Mozartwoche • Die Zauberflöte Rolando Villazón überfrachtet Mozarts Klassiker
Eine „subtile Hommage“ an Mozart solle es werden, ließ Rolando Villazón, der Intendant der Salzburger Mozartwoche, im Vorfeld der von ihm selbst inszenierten „Zauberflöte“ verlauten. Das hat nicht ganz geklappt.
„Wer ist denn der im grünen Mantel?“, flüstert ein Sitznachbar nach den ersten Szenen. Es ist Mozart, in seiner spartanisch eingerichteten Wohnung, am Ende seines Lebens. Er schleppt sich vom Bett zum Klavier, schlägt ein paar Töne an, bricht verzweifelt ab, wirft Notenblätter durcheinander, wankt zurück zum Bett. Offensichtlich schreibt er an seinem Requiem. Ein Tänzer spielt den Schwerkranken, dem der Regisseur auch noch Frau und Kinder zur Seite stellt. Die stumm agierende Kleinfamilie wuselt dauerpräsent durch das Stück, grimassierend, händeringend, leidend. Das irritiert, lenkt ab und konterkariert Mozarts Musik.
Musikalisch beginnt der Abend vielversprechend: Markig, schroff, winterkalt setzt das Mozarteumorchester unter Chefdirigent Roberto González-Monjas die Ouvertüre in den Raum – und bleibt dann über drei Stunden präzise, ausdrucksstark und unsentimental.
Villazón erzählt die Geschichte als Märchen (Menschen in Tierkostümen), macht ein bisschen auf divers (die Textzeile „Mann und Frau und Frau und Mann“ wird erweitert zu „Frau und Frau und Mann und Mann“), lässt die Freimaurer-Thematik beiseite (das kann man ihm nicht einmal verdenken) und prunkt nicht mit ausgefeilter Personenregie. Zu viele Ideensplitter, zu viel Theater von vorgestern, zu wenig Handwerk. Erstaunlich einfallslos wirken Bühnenbild (Harald Thor) und Lichtdesign (Stefan Bolliger) – auch hier kein Zauber, nirgends.
Sängerisch ist dieser Abend ebenfalls nicht die ganz große Erfüllung. Kathryn Lewek hat nicht ihren besten Tag und schießt als Königin der Nacht unschön angeschärfte Spitzentöne ins All, die drei Damen lassen darstellerische Präsenz und gesammelten Wohlklang vermissen und auch die allzu zart intonierenden, in babyrosa gekleideten Knaben zeigen, von der Regie weitgehend alleingelassen, wenig Profil. Franz-Josef Selig mit Wallekostüm in Batik-Optik spielt und singt Sarastro weniger als Autorität denn als gutmütigen Onkel mit weichem Bass ohne großes Fundament.
Als knallbunter Wiedehopf albert Papageno durch die Szene – das hat man schon zu oft (und oft besser) gesehen. Doch der britisch-russische Bariton Theodore Platt singt wenigstens kernig. Magnus Dietrich als Tamino hat die Höhe, muss jedoch seinen lyrischen Tenor oft mit Druck ins Forte schieben. Königin des Abends ist Emily Pogorelc in der Rolle der Pamina: mit herrlich aufblühendem Sopran, innig, geschmeidig, das Ensemble überstrahlend.
Nach den müde beklatschten Arien und Duetten überrascht der ausgelassene Schlussjubel dann doch. Dafür verantwortlich ist ein wohlfeiler, aber effektvoller Gag des Regisseurs: Mozarts Himmelfahrt. Und wir verstehen: Das war weniger Wolferls „Zauberflöte“ als vielmehr Rolandos Kasperltheater.
Michael Atzinger
„Die Zauberflöte“ (1791) // Singspiel („Große Oper“) von Wolfgang Amadeus Mozart
Infos und Termine auf der Website der Internationalen Stiftung Mozarteum
