Theater Freiburg • Amusez-vous: Jacques Offenbach Die Offenbach-Revue „Amusez-vous“ hat mitreißende Tanznummern, zerfällt aber in Einzelteile
„Amusez-vous“ („Amüsiert Euch“) lautet der Titel des Offenbach-Abends, mit dem das Freiburger Theater in die neue Saison startet. Der Reaktion des Premieren-Publikums nach zu urteilen, von dem ein Teil während der Vorstellung auf der Bühne Platz nehmen darf, ist das Vorhaben geglückt. Künstlerisch funktioniert die vom Ensemble La Fleur in Zusammenarbeit mit dem Ensemble des Hauses verantwortete, ohne Pause gespielte Operetten-Revue aber nur bedingt. Es wird zu viel improvisiert und zu wenig choreografiert. „Amusez-vous“ (Regie: Monika Gintersdorfer, Kostüme: Hools of fashion / Bobwear) ist eine Rohfassung, der mehr dramaturgische und künstlerische Formung gutgetan hätte. Der Abend zerfällt in Einzelteile, ein größerer Spannungsbogen bleibt aus.
Das Philharmonische Orchester Freiburg ist von einem Catwalk in zwei Gruppen geteilt (Bühne: Christ Mukenge und Lydia Schellhammer) – auch vor dem Orchestergraben gibt es eine Spiel- und Tanzfläche. Der mit dem „Galop“ aus Jacques Offenbachs Opéra bouffe „Geneviève de Brabant“ beginnende Abend möchte die politische Sprengkraft seiner Operetten, die sich über die Mächtigen im zweiten französischen Kaiserreich lustig machten, in die Gegenwart übertragen. „Wir wollen nach oben treten“, ist das von Hauke Heumann vorgestellte Motto. Im Spottsong von Timor Litzenberger wird Wirtschaftsministerin Katharina Reiche zum Ziel der musikalischen Attacke. Brandy Butler widmet Alice Weidel und ihren Widersprüchen einen Walzer mit dem ironischen Refrain „It’s fine“. Nie werden die einzelnen Musiknummern zu größeren Einheiten zusammengefasst, sondern münden in langatmigen Dialogen, die meist auf Französisch und Deutsch – warum eigentlich? – gesprochen werden. Man erfährt von Offenbachs Werdegang, den Aufführungsbedingungen in Paris oder dem Inhalt mancher seiner Werke wie „Orphée aux enfers“ – mehr Volkshochschule als Theater.
Das Philharmonische Orchester Freiburg spielt Offenbachs Musik unter Leitung von Artem Lonhinov mit Esprit und Temperament. Auch in den neu komponierten Adaptionen von Vetcho Lolas agiert es wach und flexibel. Oft sitzen die Musikerinnen und Musiker aber untätig im Graben. Schade, dass man einen ausgezeichneten Klangkörper bei einer Musiktheaterproduktion dermaßen unterfordert. Stärker wird der Abend, wenn wie bei „Ce bal est original“ aus „Orphée aux enfers“, dem legendären Can-Can, Timor Litzenberger ein Motiv loopt und daraus einen mitreißende Tanznummer mit Afrobeats entwickelt, zu denen Carina Andrinandrasana, Virginia Breitenbaumer, Ghita Faiad, Innocent Rukirande Mussa und Annick Choco, die immer wieder im Zentrum steht, ihre Körper voller Energie bewegen. Cassandra Wright glänzt in „Je suis nerveuse“ aus „Le voyage dans la lune“ mit perfekten Koloraturen und atemberaubender Höhe. Die Sänger Roberto Gionfriddo und Jakob Kunath haben wie die Schauspieler Matthieu Svetchine und Andy Zondag viel Bühnenpräsenz. Das hilft, kann aber die Schwächen des Abends nicht ausgleichen.
Georg Rudiger
„Amusez-vous: Jacques Offenbach“ (2026) // Operetten-Revue von La Fleur mit Musik von Jacques Offenbach, Timor Litzenberger und Vetcho Lolas
