Wolfgang Brendel übernimmt im März die Rolle des Haushofmeisters in Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“

Interview Katja Raths

Für den unangefochtenen Liebling der Bayerischen Staatsoper, wo er in 35 Jahren alle großen Bariton­partien ­gesungen hat, ist es der erste Met-Auftritt seit 2007. Wir erreichen den sympathischen und gut gelaunten Sänger per FaceTime in Bloomington. Seit elf Jahren ist er dort Professor an der renommierten Jacobs School of Music (Indiana University).

Hallo, Herr Brendel! Wie geht es Ihnen?
Mir geht es wunderbar! Ich habe eine sehr gute Zeit hier in Bloomington und das Unterrichten macht mir großen Spaß. Zurzeit unterrichte ich zwölf Damen und drei Herren. Die jungen Leute halten mich flott!

Nächste Woche beginnen die Proben zu „Ariadne auf Naxos“ an der Met. Sie übernehmen die Rolle des Haushofmeisters. Wie ist es, nach so vielen Jahren wieder auf dieser Bühne zu stehen?
Das ist toll und ich freue mich sehr auf diese Herausforderung! Ich habe an der Met 1975 als Graf Alma­viva in Mozarts „Le nozze di Figaro“ debütiert, mein letzter Auftritt dort war 2007 in der „Ägyptischen ­Helena“ von Richard Strauss. Über die Jahre habe ich 91 Vorstellungen an der Met gesungen. Jetzt kommen nochmal fünf dazu. 

Wie kam es zu diesem Engagement?
Vor zwei Jahren habe ich den Haushofmeister in Cleveland unter Franz Welser-Möst gemacht und das hat der New York Times damals sehr gut gefallen. Daran hat man sich offensichtlich erinnert und so wurde ich gefragt, ob ich frei sei, um für den erkrankten ­Thomas ­Allen einzuspringen. 

Worin liegt denn die Herausforderung des Haushofmeisters?
Ich habe ja den Musiklehrer schon mehrmals unter James Levine an der Met gesungen und daher weiß ich, wie wichtig es ist, dass die Dialoge zwischen Musiklehrer und Haushofmeister genauso gesprochen werden, wie sie im Libretto geschrieben stehen. Da darf kein Fehler passieren, sonst fällt im Orchester und auf der Bühne alles auseinander. Hinzu kommt, dass der Text sehr schwer und gestelzt ist. Die Sprache geht immer in eine andere Richtung als in die, in die man gerne möchte. 

Die Produktion wird am 12. März live und weltweit in die ­Kinos übertragen. Macht Sie das nervös?
Nein, überhaupt nicht. Daran darf man gar nicht denken. Zum einen ist mir diese sehr schöne Produktion vertraut und ich freue mich auf die tollen Kolleginnen und Kollegen. Und zum anderen weiß ich, dass ich es kann. Man hofft einfach nur, dass es so rüberkommt, wie man es geprobt hat. „Don’t fail your mission!“

Sie feiern in diesem Jahr Ihren 75. Geburtstag. Denken Sie ans Aufhören? 
Na, ein Jährchen werde ich in Bloomington schon noch unterrichten und dann lasse ich es vielleicht langsam auslaufen. Dann werde ich zwölf Jahre in Bloomington und dreizehn Jahre in München unterrichtet haben. Das reicht dann auch.

Zieht es Sie dann wieder nach München?
Zu Besuch oft und gerne, aber unser Wohnsitz bleibt in den USA. Möglichweise nicht in Indiana, aber irgendwo an der Ostküste. Meine Frau ist Amerikanerin, meine beiden Kinder leben in New York. Uns geht es gut hier.

Dann wünschen wir „Toi, toi, toi!“ und freuen uns darauf, Sie wenigstens im Kino wieder mal auf einer Bühne zu sehen.

zur Website von „Met Opera live im Kino“

Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserer Ausgabe Mai/Juni 2022

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