batteriefabrik NILEA in Grünweide gefeuert worden – ersetzt durch seine selbst programmierte KI – und schiebt nun Frust („Ja wenn ihr mich entlasst, dann seht was ihr verpasst“). Sein Kumpel Olli (überzeugend: Dominik Fijałkowski) muntert ihn mit polnischen Böllern auf („Die sind zwar nicht legal, doch das ist uns egal“). Kais Freundin Klara (herrlich selbstironisch: Antonia Schwingel) deutet die Entlassung als Beförderung und hofft auf große Reisen („Entführ mich zu den Sternen und sei mein Kosmonaut“). Was sich noch ergeben wird. „Das Finanzamt ist ja nicht so beliebt“, weiß der penible Steuerprüfer Huber (Daniel Richard Bogacki), der sich vom anfänglichen Spießer immer mehr zum Sympathieträger entwickelt.
Egon lebt inzwischen auf dem Mars und lädt zu einer Milliardärsparty. Die Erde beherrschen sein Egophon, Egobay, Egopay und ganz neu: die Egonauten (sehr sympathisch: Finn Lauter und Theresa Kapps). Von den Egonauten ist Luna (Kinga Stańko) die erste „Maschine“ mit Gefühlen und entwickelt sich langsam vom Roboter hin zum menschenähnlichen Wesen. Aber wie kann man auf dem Mars denn leben? Man gräbt Grünweide das Wasser ab und leitet es nach oben: „Was der macht ist doch verboten und wir zeigen’s dem Idioten“.
Kai und Olli wie auch die leicht eifersüchtige Karla samt Huber erschleichen sich Zugang zur Party. Die Verkleidung gelingt: „Drum geben wir jetzt Gas – und fliegen auf den Mars“. Die Verpflegung unterwegs ist – natürlich – ein Schokoriegel, „nach dem der Planet benannt wurde“. Die anderen Tech-Milliardäre sind am BER gestrandet, die Ankunft verzögert sich. Brandenburger Probleme. Viele Lacher.
Zum Showdown kommt es vor dem irdischen NILEA-Werk. Egon will die Menschheit mit seiner KI auslöschen, doch Luna stellt sich ihm entgegen. Kai und Klara finden neu zueinander – so wie Olli und Luna. Und auch Huber findet (s)einen Menschen aus seiner Vergangenheit. Egon stiftet sein Geld an Grünweide und an Brandenburg. Und ist endlich glücklich.
Eine spannungsreiche Expedition ins Weltall mit mitreißender Musik, schwungvollen Tänzen (Choreogafie: Jan Kriegelsteiner), pointierten Dialogen, jeder Menge kosmischer Verwicklungen, alles unter der Regie von Brian Bell. Großes Theater auf kleiner Bühne, dem Schwedter Interim in einer ehemaligen Schuhfabrik.
Torsten Kutschke
„Mister Mars“ (2026) // Eine Operette für Brandenburg von Tom van Hasselt
Infos und Termine auf der Website der Uckermärkischen Bühnen Schwedt
